Fragen das weiterführt

Johannes 14, 22 – 26

22 Spricht zu ihm Judas, nicht der Iskariot: Herr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt?

            Wieder eine Frage, diesmal von dem anderen Judas, nicht dem Iskariot. Der ist ja schon gegangen. Warum nur wir und nicht die Welt? Es ist ja bis auf diesen Tag heute das große Ärgernis für die distanzierten Betrachter, die es gerne objektiv hätten, dass Jesus nur Jüngern und Jüngerinnen begegnet ist, nur Gläubigen, nur Menschen in der Gemeinde. Die sind doch alle Partei. Und der eine, der gegen ihn war, Paulus, ist durch seine Begegnung auch Partei geworden, für ihn.

Es sind nicht nur die Skeptiker, die so fragen. Es sind auch die Christen selbst, die darunter leiden, dass sie so wenig in der Hand haben, dass sie nicht demonstrieren können, wie groß ihr Herr ist, wie herrlich. Dass es nicht alle einfach einsehen müssen, weil es unbestreitbar am Tage ist. Warum – so fragen sie – müssen wir noch warten, so lange warten auf diesen Tag, wenn alle ihn sehen?

23 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.

Die Antwort Jesu liegt auf den ersten Blick irgendwie quer zur Frage. Aber vielleicht ist es Antwort auf einer tieferen Ebene. Es ist nötig, dass der Weg der Liebe und des Glaubens gegangen wird, bevor alles in das helle Licht Gottes gestellt wird. Es braucht diese Zeit, in der die Liebe zu Jesus gelebt wird in aller Unvollkommenheit. In der Christen sich einüben in das Wort. In der sie es üben, sich an das Wort – diesmal steht da λόγος und signalisiert: Es geht um die Lehre, die Jesus in seiner Person ist, und nicht nur um einzelne Worte in die Zeitzu halten, das Wort zu halten  und so ihr Leben zu leben. In der sie mitten in der Welt die Liebe Gottes erfahren und bereit werden, ihn aufzunehmen. Es braucht die Wohnungen Gottes in unserem irdischen Leben, sein Einwohnen in uns, bevor es zu unserem Wohnen in der himmlischen Heimat kommen kann.

24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat.

            Das ist der zweite Teil der Antwort: Wer Jesus nicht liebt, lebt nicht aus seinem Wort – und wird ihn auch nicht sehen. Es hängt ineinander: Das Vertrauen und das Sehen, das verweigerte Vertrauen und das Nicht-Sehen. Einen Schritt geht Jesus weiter. Weil das Wort, das die Jünger hören, nicht sein Wort allein ist, sondern gesprochen aus der Einheit mit dem Vater, darum werden die, die sein Wort nicht halten, auch blind für die Wirklichkeit des Vaters. Wer Jesus nicht sieht, der sieht auch den Vater nicht. Es gibt für Johannes keine Gotteserkenntnis an Jesus vorbei.

25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. 26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Mit diesen Worten Jesu ist ein gewisser Abschluss erreicht. (Es gibt Exegeten, die deshalb vorschlagen, Kapitel 14 an den Schluss der Abschiedsreden zu stellen, also nach Kapitel 16) Was noch zu sagen sein wird, das wird nicht mehr Jesus direkt sagen. Das sagt der Tröster, der Heilige Geist. Aber, das steckt auch in diesen knappen Worten: Der Tröster wird kein anderes Thema haben als Jesus. Nicht neue Offenbarungen stehen an – der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Auf dem Weg mit Jesus haben seine Jünger alles gehört, was sie brauchen.

Die Aufgabe des Heiligen Geistes ist nur noch Erinnern und Lehren. Das ist gut jüdisch gedacht: Der Glauben lebt von der Erinnerung und er wird lehrend weitergegeben. Der Geist wird ihnen durch den Mund menschlicher Zeugen Jesus, den irdischen Jesus, den Gekreuzigten, vor Augen malen. (Galater 3,1) Mehr braucht es nicht, sagt Johannes, um eine Ewigkeitsperspektive zu gewinnen. Anderes auch nicht.

 

Du Tröster aus dem Himmel, Beistand auf dem Weg durch die Zeit, Du Gabe Gottes an uns, leite uns auf unserem Weg.

Zeige uns Jesus so, dass wir in ihm die Gabe Gottes erkennen, das Heil der Welt, das Bild des Vaters voller Gnade und Erbarmen.

Präge uns sein Worte ein, dass sie unser Herz erfüllen, unsere Füße leiten, unsere Hände lenken, unser Denken und Fühlen, Begreifen und Reden bestimmen.

Du Tröster und Beistand, Heiliger Geist, mache Du uns Christus gegenwärtig. Amen