Ich will Dir treu sein

Johannes 13, 36 – 38

 36 Spricht Simon Petrus zu ihm: Herr, wo gehst du hin?

Es ist das Privileg des Petrus, der Wortführer zu sein, Fragen zu stellen. Keine leichte Rolle. Wird doch an ihm sichtbar, wie wenig wir verstehen vom Weg Jesu. So auch jetzt. Er fragt nach dem Ort, zu dem Jesus sich auf den Weg macht. Jesus aber geht in ein Geschehen und eben nicht an einen Ort. Petrus kann – wie wir – nur in den Kategorien von Raum und Zeit denken. Der Weg Jesu aber sprengt den Raum und die Zeit.

 Jesus antwortete ihm: Wo ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht folgen; aber du wirst mir später folgen.

 Zum dritten Mal kommt diese Wendung im Evangelium. Unmittelbar vor dieser Stelle hat er es zu den Jüngern gesagt (13,33). Und am Laubhüttenfest in Jerusalem sagt er zu den Juden: „Ich bin noch eine kleine Weile bei euch und dann gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat. Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen.“ (7, 33-34) Gerade im Vergleich dazu wird die Differenz deutlich. Zu Petrus sagt er: diesmal nicht – erst später. Zu den Juden sagt er: Nicht!

 Es ist sein Weg, den er für die Seinen, ich ergänze: für die Gemeinde, geht‘: Er macht den Weg frei. Davon wird wenig später die Rede sein. Aber auf diesem Weg jetzt geht er allein. Um unsertwillen.

 37 Petrus spricht zu ihm: Herr, warum kann ich dir diesmal nicht folgen? Ich will mein Leben für dich lassen.

 Soll man sich wundern über den begriffsstutzigen Petrus? Hat er nicht zugehört? Oder hat er nur nicht verstanden? Zuerst gilt es Ehrenrettung für Petrus zu betreiben. „Hinter der Frage des Petrus steckt doch die Bereitschaft des Jüngers zur Nachfolge.“(R. Bultmann, Das Evangelium des Johannes, Göttingen 1957, S. 460) Das darf man nicht gering schätzen. Hochmut Petrus gegenüber ist fehl am Platz.

 Und auch das hat Petrus verstanden: Nachfolge schließt die Bereitschaft zum Leiden mit ein. Für uns heute ist das eine fremde Botschaft. Leiden in der Nachfolge ist in der gegenwärtigen Lebenssituation in der Bundesrepublik Deutschland weitgehend ein Fremdwort. Wir leiden unter Krankheit, unter Ängsten, unter Überforderung. Aber um Christi Willen leiden wir nicht. Ich scheue mich ein wenig, den gesellschaftlichen Gegenwind, den die Kirche und auch einzelne Christen heute erfahren, schon als Leiden um Christi willen zu bezeichnen. Es kostet uns sicher nicht das Leben.

Das war auch in Deutschland nicht immer so. Es ist erst 70 Jahre her, dass Menschen, geleitet durch ihren Glauben, widerständig gegen die Staatsmacht waren und mit ihrem Leben für ihren Widerstand bezahlt haben. Für ihren Glauben.

38 Jesus antwortete ihm: Du willst dein Leben für mich lassen? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Der Hahn wird nicht krähen, bis du mich dreimal verleugnet hast.

 So tapfer wie diese Märtyrer wäre Petrus allemal. Und doch übernimmt er sich. Fast wortgleich im Griechischen sagt er, was Jesus von sich als dem guten Hirten sagt: „Ich lasse mein Leben für die Schafe.“ (10,15) Aber Petrus ist nicht der gute Hirte. Das allein ist seine Selbstüberschätzung. Wir tun gut daran, Petrus nicht für einen Feigling zu halten. Er stößt hier an eine Grenze, die durch den Unterschied gesetzt ist zwischen dem Menschensohn und Gottessohn Jesus und dem Menschen Petrus.

 Jesus kündigt ihm an: Du wirst mich verleugnen. Nicht nur einmal, dreimal. Feierlich klingt es: αμήν, αμήν, Amen, Amen. Wahrlich, wahrlich. Der die Herzen kennt, kennt auch das Herz seines Petrus. Und hält doch an ihm fest.

Es ist gut, dass das von Petrus erzählt wird. Ist Petrus doch einer von uns, einer wie wir. Auch in unserer Nachfolge gibt es die Augenblicke, wo wir uns verstecken, nichts mit Jesus zu tun haben wollen, uns lösen von seinem Wort und Weg. Auch auf unserem Weg mit ihm gibt es das Scheitern aus Feigheit, Angst, falscher Rücksichtnahme, aus der Sorge um das eigene Ansehen. Das weiß Jesus und hält doch an uns fest. Wie an Petrus. Davon wird später noch zu reden sein.

Jesus                                                                                                                                         ich will Dir folgen und bleibe oft genug hinter Dir zurück                                                          Ich will zu Dir gehören und gehe doch oft auf Distanz

Manchmal übernehme ich mich                                                                                    Manchmal verstehe ich aber auch nicht                                                                            dass Dein Weg nicht mein Weg ist                                                                                          dass ich nicht auf mich nehmen muss                                                                                  was Du schon für mich getragen hast

Gib mir den Mut                                                                                                                      auf meinen Wegen einzustehen                                                                                               für die Wahrheit                                                                                                                         für die Liebe                                                                                                                              für Dein Wort

Mache mich treu im Kleinen und zeige mir immer wieder                                                    dass Du mich festhältst                                                                                                     auch in meinem Versagen und Verzagen. Amen