Ein Zufalls-Fund

  1. Chronik 34, 8 -21

8 Im achtzehnten Jahr seiner Herrschaft, als er das Land und das Haus des Herrn gereinigt hatte, sandte er Schafan, den Sohn Azaljas, und den Stadthauptmann Maaseja und den Kanzler Joach, den Sohn des Joahas, das Haus des HERRN, seines Gottes, auszubessern.

Nach diesen weit ausgreifenden Kult-Reformen wendet sich Josia der Aufgabe zu, den Tempel wieder auszubessern. Der Tempel war ja mehrfach beschädigt, nicht zuletzt durch blindwütige Aktionen des Ahas (28, 21 – 25) Darum beauftragt Josia vertraenswürdige Leute mit den entsprechenden Maßnahmen.

 9 Und sie kamen zu dem Hohenpriester Hilkija und man gab ihnen das Geld, das zum Hause Gottes gebracht war und das die Leviten, die an der Schwelle Wache hielten, von Manasse, Ephraim und von allen in Israel Übriggebliebenen gesammelt hatten und von ganz Juda und Benjamin und von denen, die in Jerusalem wohnten. 10 Und sie gaben’s in die Hände der Werkmeister, die bestellt waren am Hause des HERRN; und diese, die da arbeiteten am Hause des HERRN, dass sie das Haus ausbesserten und instand setzten, 11 gaben’s den Zimmerleuten und Bauleuten, um gehauene Steine zu kaufen und Holz zu Klammern und Balken für die Gebäude, die die Könige von Juda hatten verfallen lassen. 12 Und die Männer arbeiteten am Werk auf Treu und Glauben.

Es stehen ausreichende Mittel zur Verfügung. Die sind nicht zuletzt entstanden durch die Maßnahmen des Joasch, der eine Art „Rücklagenfonds für die Ausbesserungsarbeiten am Tempel“ initiiert hattet (24, 4 – 7) Mit diesem Geld werden die ständigen Handwerker am Tempel entlohnt, aber auch die Kräfte, die man zusätzlich anwerben musste. Löhne und Maerialien erfordern hohen Aufwand für die Gebäude, die die Könige von Juda hatten verfallen lassen. Das ist Kritik an den Königen, die den Tempel vernachlässigt haben. Es ist zugleich Mahnung an die Leser der Chronik, nicht Ausbesserungsarbeiten am nach-exilisch errichteten Tempel schleifen zu lassen.

Es ist mehr als eine schöne Anmerkung:  Und die Männer arbeiteten am Werk auf Treu und Glauben. Gewissenhaft und sorgfältig. Das trifft sowohl auf die Durchführung der Arbeiten zu als auch auf die Verwaltung der Finanzen. Diese Bemerkung ist der starke Widerspruch gegen die Devise, die seit Lenin sprichwörtlich in der Welt ist: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Das wünscht man sich doch, dass es bei solchen „geistlichen“ Bauten anders zugeht als wenn irgendwo eine Bank gebaut wird. Es ist geistlich schmerzhaft, wenn bei Kirchenbauten Geld vertan wird, verschleudert, Maßlosigkeit  regiert und deshalb der Ruf nach Kontrolle so laut werden muss, weil es eben nicht nach Treu und Glauben gelingt. Es könnte auch anders sein.  

 Und es waren über sie gesetzt als Aufseher Jahat und Obadja, die Leviten von den Söhnen Merari, Secharja und Meschullam von den Söhnen der Kehatiter. Und die Leviten – alle waren kundig des Saitenspiels – 13 waren über die Lastträger gesetzt und waren auch Aufseher über die Arbeiter bei jedem Werk; einige der Leviten waren Schreiber, Amtleute und Torhüter.

Gleichwohl geht es nicht ganz ohne Aufsicht. Sie obliegt Männern aus den Leviten. Jahat und Obadja, Secharja und Meschullam werden namentlich genannt. Sie sind qua Herkunft und Tradition mit dem Tempel und allen Gegebenheiten vertraut.

 14 Und als sie das Geld herausnahmen, das zum Hause des HERRN gebracht worden war, fand der Priester Hilkija das Buch des Gesetzes des HERRN, das durch Mose gegeben war. 15 Und Hilkija hob an und sprach zu dem Schreiber Schafan: Ich habe dies Gesetzbuch gefunden im Hause des HERRN. Und Hilkija gab das Buch Schafan. 16 Schafan aber brachte es zum König und gab ihm Bericht und sprach: Alles, was deinen Knechten befohlen ist, tun sie. 17 Sie haben das Geld ausgeschüttet, das im Hause des HERRN gesammelt ist, und haben’s denen gegeben, die bestellt sind, und den Arbeitern.

In der Kasse findet sich nicht nur Geld. Sondern es findet sich dort noch etwas anderes, das Buch des Gesetzes des HERRN, das durch Mose gegeben war. Ursprünglich war ja das Gesetz in der Lade aufbewahrt. „Nehmt das Buch dieses Gesetzes und legt es neben die Lade des Bundes des HERRN, eures Gottes.“ (5. Mose 31,26) Was Hilkija im Tempelschatz findet, ist wohl alt, sehr alt. Eine Abschrift des Gesetzes. Vielleicht war sie in den Wirren, die Manasse angerichtet hatte (33,2-10), verloren gegangen. Seitdem verschollen. Es gab eine Erinnerung an das Buch, aber man wusste nicht, wo es war.

Hilkija übergibt das Buch an den gleichfalls anwesenden Schreiber Schafan. Der ist wohl der Hauptverantwortliche für die Tempel-Restaurierung. Er geht zum König und berichtet zunächst über den Stand und die Ausführungen der Arbeit. Den Buch-Fund erwähnt er erst einmal nicht. Das könnte ein Hinweis sein, dass er die Tragweite des Fundes noch in keiner Weise einschätzen kann.

 18 Und der Schreiber Schafan sagte dem König: Der Priester Hilkija hat mir ein Buch gegeben. Und Schafan las vor dem König daraus vor. 19 Und als der König die Worte des Gesetzes hörte, zerriss er seine Kleider.

Als er seinen Arbeitsbericht vollendet hat, erwähnt Schafan dann doch den Fund. Der Priester Hilkija hat mir ein Buch gegeben. Das hört sich immer noch seltsam distanziert und auch uninteressiert an – nach dem Motto: irgend so ein altes Buch. Aber immerhin, offensichtlich gibt es doch ein Interesse an dem Inhalt dieses Buches. Deshalb liest Schafan dem König daraus vor.

Was der König hört, lässt ihn entsetzt sein. Er  zerriss seine Kleider. Das ist ein Trauer- und Buß-Ritual in einem. Josia spürt: Die Worte dieses Gesetzes sind eine einzige Anklage gegen uns. „Ein Zeuge sei wider dich. Denn ich kenne deinen Ungehorsam und deine Halsstarrigkeit.“ (5. Mose 31, 26b.27) So hat es Gott voraus gesagt. So ist es jetzt gekommen.

Es ist so, als würde man heute im Gottesdienst die Zehn Gebote vorlesen. Das Erschrecken ist groß, weil die Worte genügen, um es spüren zu lassen: Hinter diesen Worten sind wir weit zurück geblieben.

 20 Und der König gebot Hilkija und Ahikam, dem Sohn Schafans, und Achbor, dem Sohn Michajas, und Schafan, dem Schreiber, und Asaja, dem Kämmerer des Königs, und sprach: 21 Geht hin, befragt den HERRN für mich und für die Übriggebliebenen von Israel und Juda über die Worte des Buches, das gefunden ist; denn groß ist der Grimm des HERRN, der über uns entbrannt ist, weil unsere Väter nicht gehalten haben das Wort des HERRN und nicht alles taten, was geschrieben steht in diesem Buch.

Josia gibt einen klaren Auftrag. Es soll ein Orakelspruch eingeholt werden. Befragt den HERRN für mich und für die Übriggebliebenen von Israel und Juda. Was wird Gott mit dem König und seinem Volk tun, die sich so von dem Wort des HERRn entfernt haben? In diesem Auftrag wird indirekt ein Bußbekenntnis formuliert: unsere Väter haben das Wort des HERRN nicht gehalten und taten nicht alles, was geschrieben steht in diesem Buch. Aber Josia weiß: es ist nicht damit getan, das als Schuld der Väter zu benennen. Es ist gleichzeitig auch die eigene Schuld. Wir haben auch nicht so gelebt, dass es dem Gesetzt entspricht.  

 

Mein Gott, manchmal erschrecke ich, weil ich sehe, wie leicht ich von Deinem Wort abirre, wie wenig ich mich leiten lasse durch Dein Gebot, wie ich eigensinnig so tue, als wüsste ich schon, was gut ist.

Herr, öffne mir die Ohren und das Herz, dass ich Dein Wort neu höre und es mich treffen kann, jetzt, in meine Lebenswirklichkeit und ich Dir folge. Amen