Immer schon gewollt

Epheser 1, 11 – 14

11 In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, die wir dazu vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Ratschluss seines Willens; 12 damit wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit, die wir zuvor auf Christus gehofft haben.

 Immer noch: in ihm. In Christus. Darum kreisen die Verse 3 – 14. In Christus haben sie ihre Mitte. Es ist eine einzige, weit ausgreifende Darstellung dessen, was den Christen mit Christus, in Christus gegeben ist. Darstellung ist dabei ein sehr zurück haltendes Wort. Denn im Grunde ist dieser ganze Abschnitt ein großes Gebet. Beschreibendes Lob nennt man so etwas in den Psalmen. Genauso empfinde ich auch diese Passagen: Sie sind beschreibendes Lob der Gaben Gottes an uns, zugeeignet in Christus.

 In Christus – das ist eine Wendung, die auch Paulus oft hat. Das neue Leben der Christen ist ein „in Christus sein“. Vielleicht am deutlichsten: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Korinther 5,17) Man mag das mystisch nennen. Aber es ist klar, worum es geht: Um Schicksalsgemeinschaft, um Lebensgemeinschaft. Unterschieden und doch untrennbar. Glauben ist mehr als ein paar Überzeugungen über Gott und die Welt haben, die sich an diesem Jesus Christus aufhängen. Glauben ist eine Zugehörigkeit zu ihm, die sich mit diesem geradezu räumlichen in Christus am stärksten ausdrücken lässt.

 Dahinter steht wohl auch die Erfahrung des Heiligen Geistes, der das eigene Wollen im Willen und Wollen Christi verankert. Es entsteht so etwas wie eine Willensübergabe und Willensübernahme. Bei Paulus klingt das dann so: „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.“ (Galater 2,20) Existenzeinheit, die doch nie dazu führt, dass das eigene Ich sich auflöst, verschwindet im All-Einen, wie ein Tropfen im Meer. Es bleibt im Glauben bei dem Gegenüber von Christus und dem Gläubigen.

 Darum auch: Erben. Subjekte, Personen, Menschen, an denen Gott handelt. Denen er zueignet, was ihm gehört. Wieder wird der Bogen weit zurück gebunden in allen Anfang: Vorherbestimmt. „Sofern Gott seinen Heilsplan in (dem präexistenten ) Christus fasste, hat er auch uns schon „in Christus“ in seinen Plan einbezogen.“ (R. Schnackenburg, Der Brief an die Epheser, EKK X, Neukirchen 1982; S.51) Wir sind von Anfang an mit gemeint. Ob man das „Krone der Schöpfung“ nennen muss, weiß ich nicht. Aber es gibt jedem – Mann, Frau, Kind, Greis, klug oder weniger klug, schön oder weniger ansehnlich, erfolgreich oder „Fußmatte“(C.Zuckmayer, Der Hauptmann von Köpenick, S. 102), Lebensverlierer und Lebensgewinner unendliche Bedeutung.

 Schlicht gesagt: Weil Christus von Ewigkeit her ist, sind wir auch in ihm von Ewigkeit her erwählt. Das ist kein Grund zu Hochmut, zu Selbstüberschätzung. Ich stimme ausdrücklich zu: „Das damit für die Christen begründete Erwählungsbewußtein gibt jedoch keinen Grund zu elitärer Überheblichkeit.“ (R. Schnackenburg, Der Brief an die Epheser, EKK X, Neukirchen 1982; S.51) Aber es führt eben zu dieser Anbetung, wie wir sie lesen und wie sie uns hingehalten wird zum Mitbeten.

 13 In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Seligkeit – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, der verheißen ist, 14 welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit.

 Jetzt wird aus der Anbetung noch einmal deutlich Zuspruch. Das alles gilt euch. Was der Autor sagt, stellt er seinen Lesern vor Augen, damit sie sich selbst verstehen lernen – nicht aus dem, was sie von Natur her sind, sondern von dem her, was sie durch das Evangelium sind, was sie durch Gottes Gabe an sie sind. Es ist Existenzverständnis, um das er ringt. Sich selbst begreifen von Christus her. Sich selbst verstehen als in Christus. Sich selbst erkennen als von Anfang an geliebt und für das großes Ziel, die Ewigkeit, bestimmt.

 Das ist der Schritt über die Geschichten der Evangelien hinaus. Geht es da um Begegnungen in der Zeit, in denen Menschen heil werden, so wird hier der weite Horizont aufgerissen: Hinter den „zufälligen“ Begegnungen und Erfahrungen steht ein umfassender Heilwille und Heilsplan Gottes. Für Zeit und Ewigkeit will er uns gewinnen, seine Welt. Das ist die Erkenntnis, die sich im Glauben an Jesus Christus erschließt und über die man wohl nie genug staunen kann. Ich jedenfalls kan nes nicht.

 Diese Erkenntnis wird uns eröffnet durch den Heiligen Geist. So das übereinstimmende Zeugnis der neutestamentlichen Autoren. Und sie gewinnt prägende Stabilität im Leben durch den Heiligen Geist. Das meint in meinem Denken das Wort versiegelt. Der Geist ist die Anzahlung, die erste Rate. Aber er hat in sich schon das Versprechen der Fülle. Mit dieser Anzahlung ist schon jetzt alles anders geworden.

 Im Gleichnis: Wir wohnen in einem Haus, das wir noch nicht ganz bezahlt haben. Mit einer Anzahlung habe wir es aber schon erworben. Wir stehen als die Besitzer im Grundbuch. Und bewohnen es auch schon. Es ist schon unser, auch wenn es erst nach der letzten Tilgungszahlung ganz unser sein wird. Unser Leben hat schon seinen Ort. In diesem Haus.

 Noch einmal gibt der Autor das Ziel des Heilsplanes an: dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit. Darum geht es also, dass die Herrlichkeit Gottes gelobt wird. Es geht um Gott, nicht um uns. Ist das eine Kränkung? Oder ist das nicht die großartigste Hochwertung, die uns Menschen widerfahren kann: Dadurch, dass wir zu Gott gehören, wird Gott groß, größer, herrlicher als er es ohne uns wäre. So viel jedenfalls glaubt er sagen zu können: Gott im Himmel will nicht ohne uns sein. Es würde ihm nicht nur etwas fehlen an seiner Herrlichkeit. Die Ewigkeit wäre nicht vollkommen ohne uns. Großartiger kann von der Bedeutung des Menschen nicht gesprochen werden.

 Du hast zu Deinem Kind und Erben                                                                                mein treuer Heiland                                                                                                                  mich erklärt                                                                                                                         längst bevor ich irgendetwas getan hätte                                                                         gedacht hätte                                                                                                                       gesagt hätte

Deine Entscheidung für mich ist gefallen                                                                          bevor ich auch nur gewusst habe                                                                                        dass da etwas zu entscheiden wäre

Du hast mich immer schon gewollt                                                                                      geliebt                                                                                                                                      gesucht                                                                                                                            gerufen – seit dem Anfang der Welt

Ich danke Dir und lobe Deinen Namen                                                                                Ich preise Dich und bete Dich an                                                                                             Ich berge mich in Deiner Treue                                                                                             die von Ewigkeit her Deinen Namen trägt                                                                              Jesus. Amen