Ein akzeptierter Weg – zu den Heiden

Galater 2, 1 – 10

 1 Danach, vierzehn Jahre später, zog ich abermals hinauf nach Jerusalem mit Barnabas und nahm auch Titus mit mir. 2 Ich zog aber hinauf aufgrund einer Offenbarung und besprach mich mit ihnen über das Evangelium, das ich predige unter den Heiden, besonders aber mit denen, die das Ansehen hatten, damit ich nicht etwa vergeblich liefe oder gelaufen wäre. 3 Aber selbst Titus, der bei mir war, ein Grieche, wurde nicht gezwungen, sich beschneiden zu lassen.

Eine lange Phase – 14 Jahre – bevor Paulus wieder nach Jerusalem kommt. Das sind wohl die Jahre seiner ersten Missionstätigkeit. Zusammen mit Barnabas. Mit ihm war Paulus ja in Antiochien ausgesandt worden – auf Geheiß des Heiligen Geistes. „Sondert mir aus Barnabas und Saulus zu dem Werk, zu dem ich sie berufen habe. Da fasteten sie und beteten und legten die Hände auf sie und ließen sie ziehen.“ (Apostelgeschichte 13,2-3) Mit Barnabas zieht er nun aufgrund einer Offenbarung nach Jerusalem. Kein selbst gewählter Weg. Wie es ja auch nicht die Art des Paulus ist, sich seine Wege selbst zu wählen. Aber ausdrücklich sagt Paulus. Ich nahm auch Titus mit mir. „Wir wissen weder seine Heimat noch seine Vorgeschichte. War er aus Antiochien? Hatte ihn Paulus auf seinen Missionswegen in Cilizien oder Syrien gewonnen?“ (H. Brandenburg, aaO.; S. 41)

Es wird, so viel ist deutlich, um die Anerkennung der Heidenmission gehen, um die Zustimmung zu dem Weg, den Paulus mit Barnabas zusammen gegangen ist. Und natürlich geht es nicht nur um Reiserouten. Anerkannt werden muss vor allem die Verkündigung. Der Ruf zum Glauben an Jesus ohne Vorbedingungen, ohne die Voraussetzung, dass jemand Jude werden muss oder jüdisch – durch Beschneidung und Gesetzestreue. Dazu müssen sie in Jerusalem ein Ja finden – bei Petrus und Jakobus, der Herrenbruder, und die Anderen, die das Ansehen hatten, den Säulen der Gemeinde.    

Ein erster Hinweis, der Paulus aber überaus wichtig ist: Niemand in Jerusalem hat bei diesem Treffen in Jerusalem verlangt, dass der Grieche Titus, ein Nichtjude, ein Heide, beschnitten werden müsse. Ist das nicht ein erster Schritt zur Anerkennung der Predigt des Paulus?

  4 Denn es hatten sich einige falsche Brüder mit eingedrängt und neben eingeschlichen, um unsere Freiheit auszukundschaften, die wir in Christus Jesus haben, und uns zu knechten. 5 Denen wichen wir auch nicht eine Stunde und unterwarfen uns ihnen nicht, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch bestehen bliebe.

               Es ist ein hartes Urteil, das Paulus hier fällt über die, die seinen Weg in Frage stellen: falsche Brüder! Nicht falsch im Sinn von hinterlistig, falsch, weil sie eine enge Sicht haben, weil sie damit das Evangelium verfälschen. Sie stellen unsere Freiheit, die wir in Christus Jesus haben, in Frage. Sie wollen Unterwerfung unter das Gesetz, die Beachtung der alten jüdischen Regeln. Sie glauben nicht an das bedingungslose: Christus allein. Sie sehen neben Christus das Gesetz.

Es geht um die Identitätsmerkmale des Judentums, die für die judenchristliche Fraktion der ersten Gemeinde zu ihren Herkunftsmerkmalen gehören, auch für Paulus: Sabbat, Beschneidung, Reinheitsgebote im Blick auf Speise-Vorschriften. Für uns heute weit weg. Für die Gemeinde damals: elementar.

6 Von denen aber, die das Ansehen hatten – was sie früher gewesen sind, daran liegt mir nichts; denn Gott achtet das Ansehen der Menschen nicht -, mir haben die, die das Ansehen hatten, nichts weiter auferlegt.

            Was hier mit wenigen Worten von Paulus zusammengefasst wird, wird anderenorts  breit geschildert als das Apostelkonzil (Apostelgeschichte 15). Und es war wohl so, dass es Stimmen gab, die in der Versammlung der Gemeinde auf das Einhalten der jüdischen Regeln drängten. Paulus hat diese Forderung als knechten empfunden und sich vehement gewehrt.

Aber entschieden haben die anderen. Das wird auch hier noch deutlich. Die das Ansehen hatten. Gemeint ist damit wohl der Kreis der Jünger Jesu, der Zwölf und der Herrenbruder Jakobus. Ihre Stimmen haben Gewicht. Für Paulus zählt nicht, sagt er, was sie früher waren. Ist das so? Natürlich: Gott sieht die Person nicht an.(2. Chronik 19,7)  Und auch das kann er sagen: „Darum kennen wir von nun an niemanden mehr nach dem Fleisch; und auch wenn wir Christus gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt so nicht mehr.“ (2. Korinther 5,16) Und doch ist ihre Zustimmung zu seinem Weg so etwas wie ein Freibrief: Du kannst weitermachen.

Und: sie hätten Paulus und Barnabas ja einiges an Vorschriften machen können. Sie hätten Bedingungen für ihre Anerkennung als Missionare formulieren können. Es ist wie ein großes Aufatmen: Sie  haben mir  nichts weiter auferlegt. Nichts aufgeladen. Nichts zur Bedingung gemacht. Er hätte auch sagen können: Sie haben mich nicht geknechtet. (2,4)

7 Im Gegenteil, da sie sahen, dass mir anvertraut war das Evangelium an die Heiden so wie Petrus das Evangelium an die Juden 8 – denn der in Petrus wirksam gewesen ist zum Apostelamt unter den Juden, der ist auch in mir wirksam gewesen unter den Heiden -, 9 und da sie die Gnade erkannten, die mir gegeben war, gaben Jakobus und Kephas und Johannes, die als Säulen angesehen werden, mir und Barnabas die rechte Hand und wurden mit uns eins, dass wir unter den Heiden, sie aber unter den Juden predigen sollten, 10 nur dass wir an die Armen dächten, was ich mich auch eifrig bemüht habe zu tun.

Darauf läuft es hinaus: Die Missionsarbeit des Paulus hat die Zustimmung der Säulen gefunden.  Es ist durch Jakobus und Kephas und Johannes durch Handschlag besiegelt. Es mag sein, dass für Paulus Personen nicht aus vergangenen Taten und Zeiten ihr Gewicht haben. Aber diese Anerkennung ist ihm wichtig.

Das Ergebnis ist auch: Das „Missionsfeld“ wird aufgeteilt. Die Jerusalemer wissen sich gesandt zu den Juden. Paulus und seine Gruppe dagegen haben den Auftrag, dass wir unter den Heiden predigen sollten.

Daneben steht nur eines noch:  an die Armen denken. Eine schöne Umschreibung für eine Kollekte zugunsten der Jerusalemer Gemeinde. Ob die Armen, πτωχοί, buchstäblich verarmte Gemeindeglieder in Jerusalem sind, verarmt womöglich aufgrund des urchristlich-charismatisch  unbesonnen Umgangs mit den Ressourcen der Gemeinde, steht für mich dahin.  Es könnte auch eine Bezeichnung für die Gemeinde sein, die nicht auf den sozialen Stand einiger abhebt, sondern die ganze Gemeinde meint.

Jedenfalls: Paulus wird mit seinen Gemeinden für die Jerusalemer Gemeinde sammeln. Es ist eine Weise, die Verbundenheit untereinander sichtbar zu machen, auch die Dankbarkeit dafür, dass das Evangelium den Weg in die Völkerwelt nehmen konnte. Ohne die Zustimmung der Jerusalem Säulen zu diesem Weg wäre die judenchristliche Gruppe zu einer weiteren Spielart des Judentums geworden, die heidenchristliche Gruppe zu einer neuen Religion ohne Wurzelgrund.

 

Herr Jesus, wie schwer fallen uns Wege in die Freiheit, wie schwer fällt es, alte Traditionen hinter sich zu lassen, weil sie überholt sind, sich überlebt haben.

Wir hängen an dem Alten, weil es zu uns gehört, unser Leben geprägt hat, uns Sicherheit verleiht. Du aber führst weiter, über alte Grenzen hinweg, in neue Räume, auf ungewisse Wege.

Und es muss uns reichen, dass wir wissen und glauben: Du bist mit auf dem Weg. Amen