Ein guter König – tod

  1. Chronik 35, 20 – 27

20 Nachdem aber Josia das Haus des Herrn hergerichtet hatte, zog Necho, der König von Ägypten, herauf, um Krieg zu führen bei Karkemisch am Euphrat. Und Josia zog aus ihm entgegen.

Josia steht als König innenpolitisch glänzend da. Er hat seine Reformen durchgeführt. Er hat den Tempel neu ausbessern lassen. Er hat das Gesetz, wie er es im Buch des Gesetzes gehört hat, zum Maßstab seines Handelns gemacht. Aber jetzt gerät er in außenpolitisch schwierige Zeiten. Necho, der König von Ägypten zieht mit einem Heer heran und will nach  Karkemisch am Euphrat. Dadurch fühlt sich Josia offensichtlich bedroht und zieht ihm entgegen.

 21 Aber Necho sandte Boten zu ihm und ließ ihm sagen: Was hab ich mit dir zu tun, König von Juda? Ich komme jetzt nicht gegen dich, sondern gegen das Königreich, mit dem ich Krieg habe, und Gott hat gesagt, ich soll eilen. Vergreif dich nicht an Gott, der mit mir ist, dass er dich nicht verderbe!

Necho lässt Josia ausrichten: Ich habe keinen Krieg gegen Juda im Sinn. Ich will nur freie Bahn in Richtung Euphrat. Der Gegner Nechos heißt nicht Juda, sondern sein Gegner ist Nebukadnezar. Necho will die Assyrer gegen diese neu aufkommende Großmacht stützen.

Rätselhaft kommt mir die Berufung Nechos auf ein Gotteswort vor. Soll das ein Wort des HERRN sein? Das wäre seltsam für einen ägyptischen König. Aber es ist eine deutliche Warnung mit religiösen Gehalt: Vergreif dich nicht an Gott, der mit mir ist, dass er dich nicht verderbe! Es ist – so seltsam einen das anmuten mag – die Warnung „vor einem Gottesgericht.“(Hj.Bräumer, aaO.;, S. 314) Angekündigt durch eine ägyptische Gottheit.

 22 Aber Josia ließ nicht ab von ihm, sondern schickte sich an, mit ihm zu kämpfen, und hörte nicht auf die Worte Nechos, die Gott zu ihm gesprochen hatte, und kam, mit ihm zu kämpfen in der Ebene von Megiddo.

Josia ignoriert die Warnung. Doch wohl auch, weil er die Worte einer ägyptischen Gottheit für sich als König von Juda für irrelevant hält. Oder hält er sich auch militärisch für stark genug? Bei Megiddo in der Jesreel-Ebene kommt es zum Kampf.

 23 Aber die Schützen schossen auf den König Josia und der König sprach zu seinen Männern: Führt mich fort; denn ich bin schwer verwundet! 24 Und seine Männer hoben ihn von dem Wagen und brachten ihn auf einen von seinen andern Wagen und führten ihn nach Jerusalem. Und er starb und wurde begraben in den Gräbern seiner Väter.

Der Kampf hat kaum begonnen, da wird Josia tödlich verwundet. Seine Männer bringen ihn nach Jerusalem. Dort stirbt er. Dem Chronisten ist der Ausgang der Schlacht kein Wort mehr wert. Nur das Ende Josias interessiert ihn.

Hulda, die Prophetin hatte ihm als Gottes Wort zugesagt: „Siehe, ich will dich versammeln zu deinen Vätern, dass du mit Frieden in dein Grab kommst.“(34,28) Ist dieser Tod in der Schlacht eine Erfüllung dieses Wortes? Wir würden ja eher sagen: Sterben in Frieden ist anders. Aber ich glaube auch nicht, dass man das so verstehen kann: „Der die Botschaft ablehnende Josia frevelte gegen Gott, denn die Worte Nechos kamen in Wirklichkeit aus dem Mund Gottes. Das hätte Josia wissen müssen!“ (K. Galling, aaO.; S. 180) Manchmal ist es gut sich einzugestehen, dass uns Texte ratlos zurück lassen in unserem Fragen nach dem Warum.

Und ganz Juda und Jerusalem trugen Leid um Josia. 25 Und Jeremia sang ein Klagelied über Josia und alle Sänger und Sängerinnen klagten in ihren Liedern über Josia bis auf diesen Tag, und das wurde zum festen Brauch in Israel. Siehe, diese Lieder stehen geschrieben unter den Klageliedern.

Der Prophet Jeremia stimmt die Totenklage über Josia an. In meinen Augen ein Zeichen dafür, dass der Chronist nicht glaubt, dass der Tod Josias nach der Schlacht eine Art Gottesurteil ist. Aus diesem Klagelied wird eine Tradition, die bis heute hält – das Kaddisch der Trauernden, die Totenklage. Die Klagelieder Jeremias sind ein bewegender Beleg für solche Klagen, auch wenn sie nicht mit den hier erwähnten identisch sind. Diese Klagelieder kennen wir nicht.

 26 Was aber mehr von Josia zu sagen ist und seine barmherzigen Taten, wie sie dem Gesetz des HERRN entsprachen, 27 und seine Geschichte, die frühere und die spätere, siehe, das alles steht geschrieben im Buch der Könige von Israel und Juda.

            Es bleibt wieder die zusammenfassende Schlussbemerkung über Josia. Sie wird hier verbunden mit dem Urteil, dass seine Taten barmherzig waren, dass sie dem Gesetz des HERRN entsprachen. Ein hohes Lob für einen König von Juda. Erst recht für einen, der nicht vor diesem unfriedlichen Tod bewahrt worden ist. Mehr zu Josia – siehe  Buch der Könige von Israel und Juda. In den offiziellen Akten.

 

Herr Gott, ein Sterben im Frieden wünsche ich mir, wenn ich dem Tod schon nicht entgehen kann. Keinen raschen Tod, keinen gewaltsamen Tod, keinen Tod wie ein Überfall, kein Sterben ohne Vorbereitung und ohne Abschied von denen, die ich liebe und die mich lieb haben.

Es ist gut, dass ich die Stunde meines Todes nicht kenne, auch nicht die Umstände meines Sterbens. Das hält die Furcht klein. Das lässt mich den Tag heute dankbar nehmen, nicht nur als den ersten Tag vom Rest meines Lebens.

Es ist gut und tröstet mich, dass Du die Stunde meines Todes kennst, dass ich sterben werde – wie auch immer die Umstände des Sterbens sind – in Deiner Obhut, Deiner Gegenwart, hinein in Deinen Frieden. Amen