Mahnung zur Treue

  1. Chronik 7, 11 – 22

11 So vollendete Salomo das Haus des HERRN und das Haus des Königs. Und es gelang ihm, alles, was ihm in den Sinn gekommen war, am Hause des HERRN und an seinem Hause auszuführen.

Der Bau ist fertig. Vollendet. Dass er dort steht, ist auch ein Zeichen des Willens des Erbauers, Salomo. Er hat das Haus des Herrn errichtet. Und wie nebenbei auch sein Haus.  Es trägt alles seine Handschrift. Das verwundert den Leser ein wenig, der sich erinnert, wie detailliert die Pläne waren, die David seinem Sohn für dieses Vorhaben übergeben hat.

12 Und der HERR erschien Salomo des Nachts und sprach zu ihm:

Als alles vollendet ist, erfährt Salomo ein Nachtgesicht. Einen Traum? Eine Vision? Jedenfalls eine Anrede des HERRN. „Die Vollendung der Tempelanlage… wird durch die Gotteserscheinung gekrönt.“ (K. Galling, aaO.; S. 94) Diesmal nicht im Tempel, vor allem Volk, sondern sozusagen unter vier Augen, nur für Salomo. Es ist die zweite Gotteserscheinung für Salomo, die der ersten nach seiner Inthronisation (2.Chr. 1) folgt. 

Ich habe dein Gebet erhört und diese Stätte mir zum Opferhaus erwählt. 13 Siehe, wenn ich den Himmel verschließe, dass es nicht regnet, oder die Heuschrecken das Land fressen oder eine Pest unter mein Volk kommen lasse 14 und dann mein Volk, über das mein Name genannt ist, sich demütigt, dass sie beten und mein Angesicht suchen und sich von ihren bösen Wegen bekehren, so will ich vom Himmel her hören und ihre Sünde vergeben und ihr Land heilen. 15 So sollen nun meine Augen offen sein und meine Ohren aufmerken auf das Gebet an dieser Stätte.

Hatte Salomo in seinem Weihegebet darum gebetet, dass der Tempel ein Ort ist, an dem Gott in seinem Himmel hört, so sagt Gott nun genau dies zu. Wenn Israel sich demütigt, dass sie beten und mein Angesicht suchen, dann will er vom Himmel her hören. Dann will Gott  ihre Sünde vergeben und ihr Land heilen. Der Tempel soll ein Ort der Vergebung sein. „Jedes rechte Bußgebet wird der Herr erhören.“ (K. Galling, aaO.; S.94)

 16 So habe ich nun dies Haus erwählt und geheiligt, dass mein Name dort sein soll ewiglich, und meine Augen und mein Herz sollen dort sein allezeit.

            Darum erwählt Gott den Tempel. Und das soll Salomo wissen: Dort ist Gottes Herz zu finden. Sein Namen, seine Augen, und sein Herz. Kurz: Seine liebevolle und lebenspendende Gegenwart. Wenn das Herz Gottes dort ist, dann geht  es um innerste, intensivste Zuwendung.     Ich könnte auch sagen: Es ist der Ort, an dem die Liebe Gottes Wohnung nimmt.

 17 Und wenn du vor mir wandelst, wie dein Vater David gewandelt ist, dass du alles tust, was ich dich heiße, und meine Gebote und Rechte hältst, 18 so will ich den Thron deines Königtums bestätigen, wie ich mit deinem Vater David einen Bund geschlossen habe und gesagt: Es soll dir nicht fehlen an einem Mann, der über Israel Herr sei.

Wieder folgt der Zusage eine Mahnung zur Treue. Die Verheißungen Gottes sind keine Blanko-Schecks, „keine vorbehaltlose Heilsgarantie.“ (Hj.Bräumer, aaO.;, S.86). Sie suchen das Verhalten, das ihnen entspricht. Aber wenn Salomo den Weg der Gebote und Rechte hält, wird das Haus David Bestand haben.

Das Wort an David wird zum Wort an Salomo. Es soll dir nicht fehlen an einem Mann, der über Israel Herr sei. Aber zugleich zu einem Wort weit über David und Salomo hinaus. “Diese Verheißung weist weit über die Dynastie Davids hinaus. Sie ist schon aufgrund ihrer formalen Gestalt und ihrer Wortwahl eine messianische Verheißung.“(Hj.Bräumer, aaO.;, S.87). 

 19 Werdet ihr euch aber abkehren und meine Rechte und Gebote, die ich euch vorgelegt habe, verlassen und hingehen und andern Göttern dienen und sie anbeten, 20 so werde ich Israel ausreißen aus meinem Lande, das ich ihnen gegeben habe, und dies Haus, das ich meinem Namen geheiligt habe, werde ich von meinem Angesicht verwerfen und werde es zum Hohn machen und zum Spott unter allen Völkern. 21 Und vor diesem Hause, das so hoch erhoben wurde, werden sich entsetzen alle, die vorübergehen, und sagen: Warum ist der HERR mit diesem Lande und mit diesem Hause so verfahren? 22 Und man wird sagen: Weil sie den HERRN, den Gott ihrer Väter, verlassen haben, der sie aus Ägyptenland geführt hat, und sie sich an andere Götter gehängt und sie angebetet und ihnen gedient haben, darum hat er all dies Unheil über sie gebracht.

Jetzt wendet sich der Blick. Nicht mehr das Haus Davids und Salomo stehen im Fokus, sondern der Weg des Volkes. Es ist auch formal eine Anrede an Israel! Werdet ihr euch aber abkehren… Aus der Anrede an Salomo ist eine Anrede an Israel geworden – vielleicht gewollt vom Chronisten: an seine Leserinnen und Leser. Es geht um Umkehr, Abkehr. (hebräisch: šûb) Ein Hauptwort im Glauben Israels. Immer wieder wird das Volk zur Umkehr, Rückkehr zu seinem Gott gemahnt. Aber es gibt eben auch die unmögliche Möglichkeit, dass sich Israel von seinem Gott zu den Götzen hinkehrt. Die Folgen eines solchen unmöglichen Verhaltens werden benannt.

Die Leser der Chronik wissen: So ist es gekommen. Gott hat auch an dieser Stelle Wort gehalten. Sein Gericht ist die Folge des Unglaubens Israels. Das wird sichtbar am Tempel, wenn er ein Trümmerhaufen ist: Dieser Ort, der so hoch erhoben wurde, der der Wohnort Gottes war, wo sein Herz war, ist durch den Ungehorsam  des Volkes zum Gespött für die Völker geworden.

 

Heiliger Gott, mache mich treu, dass ich Dir folge. Dein Wort und Deinen Weg suche, mein Herz Dir öffne und Deinen Willen tue.

Du hast so viel an mir getan. Mein Leben ist Deine Gabe, mein Glauben ist Deine Gabe, meine Kraft kommt aus Dir, meine Geduld nährt sich an Deinem Vergeben.

Hilf Du mir, dass ich das alles nicht nur weiß, sondern mein Leben zur Antwort wird auf Deine Treue, Dein Erbarmen. Amen