Tempelweihe

  1. Chronik 6, 1 – 21

1 Da sprach Salomo: Der HERR hat gesagt, er wolle im Dunkel wohnen. 2 So habe ich nun ein Haus gebaut dir zur Wohnung und einen Sitz, da du ewiglich wohnest.

Als Salomo wieder Worte findet, ist es ein Staunen: Der HERR hat gesagt, er wolle im Dunkel wohnen. Der prächtige Tempel – und doch nur ein Schatten. „Der altüberlieferte Tempelweihspruch in 6,1 betont den kosmischen Universalismus Gottes und verknüpft das Dunkel des Allerheiligsten mit der „Verhüllung“ Gottes. Das Wort arāfel (Dunkel) begegnet bei der Sinai-Offenbarung(2. Mose 20,21, 5.Mose 4,11; 5. Mose 5,22), aber auch bei der Gotteserscheinung in Jerusalem ( Psalm 18,10; 97,2).“ (K. Galling, aaO.; S. 92) Würde Gott sich nicht gnädig in das Dunkel der Wolke verhüllen, so müssten wir vergehen.

Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt.
Als wollte er belohnen,so richtet er die Welt.
Der sich den Erdkreis baute,der lässt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute,kommt dort aus dem Gericht.                                                                          Jochen Klepper 1938, EG 16

So aber kommt er, Gott selbst, ins Dunkel und bringt sein Licht in das Dunkel der Welt. Ein warmes, gnädiges, barmherziges Licht.  

3 Und der König wandte sein Antlitz und segnete die ganze Gemeinde Israel, während sie stand, 4 und sprach: Gelobt sei der HERR, der Gott Israels, der durch seinen Mund meinem Vater David zugesagt und es mit seiner Hand erfüllt hat, als er sagte: 5 Seit der Zeit, da ich mein Volk aus Ägyptenland geführt habe, habe ich keine Stadt erwählt aus allen Stämmen Israels, ein Haus zu bauen, dass mein Name daselbst sein sollte, und habe auch keinen Mann erwählt, dass er Fürst sein sollte über mein Volk Israel; 6 aber Jerusalem habe ich erwählt, dass mein Name daselbst sei, und David habe ich erwählt, dass er über mein Volk Israel Herr sei.

Jetzt wendet sich Salomo zur Festversammlung. Er segnet sie – der König hat diese priesterliche Macht. Dann erinnert er daran: Dieser Tag ist ein Tag, an dem sich Gottes Verheißungen erfüllen. Fast könnte man sagen: Jerusalem war vom ersten Tag des Auszuges aus Ägypten an das Ziel, das Gott hatte, mit dem Volk und für sich. Deshalb hat er „unterwegs“ keine Stadt erwählt, auch keinen Fürsten erwählt. Weil Gott sein Ziel ja schon immer kannte.

 7 Und als mein Vater David im Sinn hatte, dem Namen des HERRN, des Gottes Israels, ein Haus zu bauen, 8 sprach der HERR zu meinem Vater David: Du hast wohlgetan, dass du im Sinn hast, meinem Namen ein Haus zu bauen. 9 Doch nicht du sollst das Haus bauen, sondern dein Sohn, der von dir kommen wird, soll meinem Namen das Haus bauen.

Dieses Ziel hat er auch nicht aus den Augen verloren, als er David den Tempelbau untersagte. Die Zeit war nicht reif. Es war auch – so hart das klingt – der falsche König. Und wieder zitiert Salomo fast wörtlich: Dein Sohn, der von dir kommen wird, soll meinem Namen das Haus bauen. (1. Chronik 17,11)

                 „Auffallend ist, dass Salomo, anstatt den Gottesnamen Jahwe auszusprechen, viermal nur von dem Namen spricht (V.5.6.8.9) Dabei ist „der Name“ nichts anderes als ein Austauschbegriff für Jahwe. „der Name“ und Jahwe sind hier gleichgesetzt.“(Hj.Bräumer, aaO.;, S. 68) Die Scheu, den Namen Gottes auszusprechen, hat sich bis heute im Judentum gehalten. Sie steht auch Christen nicht schlecht zu Gesicht. Wehrt sie doch dem Gedanken, über Gott durch das Nennen und „Beschwören“ seines Namens verfügen zu können.

 10 So hat nun der HERR sein Wort wahr gemacht, das er geredet hat; denn ich bin zur Macht gekommen an meines Vaters David statt und sitze auf dem Thron Israels, wie der HERR zugesagt hat, und habe dem Namen des HERRN, des Gottes Israels, ein Haus gebaut 11 und habe die Lade hineingebracht, in der die Tafeln des Bundes des HERRN sind, den er mit den Israeliten geschlossen hat.

Weil Gott zu seinen Verheißungen steht, ist Salomo König, ist der Tempel gebaut, ist die Lade in den Tempel gekommen, sind die Tafeln des Bundes des HERRN nun in diesem Haus. Hat der Bund einen Ort, an dem man sich seiner erinnern kann und soll.

12 Und er trat vor den Altar des HERRN angesichts der ganzen Gemeinde Israel und breitete seine Hände aus 13 – aber Salomo hatte eine Kanzel aus Kupfer gemacht und mitten in den Vorhof gestellt, fünf Ellen lang und breit und drei Ellen hoch; auf diese trat er und fiel nieder auf seine Knie angesichts der ganzen Gemeinde Israel und breitete seine Hände aus gen Himmel – 14 und sprach:

Platzwechsel. Wo immer Salomo bis dahin gestanden hat, jetzt betritt er eine Kanzel  – andere Übersetzung: eine Plattform – im Vorhof und dort fällt er auf die Knie, breitete seine Hände aus gen Himmel – und beginnt angesichts der ganzen Gemeinde Israel ein Gebet. Sein Gebet. Keine Rede mehr an das Volk, sondern ein Gebet zu Gott.

 HERR, Gott Israels, es ist kein Gott dir gleich weder im Himmel noch auf Erden, der du hältst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen. 15 Du hast deinem Knecht David, meinem Vater, gehalten, was du ihm zugesagt hast; mit deinem Mund hast du es geredet, und mit deiner Hand hast du es erfüllt, so wie es heute ist. 16 Nun, HERR, Gott Israels, halte deinem Knecht David, meinem Vater, was du ihm zugesagt hast: Es soll dir nicht fehlen an einem Mann, der vor mir steht, der auf dem Thron Israels sitzt, sofern deine Söhne ihren Weg bewahren, dass sie wandeln in meinem Gesetz, wie du vor mir gewandelt bist.

Es beginnt mit dem Lobpreis Gottes. Gott ist unvergleichlich. Das zeigt sich vor allem darin, dass er den Bund und die Barmherzigkeit hält, treu ist seinen Leuten gegenüber. Hier konkret: David gegenüber und Salomo. Was er zugesagt hat, das hat er gehalten. Nicht nur Worte, sondern die Taten Gottes zeigen seine Treue. Diese Treue nun wird erneut angerufen, regelrecht „eingefordert“: Halte deinem Knecht David, meinem Vater, was du ihm zugesagt hast. Die Treue gegenüber David wird sich zeigen im Handeln Gottes an Salomo und für Salomo. So geht der Gedanke.

Zugleich benennt Salomo eine Bedingung. Gottes Treue, so lese ich, ist für ihn nicht bedingungslos zu haben. Diese Bedingung ist in der Verheißung Gottes an David schon formuliert: Sofern deine Söhne ihren Weg bewahren, dass sie wandeln in meinem Gesetz. Es ist die Grundüberzeugung des Chronisten, die sich in diesem Sätzchen findet: Der Weg im Gesetz ist ein Weg, der Gottes Verheißungen für sich hat und ihre Erfüllung erfährt. Der Weg jenseits des Gesetzes hat keine Verheißungen. Auch das lässt sich ablesen an Israel und seinem Weg. Es hat durch seine Treulosigkeit und Gesetzlosigkeit die Verheißungen an David vertan.

17 Nun, HERR, Gott Israels, lass dein Wort wahr werden, das du deinem Knecht David zugesagt hast. 18 Aber sollte Gott wirklich bei den Menschen auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen; wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? 19 Wende dich aber, HERR, mein Gott, zu dem Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, dass du erhörest das Bitten und Beten deines Knechtes vor dir! 20 Lass deine Augen offen sein über diesem Hause Tag und Nacht, über der Stätte, von der du gesagt hast, du wollest deinen Namen daselbst wohnen lassen, dass du hörest das Gebet, das dein Knecht an dieser Stätte beten wird. 21 So höre nun das Flehen deines Knechts und deines Volkes Israel, wenn sie bitten werden an dieser Stätte; höre es von der Stätte deiner Wohnung, vom Himmel her, und wenn du es hörst, wollest du gnädig sein!

Bittend wiederholt er, was er zuvor schon gesagt hat: Lass dein Wort wahr werden. Es mehr als eine Bitte, es ist Dankbarkeit, die so spricht. Es ist Staunen: Sollte Gott wirklich bei den Menschen auf Erden wohnen? Der die Himmel gründet und trägt, der soll in diesem Haus  einen Ort finden, seinen Ort nehmen. Aber, das ist das Wissen, das Salomo ausspricht: „Gott bleibt der räumlich nicht fassbare Gott. Der Tempel ist und bleibt nur ein Symbol für die göttliche Gegenwart.“ (Hj.Bräumer, aaO.;, S. 72)

         Und doch ist das Gewissheit: Er, der über allen Himmeln wohnt, wird hören, was hier gebetet wird, wird es Gnade finden lassen in seinem Hören. Es ist ein tiefes Wissen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass unser Beten Gott erreicht, ihm entspricht, ihn bewegt. Aber es ist die Erwartung, dass er hört, weil er es ja doch zugesagt hat, dass er  seinen Namen daselbst wohnen lassen will. Salomo nimmt Gott bei seinem Wort.

 

Weiter können wir nie beten, mein Gott und Herr. Lass Dein Wort wahr werden. Erfülle an uns, was Du den Vätern verheißen hast. Richte Deine Barmherzigkeit auf über uns aus lauter Güte, damit wir leben können. Gib Du Dich hinein in unsere Lieder, unser Beten, in unser Tun. Nimm Du Wohnung in unseren Herzen. Amen