In der Spur Davids

  1. Chronik 34, 1 – 7

1 Acht Jahre alt war Josia, als er König wurde; und er regierte einunddreißig Jahre zu Jerusalem 2 und tat, was dem HERRN wohlgefiel, und wandelte in den Wegen seines Vaters David und wich weder zur Rechten noch zur Linken.

Sein Vater Amon ist ermordet worden. Auf Grund seiner kurzen Regierungszeit eher ein Zwischenspiel, war er doch kein König nach dem Herzen Gottes. Josia, der Enkel des König Manasse, wird mit acht Jahren König. Ein Kind auf dem Königsthron in Jerusalem. In politisch schwierigen und religiös verwirrten Zeiten. Über ihn hat der Chronist ein absolut positives Urteil. Kein Abweichen von der guten Spur Davids, weder nach links noch nach rechts. Ich übertrage für mich: Nicht in übertriebene Enge und nicht in uferlose Weite. Vor allem: Kein Abweichen vom Gott der Väter.

 3 Im achten Jahr seiner Herrschaft fing er an, obwohl er noch jung war, den Gott seines Vaters David zu suchen, und im zwölften Jahr fing er an, Juda und Jerusalem zu reinigen von den Opferhöhen und den Bildern der Aschera, von den Götzen und gegossenen Bildern.

Als er sechzehn ist, im achten Jahr seiner Herrschaft, beginnt er einen eigenen Weg zu suchen. Da er zuvor minderjährig ist, ist er auch in seinen Entscheidungen abhängig von Beratern. Jetzt wird er selbstständig in seinem Wollen und das konzentriert sich als erstes darauf,  den Gott seines Vaters David zu suchen. Das muss keine „Bekehrung“ meinen. Aber es schließt, wie das folgende zeigt, ein entschlossenes Eintreten dafür ein, dass die fremden Götter entfernt werden, in dem ihre Bilder und Statuen  entfernt werden. Götterbilder stehen ja für Einflussbereiche. Josia will nur Einem Einfluss in Juda einräumen, dem Gott seines Vaters David.

 4 Und er ließ vor seinen Augen abbrechen die Altäre der Baale und die Rauchopfersäulen oben darauf hieb er ab, und die Bilder der Aschera und die geschnitzten und gegossenen Götzenbilder zerbrach er und machte sie zu Staub und streute ihn auf die Gräber derer, die ihnen geopfert hatten, 5 und verbrannte die Gebeine der Priester auf ihren Altären und reinigte so Juda und Jerusalem.

Es ist eine radikale Trennung, die Josia hier vollzieht. Da ist nichts zu spüren von religiöser Toleranz. Die Altäre der Fremdgötter – Baale, Aschera – werden geschleift, ihre Bilder zertrümmert, zermahlen und verstreut. Auf den Gräbern derer verstreut, die sie verehrt haben. Das ist eine Maßnahme, um alles zu verunreinigen, was mit diesen fremden Göttern zu tun hat.

Durch diese harten Maßnahmen werden das Land Juda und die Stadt Jerusalem gereinigt. Es ist, so lehrt der Chronist durch die Geschichte, im Land Gottes kein Platz für fremden Glauben, fremde Götter. Es ist das gleiche Programm, das auch bei Esra und Nehemia sichtbar wird. Einen neuen Anfang für Israel gibt es nur durch eine radikale Abkehr von den fremden Göttern

Es ist wichtig zu sehen, wie hier eine völlig andere Position in Fragen des Umgangs mit fremden Religionen vertreten wird, wie wir sie in unserer Zeit erleben. Wir plädieren für Toleranz und entsetzen uns, wenn die Heiligtümer anderer Religionen von Fanatikern zerstört werden. Darum ist es wichtig: Diese Art Kult-Reform, wie sie Josia durchführt, ist in ihrer äußerlichen Weise kein Modell mehr für uns. Wer Bilder stürmt, Statuen zertrümmert, Heiligtümer zerstört, darf sich nicht mehr auf die Schrift berufen.

Die Frage an uns ist aber sehr wohl: Mit welcher Konsequenz und Entschiedenheit binden wir uns selbst an den dreieinigen Gott? Wie steht es um das Festhalten an seinem unbedingten Erbarmen? Wie steht es um das Festhalten an seiner grundlosen Vergebung? Wie steht es um das Festhalten daran, dass wir nicht die sind, die ihr Heil selbst herbeiführen, ja erzwingen können, sondern die angewiesen sind auf das Geschenk der Gnade? Das alles kann und darf ich niemand als Überzeugung aufzwingen. Aber es ist die Überzeugung, der Grund meines Glaubens, der mich bindet, an Jesus Christus, an dem ich das alles ablese.

6 So tat er auch ringsumher in den Städten Manasses, Ephraims, Simeons und bis nach Naftali auf ihren Plätzen. 7 Und als er im ganzen Lande Israel die Altäre und Bilder der Aschera abgebrochen und die Götzenbilder zertrümmert und zermalmt und alle Rauchopfersäulen umgehauen hatte, kehrte er zurück nach Jerusalem.

            Josia greift mit seinen Reformen auch hinüber auf die Nordstämme, bis in die Städte Manasses, Ephraims, Simeons und bis nach Naftali. Er macht nicht eher Halt, bis er alles regelrecht ausgerottet hat, zertrümmert und zermalmt, was an die Götterbilder der neuheidnisch gewordenen Verirrten in Israel und Juda erinnert. Es sind ein radikaler Kult-Reformer, mehr noch: Jahwe-Verehrer auf dem Thron in Jerusalem. Es ist ihm ein Herzensanliegen, sein Volk zum Gott der Väter zurück zu führen.

Wenn ich das alles überlege, dann habe ich schon die Frage, ob hinter der Formulierung:  Er  fing an, obwohl er noch jung war, den Gott seines Vaters David zu suchen, nicht doch so etwas wie eine sehr persönliche Erfahrung steht. Es muss nicht „eine Bekehrung“ (Hj.Bräumer, aaO.;, S.296) sein, wie sie mancher erlebt, auch heute. Aber eine persönliche Gotteserfahrung könnte ein wenig erklären, warum Josia so radikal und konsequent in seinem Weg ist. Vielleicht aber  spielt auch der Weg des Großvaters Manasse eine Rolle, der sich verlaufen hatte, weit weg vom Gott der Väter und der zur Umkehr gefunden hat, sich demütigte vor Gott (33,19). Auch das ist ja die Folge einer sehr persönlichen Erfahrung. Warum soll das der Enkel nicht als Muster des eigenen Lebens wahrgenommen haben?

 

Mein Gott, lass mich immer wieder Deinen Weg suchen, Dein Erbarmen, Deine Vergebung, Deine Geduld. Lass mich nach Deiner Wegweisung fragen, damit ich mich nicht verlaufe, damit mir Dein Gebot hilft, sichere Schritte zu tun.

Lass mich den Glauben an Dich so leben, dass er denen gut tut, die mit mir auf dem Weg sind, dass ich nicht andere missachte, die einem anderen Glauben folgen.

Lass mich erfahren, dass Du mich leitest, dass das Vertrauen zu Dir nicht ins Leere läuft, dass es gut ist, ganz zu Dir zu gehören. Amen