Fest bis zur Erschöpfung

  1. Chronik 35, 1 – 19

1 Und Josia hielt dem HERRN Passa in Jerusalem und sie schlachteten das Passa am vierzehnten Tage des ersten Monats.

Das kommt mir, auch durch die Ausführlichkeit der nachfolgenden Schilderung, wie der Höhepunkt der Kult-Reform des Josia vor. Er knüpft mit diesem Passa in Jerusalem an Hiskia an (30, 1-27), der erstmals das Passa wieder als Zentral-Fest für das Volk gefeiert hatte.  Das Passa ist von seiner Herkunft her (2. Mose 12) ja ein Fest in den Häusern. Josia macht es zum Fest in Jerusalem. „Das zentrale Passafest Josias ist die Wurzel für die Jerusalem-Wallfahrten, die noch zur Zeit Jesu eine Rolle spielten.“ (Hj.Bräumer, aaO.;, S.308)

 2 Und er bestellte die Priester zu ihrem Dienst und ermutigte sie zu ihrem Amt im Hause des HERRN 3 und sprach zu den Leviten, die ganz Israel lehrten und dem HERRN geheiligt waren: Bringt die heilige Lade ins Haus, das Salomo, der Sohn Davids, des Königs von Israel, gebaut hat. Nun sollt ihr sie nicht mehr auf den Schultern tragen. So dient nun dem HERRN, eurem Gott, und seinem Volk Israel 4 und seid bereit nach euren Sippen in euren Ordnungen, wie sie aufgeschrieben sind von David, dem König von Israel, und seinem Sohn Salomo, 5 und stellt euch im Heiligtum auf, entsprechend den Abteilungen der Sippen eurer Brüder aus dem Volk je eine Abteilung einer Sippe der Leviten, 6 und schlachtet das Passa und heiligt euch und bereitet es für eure Brüder, dass sie tun nach dem Wort des HERRN durch Mose.

Es sind die Priester und Leviten, die in dieser großen Passa-Feier federführend sind. Sie alle werden gebraucht, um das Fest zu feiern. Dabei wird zunächst die Lade in den Tempel zu bringen sein. Dort verbleibt sie – und spielt fortan keine Rolle mehr. Der Opferdienst steht nicht mehr im Zusammenhang mit der Lade, sondern mit dem Tempel. Damit alles seinen Gang gehen kann, sollen sich die Priester und Leviten heiligen. Es ist auch für die Priester und Leviten keine Alltagsübung, das Passa zu schlachten und zu bereiten.

 7 Und Josia gab als Opfergabe für das Volk Lämmer und junge Ziegen – alles zu dem Passa für alle, die sich versammelt hatten – an Zahl dreißigtausend, und dreitausend Rinder, alles von dem Gut des Königs.

Josia stellt eine Riesenzahl an Lämmern und Rindern als Opfergabe für das Volk bereit. Da gibt es kein Knausern und Sparen. „Fest bis zur Erschöpfung“ weiterlesen

Umkehr

  1. Chronik 34, 22 – 33

22 Da ging Hilkija samt den andern, die der König gesandt hatte, hin zu der Prophetin Hulda, der Frau Schallums, des Sohnes Tokhats, des Sohnes Harhas, des Kleiderhüters, die in Jerusalem wohnte im zweiten Bezirk der Stadt, und sagten ihr dies.

Der ganze Abschnitt der Verse 22 – 28 ist eine wörtliche Übernahme aus 2. Könige 22, 14 – 20. Der Chronist legt keinen Wert auf Originalität. Er greift gerne zurück auf alte Quellen und die Worte anderer. Vielleicht auch aus dem Wissen: Die Wahrheit kann gar nicht oft genug gesagt werden.

Hulda ist eine Prophetin. Es gibt die Überlegung, dass sie eine uralte, weise Frau ist. Es ist bemerkenswert: „Hilkija sucht weder den Propheten Zephanja noch den Propheten Jeremia auf“ (Hj.Bräumer, aaO.;, S.303) Beide sind Zeitgenossen des Josia, Propheten, deren Bücher wir kennen. Hier aber wird ein Wort dieser Prophetin erfragt als Wegweisung Gottes.

 23 Und sie sprach zu ihnen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Sagt dem Mann, der euch zu mir gesandt hat: 24 So spricht der HERR: Siehe, ich will Unheil bringen über diesen Ort und seine Einwohner, alle die Flüche, die geschrieben stehen in dem Buch, aus dem man vor dem König von Juda gelesen hat, 25 weil sie mich verlassen und andern Göttern geopfert haben, um mich zu erzürnen mit allen Werken ihrer Hände. Und mein Grimm soll über diesen Ort entbrennen und nicht ausgelöscht werden.

Es klingt distanziert, fast ein wenig herablassend: Sagt dem Mann, der euch zu mir gesandt hat. Hat Hilkija verschwiegen, in wessen Auftrag er kommt? Oder drückt das Wort nur aus: „Vor Gott ist kein Ansehen der Person?“(Römer 3,21)

Was Hulda dann ansagt, ist ein Unheils-Orakel. Nicht, weil sie es sieht. So spricht der HERR. Das ist die „Botenformel“, die deutlich macht: Hinter diesem Wort steht Gott selbst. Es ist nicht nur ein „Propheten-Spruch“. Unheil über Juda und Jerusalem. Weil sie mich verlassen und andern Göttern geopfert haben. Es ist die schreckliche Konsequenz des Unglaubens, dass er sich selbst das Heil verschließt und das Unheil über sich bringt. Wer sich auf die Götter verlässt, wird gottverlassen sein. „Umkehr“ weiterlesen

Ein Zufalls-Fund

  1. Chronik 34, 8 -21

8 Im achtzehnten Jahr seiner Herrschaft, als er das Land und das Haus des Herrn gereinigt hatte, sandte er Schafan, den Sohn Azaljas, und den Stadthauptmann Maaseja und den Kanzler Joach, den Sohn des Joahas, das Haus des HERRN, seines Gottes, auszubessern.

Nach diesen weit ausgreifenden Kult-Reformen wendet sich Josia der Aufgabe zu, den Tempel wieder auszubessern. Der Tempel war ja mehrfach beschädigt, nicht zuletzt durch blindwütige Aktionen des Ahas (28, 21 – 25) Darum beauftragt Josia vertraenswürdige Leute mit den entsprechenden Maßnahmen.

 9 Und sie kamen zu dem Hohenpriester Hilkija und man gab ihnen das Geld, das zum Hause Gottes gebracht war und das die Leviten, die an der Schwelle Wache hielten, von Manasse, Ephraim und von allen in Israel Übriggebliebenen gesammelt hatten und von ganz Juda und Benjamin und von denen, die in Jerusalem wohnten. 10 Und sie gaben’s in die Hände der Werkmeister, die bestellt waren am Hause des HERRN; und diese, die da arbeiteten am Hause des HERRN, dass sie das Haus ausbesserten und instand setzten, 11 gaben’s den Zimmerleuten und Bauleuten, um gehauene Steine zu kaufen und Holz zu Klammern und Balken für die Gebäude, die die Könige von Juda hatten verfallen lassen. 12 Und die Männer arbeiteten am Werk auf Treu und Glauben.

Es stehen ausreichende Mittel zur Verfügung. Die sind nicht zuletzt entstanden durch die Maßnahmen des Joasch, der eine Art „Rücklagenfonds für die Ausbesserungsarbeiten am Tempel“ initiiert hattet (24, 4 – 7) Mit diesem Geld werden die ständigen Handwerker am Tempel entlohnt, aber auch die Kräfte, die man zusätzlich anwerben musste. Löhne und Maerialien erfordern hohen Aufwand für die Gebäude, die die Könige von Juda hatten verfallen lassen. Das ist Kritik an den Königen, die den Tempel vernachlässigt haben. Es ist zugleich Mahnung an die Leser der Chronik, nicht Ausbesserungsarbeiten am nach-exilisch errichteten Tempel schleifen zu lassen.

Es ist mehr als eine schöne Anmerkung:  Und die Männer arbeiteten am Werk auf Treu und Glauben. Gewissenhaft und sorgfältig. Das trifft sowohl auf die Durchführung der Arbeiten zu als auch auf die Verwaltung der Finanzen. Diese Bemerkung ist der starke Widerspruch gegen die Devise, die seit Lenin sprichwörtlich in der Welt ist: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Das wünscht man sich doch, dass es bei solchen „geistlichen“ Bauten anders zugeht als wenn irgendwo eine Bank gebaut wird. Es ist geistlich schmerzhaft, wenn bei Kirchenbauten Geld vertan wird, verschleudert, Maßlosigkeit  regiert und deshalb der Ruf nach Kontrolle so laut werden muss, weil es eben nicht nach Treu und Glauben gelingt. Es könnte auch anders sein.   „Ein Zufalls-Fund“ weiterlesen

In der Spur Davids

  1. Chronik 34, 1 – 7

1 Acht Jahre alt war Josia, als er König wurde; und er regierte einunddreißig Jahre zu Jerusalem 2 und tat, was dem HERRN wohlgefiel, und wandelte in den Wegen seines Vaters David und wich weder zur Rechten noch zur Linken.

Sein Vater Amon ist ermordet worden. Auf Grund seiner kurzen Regierungszeit eher ein Zwischenspiel, war er doch kein König nach dem Herzen Gottes. Josia, der Enkel des König Manasse, wird mit acht Jahren König. Ein Kind auf dem Königsthron in Jerusalem. In politisch schwierigen und religiös verwirrten Zeiten. Über ihn hat der Chronist ein absolut positives Urteil. Kein Abweichen von der guten Spur Davids, weder nach links noch nach rechts. Ich übertrage für mich: Nicht in übertriebene Enge und nicht in uferlose Weite. Vor allem: Kein Abweichen vom Gott der Väter.

 3 Im achten Jahr seiner Herrschaft fing er an, obwohl er noch jung war, den Gott seines Vaters David zu suchen, und im zwölften Jahr fing er an, Juda und Jerusalem zu reinigen von den Opferhöhen und den Bildern der Aschera, von den Götzen und gegossenen Bildern.

Als er sechzehn ist, im achten Jahr seiner Herrschaft, beginnt er einen eigenen Weg zu suchen. Da er zuvor minderjährig ist, ist er auch in seinen Entscheidungen abhängig von Beratern. Jetzt wird er selbstständig in seinem Wollen und das konzentriert sich als erstes darauf,  den Gott seines Vaters David zu suchen. Das muss keine „Bekehrung“ meinen. Aber es schließt, wie das folgende zeigt, ein entschlossenes Eintreten dafür ein, dass die fremden Götter entfernt werden, in dem ihre Bilder und Statuen  entfernt werden. Götterbilder stehen ja für Einflussbereiche. Josia will nur Einem Einfluss in Juda einräumen, dem Gott seines Vaters David. „In der Spur Davids“ weiterlesen

Nur Kritik – nur ein Zwischenspiel

  1. Chronik 28, 16 – 27

16 Zu derselben Zeit sandte der König Ahas zu dem König von Assur, dass er ihm helfe.

Wie sich zeigen wird im Lauf der Geschichte: Eine folgenschwere Entscheidung. Ahas bittet den König von Assur um Hilfe.

 17 Und es kamen abermals die Edomiter und schlugen Juda und führten einige weg. 18 Auch die Philister fielen ein in die Städte im Hügelland und im Südlande Judas und eroberten Bet-Schemesch, Ajalon, Gederot und Socho mit seinen Ortschaften und Timna mit seinen Ortschaften und Gimso mit seinen Ortschaften und wohnten darin; 19 denn der HERR demütigte Juda um des Ahas willen, des Königs von Juda, weil er in Juda ein zuchtloses Wesen aufkommen ließ und sich am HERRN versündigte.

Er hat Grund zu diesem Hilfegesuch: Die Edomiter machen Juda zu schaffen, genau wie die Philister. Feinde von allen Seiten und da ist keine Kraft zum Widerstand. Das hat geistliche Gründe: Der HERR demütigte Juda um des Ahas willen, des Königs von Juda. Ahas hat den klaren Weg des Glaubens verlassen. Er hat seinem Volk nicht als Hirte gedient und hat sich selbst auch nicht bei dem HERRN Hilfe und Wegweisung gesucht. Eigensinnig ist er seinen eigenen Weg gegangen. Das nennt der Chronist:  Er versündigte sich am HERRN. „Nur Kritik – nur ein Zwischenspiel“ weiterlesen

Die Stunde der Barmherzigkeit

  1. Chronik 28, 1 – 15

1 Ahas war zwanzig Jahre alt, als er König wurde; und er regierte sechzehn Jahre zu Jerusalem.

            Auf Jotam, der fast wie eine Art Zwischenspiel wirkt und entsprechend knapp notiert wird, folgt Ahas. Immerhin zwanzig Jahre alt, als er König wird. Und er wird sechszehn Jahre regieren. In Jerusalem

 Er tat nicht, was dem HERRN wohlgefiel, wie sein Vater David, 2 sondern wandelte in den Wegen der Könige von Israel. Dazu machte er den Baalen gegossene Bilder 3 und opferte im Tal Ben-Hinnom und verbrannte seine Söhne im Feuer nach den gräulichen Sitten der Heiden, die der HERR vor den Israeliten vertrieben hatte, 4 und opferte und räucherte auf den Höhen und auf den Hügeln und unter allen grünen Bäumen.

Seine „Benotung“ ist schrecklich. Er tat nicht, was dem HERRN wohlgefiel. Vielmehr ist es so, dass er die Könige Israels, also des Nord-Reiches, kopiert. Es sind üble Sünden: Baal-Statue, Kinder-Opfer im Hinnom-Tal, Opfer auf den Höhen, also nicht im Tempel von Jerusalem. Irgendwelche Natur- und Fruchtbarkeits-Gottheiten werden von ihm verehrt. Kein Wunder, dass er Gott nicht gefällt.

 5 Darum gab ihn der HERR, sein Gott, in die Hand des Königs von Aram, dass sie ihn schlugen und eine große Menge der Seinen gefangen wegführten und nach Damaskus brachten. Auch wurde er in die Hand des Königs von Israel gegeben; der schlug ihn hart; 6 denn Pekach, der Sohn Remaljas, schlug in Juda 120000 streitbare Männer auf „einen“ Tag, weil sie den HERRN, den Gott ihrer Väter, verlassen hatten. 7 Und Sichri, ein Kriegsmann aus Ephraim, erschlug Maaseja, den Königssohn, und Asrikam, den Vorsteher des Königshauses, und Elkana, den Ersten nach dem König. 8 Und die von Israel führten von ihren Brüdern 200000 Frauen, Söhne und Töchter gefangen weg und nahmen dazu große Beute von ihnen und brachten sie nach Samaria.

            Die Folgen sind furchtbar – für Ahas und für Juda. Im Krieg mit Pekach von Israel und Rezin von Damaskus, dem syrisch-ephraimiitschen Krieg, wird Juda schwer geschlagen. 120000 Judäer fallen am einem Tag, dazu der Königssohn Maaseja, Asrikam, der Vorsteher des Königshauses, und Elkana, der Erste nach dem König. Es ist die Führungsspitze hinter Ahas, die ausfällt. Aber damit nicht genug: 200.000 Frauen, Söhne und Töchter werden nach Samaria in die Gefangenschaft verschleppt. „Die Stunde der Barmherzigkeit“ weiterlesen

Usija – maßlos

  1. Chronik 26, 1 – 23

1 Da nahm das ganze Volk von Juda den Usija – der war sechzehn Jahre alt -, und sie machten ihn zum König an seines Vaters Amazja statt. 2 Der baute Elat aus und brachte es wieder an Juda, nachdem der König sich zu seinen Vätern gelegt hatte. 3 Sechzehn Jahre alt war Usija, als er König wurde; und er regierte zweiundfünfzig Jahre zu Jerusalem. Seine Mutter hieß Jecholja, aus Jerusalem.

            In ganz jungen Jahren, mit sechzehn, wird Usija König. Das Volk von Juda macht ihn dazu. Er folgt seinem Vater Amazija auf dem Thron. Eine seiner ersten Taten ist die Rückeroberung des Hafens von Elat. Und gleich mit der Notiz über seinen Anfang wird die Dauer seiner Regierungszeit genannt: Zweiundfünfzig Jahre zu Jerusalem. Das ist für damalige Verhältnisse unendlich lang, zwei Generationen werden von ihm gelenkt. Und, wie zur Ergänzung der Personenangaben: Seine Mutter ist eine Jerusalemerin.

 4 Und er tat, was dem HERRN wohlgefiel, ganz wie sein Vater Amazja getan hatte. 5 Und er suchte Gott, solange Secharja lebte, der ihn unterwies in der Furcht Gottes; und solange er den HERRN suchte, ließ es ihm Gott gelingen.

Nach diesen Angaben zur Person folgt eine Wertung. Er tat, was dem HERRN wohlgefiel. Es ist ein ganz positives Urteil, das hier über Usija gefällt wird. Er hat einen Lehrer, Mentor, Secharja, der ihn auf diesen Weg bringt, ihn unterwies in der Furcht Gottes, ihn anleitet, den HERRN zu suchen, was nichts anderes heißt als eine betende Existenz zu leben. Solange er diesen Weg geht, segnet Gott sein Tun.

 6 Er zog aus und kämpfte gegen die Philister und riss nieder die Mauer von Gat und die Mauer von Jabne und die Mauer von Aschdod und baute Festungen um Aschdod und im Philisterland; 7 denn Gott half ihm gegen die Philister, gegen die Araber, die in Gur-Baal wohnten, und gegen die Mëuniter. 8 Und die Ammoniter gaben Usija Geschenke und er wurde berühmt bis hin nach Ägypten; denn er wurde immer mächtiger.

            In Konflikten mit den alten Feinden, Philistern und Ammonitern, setzt Usija sich durch. Er schleift die Festungen der Feinde und errichtet eigene an ihrer Stelle Die Ammoniter werden tributpflichtig. Er gewinnt an Macht, so dass man sogar in Ägypten auf ihn aufmerksam wird. Alles, weil Gott ihm hilft. „Usija – maßlos“ weiterlesen

Aus tiefer Not

  1. Chronik 20, 1 – 26

1 Danach kamen die Moabiter, die Ammoniter und mit ihnen auch Mëuniter, um gegen Joschafat zu kämpfen. 2 Und man kam und sagte zu Joschafat: Es kommt gegen dich eine große Menge von jenseits des Salzmeeres, von Edom, und siehe, sie sind schon in Hazezon-Tamar, das ist En-Gedi.

Joschafat ist mit Innenpolitik beschäftigt. Aber nun treten Feinde von außen auf den Plan.  Moabiter, Ammoniter und mit ihnen auch Mëuniter ziehen mit einem großen Heer herauf. Sie sind schon am Toten Meer vorbei auf der Höhe von En-Gedi. Der Weg nach Jerusalem ist für dieses Heer nicht mehr allzu weit.

 3 Joschafat aber fürchtete sich und richtete sein Angesicht darauf, den HERRN zu suchen; und er ließ in ganz Juda ein Fasten ausrufen. 4 Und Juda kam zusammen, den HERRN zu suchen; auch aus allen Städten Judas kamen sie, den HERRN zu suchen.

Die Antwort Joschafats auf diese Botschaft ist nicht als erstes Mobilmachung, sondern er  richtete sein Angesicht darauf, den HERRN zu suchen. Er ordnet ein Fasten an. Die erste Antwort auf die militärische Bedrohung ist ein religiöses Verhalten, Glauben.

 5 Und Joschafat trat hin unter die Gemeinde Judas und Jerusalems im Hause des HERRN vorn im neuen Vorhof 6 und sprach:

Alles spielt sich im Tempel ab. Im Vorhof. Dort ist die Gemeinde Judas und Jerusalems versammelt. Vor dem HERRN. Und darum beginnt Joschafat auch seine Rede nicht mit einer Ansprache an das Volk, sondern mit einem Gebet zu Gott.  „Aus tiefer Not“ weiterlesen

In der Schlacht

  1. Chronik 18, 28 – 19,3

28 So zogen der König von Israel und Joschafat, der König von Juda, hinauf nach Ramot in Gilead. 29 Und der König von Israel sprach zu Joschafat: Ich will mich verkleiden und in den Kampf ziehen, du aber behalte deine königlichen Kleider an! Und der König von Israel verkleidete sich und sie zogen in den Kampf.

Ohne das Wort des Micha zu achten, aber mit dem Zuspruch der vierhundert Propheten, so ziehen die Könige nach Ramot in Gilead. Siegessicher. Das erhöht die Kampfeslust, auch bei den Königen selbst. Der König von Israel, Ahab, will sich in die Schlacht einmischen, mittun als Kämpfer. So kleidet sich  der König von Israel wie ein gewöhnlicher Soldat ein und zieht in den Kampf.

Mir fällt in der ganzen Erzählung auf, dass der König von Israel fast nie mit seinem Namen Ahab genannt wird, ganz im Gegenteil zu Joschafat. Von ihm heißt es nicht durchgängig: Der König von Juda.  Es ist so, als verschwände Ahab als Person hinter seiner Funktion „König von Israel“, während bei Joschafat fast das Amt hinter der Person verschwindet. Er ist nur Joschafat.

 30 Aber der König von Aram hatte den Obersten über seine Wagen geboten: Ihr sollt nicht kämpfen gegen Geringe und Hohe, sondern allein gegen den König von Israel. 31 Als nun die Obersten der Wagen Joschafat sahen, dachten sie, es sei der König von Israel, und umringten ihn, um gegen ihn zu kämpfen. Aber Joschafat schrie und der HERR half ihm und Gott lockte sie von ihm weg. 32 Denn als die Obersten der Wagen merkten, dass er nicht der König von Israel war, wandten sie sich von ihm ab.

Es ist gängige Taktik, die Heeresleitung des Gegners auszuschalten. Wenn der König fällt, ist die Schlacht schon halb gewonnen. So lenkt der König von Aram den Angriff seiner Truppen  allein gegen den König von Israel. Die Truppen sehen eine prächtig geschmückten Mann und halten ihn für den König von Israel. Hat Ahab das taktische Kalkül der Gegner selbst einkalkuliert? „Ahab gefährdet mit voller Absicht das Leben Joschafats.“(Hj.Bräumer, aaO.;, S.169) So das Urteil nicht nur eines Exegeten. Mich überzeugt das nicht wirklich. Ahab hat doch das durch und durch positive Votum seiner vierhundert (19,5) samt dem prophetischen Zeichen des  Zidkija(19,10). Warum also soll er sich angstvoll verkleiden? Ich denke, er will den Sieg als Kämpfer auskosten. Es ist nicht Angst, sondern Übermut und Hochmut, der Ahab so handeln lässt. Er sucht den Sieg und den Ruhm.     „In der Schlacht“ weiterlesen

Geist der Verwirrung

  1. Chronik 18, 1 – 27

1 Und Joschafat hatte großen Reichtum und viel Ehre und verschwägerte sich mit Ahab.

            Joschafat ist der vierte König in Juda. Er regiert von 874 bis 849 v. Chr. Er hat ein starkes Reich geerbt, aber ihm liegt daran, dies auch zu sichern. Dazu sucht er die Verbindung zu Ahab, dem König des Nordreichs. Joram, der Sohn Ahabs heiratet Joschafats Tochter. (2. Könige 8,18) Eheschließungen sind zu vielen Zeiten ein Mittel des Machterhaltes und der Machtsicherung. So auch hier.

 2 Und nach einigen Jahren zog er hinab zu Ahab nach Samaria. Und Ahab ließ für ihn und für das Volk, das bei ihm war, viele Schafe und Rinder schlachten. Und er beredete ihn, dass er hinaufzöge nach Ramot in Gilead.

            Joschafat macht sich auf den Weg zu Ahab. Sie treffen sich in Samaria. Und dort beredet Ahab den Judäer zu einem Feldzug gegen die Stadt Ramot in Gilead. Das Ziel dieses Feldzuges wird nicht benannt. Wahrscheinlich geht es um das Gewinnen eines wichtigen Punktes an der „Königsstraße“.

 3 Ahab, der König von Israel, sprach zu Joschafat, dem König von Juda: Willst du mit mir nach Ramot in Gilead ziehen? Er sprach zu ihm: Ich bin wie du und mein Volk wie dein Volk; wir wollen mit dir in den Kampf. 4 Aber Joschafat sprach zum König von Israel: Frage doch zuerst nach dem Wort des HERRN! 5 Und der König von Israel versammelte vierhundert Propheten und sprach zu ihnen: Sollen wir nach Ramot in Gilead in den Kampf ziehen oder soll ich’s lassen? Sie sprachen: Zieh hinauf! Gott wird es in des Königs Hand geben.

            Es sieht so aus, als würde dieser gemeinsame Plan die beiden Könige – und damit doch die Reiche – näher zusammenbringen. Ich bin wie du und mein Volk wie dein Volk; wir wollen mit dir in den Kampf. Das sind wohl Ahabs Worte. Es ist erstaunlich, wie weit dieser König mit diesem Worten geht, nach der langen Zeit der Trennung. Seine Worte  werben um Vertrauen.

Joschafat ist dennoch zögerlich. Und bedacht. Er weiß sich mit seinen Plänen darauf angewiesen, dass Gott „mitspielt“, einverstanden ist. Er will ein Gotteswort, ein Orakel für diese Situation.  Darum seine Aufforderung: Frage doch zuerst nach dem Wort des HERRN!

Ahab hat vierhundert Propheten zur Hand. Die werden als Hofpropheten Ahabs befragt. Und antworten unisono: Zieh hinauf! Gott wird es in des Königs Hand geben. Einstimmiger geht es nicht. Ist es so, dass sie ein „Gefälltigkeits-Orakel“ abgeben, so wie es Gefälligkeits-Gutachten gibt? Ist es so, dass der, der das Orakel „bestellt“, damt auch schon über seinen Inhalt entscheidet? Weil man weiß, was er gerne hören möchte?  „Geist der Verwirrung“ weiterlesen