Tempelbau

  1. Chronik 1, 18 – 2, 17

1,18 Und Salomo gedachte dem Namen des HERRN ein Haus zu bauen und auch ein Haus für sich als König.

Jetzt geht es los. Das ist die Überschrift über die folgenden Texte. In der Luther-Übersetzung klingt das nach Vorhaben. Andere Übersetzungen gehen weiter: „Er beschloss.“-  „Er befahl.“ Der Anfang ist markiert. Eine Doppelbau-Maßnahme  – einmal für den Namen des HERRN, aber zugleich auch ein Palast für den König. Wie gut, dass Salomo keine Zustimmung für seine Bau-Projekte beim Volk einholen muss.  

2,1 Und Salomo zählte 70000 ab, die Lasten tragen, und 80000, die im Gebirge Steine hauen sollten, und 3600 Aufseher über sie.

Statt dessen werden Arbeitsplätze geschaffen – gleich 153 600. Vermutlich nicht alle von gleicher Qualität. Dazu später – 2,16-17 – mehr.

2 Und Salomo sandte zu Hiram, dem König von Tyrus, und ließ ihm sagen: Wie du mit meinem Vater David tatest und ihm Zedern sandtest, dass er sich ein Haus baute, in dem er wohnte, – 3 siehe, ich will dem Namen des HERRN, meines Gottes, ein Haus bauen, das ihm geheiligt werde, um gutes Räucherwerk vor ihm darzubringen und ständig Schaubrote zuzurichten und Brandopfer am Morgen und am Abend, an den Sabbaten und Neumonden und an den Festen des HERRN, unseres Gottes, wie es allezeit für Israel gilt. 4 Und das Haus, das ich bauen will, soll groß sein; denn unser Gott ist größer als alle Götter. 5 Aber wer vermag es, ihm ein Haus zu bauen? Denn der Himmel und aller Himmel Himmel können ihn nicht fassen. Wer bin ich denn, dass ich ihm ein Haus baue, es sei denn, um vor ihm zu opfern?

Parallel zur Aushebung der Arbeit wird eine Botschaft geschickt, an Hiram, dem König von Tyrus. Sie beginnt mit einer Erinnerung. Hiram hat schon für Davids Haus Material geliefert. Ob das Freundschaftsdienste waren oder Tribute, ist nicht wirklich zu klären.

Mit gewichtigen Worten wird Hiram das Vorhaben erläutert: Salomo will dem Namen des HERRN, meines Gottes, ein Haus bauen. Einen Ort schaffen, um den HERRN anzubeten, ihm zu opfern. „Ein Haus für den Namen Jahwes bauen bedeutet, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen Gott anrufen können, und an dem Gott die, die zu ihm treten, segnet und z ihnen redet.“ (Hj.Bräumer, aaO.;, S. 39)

Nicht irgendein Haus. Groß soll es sein. Prächtig. Denn unser Gott ist größer als alle Götter. Salomo weiß, dass es ein Unding ist, Gott ein Haus bauen zu wollen, können ihn doch der Himmel und aller Himmel Himmel nicht fassen. Das mag so sein. Aber innerhalb der Bauten, die die Götter ehren, und die gibt es bei allen Völkern, soll doch der Bau in Jerusalem ein Zeichen sein: Unser Gott ist größer. Und schließlich: „Der Bau ist notwendig, weil der König nicht ohne Opferstätte vor dem Herrn auskommt.“ (K. Galling, aaO.; S. 83)

 6 So sende mir nun einen tüchtigen Mann, der mit Gold, Silber, Kupfer, Eisen, rotem Purpur, Scharlach und blauem Purpur arbeiten kann und der Bildwerk zu schnitzen versteht zusammen mit den Meistern, die bei mir in Juda und Jerusalem sind und die mein Vater David bestellt hat. 7 Und sende mir Zedern-, Zypressen- und Sandelholz vom Libanon; denn ich weiß, dass deine Leute verstehen, das Holz auf dem Libanon zu hauen. Und siehe, meine Leute sollen mit deinen Leuten sein, 8 dass man mir viel Holz zubereite; denn das Haus, das ich bauen will, soll groß und prächtig sein. 9 Und siehe, ich will den Holzhauern, deinen Leuten, die das Holz behauen, 200000 Scheffel Weizen und 200000 Scheffel Gerste und 20000 Eimer Wein und 20000 Eimer Öl zur Speise geben.

Für dieses Vorhaben braucht Salomo die Hilfe Hirams. Personal und Material. Schließlich gilt: Das Haus, das ich bauen will, soll groß und prächtig sein. Keine Hütte. Für Gott ist das Beste gerade gut genug. Auch wenn es ihm nie entsprechen kann.

 10 Da antwortete Hiram, der König von Tyrus, in einem Brief und sandte zu Salomo: Da der HERR sein Volk liebt, hat er dich zum König über sie gemacht. 11 Und Hiram schrieb weiter: Gelobt sei der HERR, der Gott Israels, der Himmel und Erde gemacht hat, dass er dem König David einen weisen, klugen und verständigen Sohn gegeben hat, der dem HERRN ein Haus bauen will und auch ein Haus für sich als König!

Der Antwort-Brief des Hiram beginnt mit einer doppelten Verbeugung. In der lateinischen Literatur nennt man das captatio benevolentias. Nach Wohlwollen haschen. Dass Salomo König geworden ist – ein Zeichen der Liebe des HERRN zu seinem Volk. Und es ist ein Grund, Gott zu loben, dass er David einen so weisen, klugen und verständigen Sohn gegeben hat. In beidem steckt zugleich ein Lob für das Bauvorhaben.

Es kann nachdenklich machen: Ein guter Regent ist ein Zeichen der Liebe Gottes zu einem Volk. Wenn das für uns heute auch gilt, dann würde Gott sich unserer Wahlentscheidungen bediene, um ein Signal zu geben, ob und in welcher Weise er das Volk liebt. Dann wäre auch die Wendung: „König von Gottes Gnaden“ weniger ein Hinweis auf den Machtanspruch des Regenten und mehr der Anspruch: Das soll sich im Regieren zeigen, dass sein Handeln die Liebe Gottes abbildet, ihr zur Verfügung steht.

 12 So sende ich nun einen tüchtigen und verständigen Mann, Hiram, meinen Berater; 13 er ist der Sohn einer Frau von den Töchtern Dan und sein Vater ist ein Tyrer gewesen. Der versteht zu arbeiten mit Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Steinen, Holz, rotem und blauem Purpur, feiner Leinwand und Scharlach, und Bildwerk zu schnitzen und alles, was man ihm aufgibt, kunstreich zu machen mit deinen Meistern und mit den Meistern meines Herrn, des Königs David, deines Vaters. 14 Mein Herr sende nun seinen Leuten, wie er gesagt hat, Weizen, Gerste, Öl und Wein, 15 so wollen wir das Holz hauen auf dem Libanon, soviel du bedarfst, und wollen es auf Flößen übers Meer nach Jafo bringen. Von da musst du es hinauf nach Jerusalem schaffen.

Daran schließt sich die Zusage an. Der Baumeister wird benannt, ein Namensvetter des Königs und immerhin Sohn einer jüdischen Mutter. Vor allem aber ein tüchtiger und verständiger Mann, der mit dem unterschiedlichsten Material arbeiten kann. Kurz: ein vielseitiger Künstler. Wenn denn Salomo seine Versprechen einlöst, Weizen, Gerste, Öl und Wein zu senden, dann kann die Arbeit los gehen. Das Holz wird den Weg finden hin nach Jafo. Von dort muss es Salomo selbst durch seine Leute nach Jerusalem bringen lassen.   

16 Und Salomo ließ alle Fremdlinge im Lande Israel zählen, nachdem schon sein Vater David sie gezählt hatte, und es fanden sich 153600. 17 Und er machte von ihnen 70000 zu Trägern und 80000 zu Steinhauern im Gebirge und 3600 zu Aufsehern, die die Leute zum Dienst anhielten.

Die Notiz aus 2,1 wird jetzt erweitert. Es handelt sich bei diesen 153 600 Arbeitern um Fremdlinge.Sie werden gebraucht, weil der Tempelbau samt Königspalast nicht durch Ausschreibung als Auftragsarbeit an ein Unternehmen vergeben wird. Er wird im Frondienst erstellt. „Da israelitische Vollbürger vom Frondienst befreit waren, blieben für die Fron nur Fremdlinge.“(Hj.Bräumer, aaO.;, S. 36) Man tut sicher gut daran, sich das Arbeitsleben dieser Leute nicht allzu idyllisch vorzustellen. Sie sind frühe Vorläufer der billigen Arbeitskräfte mit Dumping-Löhnen, nur wohl noch ein wenig rechtloser.

Wer baute das siebentorige Theben?
In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?
Und das mehrmals zerstörte Babylon

Wer baute es so viele Male auf?
In welchen Häusern des goldstrahlenden Limas wohnten die Bauleute?
Wohin gingen an dem Abend, wo die Chinesische Mauer fertig war die Maurer?
Das große Rom ist voll von Triumphbögen. Wer errichtete sie?                                                    Bertolt Brecht, Fragen eines lesenden Arbeiters

Das gilt auch für den Tempel Salomos.

 

Mein Gott. ich staune oft über großartige Bauten, gewaltige Kulturdenkmäler, moderne Industrieanlagen, überwältigend schöne Dome und vergesse so leicht: Es sind Menschen, deren Namen keiner nennt, die hier gearbeitet haben.

Manche sterben dabei durch Unglücksfälle, schlechte Organisation, fehlende Sicherheitsmaßnahmen. Das war wohl schon immer so.

Herr, lass es mich nicht aus dem Gedächtnis verlieren, wenn ich wieder einmal voll Staunen vor einem wunderbaren Dom stehe. Es sind viele unbenannte Arbeiter, deren Werk ich da sehe. Ihr Werk, auch zu Deiner Ehre. Amen