Alles von Gott – alles für Gott

  1. Chronik 29, 1 – 22( 23 – 30)

1 Und der König David sprach zu der ganzen Gemeinde: Gott hat Salomo, einen meiner Söhne, erwählt, der noch jung und zart ist. Das Werk aber ist groß; denn es ist nicht die Wohnung eines Menschen, sondern Gottes, des HERRN.

            Nach den Worten an Salomo folgt eine zweite Rede Davids, diesmal an die ganze Gemeinde gerichtet. Es geht um Unterstützung für Salomo. Da ist die eine Spanne: Salomo ist noch jung und zart, wenn auch nicht zu jung, aber die Herausforderung dieses Baues ist groß. Und die andere Spanne: Es ist ja nicht einfach ein Palast für irgendeinen Großen des Reiches, sondern es geht um die Wohnung Gottes, des HERRN. Jetzt dann doch: Gottes Haus und nicht nur Schemel der Füße unseres Gottes. Nicht nur der Ort, den der Saum von Gottes Gewand erfüllt. „In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel.“ (Jesaja 6,1)

 2 Ich aber habe aus allen meinen Kräften herbeigeschafft zum Hause Gottes Gold zu goldenem, Silber zu silbernem, Kupfer zu kupfernem, Eisen zu eisernem, Holz zu hölzernem Gerät, Onyxsteine und eingefasste Steine, Rubine und bunte Steine und mancherlei Edelsteine und Marmorsteine die Menge. 3 Aus Wohlgefallen am Hause meines Gottes aber und da ich noch eigenes Gut an Gold und Silber habe, 4 gebe ich für das Haus meines Gottes außer allem, was ich schon zum heiligen Hause beschafft habe, dreitausend Zentner Ofirgold und siebentausend Zentner lauteres Silber, um die Wände des Hauses zu überziehen, 5 dass golden werde, was golden, und silbern, was silbern sein soll, und zu allem Werk durch die Hand der Werkmeister. Und wer ist nun willig, heute seine Hand mit einer Gabe für den HERRN zu füllen?

David hat Salomo nicht nur ein Modell des Tempels übergeben. Er hat auch Mittel bereitgestellt. Material und aus dem eigenen königlichen Vermögen eine Unsumme an Gold, Silber und Edelsteinen. Für Gott ist das Beste gerade gut genug. So seine Botschaft, die einen deutlichen Aufforderungscharakter hat. Für den letzten Begriffsstutzigen wird sie in eine Frage gekleidet: Und wer ist nun willig, heute seine Hand mit einer Gabe für den HERRN zu füllen? Fast möchte ich sagen: Das wäre doch nicht nötig gewesen.

In der Frage steckt aber auch: Ihr gebt es nicht für das Haus David, auch nicht für Salomo, sondern – ganz fromm –  für den HERRN. Kollekten haben nie nur den oder die irdischen Adressaten. Sie haben immer auch den himmlischen Empfänger als Adressat, den Geber aller Gaben.

 6 Da waren die Häupter der Sippen, die Fürsten der Stämme Israels, die Obersten über tausend und über hundert und die Vorsteher über des Königs Besitzungen willig, 7 und sie gaben zur Arbeit am Hause Gottes fünftausend Zentner Gold und zehntausend Gulden und zehntausend Zentner Silber, achtzehntausend Zentner Kupfer und hunderttausend Zentner Eisen. 8 Und wer immer bei sich edle Steine hatte, der gab sie zum Schatz des Hauses des HERRN unter die Hand Jehiëls, des Gerschoniters. 9 Und das Volk war fröhlich, dass sie so willig waren; denn sie gaben’s dem HERRN freiwillig von ganzem Herzen.

Die Worte Davids finden offene Ohren und helfen, die eigenen „Geldbeutel“ zu öffnen. Sie werden willig und geben. Eine große Freude, weil es keine erzwungenen oder erpressten Gaben sind. Die Spenden-Gala funktioniert auch so. Damals wie heute. Keiner will zurück stehen mit seinem Geben.

Das Volk der Juden hat es sich beibehalten: Spender werden gerne auch namentlich genannt. Auf dem Berg Skopus im Osten von Jerusalem ist 1962 das “Hadassah-Krankenhaus” errichtet worden. In der Synagoge innerhalb des Krankenhauses sind zwölf Glasfenster von Marc Chagall, für jeden der Stämme Israels eines. Es gibt im Krankenhaus eine imponierende Gedenk-Wand, auf der, in Stein gemeißelt, alle Spender aufgeführt werden, die zum Bau beigetragen haben. Natürlich nur die Groß-Spender.  

Und der König David war hocherfreut 10 und er lobte den HERRN vor der ganzen Gemeinde und sprach:

Gelobt seist du, HERR, Gott Israels, unseres Vaters, von Ewigkeit zu Ewigkeit!           11 Dein, HERR, ist die Majestät und Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Hoheit.            Denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, das ist dein.                                       Dein, HERR, ist das Reich, und du bist erhöht zum Haupt über alles.            12 Reichtum und Ehre kommt von dir, du herrschst über alles.                                    In deiner Hand steht Kraft und Macht, in deiner Hand steht es,                            jedermann groß und stark zu machen.                                                                        13 Nun, unser Gott, wir danken dir und rühmen deinen herrlichen Namen.             14 Denn was bin ich?                                                                                                              Was ist mein Volk, dass wir freiwillig so viel zu geben vermochten?                             Von dir ist alles gekommen, und von deiner Hand haben wir dir’s gegeben. 15 Denn wir sind Fremdlinge und Gäste vor dir wie unsere Väter alle.                Unser Leben auf Erden ist wie ein Schatten und bleibet nicht.                        16 HERR, unser Gott,   all dies Viele, das wir herbeigebracht haben,                          dir ein Haus zu bauen, deinem heiligen Namen,                                                               ist von deiner Hand gekommen, es ist alles dein.                                                              17 Ich weiß, mein Gott, dass du das Herz prüfst,                                                             und Aufrichtigkeit ist dir angenehm.                                                                                 Darum habe ich dies alles aus aufrichtigem Herzen freiwillig gegeben                      und habe jetzt mit Freuden gesehen,                                                                                  wie dein Volk, das hier vor dir steht, dir alles freiwillig gegeben hat.            18 HERR, Gott Abrahams, Isaaks und Israels, unserer Väter,                                       bewahre für immer solchen Sinn und solche Gedanken im Herzen deines Volks    und richte ihre Herzen auf dich!

Davids Antwort auf diese Gaben ist große Freude und ein Dankgebet. An den Geber aller Gaben. Ein Gebet, das zentral um den einen Gedanken kreist: Alles, was das Volk, was David selbst geben konnte, ist doch zuvor Gabe Gottes an das Volk, an David selbst. „Jedwede Stiftung hat daher den Geber aller Gaben zur Voraussetzung! So muss aller Selbstruhm bei kirchlichen Spenden dahinten bleiben und die rechte Begleitung des Gebens ist das Danken!“ (K. Galling, aaO.; S. 77)

            „Alles, was wir haben, kommt o Gott, von Dir. Wir danken Dir dafür. Amen“

So einfach, so schlicht. Und doch wieder und wieder vergessen. Wie leicht tun wir so, als wäre alles unser. „Mein“ ist ein Hauptwort. Ob es um Besitz oder Verdienst geht. David dagegen erinnert an das, was Israel sich wieder und wieder ins Gedächtnis rufen musste: Wir sind Fremdlinge und Gäste vor dir wie unsere Väter alle. Abraham hatte nichts an Eigentum in Kanaan, bis er sich wenigstens seine Grabstätte kaufte. Joseph ging mit leeren Händen nach Ägypten.

Es ist gefährlich, wenn Menschen das vergessen, dass sie „nur“ Gäste sind auf diesem schönen Stern.

            „Ich bin ein Gast auf Erden, versuch mich dann und wann
als Hausherr zu gebärden, der alles machen kann.
Dann sterben Wälder, Meere, dann bleibt kein Lüftchen rein,
dann gehen ganze Heere von andern Gästen ein.“ G. Schöne 1991

 19 Und meinem Sohn Salomo gib ein rechtschaffenes Herz, dass er halte deine Gebote, Ordnungen und Rechte und dass er alles ausführe und diese Wohnung baue, die ich vorbereitet habe.

Eine letzte Bitte an Gott für den künftigen König. Nicht um Siege, sondern um ein rechtschaffenes Herz. Nicht um Erfolge, sondern um ein Leben, das an den Geboten, Ordnungen und Rechten Gottes seine Orientierung findet.

 20 Und David sprach zur ganzen Gemeinde: Lobet den HERRN, euren Gott! Und die ganze Gemeinde lobte den HERRN, den Gott ihrer Väter, und sie neigten sich und fielen nieder vor dem HERRN und vor dem König 21 und opferten dem HERRN Schlachtopfer. Und am andern Morgen opferten sie dem HERRN Brandopfer, tausend junge Stiere, tausend Widder, tausend Lämmer und ihre Trankopfer, sowie Schlachtopfer in Menge für ganz Israel. 22 Und sie aßen und tranken am selben Tage vor dem HERRN mit großen Freuden und machten zum zweiten Mal Salomo, den Sohn Davids, zum König und salbten ihn dem HERRN zum Fürsten und Zadok zum Priester.

            Das ganze Unternehmen endet in einem Freudenfest. Man kann sicher sagen, „diese Stunde kommt einer Grundsteinlegung des Tempels gleich.“ (K. Galling, aaO.; S. 76) Zugleich wird Salomo als König inthronisiert. Zum zweiten Mal. Der Chronist hat doch bereits zuvor berichtet: „Als David alt und lebenssatt war, machte er seinen Sohn Salomo zum König über Israel.“ (23,1) Diese Entscheidung wird hier offiziell und kultisch bestätigt.

23 So setzte sich Salomo auf den Thron des HERRN als König an seines Vaters David statt und fand Anerkennung. Und ganz Israel wurde ihm gehorsam. 24 Und alle Obersten und Helden, auch alle Söhne des Königs David, stellten sich unter den König Salomo. 25 Und der HERR machte Salomo immer größer vor ganz Israel und gab ihm ein herrliches Königreich, wie es keiner vor ihm über Israel gehabt hatte.

            Eine knappe Zusammenfassung. Salomo folgt David und gewinnt Anerkennung. Bei den Oberen und dem Volk. Es ist der HERR, der Salomo größer und unvergleichlich macht.

 26 So ist nun David, der Sohn Isais, König gewesen über ganz Israel. 27 Die Zeit aber, die er König über Israel gewesen ist, ist vierzig Jahre. Zu Hebron regierte er sieben Jahre und zu Jerusalem dreiunddreißig Jahre. 28 Und er starb in gutem Alter, satt an Leben, Reichtum und Ehre. Und sein Sohn Salomo wurde König an seiner statt. 29 Die Geschichte aber des Königs David, die frühere und die spätere, siehe, die steht geschrieben in der Geschichte Samuels, des Sehers, und in der Geschichte des Propheten Nathan und in der Geschichte Gads, des Sehers, 30 dazu auch seine Regierung und seine tapferen Taten sowie die Geschehnisse, die über ihn und Israel und über die Königreiche in allen Landen dahingegangen sind.

Jetzt wird auch David noch einmal in Blick genommen. Seine Regierungszeit. Verbunden mit einer schlichten Würdigung. Er starb in gutem Alter, satt an Leben, Reichtum und Ehre.

David ist einer der wenigen, von dem das in den Schriften des Alten Testamentes gesagt wird : Er starb satt am Leben. Nicht überdrüssig, aber gesättigt. Seine Jahre haben sich erfüllt. Wie muss das aussehen, so frage ich, damit das über mich gesagt werden kann – mein Leben, mein Sterben? Vielleicht legt es sogar mehr an der Art wie einer geht, ob das über sein Leben gesagt werden kann und nicht so sehr an den Erfolgen seines Lebens.

Es sind nicht die Jahre, nicht die Siege, nicht die Erfolge, die ein Leben „rund“ machen, satt, gelungen, so dass einer in einem guten Alter sterben kann. Es ist wohl eher das, ob wir das Leben empfangen haben, mit offenen Händen und Herzen und gegeben haben, freiwillig großmütig, weil wir es wissen, auch wenn wir es nicht jeden Tag sagen:

            „Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott.“                                                                    M. Claudius 1783, EG 508

Zu guter Letzt wird die Quellenlage geklärt. Es finden sich weitere Angaben bei den verschiedenen Autoren –  in der Geschichte Samuels, des Sehers, und in der Geschichte des Propheten Nathan und in der Geschichte Gads, des Sehers. Diese kurze Notiz macht deutlich: Die Seher und Propheten sind nicht nur Leute mit aktuellen Gottesworten in die jeweilige Situation. Sie sind auch – wenigstens zum Teil – so etwas wie die Geschichtsschreiber ihrer Zeit. Chronisten. Wird hier auch etwas vom Selbstverständnis des Chronisten sichtbar, der mehr sein will als nur einer, der aufschreibt, wie es war? Er ist ja einer, der deutet, den Hintergrund des Geschehens sichtbar macht und so Zukunftsperspektiven anzeigt.

 

Mein Gott, Du gibst uns, damit wir geben können. Du füllst uns die Hände, damit wir etwas haben,  was wir teilen können. Du gibst uns Gaben und andere sind da, denen wir mit unseren Begabungen wohl tun können.

Was Du uns gibst, ist nie nur für uns bestimmt. Es ist da zum Teilen, zum Weitergeben, als Wohltat für uns, unsere Freunde und Familien, für die, die mit uns leben. Amen