Juda´s Siegeszug

Richter 1, 1 ‑ 3 (4-16) 17 ‑ 21.

1 Nach dem Tod Josuas befragten die Israeliten den HERRN und sprachen: Wer soll unter uns zuerst hinaufziehen, Krieg zu führen gegen die Kanaaniter? 2 Der HERR sprach: Juda soll hinaufziehen. Siehe, ich habe das Land in seine Hand gegeben. 3 Da sprach Juda zu seinem Bruder Simeon: Zieh mit mir hinauf in mein Erbteil und lass uns mit den Kanaanitern kämpfen, dann will auch ich mit dir ziehen in dein Erbteil. So zog Simeon mit ihm.

Neuorientierung. Mit Josua ist die Führungsgestalt der Landnahme weg. Es muss geklärt werden, wer denn jetzt Israel anführt. Hatte das Buch Josua noch den Eindruck vermittelt, dass die Landnahme abgeschlossen sei, so zeigt sich hier, dass das nicht so ist.’,Es stehen noch Kämpfe an. Die Kanaaniter werden sich nicht einfach in ihr Schicksal ergeben.

Um Klarheit über den Weg zu bekommen, befragten die Israeliten den HERRN. Ein Orakel‑Sprach wird gesucht. Und durch das Orakel erfolgt Klärung: Juda soll hinaufziehen. Gemeint ist der Stamm Juda, nicht mehr der Jakobs‑Sohn. Dem Stamm Juda fällt eine Führungsrolle zu. Da verbindet sich historisches Wissen mit theologischer Sichtweise.

Juda aber bleibt nicht allein. Der Stamm Simeon verbindet sich mit ihm. Wechselseitiger Beistand der Stämme ist in der Sicht der Erzähler wohl eine Über-Lebensfrage. Allein kann kein Stamm bestehen.

4 Als nun Juda hinaufzog, gab der HERR die Kanaaniter und Perisiter in ihre Hände, und sie schlugen bei Besek zehntausend Mann 5 undfanden den Adoni‑Besek zu Besek und kämpften mit ihm und schlugen die Kanaaniter und Perisiter 6 Aber Adoni‑Besek floh und sie jagten ihm nach. Und als sie ihn ergriffen, hieben sie ihm die Daumen ab an seinen Händen und Füßen. 7 Da sprach Adoni‑Besek.‑ Siebzig Könige mit abgehauenen Daumen an Händen und Füßen lasen auf unter meinem Tisch. Wie ich getan habe, so hat mir Gott vergolten. Und man brachte ihn nach Jerusalem; dort starb er

Der Feldzug Judas gelingt. Von den Leuten aus dem Stamm Simeon ist keine Rede mehr. Nur noch von dem besiegten Gegner ‑ Adoni‑Besek Er selbst deutet seine Niederlage, seinen Untergang. Wie ich getan habe, so hat mir Gott vergolten. Das Schicksal, das er anderen bereitet hat, widerfährt ihm selbst.

8 Aber Juda kämpfte gegen Jerusalem und eroberte es und schlug es mit der Schärfe des Schwerts und zündete die Stadt an.

Eine Notiz, die sich mit späteren Nachrichten beißt. “Jedermann in Israel wusste, dass erst David die Stadt gewonnen hat ( 2. Samuel 5) und dass sie bis dahin in jebustischer Hand war ” (H. W Hertzberg; Die Bücher Josua, Richter, Ruth; ATD 9,‑ Göttingen 1953; S. 150) Der Widerspruch lässt sich nicht auflösen. Vielleicht ist es ein Indiz für unterschiedliche Quellen.

9 Danach zog Juda hinab, um gegen die Kanaaniter zu kämpfen, die auf dem Gebirge und im Südland und im Hügelland wohnten. 10 Und Juda zog gegen die Kanaaniter die in Hebron wohnten ‑ Hebron aber hieß vorzeiten Kirjat‑Arba ‑, und sie erschlugen den Scheschai und Ahiman und Talmai 11 und zogen von dort gegen die Einwohner von Debir Debir aber hieß vorzeiten Kirfat‑Sefer 12 Und Kaleb sprach: Wer Kirfat‑Sefer schlägt und erobert, dem will ich meine Tochter Achsa zur Frau geben. 13 Da eroberte es Otniül, der Sohn des Kenas, des jüngsten Bruders von Kaleb. Und Kaleb gab ihm seine Tochter Achsa zur Frau. 14 Und es begab sich, als sie zu ihm kam, beredete er sie, ein Stück Land zu fordern von ihrem Vater Und sie stieg vom Esel. Da sprach Kaleb zu ihr: Was willst du? 15 Sie sprach: Gib mir eine Segensgabe! Denn du hast mich nach dem dürren Südland gegeben; gib mir auch Wasserquellen! Da gab er ihr die oberen und unteren Quellen.

Der Kriegszug des Stammes Juda geht weiter. Stadt um Stadt wird erobert. Aus der Anonymität treten einzelne Akteure hervor, hier einer namens Kaleb und einer mit Namen Otniël. Was hier erzählt wird, ist schon in Josua 15 ähnlich berichtet worden.

16 Und die Nachkommen des Keniters Hobab, mit dem Mose verschwägert war, zogen herauf aus der Palmenstadt mit den Männern von Juda in die Wüste Juda, die im Süden von Arad liegt, und gingen hin und wohnten mitten unter dem Volk

Auch das wird registriert: Im Land befinden sich die Keniter ‑ weil sie als Leute, die mit Mose verschwägert waren, angesehen wurden. Sie wohnten mitten unter dem Volk. Gemeint ist wohl die Gegend rund um Beerseba. Ist das schon die Vorbereitung darauf, dass es mit der Besiedlung des Landes Kanaan durch die Stämme Israels so einfach nicht ist? Es leben immer auch noch fremde Völker mit im Land. Daran ändert sich nichts bis zum heutigen Tag. Israel gehört nicht exklusiv den Israeliten.

17 Und Juda zog hin mit seinem Bruder Simeon, und sie erschlugen die Kanaaniter in Zefat und vollstreckten den Bann an ihnen und nannten die Stadt Horma. 18 Doch eroberte Juda nicht Gaza mit seinem Gebiet und Aschkelon mit seinem Gebiet und Ekron mit seinem Gebiet.

Wieder wird festgehalten: Trotz der Vollstreckung des Banns bleiben ganze Gebiete unter fremden Einfluss. Gaza und Aschkelon sind Philister‑Städte. Sie sind und bleiben der Stachel im Fleisch Israels.

19 Dennoch war der HERR mit Juda, dass es das Gebirge einnahm; es konnte aber die Bewohner der Ebene nicht vertreiben, weil sie eiserne Wagen hatten. 20 Und sie gaben dem Kaleb Hebron, wie Mose gesagt hatte, und er vertrieb daraus die drei Söhne des Anak. 21 Aber Benjamin vertrieb die Jebusiter nicht, die in Jerusalem wohnten, sondern die Jebusiter wohnten bei denen von Benjamin in Jerusalem bis auf diesen Tag.

Es gibt zu denken: Der HERR war mit Juda, dass es das Gebirge einnahm. Das klingt so ähnlich wie die „Kriegsberichterstattung“ im Josua‑Buch. Aber für die Eroberung der Ebene reicht es nicht. Weil dort die Leute militärische Mittel haben, die den Israeliten nicht zur Verfügung stehen. Kampfwagen gehören nicht zur Ausrüstung dieser hebräischen Halbnomaden.

Und auch das wird jetzt ‑ wie eine Korrektur der früheren Notiz 1,8 ‑ nachgetragen: Die Jebusiter werden nicht aus Jerusalem vertrieben. Benjamin wird nicht Herr über sie.

Was auffällt ‑ im Vergleich zum Josua‑Buch: Vom Handeln Gottes in diesen kriegerischen Aktionen ist kaum die Rede. Ein Orakel ergeht. Ansonsten sind nur die Menschen aktiv.

 22 Auch das Haus Josef zog hinauf nach Bethel und der HERR war mit ihnen. 23 Und das Haus Josef ließ Bethel auskundschaften; die Stadt hieß vorzeiten Lus. 24 Und die Späher sahen einen Mann aus der Stadt gehen und sprachen zu ihm: Zeige uns, wo wir in die Stadt kommen, so wollen wir Barmherzigkeit an dir tun. 25 Und als er ihnen zeigte, wo sie in die Stadt kämen, schlugen sie die Stadt mit der Schärfe des Schwerts; aber den Mann und sein ganzes Geschlecht ließen sie gehen. 26 Da zog der Mann ins Land der Hetiter und baute eine Stadt und nannte sie Lus; die heißt noch heutigentags so.

Knapp wird hier erzählt. In aller Knappheit wird doch eine Parallele sichtbar. Zur Eroberung von Jericho. ” Der Stoff gehört in die Nachbarschaft der Jericho‑ und Ai-Geschichte. Es ist ‑ was auch hier zu beachten ist ‑ nicht die Waffentüchtigkeit Israels, sondern das ihnen (von Jahwe) zugeteilte Glück, das Bethel ihnen in die Hände fallen lässt. “(H. W Hertzberg,‑ aaO.; S. 152) Wie bei der Eroberung Jerichos Rahel gegenüber gibt es auch bei Bethel durch die Kundschafter das Versprechen der Barmherzigkeit, das auch tatsächlich eingehalten wird. So auch hier: Der den Leuten aus dem Haus Josef den Weg in die Stadt zeigt, wird von der Vollstreckung des Banns ausgenommen. Er und sein ganzes Geschlecht. Sie können einen neuen Anfang machen in der Stadt Lus. Irgendwo im Hethiterland, im Norden.

 

Mein Gott, mit Dir auf unserer Seite können wir über Mauern springen, Unmögliches wagen. Und doch bleibt alles Bruchstück, unvollständig. Die Siege haben in sich schon die neuen Kämpfe, Siege und auch Niederlagen.

Du, mein Gott, ersparst uns das nicht, dass andere da sind, die anders sind als wir, anders glauben, anders leben. Mit ihnen zu leben lehre uns. Amen