Gott plant generationenübergreifend

  1. Chronik 22, 2 – 19

2 Und David ließ die Fremdlinge versammeln, die im Land Israel waren, und bestellte Steinmetzen, Steine zu hauen, um das Haus Gottes zu bauen. 3 Und David schaffte viel Eisen herbei zu Nägeln für die Türen der Tore und zu Klammern und so viel Kupfer, dass es nicht zu wiegen war, 4 auch Zedernholz ohne Zahl; denn die von Sidon und Tyrus brachten viel Zedernholz zu David.

Vorarbeiten für den Tempelbau. Wer nicht allzu vergesslich ist, hat noch das Wort Gottes an David im Gedächtnis: „Nicht du sollst mir ein Haus bauen zur Wohnung.“ (17,4) Einer der Nachfahren soll es bauen. Und jetzt trifft David Vorbereitungen, als sollte es morgen losgehen. Baumaterialien, Fachleute – alles wird bereit gestellt.

 5 Denn David dachte: Mein Sohn Salomo ist noch jung und zart; das Haus aber, das dem HERRN gebaut werden soll, soll groß sein, dass sein Name und Ruhm erhoben werde in allen Landen. Darum will ich ihm Vorrat schaffen. So schaffte David viel Vorrat vor seinem Tod.

            Der Chronist ist nicht vergesslich. Er merkt die Spannung. Und hält sie David zugute. Er will nur Salomo die Anstrengungen der Bauvorbereitung abnehmen. Damit er sich nicht übernimmt an dieser Aufgabe. Denn es soll doch ein Haus werden, durch das des HERRN   Name und Ruhm erhoben werde in allen Landen. Eine feine Differenz zu den Bauplänen in grauer Vorzeit, von denen es hieß: „Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen;“(1. Mose 11, 4) Der noch zu bauende Tempel soll den Namen des HERRN erhöhen.

 6 Und er rief seinen Sohn Salomo und gebot ihm, dem HERRN, dem Gott Israels, ein Haus zu bauen, 7 und sprach zu ihm: Mein Sohn, ich hatte im Sinn, dem Namen des HERRN, meines Gottes, ein Haus zu bauen, 8 aber das Wort des HERRN kam zu mir: Du hast viel Blut vergossen und große Kriege geführt; darum sollst du meinem Namen nicht ein Haus bauen, weil du vor mir so viel Blut auf die Erde vergossen hast.

Der Chronist lässt die Leser und Leserinnen zu Zeugen werden, wie es weitergehen soll mit dem Tempelbau. David weiht seinen noch jungen und zarten Sohn Salomo in seine Pläne ein. Das fängt mit einer Erklärung seines Verzichtes an. Weshalb er den Tempel nicht baut, nicht bauen darf, entgegen seinem eigenen Wollen und Planen. Das Wort des HERRN hat es unterbunden. Weil du vor mir so viel Blut auf die Erde vergossen hast. Eine höchst sublime Kritik daran, dass David ein Kriegskönig ist, einer, der vor keiner Gewalt zurück geschreckt ist. Es ist auch die Verweigerung, die Kriege Davids sozusagen „göttlich zu rechtfertigen“.

  9 Siehe, der Sohn, der dir geboren werden soll, der wird ein Mann der Ruhe sein; denn ich will ihm Ruhe schaffen vor allen seinen Feinden ringsumher. Er soll Salomo heißen; denn ich will Israel Frieden und Ruhe geben, solange er lebt. 10 Der soll meinem Namen ein Haus bauen. Er soll mein Sohn sein und ich will sein Vater sein. Und ich will seinen königlichen Thron über Israel bestätigen ewiglich.

Dann kommt fast so etwas wie ein Segen über Salomo. David sagt dem Sohn, was er als Wort über den Sohn empfangen hat. Schon der Name Salomo weist darauf hin: Auf den blutbefleckten Krieger folgt jetzt ein Mann der Ruhe, einer, dem Gott Ruhe und Frieden schafft. Schālōm. Das ist der Richtige, um das Haus Gottes zu bauen. Und dann wird der Satz aus der Verheißung an David (17,13) wiederholt: Er soll mein Sohn sein und ich will sein Vater sein. Mehr geht nicht. Es ist der Gipfelsatz über den König in Israel, jeden König in Israel. Und zugleich, später „demokratisiert“, der Gipfelsatz über jeden Menschen.  Was in 17,10 -13 noch offen war in der Frage, wann und durch wen es erfüllt wird, das wird jetzt durch David konsequent auf Salomo bezogen. Er ist der Nachkomme, den Gott verheißen hat.

 11 So wird nun, mein Sohn, der HERR mit dir sein und es wird dir gelingen, dass du dem HERRN, deinem Gott, ein Haus baust, wie er von dir gesagt hat. 12 Auch wird der HERR dir geben Klugheit und Verstand und wird dich bestellen über Israel, dass du haltest das Gesetz des HERRN, deines Gottes. 13 Dann aber wird es dir gelingen, wenn du die Gebote und Rechte befolgst, die der HERR dem Mose für Israel geboten hat. Sei getrost und unverzagt, fürchte dich nicht und lass dich nicht erschrecken!

Aus diesem Wort heraus ermutigt und beauftragt David seinen Sohn Salomo, den Tempel zu bauen. Auch hier wieder kommt es auf die Worte an: Dem HERRN, deinem Gott. Das ist schon entscheidend, dass Salomo diesen Bau nicht nur baut, weil sein Vater es so will, sondern dass er ihn für Gott baut, der eigenen Gottesbeziehung treu.

            Daran schließt sich in den Worten des David als Verheißung an, was an anderer Stelle als die demütige Bitte des jungen Salomo überliefert ist (1. Könige 3,9): Der HERR wird dir Klugheit und Verstand  geben. Und dann folgen Sätze, die ganz auf der Linie der Sicht der deuteronomistischen Schriften liegt: Dann aber wird es dir gelingen, wenn du die Gebote und Rechte befolgst, die der HERR dem Mose für Israel geboten hat. Das ist die tiefe Überzeugung, die der Chronist mit diesen Schriften teilt: Der Gehorsam gegen die Gebote und das Bleiben in den Rechten, die durch Mose als den Mund des HERRN an Israel gekommen sind – das ist der Weg des Lebens. Das ist ein gesegneter Weg.

Ist doch der Untergang des davidischen Reiches durch den Abfall von den Geboten und Rechten, vom Weg Gottes herbeigeführt worden. Wie sollte es da anders sein, als dass die Rückkehr zu den Geboten und Rechten eine Rückkehr ins Leben ist. Geschichts-Schreibung ist hier nichts anderes als eine Aufforderung zur Umkehr.

14 Siehe, ich habe in meiner Mühsal herbeigeschafft für das Haus des HERRN hunderttausend Zentner Gold und tausendmal tausend Zentner Silber, dazu Kupfer und Eisen, das nicht zu wiegen ist, denn es ist zu viel; auch Holz und Steine habe ich herbeigeschafft, davon kannst du noch mehr anschaffen. 15 Auch hast du viel Arbeiter, Steinmetzen und Leute, die in Stein und Holz arbeiten, und allerlei Meister für jede Arbeit 16 in Gold, Silber, Kupfer und Eisen, ohne Zahl. So mache dich auf und richte es aus! Der HERR wird mit dir sein.

Das klingt jetzt wie eine väterliche Ermahnung: Es ist alles vorbereitet. Mach was draus. Vertue nicht, was ich dir bereit gelegt habe. Dem Chronisten „kommt es darauf an, die Munifizenz der Daviden als leuchtendes Vorbild für die Gemeinde darzustellen.“ (K. Galling, aaO.; S.71) – (Munifizenz= Großzügigkeit) .

Es mag hilfreich sein, sich zu erinnern: „So spricht der HERR Zebaoth: Dies Volk spricht: Die Zeit ist noch nicht da, dass man des HERRN Haus baue. Und des HERRN Wort geschah durch den Propheten Haggai: Aber eure Zeit ist da, dass ihr in getäfelten Häusern wohnt, und dies Haus muss wüst stehen!“ (Haggai 1,2-4) Es ist in der Zeit nach dem Exil nicht selbstverständlich, dass der Tempelbau voran kommt. Umso nötiger die Erinnerung an den großen und großzügigen König David! Für alle Leser und Leserinnen der Chronik.

17 Und David gebot allen Oberen Israels, seinem Sohn Salomo zu helfen.

            Aber es ist nicht nur Salomos Aufgabe, die hier von David vorbereitet wird. Das ganze Volk, vor allem die Oberen, sind gemeint. Es sind die stärkeren Schultern, die mehr schultern müssen.

 18 Ist nicht der HERR, euer Gott, mit euch und hat euch Ruhe gegeben ringsumher? Denn er hat die Bewohner des Landes in meine Hand gegeben, und das Land ist unterworfen dem HERRN und seinem Volk. 19 So richtet nun euer Herz und euren Sinn darauf, den HERRN, euren Gott, zu suchen. Und macht euch auf und baut Gott, dem HERRN, ein Heiligtum, dass man die Lade des Bundes des HERRN und die heiligen Geräte Gottes in das Haus bringe, das dem Namen des HERRN gebaut werden soll.

Das liest sich wie eine direkte Ansprache an die Generationen nach dem Exil. Haben sie doch einen neuen Anfang geschenkt bekommen. Haben sie doch zur Ruhe gefunden trotz der vielen Feinde ringsum. In den Büchern Esra und Nehemia kann man dazu viel mehr lesen. Hier genügt der knappe Hinweis auf das Geschenk der Ruhe, des Friedens. Und die Aufforderung zu bauen. Aus Dankbarkeit. Es mögen Worte Davids sein – aber gerichtet sind sie in der Chronik wohl an die Zeitgenossen des Chronisten.

 

Mein Gott, es fällt uns nicht leicht, die eigenen Pläne in andere Hände zu geben. Es fällt nicht leicht, den eigenen Söhnen und Töchtern anzuvertrauen, was wir selbst ausführen wollten.

Manchmal braucht es Dein Wort an uns, Väter, Mütter, damit wir loslassen können, weitergeben. Damit wir erkennen, dass ein Plan nicht zu uns passt, zu unserer Lebensgeschichte, dass Du ihn denen anvertraust, die unsere Kinder sind.

Lass mich lernen, dann im Vertrauen loszulassen, im Vertrauen zu Dir und zu den Kindern. Amen