angewiesen

Epheser 5, 15 – 20

 15 So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, 16 und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. 17 Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist.

 Achtsam heißt das heutzutage, was hier mit sorgfältig sehen gesagt ist. Achtsam mit sich selbst umgehen. Achtsam auch mit dem, was einem anvertraut ist. An Gütern, Aufgaben, Menschen. Das Leben mit Christus entlässt nicht aus der eigenen Verantwortung, sondern stellt in sie hinein. Darum geht es, nicht einfach in den Tag hinein zu leben, sondern sich Gedanken zu machen, was möglich ist und was unmöglich ist. Das entscheidet sich nicht allein an den Grenzen, die das eigene Können und Vermögen setzen. Daran auch.

 Aber es entscheidet sich vor allem an der Zugehörigkeit zu Christus. Was sich mit ihm verträgt, das können Christen tun. Was kompatibel ist mit ihm, das ist auch weise. Und wieder geht der Schreiber davon aus: Das wissen die Christen. Sie sind ja verständig. Sie kennen den Willen des Herrn. Sie haben in der bösen Zeit eine klare Orientierung.

 Es gehört zu den Mahnungen, die auch andernorts auftauchen: Die Zeit auskaufen, nicht träge werden, nicht müßig sein, nicht tatenlos sich durch die Zeit treiben lassen.“Denn schon als wir bei euch waren, geboten wir euch: Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen.Denn wir hören, dass einige unter euch unordentlich leben und nichts arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben. Solchen aber gebieten wir und ermahnen sie in dem Herrn Jesus Christus, dass sie still ihrer Arbeit nachgehen und ihr eigenes Brot essen.“(2. Thessalonicher 3, 10-12) Auch wenn es hier nicht ausdrücklich angesprochen wird. Dieses Aussteigen aus der Arbeit ist deshalb ein Thema, weil es wohl in den Gemeinden Stimmen gab, die sagen: Wenn das Ende sowieso vor der Tür steht, lohnt es nicht mehr, sich um die Welt zu mühen, einer Arbeit nachzugehen.

18 Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen.

 Ist da ein Problem in der Gemeinde, dass diesen Satz auslöst? Es ist kein völlig vereinzelter Satz in den Briefen des Neuen Testaments. Unter den Merkmalen, die ein Bischof erfüllen soll, findet sich der knappe Hinweis: „kein Säufer“(1. Timotheus 3,3) Auch im Titus-Brief (1,7) wird das gefordert und für die Diakone gleichfalls im 1. Timotheus-Brief (3,8). Daraus ist zumindest zu schließen, dass es das gab, dass Menschen im Umfeld der Gemeinden, auch Glieder der Gemeinde, ein Alkohol-Problem < so sagen wir ja heute in solchen Fällen> hatten. Die Gemeinde ist zu keiner Zeit der Raum, in dem es keine Ausreißer, keine Probleme gibt. Nichts Menschliches ist ihr fremd. Darum diese Mahnung.

 19 Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen 20 und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.

 Das ist das Gegenbild zu dem unordentliche Wesen: Geistliche Lieder. Fast möchte man sagen: Chorarbeit. Wo Gott gesungen wird, wo ihm die Ehre gegeben wird, da wird das Leben in guter Weise geformt. Wo Menschen dankbar werden für die empfangenen Güter und Gaben, da können sie sie auch in rechter Weise gebrauchen und dem Missbrauch wird gewehrt.

 Allezeit für alles klingt nach einer Generalklausel. Aber es ist mehr. Es ist die Ermutigung, auch das Schwere aus den Händen Gottes zu nehmen. Es ist die Ermutigung, wirklich das ganze Leben, Großes und Kleines, Nebensächliches und Hauptsachen aus der Hand Gottes zu nehmen.

 Herr! schicke, was du willst, ein Liebes oder Leides;
Ich bin vergnügt, daß beides aus deinen Händen quillt.

Wollest mit Freuden und wollest mit Leiden
Mich nicht überschütten! Doch in der Mitten liegt holdes Bescheiden.        Eduard Mörike

 Es ist die Lebenshaltung eines tiefen Gottvertrauens, die sich so zeigt in der Dankbarkeit für alles und allezeit. Es liegt haarscharf neben einer resignativ-schicksalsergebenen Lebenshaltung, die sagt: „Kann man doch nichts machen“ und ist doch etwas völlig Anderes, weil sie hinter allem Geschehen und Geschick die Güte Gottes glaubt

Herr Jesus                                                                                                                             wir sind nicht die Gemeinde der makellosen Leute                                                                  wir sind angewiesen auf Erbarmen                                                                                        Hilfe                                                                                                                                        Geduld                                                                                                                                  von Dir und untereinander

Wir erfahren                                                                                                                         wie wir mit Vorsätzen scheitern                                                                                 Verhaltensweisen sich einschleifen                                                                                     uns festlegen                                                                                                                           aus der Spur bringen                                                                                                        Mancher kennt es                                                                                                                dass er seine Zeit verträumt                                                                                               und über den großen Träumen die kleine Tat versäumt

Du hältst uns auch dann noch fest in Deinen Händen
An uns leuchtet Deine Barmherzigkeit auf. Amen