Auf der Seite der Sieger

  1. Chronik 14, 1 – 17

1 Und Hiram, der König von Tyrus, sandte Boten zu David und Zedernholz, Steinmetzen und Zimmerleute, dass sie ihm ein Haus bauten. 2 Und David erkannte, dass der HERR ihn zum König über Israel bestätigt hatte; denn sein Königtum war hoch erhoben worden um seines Volkes Israel willen.

Was hier steht in 1 – 5, steht wortgleich auch in 2. Samuel 5, 11 – 16. Es ist als erstes ein Hinweis darauf, dass die Umstände das Königtum Davids bestätigen. Hiram, Köng von Tyrus, sucht den Kontakt zu David.  Handelt es sich bei der Bauholz-Lieferung um Tribut oder Anerkennungsgeschenke? Das mag offen bleiben. Aber es ist jedenfalls eine „außenpolitische“ Bestätigung seiner gestiegenen Machtfülle.

 3 Und David nahm noch mehr Frauen zu Jerusalem und zeugte noch mehr Söhne und Töchter. 4 Die Söhne, die ihm zu Jerusalem geboren wurden, hießen: Schammua, Schobab, Nathan, Salomo, 5 Jibhar, Elischua, Elpelet, 6 Nogah, Nefeg, Jafia, 7 Elischama, Beeljada, Elifelet.

Diese Machtfülle Davids zeigt sich auch „innenpolitisch“ – oder müssten man sagen: „familienpolitisch“ in der Zunahme an Frauen und Kindern. Ein orientalischer König muss viele Frauen und Kinder haben. Die Namens-Liste beschränkt sich hier auf die Jerusalemer Söhne. Diese waren alle auch schon in 1. Chronik 3, 5 aufgelistet worden.

„Uns befremdet die Selbstverständlichkeit, mit der der Verfasser der Chronik von der Vielehe Davids spricht…“(F. Laubach, aaO.; S. 164) Es passt nicht in unsere fromme Sicht. Aber es stimmt überein mit der Prachtentfaltung eines orientalischen Potentaten. Auch hier zeigt es sich: Die Leute Gottes sind gleichwohl auch Kinder ihrer Zeit, manchmal in ihren Stärken und manchmal auch in ihren Schwächen.

8 Als aber die Philister hörten, dass David zum König gesalbt war über ganz Israel, zogen sie alle herauf, um sich Davids zu bemächtigen. Als das David hörte, zog er aus gegen sie. 9 Und die Philister kamen und ließen sich nieder in der Ebene Refaïm. 10 David aber befragte Gott und sprach: Soll ich hinaufziehen gegen die Philister und willst du sie in meine Hand geben? Der HERR sprach zu ihm: Zieh hinauf! Ich will sie in deine Hände geben. 11 Und als sie hinaufzogen nach Baal-Perazim, schlug sie David dort.

Die Philister sehen diesen Aufstieg skeptisch und wollen ihn unterbinden. Schließlich war David doch einmal von ihnen abhängig und hatte Zuflucht in Gath gesucht (1. Samuel 27). Wie sollen sie da jetzt ruhigen Blutes zusehen, wie er an Macht gewinnt.  So ziehen sie aus gegen ihn.

David stellt sich. Aber zuvor sucht er Klarheit vor Gott. David aber befragte Gott. Wir erfahren nichts über die Art und Weise, wie dieser Gottesspruch zustande kommt, auch nicht, wo er gesucht wird. Nur der Inhalt zählt:  Zieh hinauf! Ich will sie in deine Hände geben. Das erinnert an Josua. Auch seine Kriege waren nur der Vollzug dessen, was Gott versprochen hatte. David siegt bei Baal-Perazim.

Und David sprach: Gott hat durch meine Hand die Reihen meiner Feinde durchbrochen, wie das Wasser einen Damm durchbricht. Daher nannte man die Stätte »Baal-Perazim«. 12 Und sie ließen ihre Götter dort zurück; die befahl David mit Feuer zu verbrennen.

            Vorbildlich fromm. David führt seinen Sieg nicht auf eine überlegene Strategie zurück. Er weiß, dass er nur Werkzeug ist. Gott hat durch meine Hand die Reihen meiner Feinde durchbrochen. Liest es sich in V.11 noch, als sei der Name Baal-Perazim , „Herr der Durchbrüche“ ein alter Orts-Name, so wird jetzt deutlich: er geht auf diese Schlacht zurück. Weil das Heer Davids durch die Reihen der Feinde gebrochen ist.

So verheerend ist die Niederlage der Philister, dass sie auf der Flucht ihre Götter-Statuen zurück lassen. Ob es sich um Statuen des Philister-Gottes Dagon handelt, bleibt offen. Diese Statuen werden die Rolle der Fahnen bei den Heeren der mittelalterlichen und neueren Zeit gespielt haben. Sie sollen zum Kampf ermutigen. David lässt die Götzen – so sieht Israel das ja – verbrennen. Was für ein Hohn für die Feinde.

13 Aber die Philister kamen wieder und ließen sich nieder in der Ebene. 14 Und David befragte Gott abermals und Gott sprach zu ihm: Du sollst nicht hinaufziehen hinter ihnen her, sondern umgehe sie, dass du an sie herankommst von den Bakabäumen her. 15 Wenn du dann hören wirst, wie das Rauschen oben in den Bakabäumen einhergeht, so brich hervor zum Kampf; denn Gott ist dann vor dir ausgezogen, zu schlagen das Heer der Philister.

Trotz ihrer Niederlage geben die Philister noch nicht auf. Sie sammeln sich wieder, rüsten zu neuem Kriegszug. David seinerseits holt sich vor dem Kampf, dessen Bevorstehen unausweichlich erscheint, wieder einen Orakelspruch ein. Der fällt diesmal ausgesprochen ausführlich aus. Nicht nur eine Bestätigung. Sondern in diesem Orakel wird eine konkrete Strategie „angeraten“. Das erinnert erneut an Situationen der Landnahme, in denen Gott regelrecht als planender Heerführer auftritt. So bei der Eroberung Jerichos (Josua 6) und mit dem Hinterhalt von Ai (Josua 8). Das ist die gemeinsame Überzeugung dieser Schriften, ob Josua oder Chronik: es ist allemal Gottes Krieg, der hier zu führen ist.

 16 Und David tat, wie ihm Gott geboten hatte, und sie schlugen das Heer der Philister von Gibeon an bis Geser. 17 Und Davids Name ging aus in alle Lande, und der HERR ließ Furcht vor ihm über alle Völker kommen.

Weil David Gott gehorcht, siegt er. Das ist die sehr schlichte Botschaft dieser Worte. Es lohnt sich, Gott gehorsam zu sein. Dieser Gehorsam führt dazu, Dass der Name David bekannt wird, dass er sich Respekt erwirbt bei allen Völkern ringsum. Das ist ein Vorgang, hinter dem der HERR steht. Es ist seine Macht, die sich in der Macht seines Königs zeigt.

Es mögen solche Erfahrungen und solche Geschichten sein, die dann auch hinter anderen Texten stehen. Wie dem folgenden Psalm:

Bitte mich, so will ich dir Völker zum Erbe geben                                                          und der Welt Enden zum Eigentum.                                                                                      Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen,                                                       wie Töpfe sollst du sie zerschmeißen.«                                                                                So seid nun verständig, ihr Könige,                                                                                    und lasst euch warnen, ihr Richter auf Erden!                                                                     Dienet dem HERRN mit Furcht                                                                                                 und küsst seine Füße mit Zittern,                                                                                          dass er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Wege;                                                     denn sein Zorn wird bald entbrennen.                                                                              Wohl allen, die auf ihn trauen!                     Psalm 2, 8 – 12

Oder, nicht weniger kriegerisch, aber doch schon ein wenig mehr ins Symbolische gerückt:

Denn mit dir kann ich Kriegsvolk zerschlagen                                                                und mit meinem Gott über Mauern springen.          Psalm 18,30

 

Mein Gott, ich sehe Dich immer anders, mehr auf der Seite der Schwachen, der Verlierer, der kleinen Leute. Aber Du bist nicht nur der Gott der Verlierer, nicht nur da für die, die im Leben scheitern, an sich selbst, an den Umständen, an ihrer Zeit.

Du bist auch bei denen, die es packen, die Dich suchen in ihren Plänen, ihrem Willen, ihren Siegen. Du willst die Herzen aller. Dafür danke ich Dir. Amen