Kinder sind pfleglich zu behandeln

Epheser 6, 1 – 4

 1 Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn; denn das ist recht. 2 »Ehre Vater und Mutter«, das ist das erste Gebot, das eine Verheißung hat: 3 »auf dass dir’s wohlgehe und du lange lebest auf Erden« (5.Mose 5,16). 4 Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Ermahnung des Herrn.

 Nach dem langen Abschnitt mit seinen Weisungen für Mann und Frau wird es jetzt erheblich knapper. Der Auftakt ist die Anweisung an die Kinder zum Gehorsam gegen die Eltern. Das ist recht – hört sich an wie: Das ist so Usus, Gewohnheit. Dass die Kinder, τά τέκνα – das ist eine Neutrums-Form, weil Kinder in der Antike oft halbwegs als Sache gesehen werden – überhaupt direkt angesprochen werden, ihr Kinder, ist ungewöhnlich genug.

 Es ist in den antiken Gesellschaften wohl tatsächlich so, dass die Gehorsamspflicht gegenüber den Eltern selbstverständliche Sicht der ganzen Gesellschaft war. „Gehorche deinem Vater, der dich gezeugt hat, und verachte deine Mutter nicht, wenn sie alt wird.“(Sprüche 23,22) mag für eine Fülle an Worten stehen, die den Gehorsam gegen die Eltern einfordern. Es ist ein Ziel der Erziehung, dass Kinder solchen Gehorsam lernen.

 Aber es ist nicht einfach nur das, was alle sagen. Die Weisung wird begründet: in dem Herrn. Es geht um ein Verhalten, das Christus-gemäß ist, das sich aus dem Verhalten Christi ableitet. Es mag weit her geholt erscheinen: So wie Christus dem Vater im Himmel gehorcht, wie er Gehorsam lernt, so sollen auch die Kinder in der Gemeinde Gehorsam lernen.

 Neben diese Begründung tritt der Hinweis auf das Gebot. Und auf die Verheißung, die mit dem Gebot verbunden ist – einmalig in der Schrift. Es ist ein Schritt zum „gelingenden Leben“, wenn das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern gut ist, gelingt, heil. Und es ist ja auch sicher mit im Blick, das dies die Erwartung ist, wenn Elia wiederkommt: „Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der große und schreckliche Tag des HERRN kommt. Der soll das Herz der Väter bekehren zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern.“(Maleachi 3, 23-24) Wenn man das mit in Betracht zieht, sind die Worte eine Anleitung zur Vorwegnahme dieser Heilszeit.

 Es folgt dann der Anredewechsel – an die Väter. Warum die Mütter nicht angesprochen werden, ist nicht ganz klar. Es könnte damit zusammenhängen, dass den Vätern besonders „das Züchtigungsrecht zufällt: das Kind zu schelten, streng zurechtzuweisen und, falls es verwarnenden Worten nicht folgt, zu schlagen.“(R. Schnackenburg, Der Brief an die Epheser, EKK X, Neukirchen 1982; S. 268) Hier wird der väterlichen Gewalt aber eine Grenze gesetzt. Reizt eure Kinder nicht zum Zorn. Es gibt eine Härte, die nur verhärtet, eine Ermahnen, das nur abstumpft, einen Zorn, der nur Widerstand gebiert.

 In der vergleichbaren „Haustafel“ des Kolosserbriefes heißt es: „Ihr Väter, erbittert eure Kinder nicht, damit sie nicht scheu werden.“(Kolosser 3,21) Es geht nicht um Unterwerfung, erst recht nicht um Kadaver-Gehorsam. Es geht um ein bedachtes, hoffentlich behutsames Einüben in ein Leben, das Christus entspricht. „Die Herrschaft Christi gibt allem notwendigen Mahnen und Zurechtweisen den Geist der Liebe.“ (R. Schnackenburg, Der Brief an die Epheser, EKK X, Neukirchen 1982; S. 268)

Es hat viel missverstandene christliche Erziehung gegeben, die die erbarmungslose Strenge als von Gott geboten gesehen hat, die glaubte, den Willen von Kindern brechen zu müssen, auch schlagend und prügelnd, und die dabei übersehen hat, dass der gebrochene Willen auch gebrochen wird in seiner Fähigkeit zum Vertrauen. „Torheit steckt dem Knaben im Herzen; aber die Rute der Zucht treibt sie ihm aus.“(Sprüche 22,15) Solche Sprüche sind als Rechtfertigung einer hilflosen, prügelnden Strenge nur zu oft missbraucht worden. Das anzuschauen tut heute weh.

Heiliger Gott                                                                                                                          Dir sei Dank für das Geschenk unserer Kinder                                                                       für alle Bewahrung auf ihrem Weg ins Leben                                                                         für alle Phantasie und Lebensfreude                                                                                    alles Zutrauen und Unternehmungslust                                                                                  die sie gewonnen haben

Dir sei Dank dafür                                                                                                                  dass aus ihnen etwas wird                                                                                                       trotz und mit den Fehlern                                                                                                     die Eltern auch machen

Gib Du das Vertrauen                                                                                                          dass sie ihren Weg finden ‚                                                                                                dass Du mit ihnen Deinen Weg gehen wirst

Gib Du den Mut                                                                                                                    sie Fehler machen zu lassen                                                                                               Gib Du ihnen auch das große Herz                                                                                       dass sie den Eltern nachsehen können                                                                                  was sie an ihnen versäumt oder übertrieben haben.

Versöhne Eltern mit ihren Kindern                                                                                 Kinder mit ihren Eltern. Amen