Das Ende Sauls

  1. Chronik 10, 1 – 14

1 Die Philister kämpften gegen Israel und die Männer Israels flohen vor den Philistern und blieben erschlagen liegen auf dem Gebirge Gilboa. 2 Aber die Philister waren hinter Saul und seinen Söhnen her und erschlugen Jonatan, Abinadab und Malkischua, die Söhne Sauls.

            Unvermittelt folgt auf die Zahl der Listen jetzt Erzählung. Bericht. Chronik dessen, was geschehen ist. Das ist das letzte Gefecht. Saul wird gejagt. Seine Söhne werden erschlagen. Alle, bis auf Eschbaal.

 3 Und der Kampf tobte heftig um Saul, und die Bogenschützen fanden ihn und er wurde verwundet von den Schützen. 4 Da sprach Saul zu seinem Waffenträger: Zieh dein Schwert und erstich mich damit, dass nicht diese Unbeschnittenen kommen und treiben ihren Spott mit mir. Aber sein Waffenträger wollte nicht; denn er fürchtete sich sehr. Da nahm Saul sein Schwert und stürzte sich hinein.

Diese Schlacht ist das Ende Sauls. Umstellt von Feinden und verwundet, wählt er den letzten Ausweg. Er stürzt sich selbst in das Schwert. Um dem Hohn und Mutwillen der Philister zu entkommen. Wer das Ende Simsons (Richter 16, 23 – 28) vor Augen hat, versteht diese Angst des Saul. Diese Zeit ist nicht zimperlich im Umgang mit Kriegsgefangenen. Einen Schutz vor Entehrung, eine Art Ehrenkodex, so etwas wie die „Genfer Konventionen“ oder die „Haager Landkriegs-Ordnung“ gibt es damals nicht. Auf allen Seiten gibt es schreckliche Grausamkeiten.

            „Kriege wurden im Altertum – nicht anders als heute – mit ungeheurer Grausamkeit ohne Rücksicht auf Menschenleben geführt.“ (F. Laubach, aaO.; S. 132) Umso wichtiger ist es zu sehen: Diese Kriege rechtfertigen keine Nachahmung. Auch keinen heiligen Krieg. Wann immer man sich zurückgezogen hat auf den Satz Jesu: „Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen.“ (Matthäus 24,6) um mit ihm die Notwendigkeit von Kriegen zu begründen, hat man sich der Gotteslästerung schuldig gemacht. 

Dieser Tod hat auch noch eine andere Parallele. In der Belagerung von Tebez.  „Eine Frau warf einen Mühlstein Abimelech auf den Kopf und zerschmetterte ihm den Schädel. Da rief Abimelech eilends seinen Waffenträger herbei und sprach zu ihm: Zieh dein Schwert und töte mich, dass man nicht von mir sage: Eine Frau hat ihn erschlagen. Da durchstach ihn sein Waffenträger und er starb.“ (Richter 9, 53-54) Selbst dieses halbwegs „ehrenvolle“ Ende bleibt Saul versagt. Er stirbt von der eigenen Hand.

 5 Als aber sein Waffenträger sah, dass Saul tot war, stürzte auch er sich ins Schwert und starb. 6 So starben Saul und zugleich seine drei Söhne und sein ganzes Haus.

            An diesem einen Tag sterben Saul und seine drei Söhne. Und sein ganzes Haus.Vor allem dieser Satz relativiert die unmittelbar zuvor angeführte Liste der Nachkommen Jonatans. (9, 40 – 44) Sie zählen nicht mehr wirklich.

 7 Als aber die Männer Israels, die in der Ebene wohnten, sahen, dass sie geflohen waren und dass Saul und seine Söhne tot waren, verließen sie ihre Städte und flohen, und die Philister kamen und wohnten darin. 8 Am andern Tage kamen die Philister, um die Erschlagenen auszuplündern, und fanden Saul und seine Söhne, wie sie gefallen auf dem Gebirge Gilboa lagen. 9 Da plünderten sie ihn aus und nahmen sein Haupt und seine Rüstung und sandten sie im Land der Philister umher und ließen’s verkünden vor ihren Götzen und dem Volk. 10 Und sie legten seine Rüstung nieder im Haus ihres Gottes und seinen Schädel hefteten sie ans Haus Dagons.

Das Heer Sauls zerstreut sich, verläuft sich, löst sich auf. Die Philister übernehmen endgültig die ganze Region in der Ebene. Die Leichen der Gefallen werden geschändet – trauriges Vorbild für das, was auch in unseren Tagen in Kriegen hier und da mit Leichen passiert. Wir sind nicht wirklich zivilisierter als die Philister geworden.

 11 Als aber jedermann von Jabesch in Gilead hörte, was die Philister Saul alles angetan hatten, 12 machten sie sich auf, alle streitbaren Männer, und nahmen die Leichname Sauls und seiner Söhne und brachten sie nach Jabesch und begruben ihre Gebeine unter der Eiche bei Jabesch und fasteten sieben Tage.

Es finden sich in Jabesch in Gilead Männer, die von dieser Entwürdigung Sauls und der anderen Gefallenen hören. Sie machen sich auf, und holen diese Leichname „heim“, nach Jabesch und begraben sie dort. Mir drängt sich eine Frage auf: Ist das das gleiche Jabesch in Gilead, wo sie sich dem Kriegszug gegen die Benjaminiter verweigert hatten? Richter (21, 9 – 12) Dann wären sie nicht immer Verweigerer, sondern nur da, wo es gegen die Brüder geht?

 13 So starb Saul um seines Treubruchs willen, mit dem er sich an dem HERRN versündigt hatte, weil er das Wort des HERRN nicht hielt, auch weil er die Wahrsagerin befragt, 14 den HERRN aber nicht befragt hatte. Darum ließ er ihn sterben und wandte das Königtum David, dem Sohn Isais, zu.

Das ist jetzt nicht mehr Tatsachenbericht, sondern Wertung. Der Chronist lässt sein Urteil über das Schicksal Sauls wissen. Und zählt die Gründe auf: Treuebruch gleich nicht vollstreckter Bann (2. Samuel 15), die Befragung der Weissagerin in En-Dor (2. Samuel 28). In dem allem aber als der tiefere Grund: Er hielt das Wort des HERRN nicht. Er ließ sich nicht von diesem Wort leiten. Saul erscheint als Beispiel für einen halbherzigen Glauben. Darauf aber, so sollen es die Leser wohl spüren, kommt es an: Sich ganz, ungeteilt, an das Wort des Herrn zu halten, sich durch dieses Wort leiten zu lassen.

 

Mein Gott, es ist doch genug, dass einer im Kampf fällt, seine Söhne mit ihm, die Zukunft des Hauses auf dem Schlachtfeld verblutet. Es muss doch nicht nach zusätzlich sein, dieses harte Urteil: Das ist die Folge seines Treuebruchs.

Aber vielleicht brauchen wir das als Warnung, als eindringliche Aufforderung. Halte du fest an der Treue zu Gott. Mache es dir nicht zu leicht, zu einfach.

Ich darf die Gnade nicht einkalkulieren. Ich kann sie nur erbitten, nicht als bequemen Ausweg, sondern nur als Dein freies Geschenk, Du barmherziger Gott. Amen