Bleiben

Johannes 15, 1 – 8

Nach diesem Satz: Steht auf und lasst uns von hier weggehen. könnte gut der Weg der Passion beginnen. Nicht so bei Johannes. Er fügt hier – vor seinem „Bericht über die Passion – drei lange Kapitel ein mit Reden Jesu und einem Gebet Jesu. Den „Abschiedsreden“ und dem „Hohenpriesterlichen Gebet“ So die Bezeichnungen dieser Passagen,die sich auch in Bibelausgaben finden.

Warum? Kann man fragen. Hat der Schreiber nicht aufgepasst? Wer so denkt, unterstellt ihm doch ein Stück Naivität oder, wenn nicht sogar Dummheit. Aber Johannes ist bestimmt nicht dumm oder naiv. Er weiß, was er tut, auch mit diesem Einschub. Er hält den Gang des Geschehens auf mit diesen Reden. Darin, so denke ich, zeigt er: Was folgen wird, ist nicht unglückliches Schicksal, sondern der Weg, den Jesus wählt in Gehorsam und Liebe – Gehorsam gegen den Vater, Liebe zu uns.

Und: es sind eben Abschiedsreden, nicht nur letzte Worte. Die werden noch eindrücklich genug am Kreuz folgen. Hier aber wird noch einmal zusammen gefasst, was den Weg Jesu ausmacht und wer er ist. Jesus ist das Thema dieser Worte, nicht nur seine Funktion. Er selbst.

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.

Folgerichtig fängt Jesus an. εγώ ειμι. Ich bin. Und dann folgt eben: der wahre Weinstock.  Es ist das letzte der Ich-bin-Worte. Das erste war das Wort: Ich bin das Brot des Lebens (6,35; 6,48) Am Anfang dieser Reihe von sieben Ich-bin-Worten das Brot, am Ende der Weinstock.Man muss nicht sonderlich Phantasie-begabt sein, um hier einen Hinweis auf Brot und Wein, die Gaben des Abendmahles zu lesen.

Der wahre Weinstock – das ist Hinweis auf andere Weinstöcke, die nicht die wahren sind. „Der Weinstock galt gerade zu als der Lebensbaum“ (G. Voigt, aaO.; S. 226) Es ist die Suche nach dem Leben, nach der Freude, die sich mit der Frucht des Weinstocks verbindet. Diese Suche läuft ins Leere, wenn sie nicht in Jesus erfüllt wird.

In der Sakristei der Stadtkirche Schlitz hängt eine Kasel aus dem 13. Jahrhundert. Auf  ihr ist das Kreuz als Weinstock, als Lebensbaum abgebildet. Der Lebensbaum, seit der Vertreibung aus dem Paradies unzugänglich geworden – „Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, das er nur nicht ausstrecken Gott der Herr aus dem Garten Eden…  Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammende, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zum Baum des Lebens.“ (1. Mose 3,22 – 23a.24) – hier ist er wieder zugänglich.

Der über diesen Weinstock wacht, ist der Vater als der Weingärtner. Einmal mehr unterstreicht Jesus die innige, ja unauflösliche Verbindung zwischen sich und dem Vater.  Dass er der wahre Weinstock ist, hängt eben daran, dass der Vater der Weingärtner ist. Ohne sein Handeln an dem Sohn würde der sohn nicht Frucht bringen. „Bleiben“ weiterlesen

Im Frieden geborgen

Johannes 14, 27 – 31

27 Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

           Frieden! Shalom! Ειρήνη Das ist der Gruß im Judentum, schon im Alten Testament und auch in der ersten christlichen Gemeinde. Hier aber ist es mehr als ein Gruß. Es ist eine Zusage, ein Versprechen. Und der Charakter des einfachen Grußes wird auch gesprengt durch das „meinen Frieden“. Jesus sagt seinen Jünger zu: Ihr empfangt meinen Frieden. Ich nehme ihn nicht mit in die Welt Gottes. Ich lasse ihn euch. Ich gebe ihn euch. Er bleibt bei euch. Er umhüllt euch – als Schutzmantel, als Wirklichkeit mitten in der Welt.

Am Schwanberg in Unterfranken hat die Künstlerin Irene Dilling für einen Altar im Friedwald der „Communität Casteller Ring“ eine Christus-Figur geschaffen. Von seinen Armen herab hängt ein Mantel, ein Schutzmantel. Mit weit ausgebreiteten Armen bietet dieser „Schutzmantel-Christus“ Zuflucht. Einem alten Mann am Stock, einer Frau, einem Kind. Mühseligen und Beladenen. Sie dürfen kommen mit den Lasten ihres Lebens. „Unter dem Schatten seiner Flügel“ (Psalm 63,8)  finden sie Schutz. Das ist „mein Frieden.“ 

Der Frieden der Welt ist ja anderer Art. Labil, gefährdet. Oft genug ein Frieden, der auf der Macht beruht, auf der militärischen Stärke, auf Drohung und Härte, im Schweigen der Waffen bis zum nächsten Konflikt. Bei den Römern gibt es den Satz wie ein Sprichwort, eine Lebensweisheit: „Si vis pacem, para bellum.“ Frei übersetzt: „Wenn du Frieden willst, bereite dich für den Krieg vor.“ Von diesem Frieden, der der Welt entspricht, unterscheidet sich der Friede Jesu.

Jesus vergisst nicht: Die Jünger leben in einer Welt, die oft genug zum Erschrecken ist, friedlos,von Gewalt durchtränkt. Und: „Was die „Welt“ zu geben hat, werden sie in den nächsten Stunden erfahren – Grund genug zu erschrecken und sich zu fürchten.“  (G. Voigt, aaO.; S. 224) Darum sagt er ihnen, was er schon am Anfang dieser Rede gesagt hat: Euer Herz erschrecke nicht  und fügt hinzu und fürchte sich nicht. „Im Frieden geborgen“ weiterlesen

Fragen das weiterführt

Johannes 14, 22 – 26

22 Spricht zu ihm Judas, nicht der Iskariot: Herr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt?

            Wieder eine Frage, diesmal von dem anderen Judas, nicht dem Iskariot. Der ist ja schon gegangen. Warum nur wir und nicht die Welt? Es ist ja bis auf diesen Tag heute das große Ärgernis für die distanzierten Betrachter, die es gerne objektiv hätten, dass Jesus nur Jüngern und Jüngerinnen begegnet ist, nur Gläubigen, nur Menschen in der Gemeinde. Die sind doch alle Partei. Und der eine, der gegen ihn war, Paulus, ist durch seine Begegnung auch Partei geworden, für ihn.

Es sind nicht nur die Skeptiker, die so fragen. Es sind auch die Christen selbst, die darunter leiden, dass sie so wenig in der Hand haben, dass sie nicht demonstrieren können, wie groß ihr Herr ist, wie herrlich. Dass es nicht alle einfach einsehen müssen, weil es unbestreitbar am Tage ist. Warum – so fragen sie – müssen wir noch warten, so lange warten auf diesen Tag, wenn alle ihn sehen?

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… und ihr sollt auch leben.

Johannes 14, 15 – 21

15 Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten.

Was für ein schlichter Satz. Aber auch: Was für ein anspruchsvoller Satz. Er gibt der Liebe eine Form. Er führt über die Liebe als Gefühl, als Empfindung hinaus zur Liebe als Tat. Die Liebe zeigt sich darin, dass sie dem Gebot Jesu folgt. Gebot steht da, wieder einmal εντολή und nicht νόμος. Gebot, nicht Gesetz. Jesus legt uns keinen neuen Gesetzeskanon vor. Das unterscheidet den „neuen Mose“ von Mose. Jesus legt uns und lebt uns die Liebe vor.  „Lehrt sie halten, alles, was ich euch befohlen habe“ (Matthäus 28,19) meint auch keinen Gesetzeskanon, sondern meint die Lebenspraxis, die die Jünger an Jesus gesehen haben. Es ist so schlicht und einfach:Die Liebe wird euch leiten.“ (G. Teersteegen). Oder mit Augustinus: „Liebe und tue, was du willst.“

Hinter diesen Worten höre ich das Vertrauen Jesu in seine Leute. Es gibt nicht nur unseren Glauben an Jesus, es gibt auch das Vertrauen auf seine Leute, den Glauben (!) Jesu an uns. Wie sonst könnte er auch sagen: Ihr werdet größere Werke tun.(14,12)

16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.

               Es ist Zeit des Abschiedes. In dieser Stunde sagt Jesus: Der Vater wird euch einen anderen Tröster geben  Die Frage, die hinter diesen Worten steht: Wie wird es um unseren Glauben stehen, wenn wir ihn alleine leben müssen, ohne Jesus sichtbar in unserer Mitte? Kann unser Glaube sich aus den Erinnerungen nähren? Bleibt nur der resignierte Rückblick: Ja, damals in Jerusalem, damals auf den Wegen mit Jesus, da war alles klar und einfach. Aber heute?

              Gottfried Voigt schreibt: „Gnostiker damals sprechen von Helfern, Geleitsleuten und Führern der Seelen  aus dieser Verderbenswelt hinauf ins Himmlische. Das Judentum kennt Fürsprechergestalten. Der Philosoph Philo spricht von Ratgebern, Fürsprechern, Helfern. Lesern aus solchen Kreisen will der Evangelist sich wohl verständlich machen, indem er ein Wort aus ihrem Vokabular aufgreift: „Paraklet“, παράκλητος, das Tröster, Beistand, Fürsprecher bedeutet. (G. Voigt, aaO.; S.219) Jesus also – so sagt es Johannes – schenkt uns den Helfer, der uns den Weg finden lässt durch das Leben, der uns in dunklen Stunden nicht untergehen lässt, der uns in der Verzweiflung nicht das Leben wegwerfen lässt. „… und ihr sollt auch leben.“ weiterlesen

Wer mich sieht….

Johannes 14, 8 – 14

8 Spricht zu ihm Philippus: Herr, zeige uns den Vater und es genügt uns.

Diesmal ist es Philippus, der fragt. Nach dem Johannes-Evangelium der Erste, den Jesus selbst gerufen hat. Zu ihm hat er gesagt: Folge mir nach. (1,43) Seitdem ist Philippus mit ihm auf dem Weg. Hat ihn kennen gelernt. Seine Worte gehört, seine Zeichen gesehen. Aber er hat immer „nur“ Jesus vor Augen gehabt. Darum steht er vor diesem Satz Jesus „Wenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen“.(14,7) wie vor einem großen Rätselwort. Er versteht es nicht.

Vielleicht muss man sagen: Er kann es auch gar nicht verstehen. Denn er schaut ja, wenn er nach Gott ausschaut, nach dem unsichtbaren, dem unbegreiflichen, dem jenseitigen Gott aus. Dem Transzendenten. Der Transzendenz. Meinethalben auch nach dem „summum bonum“, dem höchsten Gut. Er hat es ja gelernt als Jude: „Mein Angesicht kannst du nicht sehen, denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.“ (2. Mose 33, 20) Wie also sollte er in dem Jesus vor seinen Augen Gott, den Vater, sehen können?  Und so wie Philippus schauen wir alle nach dem unsichtbaren Gott aus, dem Gott, den wir nie begreifen können.

Ein Wort zur Ehrenrettung des Philippus und aller fragenden Jünger. „Eine törichte Bitte“ nennt Bultmann die Bitte des Philippus. (R. Bultmann, aaO.; S.469) Ich sehe das anders. Sie fragen immerhin, wenn sie etwas nicht verstehen. Erst recht, wenn sie nicht verstehen können, weil sie ja von der Erde (3,11) sind. Wie sollen sie den sehen können in seiner Wirklichkeit, der von oben (3,319 ist? Darum ist ihr Fragen  großartig. Viel zu oft fragen wir nicht, schlucken unsere Fragen ungefragt herunter. Es ist uns nicht klar, was ist, aber wir fragen nicht. Wir finden uns ab, suchen vielleicht auch noch nach eigenen Antworten, aber wir fragen nicht. Der Glaube an Gott aber fängt ganz oft mit dem offenen, ehrlichen Fragen an.

Gott hält es aus, dass wir ihn frag-würdig finden. Mehr noch: Er legt seine Verheißung auf unser Fragen. Ich wiederhole mich gerne:

„Denen, die Gott suchen,                                                                                                    denen wird das Herz aufleben.“         Psalm 69,33

Suchen, nach Gott fragen, sich ausstrecken nach ihm. Darum ist es richtig, dass Philippus sagt: Zeige uns den Vater. Von sich aus wird er nicht sehen können. Ihm müssen die Augen geöffnet werden. Das also ist seine, des Philippus Bitte: „Öffne uns die Augen!“ „Wer mich sieht….“ weiterlesen

Der Entgegenkommende

Johannes 14, 1 – 7

1 Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!

Ich habe es als Klang in den Ohren: Euer Herz erschrecke nicht! Und fürchte sich nicht. Unzählige Male gehört. Mir zugesungen. Anders geht es wohl auch nicht. Es muss das Wort von außen sein. Von dem, der den Weg Gottes geht. Der es uns zumutet, dass wir ihn für eine Weile aus den Augen verlieren. Der es uns zumutet, dass wir ihn am Kreuz sehen und erschrecken: Was für ein Mensch! (19,5) Ecce Homo. Es ist das Wesen des Glaubens, dass er in der Welt angefochten ist, dass er durch das Erschrecken hindurch muss. Wir sind noch nicht am Ziel. Noch ungeborgen geborgen im Glauben.

So ruft Jesus die Jünger aus dem Erschrecken, über das Erschrecken hinaus. Uns mit ihnen. Er ruft zum Glauben. An Gott, an ihn selbst. Das fällt in eins. Es sind nicht zweierlei „Glauben“. Es ist der eine Glauben, der im Glauben an Gott Jesus erkennt und im Glauben an Jesus Gott erkennt. Anders gibt es den Glauben nicht. Wer sich von Jesus abwendet, ihm nicht glaubt, der verliert Gott. „Weil der Glauben an Gott nur durch Jesus vermittelt sein kann, so muss der Glaubende wissen, dass er mit dem Glauben an Jesus auch den Glauben an Gott preisgeben würde.“ (R. Bultmann, aaO.; S.463) Das ist die Sicht des Johannes-Evangelium.

2 In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? 3 Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin.

Aber nun die Verheißung, die den Ruf zum Glauben füllt. Nun die Auskunft über das Ziel. Das Vaterhaus Gottes. Kein exklusiver Wohnsitz nur für Jesus. Das ist sein Weg, dass er voraus geht, den Quartiermeister gibt für seine Jünger, für die Seinen. In diesem Vaterhaus Gottes ist Platz. Für viele. Denn es hat viele Wohnungen. Und es ist der Ehrgeiz des Vaters und auch des Sohnes, dass das Haus voll werde( Lukas 14,23), dass keine Wohnung leer stehen bleibt. Gott will keinen Immobilien-Leerstand. „Der Entgegenkommende“ weiterlesen

Reserviert – ein Platz für Dich

Johannes 14, 1 – 7

 1 Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!

 Ich habe es als Klang in den Ohren: Euer Herz erschrecke nicht! Und fürchte sich nicht. Unzählige Male gehört. Mir zugesungen. Anders geht es wohl auch nicht. Es muss das Wort von außen sein. Von dem, der den Weg Gottes geht. Der es uns zumutet, dass wir ihn für eine Weile aus den Augen verlieren. Der es uns zumutet, dass wir ihn am Kreuz sehen und erschrecken: Was für ein Mensch! (19,5) Ecce Homo. Es ist das Wesen des Glaubens, dass er in der Welt angefochten ist, dass er durch das Erschrecken hindurch muss. Wir sind noch nicht am Ziel. Noch ungeborgen geborgen im Glauben.

 So ruft Jesus die Jünger aus dem Erschrecken, über das Erschrecken hinaus. Uns mit ihnen. Er ruft zum Glauben. An Gott, an ihn. Das fällt in eins. Es sind nicht zweierlei „Glauben“. Es ist der eine Glauben, der im Glauben an Gott Jesus erkennt und im Glauben an Jesus Gott erkennt. Anders gibt es den Glauben nicht. Wer sich von Jesus abwendet, ihm nicht glaubt, der verliert Gott. „Weil der Glauben an Gott nur durch Jesus vermittelt sein kann, so muss der Glaubende wissen, dass er mit dem Glauben an Jesus auch den Glauben an Gott preisgeben würde.“(R. Bultmann, Das Evangelium des Johannes, Göttingen 1957, S.463) Das ist die Sicht des Johannes-Evangelium.

 2 In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? 3 Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin.

 Aber nun die Verheißung, die den Ruf zum Glauben füllt. Nun die Auskunft über das Ziel. Das Vaterhaus Gottes. Kein exklusiver Wohnsitz nur für Jesus. Das ist sein Weg, das er voraus geht, den Quartiermeister gibt für seine Jünger, für die Seinen. In diesem Vaterhaus Gottes ist Platz. Für viele. Denn es hat viele Wohnungen. Und es ist der „Ehrgeiz des Vaters und auch des Sohnes, dass das Haus voll werde( Lukas 14,23), dass keine Wohnung leer stehen bleibt. Gott will keinen Immobilien-Leerstand.

 Sonst könnte Jesus ja nicht sagen, was er sagt. Wäre da kein Raum bei Gott, kein Platz, wie könnte er das versprechen. Es ist ein Satz der Vergewisserung, der zusagt: diese Wohnungen sind für Euch. Nicht nur für die Engel. Für euch so irdische, unvollkommene Leute. Und noch einmal wiederholt er – wohl weil ihm so viel daran liegt: Ich komme wieder und hole euch. Ich will euch bei mir. „Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein“ (12,26) hsat er ihnen früher gesagt. Und jetzt: Ihr sollt sein, wo ich bin. Wie immer man sich das vorstellen mag – wir haben eine Bleibe bei Jesus.

Es ist ein Raum bei mir, da sollst du stehen.“ (2. Mose 33, 21) Das war die Antwort Gottes an Mose, als der darum bat, Gott sehen zu dürfen. Hier: Ein bleibende Stätte im Vaterhaus Gottes. „Ein Bau im Himmel, ewig, von Gott erbaut“ (2. Korinther 5,1) – so beschreibt Paulus seine Hoffnung. „Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen“ (Epheser 2, 19) sagt sein Schüler. Und immer geht es um die Hoffnung über die Zeit hinaus. Um das, worauf wir zuleben, schon heute. „Reserviert – ein Platz für Dich“ weiterlesen

Ich will Dir treu sein

Johannes 13, 36 – 38

 36 Spricht Simon Petrus zu ihm: Herr, wo gehst du hin?

Es ist das Privileg des Petrus, der Wortführer zu sein, Fragen zu stellen. Keine leichte Rolle. Wird doch an ihm sichtbar, wie wenig wir verstehen vom Weg Jesu. So auch jetzt. Er fragt nach dem Ort, zu dem Jesus sich auf den Weg macht. Jesus aber geht in ein Geschehen und eben nicht an einen Ort. Petrus kann – wie wir – nur in den Kategorien von Raum und Zeit denken. Der Weg Jesu aber sprengt den Raum und die Zeit.

 Jesus antwortete ihm: Wo ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht folgen; aber du wirst mir später folgen.

 Zum dritten Mal kommt diese Wendung im Evangelium. Unmittelbar vor dieser Stelle hat er es zu den Jüngern gesagt (13,33). Und am Laubhüttenfest in Jerusalem sagt er zu den Juden: „Ich bin noch eine kleine Weile bei euch und dann gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat. Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen.“ (7, 33-34) Gerade im Vergleich dazu wird die Differenz deutlich. Zu Petrus sagt er: diesmal nicht – erst später. Zu den Juden sagt er: Nicht!

 Es ist sein Weg, den er für die Seinen, ich ergänze: für die Gemeinde, geht‘: Er macht den Weg frei. Davon wird wenig später die Rede sein. Aber auf diesem Weg jetzt geht er allein. Um unsertwillen. „Ich will Dir treu sein“ weiterlesen

Das neue Gebot: Liebe

Johannes 13, 31 – 35

 31 Als Judas nun hinausgegangen war, spricht Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm. 32 Ist Gott verherrlicht in ihm, so wird Gott ihn auch verherrlichen in sich und wird ihn bald verherrlichen.

 Wie lese ich das: Judas ist hinausgegangen. Jetzt ist die Luft rein? Hat Judas die Verherrlichung aufgehalten? Oder ist es einfach so: Jetzt ist die Zeit reif. Es wird sichtbar werden, was bislang verborgen war – die Herrlichkeit Gottes und die Herrlichkeit des Sohnes. Es ist ein Wechselspiel: Jesus verherrlicht Gott, Gott verherrlicht Jesus. Das Wort „verherrlichen “ macht Schwierigkeiten. In alten Übersetzungen heißt es stattdessen „verklärt“. Das klingt nach dem Glanz eines prächtigen Königs, Darstellung seiner Macht und Majestät.

 Dies Wort δοξαςθηναι „verklären“, verherrlichen meint anderes. In der Vergangenheit Jesu, auf seinem Lebensweg ist klar geworden, wer er ist. Und in seiner Zukunft, im Sterben und Auferstehen wird klar werden, wer er ist. Verherrlichen: Wir bekommen die δοξα Gottes, den Glanz Gottes zu sehen. Gottes Macht und Herrlichkeit wird deutlich, sie wird „verstehbar“. Dass wir sie zu sehen bekommen und verstehen lernen, ist davon anhängig, dass Gott uns die Augen dafür öffnet, weil wir dies alles nicht von uns aus sehen, wissen und verstehen.

 An Jesus wird sichtbar, klar, dass Gott nicht der tyrannische Herrscher ist, sondern der unbegreiflich Geduldige, und Liebende, der Vergebende und Erbarmende. In Jesus wird deutlich, dass wir uns an diesen Gott halten können und dürfen.

 Und, das sei schon hier vorweg genommen: Es ist eine andere Art Herrlichkeit als die der Großen der Welt. Sie hat sich schon gezeigt,. Als Jesus den Jüngern die Füße gewaschen hat, als er Lazarus aus dem Grab gerufen hat, als er sich zu der Ehebrecherin gestellt hat. Seine Herrlichkeit kommt Menschen zugute. „Das neue Gebot: Liebe“ weiterlesen

Einer geht – nur einer?!

Johannes 13, 21 – 30

 21 Als Jesus das gesagt hatte, wurde er betrübt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.

 Wir haben gesehen: Jesus geht den Weg, der vor ihm liegt, aus freien Stücken, im Gehorsam des Sohnes. Und doch: er verlangt ihm seelische Stärke ab. Er geht ihn nicht in stoischer Ruhe, sondern er wird betrübt im Geist. Der gleiche Ausdruck εταράχθη τώ πνεύματιwird verwendet, als Jesus vor dem Grab des Lazarus steht. So sparsam Johannes sonst mit Einblicken in die seelische Verfassung Jesu ist, hier wird sie angedeutet. Es geht ihm nahe, dass ihn einer der seinen verraten, ausliefern wird. Er weiß um die Notwendigkeit, aber es geht im gleichwohl unter die Haut.

 22 Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete.

Es ist kein Wunder, dass die Jünger betroffen sind. Einer von uns? Sie sind ratlos, wie sie mit dieser Botschaft umgehen sollen. „Sie wurden sehr betrübt und fingen an, jeder einzeln, ihn zu fragen: Herr, bin ich es?“(Matthäus 26,22) So erzählt Matthäus. Hier dagegen herrscht erst einmal Sprachlosigkeit.

 23 Es war aber einer unter seinen Jüngern, den Jesus lieb hatte, der lag bei Tisch an der Brust Jesu. 24 Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete.

 Einmal mehr wird Petrus aktiv. Er sucht nach Antwort, durch den Jünger, den Jesus lieb hatte. Wer das ist, wird im ganzen Johannes-Evangelium nicht aufgedeckt. Es ist nicht so wichtig, wer es ist. Wichtig ist nur, dass es von einem Jünger in besonderer Weise heißt, dass Jesus ihn lieb hatte – so wie es auch von Lazarus heißt, dass er ihn lieb hat. Dieser Gottessohn geht nicht in einer allgemeinen Menschenliebe durch die Welt. Es gibt eine differenzierte Liebe zu unterschiedlichen Leute. Nicht allen das Gleiche, sondern Jedem das Seine. „Einer geht – nur einer?!“ weiterlesen