Erkennen über alles Erkennen hinaus

Epheser 3, 14 – 21

 14 Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, 15 der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, 16 dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, 17 dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid.

Der Schreiber nimmt den Lobgesang vorweg, den alle anstimmen werden.“Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“(Philipper 2, 9-11) Er ist, innerlich, schon am Ziel der Welt.

 Aus dieser Sicht des Himmels erwächst Kraft für die Erde. Kraft des Glaubens. Der Lobpreis des Vaters führt – bruchlos – zur Fürbitte für die Gemeinde. Dass sie stark werde, dass sie, die einzelnen Christen, innerlich wachsen mögen, dass sie immer tiefer in der Liebe ihren Lebensgrund finden möchten. Und im Glauben öffnen sie die Herzen für Christus.

Das ist mehr als richtige Sätze über Christus wissen. Das ist auch mehr, als ihn als den Retter der Welt verehren. Es ist eine Herzensbeziehung, eine Herzensverbindung, um die es ihm hier geht. Es ist durch und durch positiv gesehene Innerlichkeit, die sich an Jesus freuen kann. „Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude.“ (1. Petrus 1, 8) Unser Autor hat auf der Spur des Paulus keine Vorbehalte vom inwendigen Menschen zu sprechen, weil er noch genug auch von den Aufgaben und Herausforderungen der Christen in ihrem Sein in der Welt zu sprechen haben wird.

18 So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, 19 auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle.

 Wer die Liebe Christi erkennt, der wird erfüllt mit der ganzen Gottesfülle. Was sind das für kühne Worte. Wer die Liebe Christi erkannt hat, der ist eingetaucht in die Fülle Gottes. Da fehlt nichts mehr. Ich übersetze für mich: Wer den Gekreuzigten sieht, in ihm die Liebe erschaut, der hat alles. Da ist nichts mehr, was daneben noch nötig wäre zu erkennen, um das Heil zu erlangen. In Christus wird den Christen, – mehr noch: der Welt -, alles geschenkt, was wir zum ewigen Leben nötig haben.

 „Wenn ich nur dich habe,                                                                                                       so frage ich nichts nach Himmel und Erde.                                                                      Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,                                                                    so bist du doch, Gott,                                                                                                      allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“          Psalm 73, 25-26

 Daran bleibt kein Zweifel: Es ist nicht auszudenken, niemals ans Ende zu denken, was das ist: die Erkenntnis Gottes. Gott ist immer größer als all unser Verstehen und Begreifen. Sonst wäre er ja nur ein Gegenstand unter anderen Gegenständen.

 Aber im Erkennen der Liebe Christi erschließt sich uns alles, was wir von Gott erkennen müssen, um ihm anhangen zu können, um uns von ihm geliebt zu wissen. „Erkennen“ ist dabei mehr als Verstehen, viel mehr auch als ein intellektueller Vorgang. Es ist ein Begreifen, das aus dem Ergriffen sein kommt, aus dem Berührt-Sein.

 Hinter diesen Worten von dem Erkennen, das alles Erkennen übertrifft, höre ich auch eine polemische Auseinandersetzung mit Leuten, die auf eine Erkenntnis Gottes setzen, die aus Entrückungen, Himmelsreisen, geheimen Mysterien entsteht. Damit hat sich ja Paulus schon auseinandersetzen müssen. 2. Korinther 12, 1 – 10 legt davon beredet Zeugnis ab. Und es ist der Apostel, der von allen Vorzügen des Menschseins und den tiefen Einsichten sagt: „Ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn.“(Philipper 3,8) Mit meinen Worten: Für den, der von Christus gerufen ist, gibt es keinen anderen Ruf mehr.

 „Das Defizit, das der Verfasser bei seinen Adressaten feststellt, ist ein Schwächezustand, der mit mangelnder Glaubenstiefe und -lebendigkeit zusammen hängt. Es ist ein äußerliches Christentum, das noch nicht genügend den „inneren Menschen“ ergriffen hat. Der Verfasser ist überzeugt, dass er dieses halbherzige Christentum zuerst nicht durch moralische Appelle heben kann, sondern der Stärkung durch Gott und seinen Geist anbefehlen muss.“ (R. Schnackenburg, Der Brief an die Epheser, EKK X, Neukirchen 1982; S.136)

 20 Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, 21 dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

 Über allen Worten liegt Staunen. Nie können wir von Gott groß genug reden. Nie können wir ihm genug Ehre erweisen. Alle unsere Worte sind zu gering, um sein Lob zu mehren.Und doch ist das unsere Bestimmung, über alles Denken, Fühlen und Tun hinaus: etwas zu sein zu seiner Ehre.

 Ach nimm das arme Lob auf Erden, / mein Gott, in allen Gnaden hin.
Im Himmel soll es besser werden, / wenn ich bei deinen Engeln bin.
Da sing ich dir im höhern Chor / viel tausend Halleluja vor.           Johann Mentzer 1704

Gott                                                                                                                                       Du willst mehr schenken als wir erwarten.                                                                          Du willst aus Deinem Reichtum geben                                                                             Güte und Geist                                                                                                              Freundschaft und Erbarmen                                                                                        Gemeinschaft und Geduld

Du willst                                                                                                                             dass Christus in uns sein Abbild findet                                                                                 dass wir sind wie er                                                                                                               gütig                                                                                                                                    freundlich                                                                                                                          barmherzig                                                                                                                      versöhnlich                                                                                                                       voller Liebe zu allem was lebt

Warum nur vergessen wir so oft zu danken und zu bitten                                                     – für den Menschen neben uns                                                                                                – für die Gemeinde in der wir leben                                                                                          – für die Kirche                                                                                                                       die uns Wege zum Glauben geöffnet hat                                                                            Warum nur fällt es uns viel leichter zu kritisieren als zu bitten

Gott                                                                                                                                        mit Deinem Geist erfülle uns                                                                                                  Danken für die Gemeinde lehre uns und bitten für die Menschen                                           mit denen wir unterwegs sein dürfen                                                                                   Und lasse uns lieben aus der Fülle deiner Liebe. Amen