Wo bleibt der Respekt vor fremden Götterbildern?

Richter 6, 25 ‑ 32

25 Und in derselben Nacht sprach der HERR zu ihm: Nimm einen jungen Stier von den Stieren deines Vaters und einen zweiten Stier, der siebenjährig ist, und reiße nieder den Altar Baals, der deinem Vater gehört, und haue um das Bild der Aschera, das dabei steht, 26 und baue dem HERRN, deinem Gott, oben auf der Höhe dieses Felsens einen Altar und rüste ihn zu und nimm den zweiten Stier und bringe ein Brandopfer dar mit dem Holz des Ascherabildes, das du umgehauen hast.

Ein bisschen beißt sich dieses Betonen des Friedens mit der Anweisung Gottes zur nächtlichen Altarschändung. Gideon soll die friedliche Ko‑Existenz beenden, die sein Vater zwischen Baal, Aschera‑Bildern und Jahwe hergestellt hatte. Aus den Trümmern der Altäre der Götter soll er einen Altar für den einen Gott bauen, den HERRN, deinen Gott. Mit Religionsfrieden hat das Richterbuch so viel nicht im Sinn. Ihm geht es darum: Das Land Israel ist das Land des HERRN und dort ist kein Platz für Baal, Aschera und Genossen.

Es ist nicht die Streitlust der Menschen, die hier am Werk ist. „Du sollst dir kein Götterbild machen, auch keinerlei Abbild dessen, was oben im Himmel oder was unten auf der Erde oder was im Wasser unter der Erde ist. Du sollst dich vor ihnen nicht niederwerfen und ihnen nicht dienen. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott ” (2. Mose 20, 4‑5) Gideon folgt der Weisung eines unduldsamen, eifersüchtigen Gottes.

27 Da nahm Gideon zehn Mann von seinen Leuten und tat, wie ihm der HERR gesagt hatte. Aber erfürchtete sich vor seines Vaters Haus und vor den Leuten in der Stadt, das am Tage zu tun, und tat’s in der Nacht. 28 Als nun die Leute in der Stadtfrüh am Morgen aufstanden, siehe, da war der Altar Baals niedergerissen und das Ascherabild daneben umgehauen und der zweite Stier als Brandopfer dargebracht auf dem Altar, der gebaut war

Gideon führt die Aktion in der Nacht durch. Klug, auch wenn er es tut, weil er sich fürchtete, denn am Tag hätte er mit Widerstand zu rechnen. So aber stehen die Leute am nächsten Morgen vor vollendeten Tatsachen: Die Götterbilder sind zerstört. Der Brandopfer- Altar des HERRN ist errichtet und hat schon sein erstes Opfer gefunden.

29 Und einer sprach zum andern: Wer hat das getan? Und als sie suchten und nachfragten, wurde gesagt: Gideon, der Sohn des Joasch, hat das getan. 30 Da sprachen die Leute der Stadt zu Joasch: Gib deinen Sohn heraus; er muss sterben, weil er den Altar Baals niedergerissen und das Ascherabild daneben umgehauen hat. 31 Joasch aber sprach zu allen, die bei ihm standen: Wollt ihrfür Baal streiten? Wollt ihr ihm helfen? Werfür ihn streitet, der soll noch diesen Morgen sterben. Ist er Gott, so streite er für sich selbst, weil sein Altar niedergerissen ist.

Das aber wird nicht unwidersprochen hingenommen. Die Leute in Ofra suchen nach dem Schuldigen für diesen Religions‑Gräuel. Der ist auch rasch gefunden in dem Sohn des Joasch und nun wollen sie Gideon hinrichten. Es ist schließlich Gotteslästerung, was er getan hat. Und man muss doch den Zorn der Götter, die so durch die Zerstörung ihrer Altäre entehrt sind, fürchten.

Was Gideon getan hat, ist ein Verstoß gegen die Spielregeln aller Dörfer dieser Welt. Da tanzt man nicht aus der Reihe mit den Konsequenzen des eigenen Glaubens. Da verletzt man nicht die Stillhalte‑Abkommen, die sagen, dass jeder das Recht hat, sein Ding zu machen. Da kann nicht einfach einer daherkommen und es besser wissen wollen, mit dem Glauben, mit dem Leben, mit dem, was geht und nicht geht. In allen Dörfern dieser Welt hätte Gideon die Leute gegen sich ‑ und wenn er tausendmal das Richtige getan hat nach seinem Verständnis des Glaubens. Mag sein, er hat Gott auf seiner Seite, die Leute seines Dorfes hat er gegen sich.

Aber nun ermannt sich der Vater Joasch und tritt für seinen Sohn ein. Mit einem schlagenden Argument: Übernehmt ihr doch nicht das, was die Götter tun müssen. Sie sollen, wenn sie denn Götter und beleidigt sind, die Sache selbst in die Hand nehmen. Das nennt man: Gottesurteil. Auf so etwas haben die Germanen bei Fritzlar gewartet, als Bonifatius die Donar‑Eiche fällte. Aber hier wie dort geschieht nichts.

32 Von dem Tag an nannte man Gideon Jerubbaal, das heißt »Baal streite mit ihm«, weil er seinen Altar niedergerissen hat.

Gideon bekommt einen neuen Namen, einen nom de guerre, einen Kriegsnamen. Jerubbaal. »Baal streite mit ihm« Das ist, recht verstanden, eine Herausforderung an Baal. Mit der Frage, ob er sich wohl dem Gesandten Gottes gewachsen zeigen wird. Und wieder meldet sich klammheimliche Ironie im Richterbuch zu Wort.

Mit dieser Aktion hätte Gideon heute schlechte Karten. Er reiht sich ein in die Liste derer, denen der Respekt vor dem anderen Glauben fehlt ‑ der Leute, die Buddha‑Statuen sprengen, die Grabmäler heiliger Leute zusammenschlagen, die den Koran verbrennen oder auch einmal die Bibel. Alles Zeichen einer inhumanen Intoleranz, im Denken, Glauben und Handeln.

Und wenn ihn dann auch noch der HERR dazu anstiftet, was ist von diesem Gott zu halten? Es ist Wasser auf die Mühlen derer, die sagen: „Der Monotheismus ist die Wurzel allen Übels. Er ist von Natur aus intolerant, rechthaberisch und deshalb für alle möglichen Kriege verantwortlich.“ Ja, „der HERR ist ein eifersüchtiger Gott, der keinen anderen Götter neben sich duldet.“ (2. Mose 20,2‑5) Das ist der umfassende Alleinvertretungsanspruch Gottes. Unaufgelöst bis heute. Gideon ist von seiner höchsten Instanz zu seinem Tun inspiriert und ins Recht gesetzt.

Und wir? Heute? Nachmachen geht nicht. Diese Geschichte wird wie so viele andere nicht deshalb erzählt, damit wir sie buchstäblich nachahmen. Bilderstürmer werden. Buddha-Statuen zerstören. Minarette sprengen. Den Felsendom in de Luft jagen. Das alles sind Aktion verwirrter Geister. Und sie folgen Einflüsterungen des eigenen verwirrten Geistes und nicht der Stimme Gottes.

Der einzige Ort in der Welt, den wir von fremden Göttern befreien sollen, ist das eigene Herz. Da ist nur Raum für den Einen. Aber ihm das Herz öffnen ist keine Aufforderung zur Gewalt, sondern eine Einladung, sich die Liebe gefallen zu lassen, die bis zum Äußersten (Johannes 13, 1) geht.

 

Mein Gott, das passt nicht mehr in unsere Zeit: Bilder zerstören, Götter‑Statuen abbrechen, Tempel niederreißen. Das ist Barbarei, Respektlosigkeit vor dem fremden Glauben.

Ich will keine fremden Religionen bekämpfen, schon gar nicht die Menschen, die in ihnen Halt suchen Halt finden.

Aber ich will es schon lernen und üben in einer einseitigen Liebe einzustehen für Dich, mit ungeteilten Herzen Dir zu dienen. Auch dann wenn es mich entfremdet von denen, die mir eigentlich nahe sind. Amen