Zu viel Kriegsbericht-Erstattung

  1. Chronik 19, 16 – 20, 8

16 Als aber die Aramäer sahen, dass sie von Israel geschlagen waren, sandten sie Boten hin und ließen auch die Aramäer jenseits des Stromes in den Kampf ziehen. Und Schobach, der Feldhauptmann Hadad-Esers, zog vor ihnen her.

Die Niederlage ist nicht das Ende des Kampfes. Jetzt rufen die Aramäer ihre Brüder zur Hilfe, die Aramäer jenseits des Stromes. Gemeint ist vermutlich der Euphrat. Waren sie vorher Söldner für die Ammoniter, so geht es jetzt um den eigenen Stamm und das eigene Land. Auch die Leute des Königs von Zoba, Hadad-Eser (18,5), sind mit im Aufgebot.

 17 Als das David angesagt wurde, sammelte er ganz Israel und zog über den Jordan. Und als er an sie herankam, rüstete er sich gegen sie. Und David stellte sich gegen die Aramäer zum Kampf und sie kämpften mit ihm.

Das ist eine so ernste Situation, dass sich David selbst an die Spitze seines Heeres stellt. Diesmal wird ausdrücklich gesagt: Er sammelte ganz Israel. Nicht nur seine Helden, seine Leibgarde.  Und jenseits des Jordan führt David seine Streitmacht zum Kampf gegen die Aramäer. Diesmal ganz ohne „geistliche Erklärungen“.

18 Aber die Aramäer flohen vor Israel. Und David vernichtete von den Aramäern siebentausend Wagen und tötete vierzigtausend Mann zu Fuß; dazu tötete er Schobach, den Feldhauptmann. 19 Als aber die Großen Hadad-Esers sahen, dass sie von Israel geschlagen waren, schlossen sie Frieden mit David und wurden ihm untertan. Und die Aramäer wollten den Ammonitern nicht mehr helfen.

Der Kampf geht aus wie der frühere. Die Aramäer fliehen. En gewaltiges Gemetzel entsteht: David vernichtete siebentausend Wagen und tötete vierzigtausend Mann. Die Aramäer sind, was das Material angeht und vor allem, was Menschenleben angeht, nicht nur geschwächt, sondern schwer geschlagen. Ein Frieden wird geschlossen. Genau genommen: Ein Vertrag, der die Unterwerfung der Aramäer besiegelt. Wenn auch nicht für immer, wie sich in späteren Jahrzehnten zeigt.  „Zu viel Kriegsbericht-Erstattung“ weiterlesen

Abhängig

  1. Chronik 19, 1 – 15

1 Und danach starb Nahasch, der König der Ammoniter, und sein Sohn wurde König an seiner statt. 2 Da dachte David: Ich will Hanun, dem Sohn des Nahasch, Freundschaft erweisen, denn sein Vater hat mir Freundschaft erwiesen, und sandte Boten hin, ihn zu trösten über seinen Vater.

Der König stirbt, sein Sohn wird sein Nachfolger. So ist der Lauf der Dinge. David will diesen Wechsel nützen, um alte Freundschaftsbande zu erneuern. Er hat sich ja mit seinen Siegen rundum sicher nicht nur Freunde gemacht. Worin die Freundschaft des Nahasch zu David ihren Grund hatte, lässt sich nicht erhellen. Genug: David will durch seine Leute kondolieren.

Und als die Gesandten Davids ins Land der Ammoniter kamen zu Hanun, ihn zu trösten, 3 sprachen die Obersten der Ammoniter zu Hanun: Meinst du, dass David deinen Vater vor deinen Augen ehren wolle, wenn er Tröster zu dir gesandt hat? Sind seine Gesandten nicht vielmehr zu dir gekommen, um das Land zu erforschen, zu erkunden und auszuspähen? 4 Da nahm Hanun die Gesandten Davids und schor sie und schnitt ihre Kleider halb ab bis an die Lenden und ließ sie gehen.

Die Gesandten Davids kommen zwar an, aber die Gesandtschaft kommt nicht an. Sie wird von Hanuns Beratern missdeutet oder missverstanden. Kundschafter statt Tröster. Es wäre nicht das erste Mal, und gewiss nicht das letzte Mal, dass solche Kondolenzbesuche ausgenützt werden. So sagt ihr Misstrauen. Dass man die Gesandten aber so bloßstellt – sie schor wie Schafe, sie entblößte – das geht zu weit. Das ist nicht diplomatischer Stil, sondern eine Brüskierung. Eine Provokation.

 5 Und sie gingen weg und man berichtete David über die Männer. Er aber sandte ihnen entgegen, denn die Männer waren sehr geschändet. Und der König ließ ihnen sagen: Bleibt in Jericho, bis euer Bart gewachsen ist; dann kommt zurück.

David, als er über den Vorfall informiert wird, erzeigt sich seinen Leuten gegenüber feinfühlig. Sie sollen sich verbergen können, in Jericho, bis sie wieder vorzeigbar sind, hoffähig. Er weiß ja wohl: Was ihnen geschehen ist, gilt ihm. Wer seine Leute so schändet, der schändet ihren König. Er wird das alles nicht auf sich beruhen lassen können, wenn er seine Achtung nicht verlieren will. „Abhängig“ weiterlesen

Kein gott des Gemetzels

  1. Chronik 18, 1 – 17

1 Danach schlug David die Philister und demütigte sie und nahm Gat und seine Ortschaften aus der Philister Hand. 2 Auch schlug er die Moabiter, sodass die Moabiter David untertan wurden und Abgaben brachten. 3 Er schlug auch Hadad-Eser, den König von Zoba, bis Hamat hin, als er auszog, seine Macht aufzurichten am Euphratstrom. 4 Und David gewann ihm ab tausend Wagen, siebentausend Reiter und zwanzigtausend Mann zu Fuß. Und David ließ alle Wagenpferde lähmen und behielt hundert übrig.

Ich lese das an Tagen, an denen eine neuen Waffenruhe um Gaza begonnen hat, nachdem die vorigen immer wieder rasch ans Ende gekommen sind. Kämpfe über Kämpfe. Blutvergießen. Hass auf beiden Seiten.

David hat das Innere seiner Herrschaft geordnet. Das Haus ist bestellt. Der Kult geregelt. Die Zukunft von Gott verheißen. Auf all das bezieht sich danach. Andere übersetzen: Und es geschah danach. (Schlachter, Elberfelder) Diese Übersetzung verschleiert ein bisschen: Es ist David, der aktiv wird. Ganz anders: „Danach unterwarf und demütigte David die Philister.“(Neues Leben)

So viel ist deutlich: Jetzt hat David freie Hand, auch gegen die Philister. „Erst unter David gelangte Israel zu militärischer Macht, mit der es sich die Überlegenheit über die Nachbarvölker sichern konnte.“ (F. Laubach, aaO.; S. 195) Philister, Moabiter, Hadad-Eser – die Reihe der Besiegten wird länger. Die Waffen der Besiegten werden zerstört, ihre Pferde gelähmt. So sind die Feinde aller Angriffsmöglichkeiten beraubt. Die Grenzen Israels werden weit hinausgeschoben: bis an den Euphrat. Groß-Israel kommt in den Blick.

 5 Und die Aramäer von Damaskus kamen, um Hadad-Eser, dem König von Zoba, zu helfen. Aber David schlug von den Aramäern zweiundzwanzigtausend Mann 6 und setzte Statthalter ein im Aramäerreich von Damaskus, und so wurden die Aramäer David untertan und gaben ihm Tribut; denn der HERR half David, wo er auch hinzog.

Besonders erwähnt werden die Aramäer von Damaskus. Sie bezahlen ihre Hilfe für Hadad-Eser schwer. Zweiundzwanzigtausend Mann fallen. „Nach allem, was wir von antiker Kriegsführung wissen, müssen wir davon ausgehen, dass der Bericht historisch ernst zu nehmen ist. Die Zahlenangaben geben ungefähre Größen, abgerundete Werte an, spiegeln aber zuverlässig die Wirklichkeit wieder.“(F. Laubach, aaO.; S. 197) In Damaskus werden jüdische Statthalter eingesetzt und Damaskus wird Tributpflichtig. „Kein gott des Gemetzels“ weiterlesen

Nie genug

  1. Chronik 17, 15 – 27

15 Und als Nathan nach all diesen Worten und diesem Gesicht mit David geredet hatte, 16 kam der König David, ließ sich vor dem HERRN nieder und sprach:    

         Nathan hat gehört. Und alles, was er gehört hat, weitergesagt. An David. Weil er ja der eigentliche Adressat der Worte und dieses Gesichtes ist.  Statt Gesicht verwenden andere Bibelübersetzungen: Offenbarung, Vision. Auf englisch: Revelation. Nathan hat nicht nur irgendetwas gehört. Er hat eine Offenbarung empfangen. David aber, der nun die Worte des Nathan gehört hat, geht damit zu Gott, zum HERRN. Das heißt doch wohl: Er geht in das Zelt mit der Lade. Und betet.

Wer bin ich, HERR, Gott, und was ist mein Haus, dass du mich bis hierher gebracht hast? 17 Aber das war dir noch zu wenig, Gott, und du hast über das Haus deines Knechtes auch von ferner Zukunft geredet.

Wer bin ich – diese ersten Worte zeigen etwas vom Staunen, das den überwältigt, der sich vor Gott wiederfindet

„Von allen Seiten umgibst du mich                                                                                     und hältst deine Hand über mir.                                                                                        Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch,                                                       ich kann sie nicht begreifen.“ Psalm 139, 5 – 6

Und gleichfalls David zugeschrieben:

„Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk,                                                              den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:                                                                 was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst,                                                                    und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?         Psalm 8, 4 – 5

Es ist eine Art Fassungslosigkeit, die sich nicht genug wundern kann über den Wohltaten Gottes. Womit habe ich das verdient – fragt David und antwortet sich gewissermaßen selbst: Überhaupt nicht. Ich habe es nicht verdient. Es ist ganz Gottes ungeschuldete Gabe.

Du hast mich schauen lassen, wie ein Mensch ein Gesicht empfängt, und hast mich hoch erhöht, HERR, Gott.

            David hat gar nicht selbst geschaut. Aber er nimmt das Wort des Propheten und schaut durch dieses Wort. „Nach Menschenweise“ hat er gesehen – tôrat hā ādām. Wie schön! Aus dem Mund des Propheten empfängt David das Wort Gottes. Ein winzig kleiner Ausdruck für  das Gotteswort im Menschenwort.

18 Was kann David noch mehr zu dir sagen, da du deinen Knecht so herrlich machst? Du kennst deinen Knecht. 19 HERR, um deines Knechtes willen hast du nach deinem Herzen all diese großen Dinge getan, dass du kundtätest alle Herrlichkeit.

Und dann kommen Sätze, die man leicht in den falschen Hals bekommen kann: um deines Knechtes willen. Aber damit wird nicht auf irgendeine Qualität bei David angespielt, sondern wieder nur unterstrichen: Es ist Gottes Wahl, die auf ihn gefallen ist.

Wieder einmal trifft es Luthers Wort ganz genau: „Die Liebe Gottes findet ihren Gegenstand nicht vor, sondern schafft ihn sich erst.“ (M. Luther, Heidelberger Disputation – 28. These, 1518 zit. nach Luther Deutsch, Bd. 1, S. 393) Und so strahlt die Herrlichkeit Gottes an ihm auf, an David, einem Menschen, dem Knecht Gottes. 

Es wird ein bisschen mit Wendungen gespielt. Hatte Nathan noch gesagt: Alles, was in deinem Herzen ist, das tu. (17,1) so sagt David jetzt: Nach deinem Herzen hast du all diese großen Dinge getan. So nahe beieinander und doch so weit voneinander entfernt ist, was dem Herzen des Menschen und dem Herzen Gottes entspringt.

20 HERR, keiner ist dir gleich, und es ist kein Gott außer dir, nach allem, was wir mit unsern Ohren gehört haben.

Unvergleichlich ist dieser Gott. Einzigartig. Einzig. Nach allem, was wir mit unsern Ohren gehört haben. meint nicht: Nach dem Hörensagen. Es ist der Lernertrag Israels. Man muss wohl sagen: im Exil. Das, was sie gelernt haben, verstanden über ihren Gott und HERRN in den Begegnungen mit den fremden Völkern und ihren Göttern.

 21 Und wo ist ein Volk auf Erden wie dein Volk Israel, um dessentwillen Gott hingegangen ist, sich ein Volk zu erlösen, sich selbst einen Namen zu machen durch große und schreckliche Dinge und Völker auszutreiben vor deinem Volk her, das du aus Ägypten erlöst hast? 22 Du hast dir dein Volk Israel zum Volk gemacht für ewig und du, HERR, bist ihr Gott geworden.

            Wieder muss man wohl über die erzählte Zeit, das Gesicht Nathans und das Gebet Davids hinaus lesen. Diese Worte sind Erinnerung für die Leser der Chronik. Israel verdankt sich einzig und allein der Erwählung Gottes. Es hat seine Existenz dadurch, dass Gott es aus Ägypten geführt hat. Dass er es zu seinem Volk gemacht hat. Dass er ihr Gott geworden ist.

Wie leicht konnte das alles über dem Exil in Babylon, über der Mühsal des Wiederaufbaus, über der politischen Bedeutungslosigkeit im 4. Jahrhundert in Vergessenheit geraten. Gegen diese Vergesslichkeit erhebt der Chronist seine Stimme.

23 Nun, HERR, das Wort, das du über deinen Knecht und über sein Haus geredet hast, werde wahr in Ewigkeit, und tu, wie du geredet hast! 24 Und dein Name werde wahr und groß ewiglich, dass man sage: Der HERR Zebaoth, der Gott Israels, ist Gott in Israel; und das Haus deines Knechtes David sei beständig vor dir.

            Lass es wahr werden. Mache du, Gott, aus den Verheißungen Wirklichkeit. In dieser Welt. Was Gott sagt, soll kommen. Sein Wort soll „nicht leer bleiben, sondern tun, was es sagt.“ (Jesaja 55,11) Wo das geschieht, da wird der Weg gebahnt zur Anerkennung, zur Anbetung Gottes.

 25 Denn du, mein Gott, hast das Ohr deines Knechtes geöffnet und gesagt, dass du ihm ein Haus bauen willst. Darum hat dein Knecht den Mut gefunden, dass er vor dir betet. 26 Nun, HERR, du bist Gott und hast deinem Knecht dies Gute zugesagt. 27 So fange nun an zu segnen das Haus deines Knechtes, dass es ewiglich vor dir sei; denn was du, HERR, segnest, das ist gesegnet ewiglich.

            Es ist so wie es der Psalm als Wort Davids sagt: Mein Herz hält dir vor dein Wort (Psalm 27,8) Das geschieht hier: David erinnert Gott an sein Wort, nimmt ihn beim Wort:  So fange nun an zu segnen das Haus deines Knechtes. Was in der erzählten Geschichte am Anfang steht, soll doch gleichwohl die Leser und Leserinnen in ihrer Zeit ermutigen, das Gleiche zu tun: Gott bei seinem Wort zu nehmen.

            Denn was du, HERR, segnest, das ist gesegnet ewiglich. Das klingt in unseren Ohren  wie eine vage Möglichkeit. Es ist aber viel mehr. „Der Text statuiert perfektisch. So spricht ein alle Anfechtungen hinter sich lassender Glaube, und in solchem Glauben ruht auch die messianische Erwartung des Chronisten.“ (K. Galling, aaO.; S. 55)  Vor dem Gott, „vor dem tausend Jahre sind wie der  Tag, der gestern vergangen ist“ (Psalm 90,4), ist diese Zukunft schon im Anbruch.

 

Mit Deinem Lob, mein Gott, komme ich nie zu Ende. Immer fehlen mir Worte, fehlen mir Lieder, fehlen mir Gesten, die Dich preisen, Deine Güte besingen. Manchmal tröste ich mich: „Im Himmel soll es besser werden, wenn ich bei Deinen Engeln bin“

Manchmal aber auch bin ich traurig über mich selbst, dass mir die Worte fehlen, dass mein Lob so arm ist, gemessen an Deiner großen Güte. Und dann flüchte ich mich ins Schweigen, weil ich Dich so wortlos loben kann, über meine armen Worte und Gesten hinaus. Und stimme so ein in den Lobgesang Deiner Engel und der ganzen Schöpfung, Tag um Tag, Nacht um Nacht. Amen

Messianische Verheißung

  1. Chronik 17, 1 – 14

1 Es begab sich, als David in seinem Hause wohnte, sprach er zu dem Propheten Nathan:

Es gibt Wendungen, die die biblischen Erzähler lieben. Es begab sich ist so eine Wendung. Sie redet davon, dass die Zeit reif geworden ist. Für etwas Neues. David hat seine ersten Schritte als König getan. Die Philister besiegt, Jerusalem erobert, die Lade zum Zion geholt, den Gottesdienst geordnet.

Jetzt hat er Zeit zum Nachdenken. Und da – in der Stille – reifen neue Gedanken in ihm. Diese Gedanken teil er dem Propheten Nathan mit. Man kann fragen, welche Art Prophet Nathan ist, ob einer, der das „Propheten-Handwerk“ erlernt hat – dafür gibt es in Israel regelrechte Propheten-Schulen (2. Könige 2,7)  – oder ob er einer ist, der wie Amos „von seiner Herde weggenommen ist“(Amos 7,15), ein Charismatiker als Prophet.

 Siehe, ich wohne in einem Zedernhause, und die Lade des Bundes des HERRN ist unter Zeltdecken.

Das ist der Gedanke, der David beschäftigt, ihm zu schaffen macht. Ist das angemessen – meine Pracht und dem gegenüber ein schlichtes Zelt für die Lade Gottes? Müsste es nicht eher anders herum sein? „Die Bundeslade sollte im Tempel einen würdigen Platz finden.“ (F. Laubach, aaO.; S.186) Aber,Vorsicht: David trägt Nahtan keinen Plan vor, sondern nur eine Beobachtung.

2 Nathan sprach zu David: Alles, was in deinem Herzen ist, das tu; denn Gott ist mit dir.

Nathan aber gibt den unausgesprochenen Plänen des Königs grünes Licht. Was in deinem Herzen ist, das tu. Theologisch aussagekräftig ist vor allem die Begründung: denn Gott ist mit dir. Weil Gott mit David ist, kann er den Plänen und Gedanken seines Herzens trauen.

„Gott segnet den Weg, den du dir erwählst.“ Der Segen Gottes ist nichts anderes als sein Mit-Sein, seine Nähe, sein Beistand auf dem Weg. So gelesen ist der Satz des Nathan ein angst-freier Satz. David wird mit seinem Tun nicht den Weg Gottes verfehlen.   „Messianische Verheißung“ weiterlesen

Der Grund des Lebens: Gott

  1. Chronik 16, 23 – 43

23 Singet dem HERRN, alle Lande,                                                                                   verkündiget täglich sein Heil!                                                                                              24 Erzählet unter den Heiden seine Herrlichkeit                                                                  und unter allen Völkern seine Wunder!

25 Denn der HERR ist groß und hoch zu loben                                                                und mehr zu fürchten als alle Götter.                                                                          26 Denn aller Heiden Götter sind Götzen,                                                                            der HERR aber hat den Himmel gemacht.                                                                      27 Hoheit und Pracht sind vor ihm,                                                                                   Macht und Freude in seinem Heiligtum.                                                                       28 Bringet dar dem HERRN, ihr Völker,                                                                         bringet dar dem HERRN Ehre und Macht!                                                                     29 Bringet dar dem HERRN die Ehre seines Namens,                                                 bringet Geschenke und kommt vor ihn                                                                              und betet den HERRN an in heiligem Schmuck!                                                                 30 Es fürchte ihn alle Welt.                                                                                                         Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt.                                                    31 Es freue sich der Himmel, und die Erde sei fröhlich,                                                 und man sage unter den Heiden, dass der HERR regiert!                                                  32 Das Meer brause und was darinnen ist,                                                                            und das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist.                                                       33 Es sollen jauchzen alle Bäume im Wald vor dem HERRN;                                    denn er kommt, zu richten die Erde.                                                                                34 Danket dem HERRN, denn er ist freundlich,                                                                 und seine Güte währet ewiglich.                                                                                           35 Und sprecht: Hilf uns, Gott, unser Heiland,                                                                 und sammle uns und errette uns von den Heiden,                                                           dass wir deinen heiligen Namen preisen und dir Lob sagen!                                    36 Gelobt sei der HERR, der Gott Israels,                                                                           von Ewigkeit zu Ewigkeit!                                                                                                         Und alles Volk sagte: Amen!, und: Lobe den HERRN!

Der Psalm findet seine Fortsetzung. Auch in ihr gibt es wieder zahlreiche Parallelen in anderen Psalmen.  So finden sich vor allem in Psalm 96 ganze Passagen fast wörtlich wieder.    Der Psalm „passt“ zum Anlass, ist doch die Lade so etwas wie der irdische Thron Gottes. Darum sind die Verse 23 – 33 eine Art „Thronbesteigungspsalm“ (K. Galling, aaO.; S. 52) Sein Thema ist der wahre Gott im Gegenüber zu den Göttern der Heiden. Diese  Götter sind Götzen. Und in der Anbetung des wahren Gottes wird Israel zum „wahren Israel“, bewährt es die Erwählung Gottes.  „Der Grund des Lebens: Gott“ weiterlesen

Nie vergessen!

  1. Chronik 16, 1 – 22

1 Und als sie die Lade Gottes hineinbrachten, setzte man sie in das Zelt, das David für sie aufgerichtet hatte, und opferte Brandopfer und Dankopfer vor Gott. 2 Und als David die Brandopfer und Dankopfer beendet hatte, segnete er das Volk im Namen des HERRN 3 und teilte aus an jedermann in Israel, an Männer und Frauen, ein Brot, ein Stück Fleisch und einen Rosinenkuchen.

            Das Fest wird durch Michals Reaktion nicht gestört. Es geht weiter. Die Lade kommt an ihren Ort, in das Zelt, das David für sie aufgerichtet hatte. Es schließen sich Opfer-Zeremonien an. Der Text liest sich so, als hätte David selbst diese Opfer durchgeführt, gewissermaßen als „Ober-Priester“. Er war ja auch schon in der Prozession eingereiht in die Schar der Leviten (15,27).

Dieser priesterliche Dienst setzt sich fort im Segen. David segnete das Volk im Namen des HERRN. Und, so lese ich weiter: Im Namen dieses Herrn teilt er dann auch aus an jedermann in Israel, an Männer und Frauen, ein Brot, ein Stück Fleisch und einen Rosinenkuchen. Ein früher Vorläufer des Brotausteilers am See Genezareth.

In dieser Aktion Davids sind Elemente aufbewahrt, die zur Macht des Königs gehören: Er hat priesterliche Macht und er hat die Macht, Segen auszuteilen. Im Namen des HERRN. Dazu kommt, dass der König dafür zu sorgen hat, dass sein Volk Brot hat, was es zum Leben braucht. Es ist die spirituelle Königsmacht, aus der David hier handelt. Ein Fest beginnt. Ein Volksfest, in dem keiner zu kurz kommt.       „Nie vergessen!“ weiterlesen

Freude im Überschwang

  1. Chronik 15, 1 – 16. 25 – 29

1 Und David baute sich Häuser in der Stadt Davids und bereitete der Lade Gottes eine Stätte und richtete ein Zelt für sie auf. 2 Damals sprach David: Die Lade Gottes soll niemand tragen außer den Leviten; denn diese hat der HERR erwählt, dass sie die Lade des HERRN tragen und ihm dienen allezeit. 3 Da versammelte David ganz Israel nach Jerusalem, damit sie die Lade des HERRN hinaufbrächten an die Stätte, die er dazu bereitet hatte.

Der Sieg über die Philister schafft Freiraum für die „Innenpolitik“. David baut Jerusalem aus. Häuser für sich, seine Leute. Und ein Haus für die Lade Gottes. Ein Zelt. Er weiß: Jetzt ist es Zeit, die Lade nach Jerusalem zu holen.  Sie nicht mehr im  Haus Obed-Edoms zu lassen. Ihr Segen soll sich in seiner Hauptstadt entfalten.

            Die Erinnerung an das Unglück beim ersten Transport macht ihn vorsichtig. Nicht mehr irgendwer, sondern ausschließlich die Leviten sollen die Lade tragen. Sie sind ja vom HERR erwählt zu dieser Aufgabe. Ganz Israel soll an dieser Heimkehr beteiligt sein.

Das ist nicht nur ein frommer Akt, sondern auch eine staatspolitische Entscheidung. Damit ganz Israel eins wird, braucht es solche gemeinsamen Aktionen und Symbole.

 4 Und David brachte zusammen die Söhne Aaron und die Leviten: 5 von den Söhnen Kehat: Uriël, den Obersten, samt seinen Brüdern, 120; 6 von den Söhnen Merari: Asaja, den Obersten, samt seinen Brüdern, 220; 7 von den Söhnen Gerschon: Joel, den Obersten, samt seinen Brüdern, 130; 8 von den Söhnen Elizafan: Schemaja, den Obersten, samt seinen Brüdern, 200; 9 von den Söhnen Hebron: Eliël, den Obersten, samt seinen Brüdern, 80; 10 von den Söhnen Usiël: Amminadab, den Obersten, samt seinen Brüdern, 112. 11 Und David rief die Priester Zadok und Abjatar und die Leviten, nämlich Uriël, Asaja, Joel, Schemaja, Eliël, Amminadab, 12 und sprach zu ihnen: Ihr seid die Häupter der Sippen unter den Leviten; so heiligt nun euch und eure Brüder, dass ihr die Lade des HERRN, des Gottes Israels, heraufbringt an den Ort, den ich ihr bereitet habe. 13 Denn das erste Mal, als ihr nicht da wart, machte der HERR, unser Gott, einen Riss unter uns, weil wir ihn nicht befragt hatten, wie sich’s gebührt.

Eine der Listen, die der Chronist so liebt. Diesmal die Fachleute in Sachen Kult, die Leviten. Sie müssen diesen Zug mit der Lade organisieren und kultisch betreuen. David muss nicht alles selbst machen. Es gibt genug fähige Leute. Es sind Leute, die Davids Vertrauen haben. Haben sie doch, wie etwa Abjatar schon einem gemeinsame Geschichte mit David. „Es entrann aber „ein“ Sohn Ahimelechs, des Sohnes Ahitubs, der hieß Abjatar, und floh zu David.“ (1. Samuel 22, 20; 23,6) Auch hat David aus der ersten Etappe und dem Tod des Usa seine Lehren gezogen. Diesmal will er alles so gehalten sehen, wie sich’s gebührt. Aber auch bei ihnen wird es darum gehen, dass sie sich heiligen. Damit sie sich der Lade überhaupt nähern können. „Freude im Überschwang“ weiterlesen

Auf der Seite der Sieger

  1. Chronik 14, 1 – 17

1 Und Hiram, der König von Tyrus, sandte Boten zu David und Zedernholz, Steinmetzen und Zimmerleute, dass sie ihm ein Haus bauten. 2 Und David erkannte, dass der HERR ihn zum König über Israel bestätigt hatte; denn sein Königtum war hoch erhoben worden um seines Volkes Israel willen.

Was hier steht in 1 – 5, steht wortgleich auch in 2. Samuel 5, 11 – 16. Es ist als erstes ein Hinweis darauf, dass die Umstände das Königtum Davids bestätigen. Hiram, Köng von Tyrus, sucht den Kontakt zu David.  Handelt es sich bei der Bauholz-Lieferung um Tribut oder Anerkennungsgeschenke? Das mag offen bleiben. Aber es ist jedenfalls eine „außenpolitische“ Bestätigung seiner gestiegenen Machtfülle.

 3 Und David nahm noch mehr Frauen zu Jerusalem und zeugte noch mehr Söhne und Töchter. 4 Die Söhne, die ihm zu Jerusalem geboren wurden, hießen: Schammua, Schobab, Nathan, Salomo, 5 Jibhar, Elischua, Elpelet, 6 Nogah, Nefeg, Jafia, 7 Elischama, Beeljada, Elifelet.

Diese Machtfülle Davids zeigt sich auch „innenpolitisch“ – oder müssten man sagen: „familienpolitisch“ in der Zunahme an Frauen und Kindern. Ein orientalischer König muss viele Frauen und Kinder haben. Die Namens-Liste beschränkt sich hier auf die Jerusalemer Söhne. Diese waren alle auch schon in 1. Chronik 3, 5 aufgelistet worden.

„Uns befremdet die Selbstverständlichkeit, mit der der Verfasser der Chronik von der Vielehe Davids spricht…“(F. Laubach, aaO.; S. 164) Es passt nicht in unsere fromme Sicht. Aber es stimmt überein mit der Prachtentfaltung eines orientalischen Potentaten. Auch hier zeigt es sich: Die Leute Gottes sind gleichwohl auch Kinder ihrer Zeit, manchmal in ihren Stärken und manchmal auch in ihren Schwächen. „Auf der Seite der Sieger“ weiterlesen

Gott ist gefährlich

  1. Chronik 13, 1–14

1 Und David hielt einen Rat mit den Hauptleuten über tausend und über hundert und mit allen Anführern 2 und sprach zu der ganzen Gemeinde Israel: Gefällt es euch und ist’s dem HERRN, unserm Gott, angenehm, so lasst uns hinschicken zu unsern Brüdern in allen Landen Israels, dazu auch zu den Priestern und Leviten in ihren Wohnstätten, dass sie sich bei uns versammeln. 3 Und lasst uns die Lade unseres Gottes wieder zu uns holen; denn zu Sauls Zeiten fragten wir nicht nach ihr.

Der erste Satz wirft Fragen auf. Ist das ein einziger Vorgang – der Rat mit den Hauptleuten und die Botschaft an die ganze Gemeinde Israel? Oder folgt die Botschaft aus dem Rat? Im zweiten Fall wäre David nicht der einsame Entscheider, sondern ein König, der sich Rat sucht und auf Rat hört. Eine dritte Möglichkeit: Die Hauptleuten über tausend und über hundert und alle Anführer „repräsentieren die ganze Versammlung Israels.“ (F. Laubach, aaO.; S. 158)

               Jedenfalls: David wirbt um Zustimmung zu seinem Vorhaben, die Lade Gottes wieder zu uns zu holen. Sie war im Krieg an die Philister gefallen (1. Samuel 4, 1 – 11) und seit dem Ende in Kirjat-Jearim „zwischengelagert“, „auf einem Hügel beim Haus des Abinadab“. (1. Samuel 7,1) Und es hört sich ein bisschen noch wie Kritik an dem unglücklichen Saul an, wenn David sagt: Zu Sauls Zeiten fragten wir nicht nach ihr.

            Ein Versäumnis, das zugleich ein Versprechen Gottes übersieht. „Und du sollst den Gnadenthron oben auf die Lade tun und in die Lade das Gesetz legen, das ich dir geben werde. Dort will ich dir begegnen, und vom Gnadenthron aus, der auf der Lade mit dem Gesetz ist, zwischen den beiden Cherubim will ich mit dir alles reden, was ich dir gebieten will für die Israeliten.“ (2. Mose 25,21-22) Kein Wunder, dass Israel orientierungslos war in der Zeit Sauls.

            Für sein Vorhaben will David alle gewinnen. Das Volk in allen Landen Israels, dazu die verschiedenen Gruppen. Auch die Priester und Leviten. Dahinter steht Wissen um die Symbolkraft. Steht doch die Lade für die Gegenwart Gottes. Und zugleich geht es darum, dass es nicht nur ein Stamm ist, der sich hier auf den Weg macht, sondern wirklich ganz Israel. Das leitet die Darstellung des Chronisten, „dass er als ersten Gedanken und erstes Werk Davids nach der Eroberung Jerusalems die Einholung der Lade gesehen haben will.“ (K. Galling, aaO.; S. 46) „Gott ist gefährlich“ weiterlesen