Der Grund des Lebens: Gott

  1. Chronik 16, 23 – 43

23 Singet dem HERRN, alle Lande,                                                                                   verkündiget täglich sein Heil!                                                                                              24 Erzählet unter den Heiden seine Herrlichkeit                                                                  und unter allen Völkern seine Wunder!

25 Denn der HERR ist groß und hoch zu loben                                                                und mehr zu fürchten als alle Götter.                                                                          26 Denn aller Heiden Götter sind Götzen,                                                                            der HERR aber hat den Himmel gemacht.                                                                      27 Hoheit und Pracht sind vor ihm,                                                                                   Macht und Freude in seinem Heiligtum.                                                                       28 Bringet dar dem HERRN, ihr Völker,                                                                         bringet dar dem HERRN Ehre und Macht!                                                                     29 Bringet dar dem HERRN die Ehre seines Namens,                                                 bringet Geschenke und kommt vor ihn                                                                              und betet den HERRN an in heiligem Schmuck!                                                                 30 Es fürchte ihn alle Welt.                                                                                                         Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt.                                                    31 Es freue sich der Himmel, und die Erde sei fröhlich,                                                 und man sage unter den Heiden, dass der HERR regiert!                                                  32 Das Meer brause und was darinnen ist,                                                                            und das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist.                                                       33 Es sollen jauchzen alle Bäume im Wald vor dem HERRN;                                    denn er kommt, zu richten die Erde.                                                                                34 Danket dem HERRN, denn er ist freundlich,                                                                 und seine Güte währet ewiglich.                                                                                           35 Und sprecht: Hilf uns, Gott, unser Heiland,                                                                 und sammle uns und errette uns von den Heiden,                                                           dass wir deinen heiligen Namen preisen und dir Lob sagen!                                    36 Gelobt sei der HERR, der Gott Israels,                                                                           von Ewigkeit zu Ewigkeit!                                                                                                         Und alles Volk sagte: Amen!, und: Lobe den HERRN!

Der Psalm findet seine Fortsetzung. Auch in ihr gibt es wieder zahlreiche Parallelen in anderen Psalmen.  So finden sich vor allem in Psalm 96 ganze Passagen fast wörtlich wieder.    Der Psalm „passt“ zum Anlass, ist doch die Lade so etwas wie der irdische Thron Gottes. Darum sind die Verse 23 – 33 eine Art „Thronbesteigungspsalm“ (K. Galling, aaO.; S. 52) Sein Thema ist der wahre Gott im Gegenüber zu den Göttern der Heiden. Diese  Götter sind Götzen. Und in der Anbetung des wahren Gottes wird Israel zum „wahren Israel“, bewährt es die Erwählung Gottes. 

Es geht dann weiter mit dem Dank und der Anbetung Gottes. Beides begegnet so auch im Psalm 106, 1.47-48. Wie anders sollte Israel auch auf die Gegenwart Gottes in seiner Stadt antworten als in Lob und Dank? Und zugleich greift der Psalm weit hinaus über den Fest-Moment. Israel ist bleibend darauf angewiesen, dass  Gott sein Heiland ist, dass er es sammelt und es errettet von den Heiden.

Danket dem HERRN, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Über Jahrzehnte hin ist das das Dankgebet nach dem Essen in meinem Elternhaus.  Nicht sonderlich originell, so wie ja auch der Psalm nicht sonderlich originell ist, sondern aus anderen Psalmen zusammen gesucht. Aber der Glaube braucht auch nicht vor allem Originalität, sondern Beständigkeit. Wenn es sein muss, Jahrzehnte. Damit er tief gegründet. wird. Einwurzelt.

In der Entstehungszeit der Chronik gibt es schon so etwas wie eine jüdische Diaspora. Nicht nur von Juden, die in Babylon zurück geblieben waren, sondern auch von Juden, die sich in Ägypten nieder gelassen hatten. „Aus der zwangsweise deportierten Gola wurde die Diaspora… Eine Diaspora in Ägypten ist außerdem durch die Elephantie-Papyrie bezeugt, die von einer Militärkolonie auf der Nilinsel stammen. Seit der Zeit des letzten babylonischen Königs Nabonid (556 -539) lassen sich auch jüdische Siedlungen in Arabien vermuten. Bis nach Griechenland wurden jüdische Sklaven verkauft.“ (W.H. Schmidt, Alttestamentlicher Glaube in seiner Geschichte, Berlin 1981, S.258) Sie alle sind und waren ja bedroht vom Aufgehen unter den Heiden, vom Verschwinden im Dunkel der Geschichte.  Es braucht die Bewahrung Gottes, damit sie nicht untergehen. „Der Diaspora half die Entstehung der Synagoge, in einer fremden Umwelt den Glauben zu bewahren.“ (W.H. Schmidt,  S.260)

Aus dem Schlussvers in Psalm 106,48 wird hier ein erzähltes Detail. Das Volk antwortet auf den Psalm mit seinem Amen und dem Ruf Lobe den Herrn. Das macht für den Gebrauch in einem Gottesdienst durchaus Sinn. So eignet sich das Volk die Worte des Psalms als sein Wort an und stimmt ihnen zu.

37 Und David ließ dort vor der Lade des Bundes des HERRN den Asaf und seine Brüder, damit sie Dienst täten vor der Lade allezeit, wie es jeder Tag erforderte; 38 dazu Obed-Edom und seine Brüder, achtundsechzig Mann, und Obed-Edom, den Sohn Jedutuns, und Hosa als Torhüter. 39 Und den Priester Zadok und seine Brüder, die Priester, bestellte er bei der Wohnung des HERRN auf der Höhe bei Gibeon, 40 dass sie dem HERRN täglich Brandopfer darbrächten auf dem Brandopferaltar, am Morgen und am Abend, wie geschrieben steht im Gesetz des HERRN, das er Israel geboten hat, 41 und mit ihnen Heman und Jedutun und die andern Erwählten, die namentlich bestimmt waren, um dem HERRN zu danken, dass seine Güte ewiglich währt, 42 mit Trompeten und hell klingenden Zimbeln und mit Saitenspiel zur Ehre Gottes. Die Söhne Jedutuns aber machte er zu Torhütern. 43 Und alles Volk zog hin, ein jeder in sein Haus, und David kehrte auch heim, sein Haus zu segnen.

Das ist mehr als nur eine zufällige Notiz. Hier wird David als der gezeigt, der den Kult am Heiligtum, in diesem Fall der Lade, sorgfältig ordnet. Der sich richtet nach dem, wie geschrieben steht im Gesetz des HERRN, das er Israel geboten hat. Ein wahrer König. Der wahre König nach dem Herzen Gottes. So sollen die Leser der Chronik David vor Augen haben.

Das sollen sie zugleich lernen: Die vornehmste Aufgabe eines Herrschers in Israel ist die Sorge um den Kult, um den Gottesdienst. Dahinter steht die Überzeugung des Chronisten: die Frömmigkeit erbaut ein Volk, die Sünde aber ist der Leute Verderben. Sie ruiniert das Volk. Nicht lediglich im religiösen Sinn. Sondern in seiner ganzen Befindlichkeit.

Wenn man so will: ein säkularer moderner Staat ist in den Augen des Chronisten zum Untergang verurteilt. Er hat sich gelöst von den Wurzeln, die allein Traghaft haben und Leben spenden.  In den Augen des Chronisten könnte es auch vom Staat gesagt sein:

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen                                                        noch tritt auf den Weg der Sünder                                                                                            noch sitzt, wo die Spötter sitzen,                                                                                           sondern hat Lust am Gesetz des HERRN                                                                            und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!                                                                  Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen,                                                 der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,                                                                                   und seine Blätter verwelken nicht.                                                                                         Und was er macht, das gerät wohl.               Psalm 1, 1 – 4

In der Sprache eines modernen Wissenschaftlers hört sich dieser chronistische Grundgedanke so an: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das große Wagnis, das er, um der Freiheit willen, eingegangen ist. Als freiheitlicher Staat kann er einerseits nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der moralischen Substanz des einzelnen und der Homogenität der Gesellschaft, reguliert. Anderseits kann er diese inneren Regulierungskräfte nicht von sich aus, das heißt mit den Mitteln des Rechtszwanges und autoritativen Gebots zu garantieren suchen, ohne seine Freiheitlichkeit aufzugeben und – auf säkularisierter Ebene – in jenen Totalitätsanspruch zurückzufallen, aus dem er in den konfessionellen Bürgerkriegen herausgeführt hat.“ (Ernst Wolfgang Böckenförde, Staat, Gesellschaft, Freiheit. 1976, S. 60)

 

Mein Gott, lass es uns nie vergessen, dass Du der Grund unseres Lebens bist, der Grund der Welt, das Ziel des Kosmos. Lass es uns nicht vergessen, dass unser Leben ins Leere läuft ohne Dich, dass wir uns verrennen, wenn wir unsere eigenen Wege gehen und darüber Deinen Weg versäumen.

Lass es uns nie vergessen, dass wir nicht nur Worte machen, wenn wir Dich loben und preisen, sondern unser Leben dadurch ausrichten an Dir, auf Dich hin. Gib Du es mir, dass mein Leben in Dir seinen guten Grund hat, sein Ziel und seinen Weg. Amen