Von Anbeginn an: Geliebt

Epheser 1, 1 – 6

 1 Paulus, ein Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, an die Heiligen in Ephesus, die Gläubigen in Christus Jesus: 2 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

 Mit diesen Worten stellt sich `Paulus’ vor. Dass Paulus ein Apostel Christi Jesu ist, ist nicht seine Wahl. Es ist der Wille Gottes, der ihn dazu gemacht hat. Kein Hochmut, sondern Gewissheit hat hier das Wort. Dieses Selbstverständnis wird auch sonst in Paulusbriefen sichtbar: „Paulus, ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert zu predigen das Evangelium Gottes.“ (Römer 1,1) Und noch näher: „Paulus, berufen zum Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes.“ (1. Korinther 1,1)

 Die Exegeten sind sich weitgehend einig: Hier nimmt ein Autor späterer Zeit die „Autorität des Paulus“ (R. Schnackenburg, Der Brief an die Epheser, EKK X, Neukirchen 1982; S.41)für sein Schreiben in Anspruch, weil er sich „im Geist des großen Heidenmissionars“ (s.o.) an seine Leser wendet. Er unternimmt den Versuch, die grundlegenden Gedanken des Paulus neu in die eigene Zeit hinein zu formulieren, sie weiter zu denken. Er „leiht“ sich den Namen `Paulus’, nicht um zu fälschen, sondern weil er nachsprechen will, was ihm wichtig ist.

An die Heiligen ist sein Brief gerichtet. So bezeichnen sich schon die ersten Christen in Jerusalem, wie wir es der Redeweise des Paulus entnehmen können: „Jetzt aber fahre ich hin nach Jerusalem, um den Heiligen zu dienen. Denn die in Mazedonien und Achaja haben willig eine gemeinsame Gabe zusammengelegt für die Armen unter den Heiligen in Jerusalem.“ (Römer 15,25-26) Es sind die ganz gewöhnlichen Glieder der Gemeinde, die so benannt werden, unabhängig von aller moralischen Qualität. Heilig, weil sie dem heiligen Gott angehören.

Der Segensspruch stellt den ganzen folgenden Brief unter diese Überschrift. Alles, was er schreiben wird, soll Gnade und Frieden von Gott mit sich bringen, bei den Leserinnen und Lesern wachsen lassen.

 3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.

 Dem Segen für die Leser folgt ein regelrechter Jubelruf über Gott. Wie ein großes Staunen hört sich das an. Wir sind gesegnete Leute. Durch Jesus Christus. In ihm hat Gott uns seinen Segen in Fülle zugewandt. Nichts fehlt. Πάση steht da: völlig, ganz, auf jede Weise. Das erinnert als ein Wort an das, was anderswo einen ganzen Satz braucht: „In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.“ (Kolosser 2,3) Wer so völlig beschenkt ist, der kann nur gut über Gott reden, nur loben und preisen.

 4 Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten; in seiner Liebe 5 hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, 6 zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten.

 Jetzt wird der Segen in seiner Fülle näher angeschaut. Wir sind erwählt von Anbeginn der Welt an, ja, noch vor Beginn der Welt. In diesem Wir schließt sich der Schreiber mit der Gemeinde zusammen. Er steht nicht ihr gegenüber, er ist einer von ihnen, staunend, jubelnd über das, was er sieht und sie mitsehen lassen will. Es ist die Liebe Gottes, die in dieser Vorbestimmung aufleuchtet. Seine Kinder sollen wir sein. Nach dem Wohlgefallen seines Willens. Hier steht das gleiche Wort ευδοκία, das bei der Taufe Jesu als Wort aus dem Himmel an Jesus gerichtet ist „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.“ (Lukas 3,22)

 Diese Wahl von Anfang an hat ein Ziel: dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten. Das sei schon hier gesagt. Damit wird kein Programm sittlicher Vollkommenheit als Anstrengung der Christen eingefordert. Es ist vielmehr so: Die Wahl macht aus den Erwählten das, wozu sie erwählt sind. Nur das ist nötig: Dass sie leben, wozu sie befreit, berufen sind. Es ist ein großes Zutrauen in der ersten Christenheit, dass die Liebe Gottes fähig ist, Menschen zu wandeln, zum Guten zu bringen, sie zu befähigen, „ein Bild zu sein, das uns gleich sei“ (1. Mose 1,26) Dahinter stehen nie Perfektionismus-Forderungen, wohl aber das Zutrauen in die Kraft Gottes. So kann ja auch Jesus sagen: „Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ (Matthäus 5,48) Und nie wird dabei vergessen: es sind Menschen wie Du uns ich, an die solche Worte gerichtet sind.

 Ganz dicht werden die Christen so an Christus heran gerückt. Sie sind Erwählte, Kinder, damit die Gnade Gottes groß wird, leuchtend und alle einstimmen müssen in das Lob dieser Gnade.

 Nie mein Gott                                                                                                                       traue ich mich                                                                                                                        so vollmundig von uns zu reden                                                                                            Aber ich lese es und staune                                                                                               Das traust Du uns zu durch Deinen Boten

Geliebt von Anbeginn an                                                                                                Gerufen von Anbeginn an                                                                                               Angesehen von Anbeginn an                                                                                              das sagst Du über uns

Wie klein denken wir oft über Deine Liebe                                                                               wie fragwürdig ist sie uns in den Wechselfällen des Lebens

Lehre mich auf Christus zu schauen                                                                                    damit ich die Fülle und Herrlichkeit Deiner Liebe sehe                                                           ihr traue                                                                                                                               aus ihr leben lerne. Amen