Schroffe Abgrenzungen

  1. Johannes 7 – 13

7 Denn viele Verführer sind in die Welt ausgegangen, die nicht bekennen, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist. Das ist der Verführer und der Antichrist.

             Die Gemeinde lebt nicht im luftleeren Raum. Es gibt andere Stimme, die andere Botschaften verbreiten. Die zwar vom Christus reden, aber ihn nicht in dem Mensch gewordenen Jesus sehen, sondern in einem geistig-überirdischen Himmelswesen. Dass „das Wort Fleisch wurde“(Johannes 1,14) ist ein Zentralbekenntnis der Christenheit. Wir glauben…

an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.            EG-EKHN 805

             Wer dieses Bekenntnis zu dem Mensch Gewordenen nicht teilt, anders von Christus redet, der ist für Johannes ein Verführer und der Antichrist. So hart zu urteilen will uns in unserer religionsmüden Zeit zu hart erscheinen.

 8 Seht euch vor, dass ihr nicht verliert, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangt.

             Es ist nicht einfach nur Härte, die Johannes so urteilen lässt. Es ist vor allem die Sorge, die ihn so schreiben lässt. Wer an dieser Stelle – dem Christus-Bekenntnis – nicht wachsam ist, klar, einfältig und eindeutig, steht in Gefahr. „Das Heil der Leser selbst steht auf dem Spiel.“ (H. Balz, aaO.; S. 208) Sie vertun, was ihnen doch versprochen, verheißen ist, den vollen Lohn. „Die Erfüllung ihrer Gottesgemeinschaft im wahren,unvergänglichen Leben vor Gott.“ (H. Balz, aaO.; S. 208)

Das Neue Testament redet sehr viel unbefangener vom Lohn des Glaubens, als es uns in einer Theologie gelingen will, die die Abwehr des Lohngedankens für eine wesentliche Errungenschaft der Reformation hält. „Da fing Petrus an und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür gegeben?“ (Matthäus 19,27) Diese Frage wird von Jesus nicht für unzulässig erklärt, für kleingläubig, sondern er beantwortet sie durchaus positiv: „Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, wenn der Menschensohn sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels. Und wer Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Kinder oder Äcker verlässt um meines Namens willen, der wird’s hundertfach empfangen und das ewige Leben ererben.“ Matthäus 19,28-29) Aber Hochrechnen im Sinn von Kapital-Ertrag lässt sich das nicht. Darin haben alle Warnungen vor dem Lohngedanken durchaus ihr Recht.

9 Wer darüber hinausgeht und bleibt nicht in der Lehre Christi, der hat Gott nicht; wer in dieser Lehre bleibt, der hat den Vater und den Sohn.

             Es ist das einfache, einfältige Evangelium, das genügt. Es braucht nicht mehr. Nicht Speziallehren. Nicht Himmelsweisheiten und Himmelsreisen, nicht Sonder-Offenbarungen. Die überlieferte Christus-Lehre reicht.  Und in dieser Lehre bleiben ist gleichbedeutend mit Gott haben, den Vater und den Sohn. „Die Wirklichkeit Gottes ist nicht identisch mit der Lehre, aber sie ist nur in der Gestalt der rechten Christuslehre bei den Glaubenden.“ (H. Balz, aaO.; S. 208) Es geht dabei nicht um rechtgläubige Theologie. Es geht um den Halt im Leben und im Sterben, den der verliert, der nach Luftgespinsten greift.

 10 Wenn jemand zu euch kommt und bringt diese Lehre nicht, so nehmt ihn nicht ins Haus und grüßt ihn auch nicht. 11 Denn wer ihn grüßt, der hat teil an seinen bösen Werken.

             Das ist hart: Sich gar nicht erst einlassen auf Begegnungen, auf Gespräche. Die Tür nicht aufmachen. Kommunikation verweigern. Schon das Grüßen unterlassen. Denn im Gruß geschieht ja Heilsmitteilung. Schalom – Friede sei mit Dir. Aber die Irrlehrer, so Johannes, haben keinen Frieden und bringen keinen Frieden. Und der Frieden, der ihnen zugesprochen wird, geht ins Leere. „Wenn ihr aber in ein Haus geht, so grüßt es; und wenn es das Haus wert ist, wird euer Friede auf sie kommen. Ist es aber nicht wert, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden.“ (Matthäus 10, 12-13) Johannes geht darüber noch hinaus.

Das ist wohl nur von daher zu verstehen, dass die Situation der Gemeinde hoch gefährdet ist durch die Irrlehrer. „Die Bedrohung der Gemeinde scheint sich gegenüber dem 1. Johannes-Brief verschärft zu haben.“ (H. Balz, aaO.; S. 210) Das erklärt anfangsweise dieses schroffe `Halt’ gegenüber jeder Kommunikation. Befriedigend aber ist das dennoch nicht. Wo kein Gespräch mehr ist, wird der Andere, die Andere, als hoffnungsloser Fall abgeschrieben. Verträgt sich das wirklich mit dem Evangelium und seiner Hoffnung auf die Rettung der Gottlosen? Für uns heute ist dieser Gesprächs-Abbruch kein beispielgebendes Modell.

12 Ich hätte euch viel zu schreiben, aber ich wollte es nicht mit Brief und Tinte tun, sondern ich hoffe, zu euch zu kommen und mündlich mit euch zu reden, damit unsre Freude vollkommen sei.

Genug geschrieben. Viel lieber möchte Johannes von Angesicht zu Angesicht mit seinen Brüdern und Schwestern reden. Die Gemeinde sehen. Damit unsre Freude vollkommen sei. Kein kirchenleitender Pflichtbesuch. Einander sehen, miteinander reden, singen, weinen, lachen, beten, das Wort tauschen führt zur vollkommenen Freude. Schon im 1. Johannes-Brief steht diese Hoffnung „damit unsre Freude vollkommen sei“ (1. Johannes 1,4) wörtlich da. Vielleicht kann man sagen: Es lohnt sich, einander zu sehen. Der Glaube wird gestärkt. Die Liebe wird vertieft. Freude bricht sich Bahn. Was für eine wunderbare Begründung für  geschwisterlichen Besuchsdienst.  Und ein Versprechen hin auf die Freude ohne Ende. Jesus: „Ich will euch wiedersehen und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“ (Johannes 16,22)

 13 Es grüßen dich die Kinder deiner Schwester, der Auserwählten.

Der gerade noch so streng das Grüßen der Irrlehrer untersagt hat, der grüßt nun, von Gemeinde zu Gemeinde. Und wünscht mit diesem Gruß Heil und Frieden und Segen. Im Wissen: Wir gehören zusammen – auserwählt durch die Gnade Gottes.

 

Mein Gott und Herr, Wie wir miteinander reden, soll die Liebe widerspiegeln, Deine Liebe. Du hast nie aufgehört, uns zu suchen, das Gespräch mit uns neu zu beginnen, uns Dein Herz zu öffnen.

Hilf Du uns, mir, dass wir keinen aufgeben, dass wir nie das Gespräch für beendet erklären, weil der Andere leugnet, was uns lieb ist, unser Leben trägt.

Gib mir den langen Atem, der sich aus der Ewigkeit nährt, von Deiner Liebe Kraft gewinnt.  Ob ich damit Menschen gewinne, weiß ich nicht, Aber ich bewähre Deine Liebe und Langmut, von der ich lebe. Amen