Seid achtsam

 

Epheser 5, 21 – 33

21 Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.

Es geht um das Miteinander. Und am Anfang aller nachfolgenden Gedanken steht das Grundsätzliche: Ordnet euch einander unter. In einem anderen Brief klingt das so: „Seid nicht selbstsüchtig; strebt nicht danach, einen guten Eindruck auf andere zu machen, sondern seid bescheiden und achtet die anderen höher als euch selbst.“ (Philipper 2,3) In der Nachfolge Jesu, der gesagt hat: Ihr wisst, dass in dieser Welt die Könige Tyrannen sind und die Herrschenden die Menschen oft ungerecht behandeln. Bei euch soll es anders sein. Wer euch anführen will, soll euch dienen, und wer unter euch der Erste sein will, soll euer Sklave werden.“(Matthäus 20, 25-27) ist kein Platz für Hochmut, Selbstherrlichkeit, Machtgehabe. Das schreibt sich leichter als es sich lebt. Diese Generalklausel wird jetzt weiter entfaltet.

22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. 23 Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat. 24 Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen.

Jetzt wird das Hören, das unaufgeregte Zuhören, für unsere Zeit kompliziert. Es klingt so nach Männerherrschaft, nach Rechtfertigung patriarchalischer Verhältnisse. nd der Schreiber greift hoch: so wie die GemeindeChristus als Haupt hat, so ist der Mann das Haupt der Frau. Es ist mehr als ein Bild, das er gebraucht. Er sieht das als die Wirklichkeit, der sich keine verweigern darf. Und dann auch noch: in allen Dingen. Kann das heute, in einer Zeit der mühsam erkämpften Gleichberechtigung der Frau überhaupt noch vorgelesen werden, geschweige denn: ernsthaft bedacht als eine Leitlinie zum Leben? Vielleicht wird es erträglich, wenn man einfach weiterliest.

 

 

 25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben, 26 um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er 27 sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei.

Jetzt folgt der Satz, ohne den der erste Satz zwangsläufig missverstanden werden muss. Es geht mit dem Satz an die Frauen nicht um Unterwerfung. Jedenfalls höre ich das nicht so. „Durch die Art, wie Christus seine Stellung als Haupt gegenüber der Kirche ausübt, ist eine unwürdige „Unterordnung ausgeschlossen.“(R. Schnackenburg, Der Brief an die Epheser, EKK X, Neukirchen 1982; S. 252) Für mich ist die Weisung an die Männer das, was mir den Atem nimmt. Maß nehmen in der Liebe zur Frau an der Liebe Christi zur Gemeinde. Hingabe bis zum Äußersten. Das meint: Sich selbst geben. Alles geben, damit sie schön sei, ένδοξον, herrlich. Und dann folgt eine Aufzählung, die die äußere Schönheit beschreibt, aber eine von innen her geförderte meint. Eine, die aus dem Angesehen-Sein wächst, der Ankerkennung, der Wertschätzung.

 Das ist die Aufgabe, die Rollenzuweisung an die Männer. Die Würde der Frau zu achten und sie durch die eigene Achtung zu mehren.

 28 So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst.

Es ist im wohlverstandenen Eigeninteresse des Mannes, seine Frau zu lieben, zu achten und zu ehren. Wer einen Menschen, mit dem er verbunden ist, erniedrigt, der erniedrigt sich selbst. Wer einem Menschen die Würde nimmt, der beschädigt seine eigene Würde. Das gilt nicht nur für die Ehe. Das gilt für alle Schändung, die Menschen anderen zufügen. Durch Worte und Werke. Durch Folter und doofe Sprüche. Durch Instrumentalisierung und Ausbeutung.

Auch sexuelle Ausbeutung. Wer es für eine tolle Geschäftsidee hält, mit dem nackten, halbnackten, anzüglich verhüllten Frauenkörper für Autos, Parfüms, Urlaubsreisen etc. zu werben, der betreibt das Geschäft der Erniedrigung, auch der Selbsterniedrigung. Und wer keinen Film mehr drehen kann ohne dass er/sie eine Frau in der Dusche zeigt, ist nicht liberal und aufgeklärt, sondern in meinen Augen einer, der die Achtung, den Respekt mit Füßen tritt.

„Es sind doch ästhetische Bilder“ – so geht die Standard-Erklärung für Playboy-Fotos – ist die billigste Ausrede für Geschäftemacherei, die es gibt. Es gibt keine Liebe ohne Achtung des Anderen, der Anderen. Und wer die Achtung vor dem anderen Geschlecht zerstört, zerstört die Liebe. 29 Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst; sondern er nährt und pflegt es wie auch Christus die Gemeinde. 30 Denn wir sind Glieder seines Leibes. 31 »Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden “ein” Fleisch sein« (1.Mose 2,24). 32 Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde.

Das ist meine These: Den Ehepartner, die Ehepartnerin missachten, ist – ein steiles Wort – „widernatürlich“. Es entspricht nicht dem, was mit der Ehe gemeint ist. Prügelorgien in einer Ehe sind in keiner Weise zu rechtfertigen. Christlich schon gar nicht. An dieser Stelle hat kirchliches Schweigen über lange Jahrhunderte hin Schuld auf sich genommen und durch Schweigen der Verkündigung Vollmacht geraubt. Aus der Analogie zum Verhältnis Christus-Gemeinde heraus hätte die Kirche sich zur Anwältin der Frauen und ihrer Würde machen müssen.

 33 Darum auch ihr: ein jeder habe lieb seine Frau wie sich selbst; die Frau aber ehre den Mann.

 Es klingt nahe an Jesus-Worte heran über das größte Gebot:Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“(Matthäus 22,39) Das haben wir ja inzwischen gelernt: wer sich selbst nicht lieben kann, der wird auch unfähig zur Liebe, die den Anderen, die Andere sucht und meint. Es ist kein Wort, das den Weg zum Egoismus auf dem Umweg über die Liebe zur Frau frei macht. Es ist vielmehr ein Wort, das die Männer sehr grundsätzlich auf ihre Liebesfähigkeit hin befragt.

 Und als würde er sich umdrehen in die andere Richtung wird noch einmal das Verhalten von Frauen in den Blick genommen. Die Frau aber ehre den Mann. Das tut sie nicht durch eigene Unterwerfung, auch nicht durch Demutsgesten. Den Mann ehren – ihn in seinen Stärken und Schwächen annehmen, stützen und ihm zurecht helfen. Kurz: Ihn Mann sein lassen. Anders als frau es selbst ist. Aber doch auch Mensch.

 Als aus dem CVJM – Christlichen Verein junger Männer – durch die Aufnahme von jungen Frauen nach langem Zögern die Konsequenz auch im Namen gezogen wurde – Christlicher Verein junger Menschen – da hat Heidi Krause-Frische den schönen Satz gesagt, der zu den Gedanken des Epheserbriefes gut passt: „Mädchen machen aus Männern Menschen.“

Herr Jesus Christus                                                                                                             Du schenkst uns Menschen                                                                                                mit denen wir leben dürfen                                                                                                   denen wir unsere Liebe zeigen dürfen                                                                                    die sich mit uns auf den Weg machen                                                                               das Leben in seinen Höhen und Tiefen zu bestehen

Danke für alle Ehen                                                                                                                in denen die Liebe so gelebt wird                                                                                         Danke für alle Freundschaften                                                                                              die dazu helfen                                                                                                                  dass keiner einsam bleiben muss mit seinen Fragen und Hoffnungen

Herr                                                                                                                                      Darum bitte ich                                                                                                                  dass Du denen hilfst                                                                                                                die in Krisen geraten in ihren Ehen und ihren Freundschaften                                              dass Sie Achtung und Respekt erfahren                                                                               Hilfe und Bestand                                                                                                                    auch da                                                                                                                                 wo sie an der Liebe und Freundschaft scheitern. Amen