Ein Beispiel ist uns gegeben

Johannes 13, 12 – 20

12 Als er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach zu ihnen: Wisst ihr, was ich euch getan habe?

 Die Fußwaschung ist vorüber. Ist damit alles geklärt? Spricht der Akt nicht für sich selbst? Jesus scheint nicht so zu denken. Er weiß: Alle Zeichen sind zweideutig. Sie können alle auf einer Oberfläche verstanden werden und doch missverstanden sein. Darum fragt er nach – aber nicht, um eine Antwort von den sicherlich im Augenblick überforderten Jüngern zu erhalten, sondern um selbst die Antwort zu geben.

 Zugleich steckt natürlich mehr dahinter: Durch die Deutung Jesu wird das Geschehen dieser Nacht zur Wegweisung für die ganze Christenheit, zur „Offenbarung“. Er legt sein Handeln aus.

 13 Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin’s auch. 14 Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen.

 Es gibt – so Jesus – eine Rangordnung: Er der Meister, wir die Brüder. Er ist der Herr. Wir sind es nicht. Wir sind Diener, Knechte, Mägde und untereinander Brüder und Schwestern. Das Johannesevangelium lässt keinen Zweifel: Jesus ist nicht einfach „einer wie wir.“ Er ist kategorial von uns unterschieden. Er ist von oben. Wir sind von der Erde. Er ist von Ewigkeit her, wir sind Kinder der Zeit. Wer diesen Unterschied wegreden will, irrt. Betrügt sich selbst. Versteht nicht, wer Jesus ist. Wenn ihr diesen Unterschied seht, so habt ihr Recht.

Er betont diesen Unterschied so stark, um deutlich zu machen, was in Wahrheit geschehen ist: Ein Durchbruch durch die Ordnung der Welt. Keine interne Angelegenheit, sondern aus der Ewigkeit. Der von oben hat denen von unten die Füße gewaschen. Der ewige Gott hat sich selbst zum Diener der Menschen gemacht. 15 Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe. 16 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr und der Apostel nicht größer als der, der ihn gesandt hat. 17 Wenn ihr dies wisst – selig seid ihr, wenn ihr’s tut.

 Es ist ein Schlussverfahren, das im Bereich des Judentums zu Hause ist, vom Größeren zum Kleineren: Wenn schon ich, der Herr so handle, wie viel mehr dann ihr. Ihr vergebt euch nichts durch dieses Dienen, sondern ihr gewinnt darin Anschluss an mich. Was dem Herren recht ist, ist dem Apostel billig.

 Es mag wieder einmal ein leicht zu überlesender Hinweis sein: απόστολος, der Apostel zeigt über die Situation dieser Nacht hinaus auf die Wirklichkeit der Gemeinde, die das Johannes-Evangelium liest. Es ist also eine Weisung nicht nur für den Jünger-Kreis, sondern für die Gemeinde aller Zeiten.

 Muss man es extra sagen? Das ist keine nette Geschichte für den Kinder-Gottesdienst, die man kennen sollte. Es ist eine Geschichte zum Nachahmen. Nicht nur für Päpste am Gründonnerstag, sondern für alle. Alltäglich. Nicht anderen den Kopf waschen – das geht gut von oben nach unten. Sondern die Füße. Das geht nur von unten nach oben. Nur in der Haltung der Demut und der Ehrerbietung. Nicht die Fußwaschung ist nachzuahmen – darum haben die Kirchen recht, dass sie daraus kein Sakrament abgeleitet haben. Sondern die Haltung ist zu übernehmen, zu internalisieren.

 18 Das sage ich nicht von euch allen; ich weiß, welche ich erwählt habe. Aber es muss die Schrift erfüllt werden (Psalm 41,10): »Der mein Brot isst, tritt mich mit Füßen.« 19 Jetzt sage ich’s euch, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschehen ist, glaubt, dass ich es bin.

 Wieder folgt ein Hinweis auf den bevorstehenden Verrat. Immer noch ist Judas unter den Jüngern. Aber Jesus weiß schon, was er tun wird. Dieser Verrat ist wie ein Fußtritt. Er schmerzt. Es mag tausendmal notwendig sein für den Weg des Heils – er schmerzt dennoch. Und die Jünger sollen durch das Vorherwissen Jesu davor bewahrt werden, an ihm irre zu werden. Mitten in dem Geschehen wird er der sein, der das zu Recht sagt: Ich bin es, εγώ ειμι. So stellt sich Gott vor!

Das alles gilt nicht nur für den einen Verrat und den einen Verräter. Das gilt auch für den Weg der Gemeinde, auf dem es immer wieder zu Untreue und Abfall kommen wird. Auch das weiß er im Voraus. Auch das kann nicht in Frage stellen, dass er der Herr ist, das Bild Gottes in der Welt.

 20 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer jemanden aufnimmt, den ich senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.

 Und wieder wird die Situation gesprengt, geweitet. Es ist ein Rückgriff vor diese Worte über den Verrat. Die Liebe, die sich in der Fußwaschung zeigt, ist die gleiche Liebe, die Gastfreundschaft gewährt, denen, die im Namen des Herrn unterwegs sind. Es ist die Liebe, die die Gemeinde untereinander geschwisterlich leben lässt. In ihr bewahrheitet sich die Liebe zu dem unsichtbaren Gott. „Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns und seine Liebe in uns ist vollkommen.“(1. Johannes 4,12)

 Herr Jesus                                                                                                                              Du liebst bis zum Ende                                                                                                             bis zum Äußersten                                                                                                                   Du rufst uns in Deine Liebe                                                                                                     aus ihr zu leben                                                                                                                        sie zu teilen                                                                                                                         auszuteilen                                                                                                                          mitzuteilen an die                                                                                                                  die mit uns unterwegs sind

Nichts anderes suchst Du bei uns als diese Liebe                                                                 die dient                                                                                                                                 sich schenkt                                                                                                                         sich für die Anderen öffnet                                                                                                   Du willst uns ja begegnen in denen                                                                                        die uns entgegenkommen                                                                                                      unsere Liebe herausfordern

Gib uns das Tun                                                                                                                       das Deiner Liebe entspricht. Amen