Kluge Bitten

  1. Chronik 1, 1 – 17

1 Und Salomo, der Sohn Davids, wurde mächtig in seinem Königtum und der HERR, sein Gott, war mit ihm und machte ihn immer größer.

Es ist eine Art Überschrift über alles, was im 2. Chronikbuch von Salomo erzählt wird. Er ist einer, der von Gottes Beistand getragen ist. Das hat Wirkungen. Er wurde mächtig in seinem Königtum, und zugleich: Es ist der Herr, der ihn größer macht. Menschliches Handeln und göttliches Wirken spielen zusammen.

Andere Übersetzungen sagen: „Salomo befestigte seine Herrschaft.“ Was hier nicht erzählt wird, wohl aber in 1. Könige 2, 13 – 26: Dieses Befestigen (hebr.: āzaq)ist eine blutige Angelegenheit. Salomo lässt rücksichtslos alle beseitigen, die ihm gefährlich werden könnten. „Es waren zum Teil fragwürdige Begründungen, mit denen Salomo die Gegener seines Königtums aus dem Weg räumte.“(Hj.Bräumer, Das zweite Buch der Chronik, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 2002, S. 27)

  2 Und Salomo redete mit ganz Israel, mit den Obersten über tausend und über hundert, mit den Richtern und mit allen Fürsten in Israel, mit den Häuptern der Sippen, 3 dass sie hingingen, Salomo und die ganze Gemeinde mit ihm, zu der Höhe, die bei Gibeon war; denn dort war die Stiftshütte Gottes, die Mose, der Knecht des HERRN, in der Wüste gemacht hatte. 4 – Nur die Lade Gottes hatte David heraufgebracht von Kirjat-Jearim an den Ort, den er ihr bereitet hatte; denn er hatte ihr ein Zelt aufgeschlagen zu Jerusalem. – 5 Auch der kupferne Altar, den Bezalel, der Sohn Uris, des Sohnes Hurs, gemacht hatte, war dort vor der Wohnung des HERRN. Und Salomo und die Gemeinde pflegten ihn aufzusuchen. 6 Und Salomo opferte vor dem HERRN tausend Brandopfer auf dem kupfernen Altar, der vor der Stiftshütte stand.

            Salomo macht sich, so lese ich, mit allem, was in Israel Rang und Namen hat, auf zu einer Wallfahrt nach Gibeon. Zu der Höhe, die bei Gibeon war ist hier keine verborgene Kritik. Das sonst das Opfern auf den Höhen kritisch betrachtet wird, hängt daran, dass es sich um heidnische Heiligtümer handelt. Auf der Höhe von Gibeon aber steht die Stiftshütte. Dort ist auch ein ehrwürdiger Altar, geschaffen von Bezalel, der Sohn Uris, des Sohnes Hurs, einer aus dem Stamm Juda (2. Chronik 2,20) Da es in Jerusalem noch keinen Tempel gibt, ist das ein völlig einleuchtender Vorgang.

 7 In derselben Nacht aber erschien Gott dem Salomo und sprach zu ihm: Bitte, was ich dir geben soll. 8 Und Salomo sprach zu Gott: Du hast große Barmherzigkeit an meinem Vater David getan und hast mich an seiner statt zum König gemacht. 9 So lass nun, HERR, Gott, dein Wort an meinen Vater David wahr werden; denn du hast mich zum König gemacht über ein Volk, das so viel ist wie Staub auf Erden. 10 So gib mir nun Weisheit und Erkenntnis, dass ich vor diesem Volk aus- und eingehe; denn wer kann dies dein großes Volk richten?

In der Nacht nach dem Opferfest erfährt Salomo eine Gottesbegegnung. Bitte, was ich dir geben soll. Fast so etwas wie ein Blanko-Scheck. Märchen fallen mir ein mit den drei Wünschen und von welcher Torheit solche Wünsche oft sind.

Salomo hat also eine Bitte frei. „Dies ist bei gerade inthronisierten Königen im AT nicht unüblich.“(Hj.Bräumer, aaO.;, S. 30) Er erinnert sich daran, dass sein Königtum Gabe ist, aufruht auf der Verheißung Gottes an seinen Vater David. Dass diese Verheißung in Kraft gesetzt wird, ist seine erste Bitte.

Danach ruft er sich ins Gedächtnis, was dass wohl heißen mag, König zu sein über ein Volk, das so viel ist wie Staub auf Erden. Darum erbittet er Weisheit und Erkenntnis, dass ich vor diesem Volk aus- und eingehe. Das ist es, was er braucht, um dieses Volk zu leiten. Nicht, weil er noch so jung wäre. Sondern weil die Aufgabe so groß ist.

„Bitte mich, so will ich dir Völker zum Erbe geben                                                     und der Welt Enden zum Eigentum.“                       Psalm 2,8

So hätte Salomo auch bitten können. Um Ruhm, Erweiterung seiner Macht, Glanz. „Salomos Demut kommt darin zum Ausdruck, dass er nicht, wie es sonst üblich war, um Reichtum, Ansehen und Bezwingen der Feinde bittet, sondern um die Verleihung des Geistes der Weisheit.“(K. Galling, aaO.; S. 80)

            Statt dessen erbittet Weisheit und Einsicht. Weisheit ist die Urteilsfähigkeit, die Sachkenntnis, die den Aufgaben gerecht werden lässt. Und Einsicht ist verbunden mit dem Denkvermögen, der Vernunft, wohl auch dem sich füge in das Menschenmaß. Sich nicht überheben. „Einsicht ist eines der Kriterien, das einen Menschen als Menschen kennzeichnet.“ (Hj.Bräumer, aaO.;, S. 33)

Ich überlege: Es muss dem Chronisten gefallen haben, das so zu berichten. Er hat ja vor Augen, was aus Ruhmsucht, falscher Machtpolitik, verfehltem Ehrgeiz und Größenwahn entstanden ist: das Exil. Kein Wunder, dass ihm ein König gefällt, der statt dessen Weisheit und Einsicht erbittet, die Fähigkeit, die Zeitumstände zu sehen, wie sie sind. Nicht Traumbildern nachzulaufen, sondern die Realität zu gestalten. Unter dem Leiten Gottes.

 11 Da sprach Gott zu Salomo: Weil du dies im Sinn hast und nicht gebeten um Reichtum noch um Gut noch um Ehre noch um deiner Feinde Tod noch um langes Leben, sondern hast um Weisheit und Erkenntnis gebeten, mein Volk zu richten, über das ich dich zum König gemacht habe, 12 so sei dir Weisheit und Erkenntnis gegeben. Dazu will ich dir Reichtum, Gut und Ehre geben, wie sie die Könige vor dir nicht gehabt haben und auch die nach dir nicht haben werden..

Der Lohn für diese Bitte, die das „Wohlgefallen Gottes“ findet: Gott sagt ihm zu, ihm zu geben, was er erbeten hat: Weisheit und Erkenntnis. σοφίαν καὶ σύνεσιν übersetzt die Septuaginta. „Fassungskraft“. Und er verspricht ihm, dazu zu geben, was Salomo sich nicht erbeten hatte: Reichtum, Gut und Ehre. Womit aber sichtbar wird: Das sind nur Dreingaben, nicht die Hauptgaben.

Es gehört zur Klugheit, zur Weisheit, zu verstehen, was Ursache und was Folge ist. Ursache für ein gutes Leben sind Weisheit, Einsicht, Selbstbescheidung. Die Folgen können daraus erwachsen, manchmal sogar Ruhm und Ehre. Aber diese Folgen direkt anzustreben, sie zum Ziel des Lebens zu machen, heißt, Ursache und Folge verwechseln. Und ist der Grund für tausendfaches Unglück.

13 So kam Salomo von der Höhe, die bei Gibeon war, von der Stiftshütte, nach Jerusalem und regierte über Israel 14 Und Salomo brachte Wagen und Reiter zusammen, sodass er 1400 Wagen und 12000 Reiter hatte, und legte sie in die Wagenstädte und zum König nach Jerusalem. 15 Und der König brachte es dahin, dass es in Jerusalem so viel Silber und Gold gab wie Steine und so viele Zedern wie Maulbeerbäume im Hügelland. 16 Und man brachte Salomo Pferde aus Ägypten und aus Koë; die Kaufleute des Königs kauften sie aus Koë zu ihrem Preis; 17 aus Ägypten aber brachten sie herauf den Wagen für sechshundert Silberstücke und das Pferd für hundertfünfzig. Dann führten sie diese wieder aus an alle Könige der Hetiter und an die Könige von Aram.

            Salomo bleibt nicht auf der Höhe von Gibeon. Es ist ein Wallfahrtsort, aber kein Wohnort. Wohnort ist Jerusalem. Und dort zeigen sich dann die Zeichen der Macht: Heer, Reitertruppen, Reichtum, der Aufstieg Jerusalems als Hauptstadt und Handelsplatz. Die Pracht Salomos beginnt sich zu entfalten. „Reichtum wird im AT grundsätzlich positiv beurteilt.“ (Hj.Bräumer, aaO.;, S. 34) Gott beginnt, seine Verheißung an Salomo einzulösen.

 

Mein Gott, Du kennst den Ehrgeiz von uns Menschen, die Sucht nach Anerkennung, den Wunsch, sich einen Namen zu machen, Großes zu leisten.

Du kennst das und weißt, wie leicht man in diesem Wünschen in die Irre gehen kann. Darum willst Du uns geben, was vor solchem Irrgang bewahrt: Weisheit und Einsicht

Die haben nicht nur Könige und regierende Häupter nötig, sondern normale Menschen wie ich auch. Ich danke Dir für alle Weisheit und Einsicht, die Du mir geschenkt hast. Amen