Zur Ruhe gekommen

Josua 24, 29 – 33

29 Und es begab sich nach diesen Geschichten, dass Josua, der Sohn Nuns, der Knecht des HERRN, starb, als er hundertundzehn Jahre alt war. 30 Und man begrub ihn in dem Gebiet seines Erbteils in Timnat-Serach, das auf dem Gebirge Ephraim liegt, nördlich vom Berge Gaasch.

 Josua, der Sohn Nuns, der Knecht des HERRN stirbt, alt und hochbetagt. Jetzt wird er mit diesem Ehrentitel ebed Jahwe, benannt. Am Beginn des Buches war er noch „nur“ Diener des Mose(1,1). Als Knecht des HERRN hat er seine Rolle in der Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk. Das Grab des Mose kennt man nicht. Das Grab des Josua ist bekannt.

 Vielleicht hat es ja damit zu tun: Mose ist der Führer des wandernden Gottesvolkes, in der Wüstenzeit. Da bleiben Gräber zurück, wenn der Weg weiter geht. Josua aber ist der Führer Israel in der Zeit, in der Israel das Land gegeben wird. Das ist eine andere Zeit – da werden Gräber nicht mehr zurück gelassen, verschwinden nicht im Vergessen.

31 Und Israel diente dem HERRN, solange Josua lebte und die Ältesten, die noch lange Zeit nach Josua lebten und alle Werke des HERRN kannten, die er an Israel getan hatte.

Auch das wird ausdrücklich festgehalten. Zu Lebzeiten des Josua diente Israel dem HERRN. Er ist so etwas wie der Garant der Bundestreue, zusammen mit den anderen, den Ältesten, die die Werke des HERRN kannten. Die sie als Augenzeugen miterlebt hatten. Es ist der Vorzug, aber auch die Verpflichtung der Augenzeugen, dass sie ihr Zeugnis weitergeben. Kaum auszudenken, was wir schuldig bleiben, wenn wir von den Taten Gottes in unserem Leben schweigen, sie zum Privatbesitz machen und nicht mit anderen zu Lob und Dank teilen. Sie wie schöne Fabeln behandeln, die man nicht weitersagen muss. Dahinter steht ein Wissen, das den christlichen Glauben bis heute prägt. Religion kann aus sich selbst, der eigenen Seele schöpfen. Der Glaube ist angewiesen auf das Erzählen der Taten Gottes. Er ist angewiesen auf die Erfahrungen, die von Generation zu Generation weiter gegeben werden. Jüdisches Volk und christliche Gemeinde sind Erzählgemeinschaften. Sie erzählen alle Werke des HERRN, damit aus diesem Erzählen Glauben wachsen kann. „Ohne die Geschichte Israels wüssten wir nichts von dem Gott, der verborgen und doch geschichtsmächtig, den Menschen und Völkern ihre Freiheit lassend, strafend und erbarmend seine Heilspläne verfolgt. Ohne die „Vorgeschichte“ im Alten Testament können wir das Evangelium Jesu Christi nicht verstehen, durch dasd uns dieser Gott in neuer und endgültiger Weise offenbart wird.“ (R. Schnackenburg, Der Brief an die Epheser, EKK X, Neukirchen 1982; S.126)

 32 Die Gebeine Josefs, die die Israeliten aus Ägypten gebracht hatten, begruben sie zu Sichem auf dem Stück Feld, das Jakob von den Söhnen Hamors, des Vaters von Sichem, für hundert Goldstücke gekauft hatte und das das Erbteil der Söhne Josef ward. 33 Auch Eleasar, der Sohn Aarons, starb und sie begruben ihn in Gibea, der Stadt seines Sohnes Pinhas, die ihm gegeben war auf dem Gebirge Ephraim.

 Das Buch schließt mit dem Hinweis auf zwei weitere Gräber. Auf das Grab mit den Gebeinen Josefs und auf das Grab Eleasars. Das eine in Sichem, das andere in Gibea. Warum wird das erwähnt in dem Buch über die Landnahme? „Es gibt zwei Begebenheiten, in denen sich die Inbesitznahme von Land greifbar ausspricht. Die eine ist das Heiligtum, die zweite sind Gräber“ (H.W. Hertzberg, Die Bücher Josua, Richter, Ruth, ATD 9; Göttingen 1953, S. 140) Durch das ganze Buch Josua hin wird immer wieder vom Altarbau, Haftpunkt eines Heiligtums, Haftpunkten des Glaubens erzählt. Und jetzt am Ende eben von den Gräbern. Mit der „Gabe“ dieser Gräber ist die Landnahme vollendet.

Am Ende eines langen Weges                                                                                             ein Grab                                                                                                                                ein Stein                                                                                                                                Zeichen der Erinnerung an ein gelebtes Leben

Am Ende Dein Wort                                                                                                           Mein Knecht                                                                                                                       Und darin das Versprechen                                                                                                    Ich lasse Dich nicht

Mehr habe ich nicht                                                                                                                  mein Gott                                                                                                                            mehr brauche ich nicht                                                                                                           Du wirst mir                                                                                                                         uns                                                                                                                                       das Land geben                                                                                                                         in dem wir vor Dir leben. Amen