Freude im Überschwang

  1. Chronik 15, 1 – 16. 25 – 29

1 Und David baute sich Häuser in der Stadt Davids und bereitete der Lade Gottes eine Stätte und richtete ein Zelt für sie auf. 2 Damals sprach David: Die Lade Gottes soll niemand tragen außer den Leviten; denn diese hat der HERR erwählt, dass sie die Lade des HERRN tragen und ihm dienen allezeit. 3 Da versammelte David ganz Israel nach Jerusalem, damit sie die Lade des HERRN hinaufbrächten an die Stätte, die er dazu bereitet hatte.

Der Sieg über die Philister schafft Freiraum für die „Innenpolitik“. David baut Jerusalem aus. Häuser für sich, seine Leute. Und ein Haus für die Lade Gottes. Ein Zelt. Er weiß: Jetzt ist es Zeit, die Lade nach Jerusalem zu holen.  Sie nicht mehr im  Haus Obed-Edoms zu lassen. Ihr Segen soll sich in seiner Hauptstadt entfalten.

            Die Erinnerung an das Unglück beim ersten Transport macht ihn vorsichtig. Nicht mehr irgendwer, sondern ausschließlich die Leviten sollen die Lade tragen. Sie sind ja vom HERR erwählt zu dieser Aufgabe. Ganz Israel soll an dieser Heimkehr beteiligt sein.

Das ist nicht nur ein frommer Akt, sondern auch eine staatspolitische Entscheidung. Damit ganz Israel eins wird, braucht es solche gemeinsamen Aktionen und Symbole.

 4 Und David brachte zusammen die Söhne Aaron und die Leviten: 5 von den Söhnen Kehat: Uriël, den Obersten, samt seinen Brüdern, 120; 6 von den Söhnen Merari: Asaja, den Obersten, samt seinen Brüdern, 220; 7 von den Söhnen Gerschon: Joel, den Obersten, samt seinen Brüdern, 130; 8 von den Söhnen Elizafan: Schemaja, den Obersten, samt seinen Brüdern, 200; 9 von den Söhnen Hebron: Eliël, den Obersten, samt seinen Brüdern, 80; 10 von den Söhnen Usiël: Amminadab, den Obersten, samt seinen Brüdern, 112. 11 Und David rief die Priester Zadok und Abjatar und die Leviten, nämlich Uriël, Asaja, Joel, Schemaja, Eliël, Amminadab, 12 und sprach zu ihnen: Ihr seid die Häupter der Sippen unter den Leviten; so heiligt nun euch und eure Brüder, dass ihr die Lade des HERRN, des Gottes Israels, heraufbringt an den Ort, den ich ihr bereitet habe. 13 Denn das erste Mal, als ihr nicht da wart, machte der HERR, unser Gott, einen Riss unter uns, weil wir ihn nicht befragt hatten, wie sich’s gebührt.

Eine der Listen, die der Chronist so liebt. Diesmal die Fachleute in Sachen Kult, die Leviten. Sie müssen diesen Zug mit der Lade organisieren und kultisch betreuen. David muss nicht alles selbst machen. Es gibt genug fähige Leute. Es sind Leute, die Davids Vertrauen haben. Haben sie doch, wie etwa Abjatar schon einem gemeinsame Geschichte mit David. „Es entrann aber “ein” Sohn Ahimelechs, des Sohnes Ahitubs, der hieß Abjatar, und floh zu David.“ (1. Samuel 22, 20; 23,6) Auch hat David aus der ersten Etappe und dem Tod des Usa seine Lehren gezogen. Diesmal will er alles so gehalten sehen, wie sich’s gebührt. Aber auch bei ihnen wird es darum gehen, dass sie sich heiligen. Damit sie sich der Lade überhaupt nähern können.

Das ist eine Sicht, die uns heute ein wenig fremd ist. Wir achten nicht so auf Äußerlichkeiten. Wir haben es nicht mit heiligen und rein sein. Zumindest in Sachen der Religion. Gott muss doch froh sein, wenn wir überhaupt nach ihm fragen.

Wir sind allenfalls darauf angewiesen, dass wir vor der Öffentlichkeit mit einer reinen Weste dastehen.  Und „heiligen“ ist bei uns nichts anderes als so auftreten, dass es vorzeigbar ist vor den Augen der kritischen Medien, dass wir nicht durchfallen in der Beurteilung durch Menschen. Dass es keine dunklen Flecken auf unserem Image im Netz gibt, das nie vergisst und nie vergibt. Bei Facebook.

14 So heiligten sich die Priester und Leviten, damit sie die Lade des HERRN, des Gottes Israels, heraufbrächten. 15 Und die Leviten trugen die Lade Gottes auf ihren Schultern mit den Stangen, wie Mose geboten hatte nach dem Wort des HERRN. 16 Und David befahl den Obersten der Leviten, dass sie ihre Brüder, die Sänger, bestellen sollten mit Saitenspielen, mit Psaltern, Harfen und hellen Zimbeln, dass sie laut sängen und mit Freuden.

Die Anweisungen Davids werden befolgt. Sind sie doch Anweisungen, die auf den gesegneten Anfang Israels zurück verweisen:  wie Mose geboten hatte nach dem Wort des HERRN. Das zieht sich wie ein cantus firmus vor allem durch das Josua-Buch: Mose ist der Mund, durch den der HERR gebietet. Und solange Israel dem folgt, was Mose gebietet, der Herr durch Mose, solange ist es auf einem guten Weg.

17 Da bestellten die Leviten Heman, den Sohn Joels, und von seinen Brüdern Asaf, den Sohn Berechjas, und von den Söhnen Merari, ihren Brüdern, Etan, den Sohn Kuschajas, 18 und mit ihnen ihre Brüder der zweiten Ordnung: Secharja, Jaasiël, Schemiramot, Jehiël, Unni, Eliab, Benaja, Maaseja, Mattitja, Elifelehu, Mikneja, Obed-Edom, Jëiël, die Torhüter. 19 Denn Heman, Asaf und Etan waren Sänger mit kupfernen, hell klingenden Zimbeln; 20 Secharja aber, Jaasiël, Schemiramot, Jehiël, Unni, Eliab, Maaseja und Benaja mit Psaltern zu spielen; 21 Mattitja aber, Elifelehu, Mikneja, Obed-Edom, Jëiël und Asaja mit Harfen von acht Saiten zu spielen; 22 Kenanja aber, der Leviten Oberster, der Singmeister, unterwies sie im Singen; denn er verstand sich darauf. 23 Und Berechja und Elkana waren Torhüter bei der Lade. 24 Aber Schebanja, Joschafat, Netanel, Amasai, Secharja, Benaja, Eliëser, die Priester, bliesen mit Trompeten vor der Lade Gottes; und Obed-Edom und Jehija waren Torhüter bei der Lade. 25 So zogen David und die Ältesten Israels und die Obersten über tausend hin, um die Lade des Bundes des HERRN heraufzuholen aus dem Hause Obed-Edoms mit Freuden.

Es ist eine lautstarke, fröhliche Prozession. Voll Sang und Klang. Ganz Israel ist auf den Beinen auf diesem Weg der Lade vom Haus des Obed-Edom nach Jerusalem. Und Obed-Edom, der sie „über drei Monate“ (13,14)beherbergt hatte, wird zu einem der Torhüter bei der Lade. 

26 Und weil Gott den Leviten half, die die Lade des Bundes des HERRN trugen, opferten sie sieben junge Stiere und sieben Widder.

            Ein Opfer auf dem Weg. Aus Dankbarkeit für die Hilfe Gottes. Worin diese Hilfe besteht, wird nicht gesagt. Denkbar wäre: In der Bewahrung vor „Transport-Schäden“, wie sie Usa erfahren hat. Aber die Dankbarkeit kann auch allgemeinerer Art sein. „Alle wussten: was hier geschieht, verdankten sie allein der Hilfe Gottes.“ (F. Laubach, aaO.; S. 174)

 27 Und David hatte ein Obergewand aus feinem Leinen an, desgleichen alle Leviten, die die Lade trugen, und die Sänger und Kenanja, der Oberste beim Gesang der Sänger; auch trug David den leinenen Priesterschurz. 28 So brachte ganz Israel die Lade des Bundes des HERRN hinauf mit Jauchzen, Posaunen, Trompeten und hellen Zimbeln, mit Psaltern und Harfen.

David mischt sich unter die Leviten. Er trägt das gleiche Gewand wie sie. Dazu einen leinenen Priesterschurz. Er ist einer von ihnen, nicht der ferne König. Einer in dieser Prozession zur Ehre Gottes.

29 Als nun die Lade des Bundes des HERRN in die Stadt Davids kam, sah Michal, die Tochter Sauls, zum Fenster hinaus und als sie den König David tanzen und spielen sah, verachtete sie ihn in ihrem Herzen.

Jetzt erfährt man: Die Saul-Tochter Michal ist in Jerusalem geblieben. Sie ist nicht beteiligt an dieser Prozession, der Einholung der Lade nach Jerusalem. Äußerlich nicht und offensichtlich auch innerlich nicht. Sie teilt die Freude Davids nicht. Vielmehr verachtete sie ihn in ihrem Herzen.

Dieser Satz ist eine Übernahme aus 2. Samuel 6,16. In seiner Kargheit unmd Isolation bleibt er ein wenig unverständlich. „Die Mikal-Episode bleibt in der Darstellung der Chronik ein Fragment.“(K. Galling, aaO.; S. 49)  In seinem ursprünglichen Umfeld ist der Satz wesentlich verständlicher aus der zuvor erfolgten Kränkung der Michal. Hier dagegen wirkt er so, als sei Michal die Rückkehr der Lade völlig gleichgültig, was zu der Überlegung führt: „Wie in den Tagen Sauls die  Bundeslade nicht aufgesucht wurde (13,3) , so empfand sie keine Freude darüber, dass die Lade Gottes jetzt eine Heimstatt in Jerusalem fand.“ (F. Laubach, aaO.; S. 175)

Ich lese ein wenig vorsichtiger: Michal verachtet nicht die Lade und ihre Ankunft im Jerusalem, sondern den ekstatischen Tanz ihres Mannes. Ihren Mann. Sie ist nicht die letzte, die über solche enthusiastische und ein wenig enthemmte Frömmigkeit und Begeisterung den Kopf schüttelt. Auch unter Theologen und durchaus sehr frommen Laien hat Michal reichlich Nachfolger gefunden, was die Verachtung des Tanzes angeht.

 

Mein Gott, ein Fest voller Freude an Dir, Deiner Gegenwart. Jubel, der mitreißt, lautstark und enthusiastisch. So bin ich nicht mit meiner zögerlichen Art, meinem Fragen und Reflektieren, meiner Skepsis gegenüber allem Überschwang.

Aber die Sehnsucht nach dieser Freude, losgelassen und ganz im Augenblick, kenne ich doch. Du siehst die Freude an Dir, die laute und die leise und siehst das Herz. Das genügt. Amen