Umkehr

  1. Chronik 34, 22 – 33

22 Da ging Hilkija samt den andern, die der König gesandt hatte, hin zu der Prophetin Hulda, der Frau Schallums, des Sohnes Tokhats, des Sohnes Harhas, des Kleiderhüters, die in Jerusalem wohnte im zweiten Bezirk der Stadt, und sagten ihr dies.

Der ganze Abschnitt der Verse 22 – 28 ist eine wörtliche Übernahme aus 2. Könige 22, 14 – 20. Der Chronist legt keinen Wert auf Originalität. Er greift gerne zurück auf alte Quellen und die Worte anderer. Vielleicht auch aus dem Wissen: Die Wahrheit kann gar nicht oft genug gesagt werden.

Hulda ist eine Prophetin. Es gibt die Überlegung, dass sie eine uralte, weise Frau ist. Es ist bemerkenswert: „Hilkija sucht weder den Propheten Zephanja noch den Propheten Jeremia auf“ (Hj.Bräumer, aaO.;, S.303) Beide sind Zeitgenossen des Josia, Propheten, deren Bücher wir kennen. Hier aber wird ein Wort dieser Prophetin erfragt als Wegweisung Gottes.

 23 Und sie sprach zu ihnen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Sagt dem Mann, der euch zu mir gesandt hat: 24 So spricht der HERR: Siehe, ich will Unheil bringen über diesen Ort und seine Einwohner, alle die Flüche, die geschrieben stehen in dem Buch, aus dem man vor dem König von Juda gelesen hat, 25 weil sie mich verlassen und andern Göttern geopfert haben, um mich zu erzürnen mit allen Werken ihrer Hände. Und mein Grimm soll über diesen Ort entbrennen und nicht ausgelöscht werden.

Es klingt distanziert, fast ein wenig herablassend: Sagt dem Mann, der euch zu mir gesandt hat. Hat Hilkija verschwiegen, in wessen Auftrag er kommt? Oder drückt das Wort nur aus: „Vor Gott ist kein Ansehen der Person?“(Römer 3,21)

Was Hulda dann ansagt, ist ein Unheils-Orakel. Nicht, weil sie es sieht. So spricht der HERR. Das ist die „Botenformel“, die deutlich macht: Hinter diesem Wort steht Gott selbst. Es ist nicht nur ein „Propheten-Spruch“. Unheil über Juda und Jerusalem. Weil sie mich verlassen und andern Göttern geopfert haben. Es ist die schreckliche Konsequenz des Unglaubens, dass er sich selbst das Heil verschließt und das Unheil über sich bringt. Wer sich auf die Götter verlässt, wird gottverlassen sein.

Das ist etwas, was wir heute wohl neu zu lernen haben. Wer sich dem Glauben verschließt, wer sich dem Weg Gottes verweigert, bereitet sich damit eine Einsamkeit, die tiefer geht als von Menschen verlassen zu sein. Es ist die Einsamkeit eines Lebens ohne Gott, ohne den Grund der Welt. „Gott-los“ zu sein ist kein Spaziergang. Es wirft den Menschen ganz und gar auf sich selbst zurück. Da ist keine Hilfe mehr.

 26 Und zum König von Juda, der euch gesandt hat, den HERRN zu befragen, sollt ihr so sagen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Was die Worte angeht, die du gehört hast: 27 Weil du im Herzen betroffen bist und dich gedemütigt hast vor Gott, als du seine Worte hörtest gegen diesen Ort und gegen seine Einwohner, und dich vor mir gedemütigt hast und deine Kleider zerrissen und vor mir geweint, so habe ich dich auch erhört, spricht der HERR. 28 Siehe, ich will dich versammeln zu deinen Vätern, dass du mit Frieden in dein Grab kommst und deine Augen nicht sehen all das Unheil, das ich über diesen Ort und seine Einwohner bringen will. – Und sie sagten’s dem König wieder.

So hart das Wort über Jerusalem ist, so barmherzig wird die Botschaft, die an Josia direkt ergeht. Jetzt ist auch klar: Hulda weiß, wer hinter denen steht, die ihren Orakelspruch erbitten.  Es ist der König von Juda, der euch gesandt hat. Schon das ist ja ein Zeichen des Glaubens: Josia hat sie gesandt, den Herrn zu befragen. Er weiß, das er auf den HERRN  angewiesen ist. Er sucht seine Wegweisung. Er geht nicht in stolzer Selbstsicherheit seinen Weg. Er hat sich gedemütigt. 

            Es ist die Anerkennung des Bußaktes, den Josia vollzogen hat. Die Tränen, die zerrissenen Kleider sind Zeichen dieser Buße. Und sie finden in Gott ihr Echo.

Josia wird sterben, bevor Jerusalem untergeht. Ihm bleibt der Untergang erspart. Es gibt, so könnte man sagen, die Gnade eines rechtzeitigen Todes. Diese Zusage, dass du mit Frieden in dein Grab kommst, ist nicht das Versprechen, dass Josia friedlich im Bett sterben wird. Aber „das Unheil, das über sein Land und seine Stadt“(Hj.Bräumer, aaO.;, S.305) herein bricht, muss er nicht erleben und erleiden. Es bleibt ihm erspart zu sehen, dass seine ganze Kult-Reform nicht in der Lage war, eine wirklich tiefgreifende Umkehr zu bewirken und damit die Heilsgaben Gottes – Land, Tempel, Königtum, zu bewahren.

29 Da sandte der König hin und ließ zusammenkommen alle Ältesten Judas und Jerusalems. 30 Und der König ging hinauf ins Haus des HERRN und alle Männer Judas und die Einwohner von Jerusalem, die Priester, die Leviten und alles Volk, Klein und Groß, und es wurden vor ihren Ohren gelesen alle Worte aus dem Buch des Bundes, das im Hause des HERRN gefunden war. 31 Und der König trat an seinen Platz und schloss einen Bund vor dem HERRN, dass man dem HERRN nachwandeln und seine Gebote, Ordnungen und Rechte von ganzem Herzen und von ganzer Seele halten wolle, zu tun nach allen Worten des Bundes, die geschrieben stehen in diesem Buch.

Die Antwort Josias auf dieses doppelte Orakel ist beeindruckend. Er sammelt das ganze Volk im Tempel, alle, Hochgestellte und einfache Leute, groß und klein, um sie neu in den Bund mit Gott zu rufen. Alle Worte aus dem Buch des Bundes – hebräisch: sepær habberît, werden vorgelesen. Es sind die Worte, die auch „Mose beim Bundesschluss am Sinai verlesen hatte.“(Hj.Bräumer, aaO.;, S.306)

Josia sucht also in dieser geistlichen Not und angesichts des Unheils-Orakels nicht weniger als eine Bundeserneuerung. Ganz in der Spur dessen, was auch im Deuteronomium, im 5. Buch Mose zu lesen ist. Darauf deuten schon die Worte hin: Es geht darum, seine Gebote, Ordnungen und Rechte von ganzem Herzen und von ganzer Seele zu halten. Das ist die Herzensfrömmigkeit, die in den Schriften nach dem Exil wieder und wieder den Ton bestimmt.

 32 Und er ließ hintreten alle, die in Jerusalem und in Benjamin waren. Und die Einwohner von Jerusalem taten nach dem Bund Gottes, des Gottes ihrer Väter. 33 Und Josia entfernte alle gräulichen Götzen aus allen Gebieten Israels und brachte es dahin, dass alle in Israel dem HERRN, ihrem Gott, dienten. Solange Josia lebte, wichen sie nicht von dem HERRN, dem Gott ihrer Väter.

Was Josia der Gemeinde vorgesprochen hat, zugesprochen hat, das wird von der ganzen Gemeinde aufgenommen. Nachgesprochen. Und offensichtlich zu Herzen genommen.     Die Kult-Reform Josias setzt sich fort als Aufräum-Aktion, der alle gräulichen Götzen aus den Gebieten Israels zum Opfer fallen. Josia steht für eine einseitige Frömmigkeit: Jahwe allein. Und solange er lebt, bleibt das ein Programm, dem jetzt alle folgen.

 

Heiliger Gott, Dein Wort leitet uns, zeigt uns Deinen Weg für unser Leben. Dein Wort deckt uns auf, was wir versäumt haben, wo wir uns verrannt haben, wir schuldig geworden sind an Dir

Dein Wort ist nicht immer bequem, schmeichelt nicht. Aber es öffnet uns den Raum zur Umkehr, jedem Einzelnen und uns als Deinem Volk

Gib Du, dass ich mich Deinem Wort nicht entziehe, dass ich mich leiten lasse von ihm, auch da, wo es mir Umkehr zumutet, weil die Umkehr zu Dir ja Leben ist. Amen