Nicht alles ist schlecht

  1. Chronik 12, 1 – 16

1 Als aber das Königtum Rehabeams sich gefestigt hatte und er mächtig war, verließ er das Gesetz des HERRN und ganz Israel mit ihm.

Es geht gut mit Rehabeam, solange er dem Gesetz des HERRN folgt. Drei Jahre lang (11,17) Drei Jahre ist im Leben eines Kindes das alter, in dem es sagt: Ich will alleine. Kann schon selbst. So scheint es bei Rehabeam auch zu sein. Wie ein trotziger Kind sucht sich Rehabeam seinen Weg nach seinem Gutdünken –  und ganz Israel mit ihm. Der Chronist muss es gar nicht sagen: Das wird nicht gut gehen.

 2 Da zog im fünften Jahr des Königs Rehabeam herauf Schischak, der König von Ägypten, gegen Jerusalem – denn sie hatten sich am HERRN versündigt – 3 mit tausendzweihundert Wagen und mit sechzigtausend Reitern; und das Volk war nicht zu zählen, das mit ihm aus Ägypten kam, Libyer, Sukkijiter und Kuschiter. 4 Und er nahm die festen Städte ein, die in Juda waren, und kam bis vor Jerusalem.

            Der König von Ägypten greift Juda und Jerusalem an, mit einer stattlichen, aber nicht übergroßen Reitertruppe, dafür aber einer unzählbaren Streitmacht von Hilfstruppen. Und er  nimmt alle festen Städte,die Rehabeam doch zuvor aufwändig befestigt hatte (11, 6 – 8), ein. Sein Sturmlauf führt Schischak bis vor Jerusalem.

 5 Da kam der Prophet Schemaja zu Rehabeam und zu den Obersten Judas, die sich in Jerusalem aus Furcht vor Schischak versammelt hatten, und sprach zu ihnen: So spricht der HERR: Ihr habt mich verlassen; darum habe ich euch auch verlassen und in Schischaks Hand gegeben.

            Die Stunde des Propheten schlägt. Er tritt vor Rehabeam samt seinem Hofstaat und deutet die Lage, nicht militärisch, sondern geistlich: So spricht der HERR: Ihr habt mich verlassen; darum habe ich euch auch verlassen und in Schischaks Hand gegeben. Die Machtfrage ist in diesem Fall eben keine Frage der militärischen Stärke. Die Stärke Israel, so der Prophet, hängt am Gehorsam gegen den HERRN, am Bleiben bei ihm.   

 6 Da demütigten sich die Obersten in Israel mit dem König und sprachen: Der HERR ist gerecht. 7 Als aber der HERR sah, dass sie sich demütigten, kam das Wort des HERRN zu Schemaja: Sie haben sich gedemütigt; darum will ich sie nicht verderben, sondern ich will sie in Kürze erretten, dass mein Grimm sich nicht durch Schischak auf Jerusalem ergieße. 8 Doch sollen sie ihm untertan sein, damit sie innewerden, was es heißt, mir zu dienen oder den Königreichen der Länder.

            „Buße und Umkehr bewirken Gottes Gnade.“(Hj.Bräumer, aaO.;, S.128) Das drohende Unheil der Eroberung der Stadt wird abgewendet. Aber – Strafe muss sein.  Rehabeam wird abhängig vom ägyptischen König, um zu lernen, dass die Abhängigkeit von Gott in Wahrheit Freiheit ist, die vom König aber Knechtschaft.

 9 So zog Schischak, der König von Ägypten, gegen Jerusalem herauf und nahm die Schätze im Hause des HERRN und die Schätze im Hause des Königs; alles nahm er weg, auch die goldenen Schilde, die Salomo hatte machen lassen.

Auch rein äußerlich wird die Abhängigkeit von dem Ägypter sichtbar. Die Schatzkammern des Tempels und des Königs-Palastes werden geplündert. Die goldenen Schilde des Salomo wandern nach Ägypten.

 10 An ihrer statt ließ der König Rehabeam kupferne Schilde machen und übergab sie den Obersten der Leibwache, die das Tor am Haus des Königs bewachte. 11 Und sooft der König in des HERRN Haus ging, kam die Leibwache und trug sie und brachte sie dann wieder in ihre Kammer.

            Ein kümmerlicher Ersatz: die Goldschilde werden durch Kupferschilde ersetzt. Die aber werden jedesmal hervor geholt, wenn der König in den Tempel geht. Seine Leibwache begleitet ihn mit ihren Kupferschilden. Eine stete Mahnung.

 12 Und weil er sich demütigte, wandte sich des HERRN Zorn von ihm, dass er ihn nicht ganz verdarb; denn auch in Juda war noch manches Gute.

            Ein geradezu rührender Satz: Auch in Juda war noch manches Gute. Und doch auch ein unendlich wichtiger Satz, begründet er doch das Verschonen Gottes. Gott hat nicht nur eine Auge auf das Böse. Er sieht vielmehr und viel lieber das Gute, das wie eine zarte Pflanze auch da ist. Und verdirbt deshalb nicht alles. Ganz verwandt ist diesem Tun Gottes, was Jesus später lehren wird:  „Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheune.“(Matthäus 13,30) Eine zweite Chance für Rehabeam und Juda. Weil nicht alles schlecht ist in Jerusalem und Juda

 13 Und der König Rehabeam wurde wieder mächtig in Jerusalem und regierte weiter. Einundvierzig Jahre alt war Rehabeam, als er König wurde, und regierte siebzehn Jahre zu Jerusalem, in der Stadt, die der HERR erwählt hatte aus allen Stämmen Israels, dass er seinen Namen daselbst wohnen lasse. Seine Mutter hieß Naama, eine Ammoniterin.

Noch einmal wird Rehabeam mächtig. Sein Reich blüht wieder auf. Siebzehn Jahre regiert er. In Jerusalem. Nicht in irgendeiner Stadt, in der Stadt, die der HERR erwählt hatte aus allen Stämmen Israels, dass er seinen Namen daselbst wohnen lasse. Sozusagen unter den Augen Gottes.

 14 Aber er tat übel und richtete sein Herz nicht darauf, dass er den HERRN suchte. 15 Die Geschichte Rehabeams aber, die frühere und die spätere, steht geschrieben in den Geschichten des Propheten Schemaja und des Sehers Iddo, ebenso auch die Kriege zwischen Rehabeam und Jerobeam, die sie ihr Leben lang führten.

Das ist das Urteil über Rehabeam. Er tat übel und richtete sein Herz nicht darauf, dass er den HERRN suchte. Was immer dieser König auch an Erfolgen gehabt haben mag, die Bilanz ist negativ. Weil er nicht den HERRN suchte. Weil sein Herz nicht bei Gott war. Das erübrigt alle anderen Anmerkungen und Geschichten. Die kann ja nachlesen, wer will, bei dem Propheten Schemaja und dem Sehers Iddo.

 16 Und Rehabeam legte sich zu seinen Vätern und wurde begraben in der Stadt Davids. Und sein Sohn Abija wurde König an seiner statt.

            Rehabeam stirbt. Sein Sohn Abija folgt ihm als König nach.

 

Mein Gott, Wie gut, dass Du auch das siehst, was es an Gutem in einem Leben gibt, dass Du nicht einfach Urteile sprichst, Dich abwendest, weil so vieles in einem Leben schief ist.

Wie gut, dass Du geduldig bist, langmütig, von großer Güte über Königen und kleinen Leuten, über Verzagten und Verzweifelten, über denen, die sich selbst nicht mehr trauen, sich selbst nichts mehr trauen.

Ich danke Dir, dass Dein letztes Wort ein Wort der Gnade sein wird. Darauf hoffe ich, nicht nur für mich. Amen