Für alle genug Raum zum Leben

Josua 21, 1 – 3. (4-40) 41 – 45

 1 Da traten herzu die Häupter der Sippen unter den “Leviten” zu dem Priester Eleasar und zu Josua, dem Sohn Nuns, und zu den Häuptern der Sippen unter den Stämmen Israels 2 und redeten mit ihnen in Silo im Lande Kanaan und sprachen: Der HERR hat geboten durch Mose, dass man uns Städte geben solle, um darin zu wohnen, und dazu Weideplätze für unser Vieh. 3 Da gaben die Israeliten den Leviten von ihren Erbteilen nach dem Befehl des HERRN diese Städte und ihre Weideplätze.

Damit das Volk zur Ruhe (11,23) kommen kann im gelobten Land braucht es Ordnungen. Braucht es auch Regelungen. Die Leviten, Kinder Levi, haben kein eigenes Stammesgebiet. Aber sie brauchen für sich selbst, für ihre Sippen Orte, an denen sie zu Hause sind. Sie fordern es nun ein, unter dem Hinweis: Der HERR hat geboten durch Mose. Es geht um die Erfüllung der Worte des HERRN. Hinter ihrer Bitte steht die göttliche Autorität. Und es steht dahinter, dass sie ja ein „Amt“ haben, dass sie ein „Stand“ sind, der für ganz Israel eine Aufgabe zu erfüllen hat. Die Israeliten hören die Forderung und erfüllen sie. Nach dem Befehl des HERRN.

 4 Und das Los fiel auf die Geschlechter der Kehatiter, und es wurden unter den Leviten den Söhnen des Priesters Aaron durchs Los zugeteilt dreizehn Städte von dem Stamm Juda, von dem Stamm Simeon und von dem Stamm Benjamin. 5 Den übrigen Söhnen Kehat aber wurden durchs Los zugeteilt zehn Städte von den Geschlechtern des Stammes Ephraim, von dem Stamm Dan und von dem halben Stamm Manasse. 6 Aber den Söhnen Gerschon wurden durchs Los zugeteilt dreizehn Städte von den Geschlechtern des Stammes Issachar, von dem Stamm Asser und von dem Stamm Naftali und von dem halben Stamm Manasse in Baschan. 7 Den Söhnen Merari wurden für ihre Geschlechter zugeteilt zwölf Städte von dem Stamm Ruben, von dem Stamm Gad und von dem Stamm Sebulon. 8 So gaben die Israeliten den Leviten durchs Los diese Städte und ihre Weideplätze, wie der HERR durch Mose geboten hatte. 9 Von dem Stamm Juda und von dem Stamm Simeon gaben sie diese Städte, die sie mit Namen nannten, 10 den Söhnen Aaron vom Geschlecht der Kehatiter aus den Leviten; denn das erste Los war ihnen zuteil geworden. 11 Sie gaben ihnen die Stadt des Arba, des Vaters Anaks, – das ist Hebron – auf dem Gebirge Juda und ihre Weideplätze um sie her. 12 Aber das Ackerland der Stadt mit ihren Gehöften gaben sie Kaleb, dem Sohn Jefunnes, zu seinem Besitz. 13 Sie gaben den Söhnen des Priesters Aaron die Freistadt für die Totschläger: Hebron und seine Weideplätze, Libna und seine Weideplätze, 14 Jattir und seine Weideplätze, Eschtemoa und seine Weideplätze, 15 Holon und seine Weideplätze, Debir und seine Weideplätze, 16 Ajin und seine Weideplätze, Jutta und seine Weideplätze, Bet-Schemesch und seine Weideplätze, neun Städte von diesen zwei Stämmen. 17 Von dem Stamm Benjamin aber gaben sie vier Städte: Gibeon und seine Weideplätze, Geba und seine Weideplätze, 18 Anatot und seine Weideplätze, Alemet und seine Weideplätze, 19 sodass alle Städte der Söhne Aaron, der Priester, waren dreizehn mit ihren Weideplätzen. 20 Die Geschlechter der übrigen Söhne Kehat, die Leviten, erhielten als ihren Losanteil von dem Stamm Ephraim vier Städte: 21 Sie gaben ihnen die Freistadt für die Totschläger: Sichem und seine Weideplätze auf dem Gebirge Ephraim, ferner Geser und seine Weideplätze, 22 Kibzajim und seine Weideplätze, Bet-Horon und seine Weideplätze. 23 Von dem Stamm Dan vier Städte: Elteke und seine Weideplätze, Gibbeton und seine Weideplätze, 24 Ajalon und seine Weideplätze, Gat-Rimmon und seine Weideplätze. 25 Von dem halben Stamm Manasse zwei Städte: Taanach und seine Weideplätze, Gat-Rimmon und seine Weideplätze, 26 sodass alle Städte der Geschlechter der übrigen Söhne Kehat waren zehn mit ihren Weideplätzen. 27 Den Söhnen Gerschon aber aus den Geschlechtern der Leviten wurden gegeben von dem halben Stamm Manasse zwei Städte: die Freistadt für die Totschläger: Golan in Baschan und seine Weideplätze, ferner Beëschtera und seine Weideplätze. 28 Von dem Stamm Issachar vier Städte: Kischjon und seine Weideplätze, Daberat und seine Weideplätze, 29 Jarmut und seine Weideplätze, EnGannim und seine Weideplätze. 30 Von dem Stamm Asser vier Städte: Mischal und seine Weideplätze, Abdon und seine Weideplätze, 31 Helkat und seine Weideplätze, Rehob und seine Weideplätze. 32 Von dem Stamm Naftali drei Städte: die Freistadt für die Totschläger: Kedesch in Galiläa und seine Weideplätze, ferner Hammot-Dor und seine Weideplätze, Kartan und seine Weideplätze, 33 sodass alle Städte des Geschlechts der Gerschoniter waren dreizehn mit ihren Weideplätzen. 34 Den Geschlechtern der Söhne Merari aber, den noch übrigen Leviten, wurden gegeben von dem Stamm Sebulon vier Städte: Jokneam und seine Weideplätze, Karta und seine Weideplätze, 35 Dimna und seine Weideplätze, Nahalal und seine Weideplätze. 36 Von dem Stamm Ruben vier Städte: die Freistadt für die Totschläger: Bezer und seine Weideplätze, ferner Jahaz und seine Weideplätze, 37 Kedemot und seine Weideplätze, Mefaat und seine Weideplätze. 38 Von dem Stamm Gad vier Städte: die Freistadt für die Totschläger: Ramot in Gilead und seine Weideplätze, 39 ferner Mahanajim und seine Weideplätze, Heschbon und seine Weideplätze, Jaser und seine Weideplätze, 40 sodass alle Städte der Söhne Merari nach ihren Geschlechtern, der noch übrigen Leviten, waren zwölf nach ihrem Los. 41 Alle Städte der Leviten unter dem Erbe Israels waren achtundvierzig mit ihren Weideplätzen. 42 Und jede von diesen Städten hatte ihren Weideplatz um sich her, eine wie die andere.

 Eine lange Liste – wer wo seinen Ort findet. Jede einzelne Sippe aus den Leviten bekommen ihren Platz. Zugelost. Das mag ein Signal sein: Hinter dieser Verteilung von Land und Wohnsitzen steht die Fürsorge Gottes. Sie bekommen ihr Land nicht nach irgendwelchen Nützlichkeits-Erwägungen und Überlegungen. Sie bekommen es aus der Hand Gottes. Es ist ausschließlich Weideland, was ihnen zugeteilt wird. Die Leviten sind keine Ackerleute, keine Grundbesitzer. Sie bleiben angewiesen auf die Versorgung durch ganz Israel. Auch darum ist es in den Schriften des Alten Testaments oft ein Thema, vor allem in der Zeit nach dem Exil, wie die Versorgung für die Leviten und die Tempelleute ordentlich geregelt wird.

 Es sind 48 Städte, die in der so umfänglichen und detaillierten Liste aufgezählt werden. Jerusalem fehlt in ihr. In der erzählten Zeit des Josua-Buches gibt es dort ja auch noch keinen Tempel. Nach dem Buch Samuel ist erst David, der die Stadt für Israel gewinnt. „Und der König zog mit seinen Männern vor Jerusalem gegen die Jebusiter, die im Lande wohnten. Sie aber sprachen zu David: Du wirst nicht hier hereinkommen, sondern Blinde und Lahme werden dich abwehren. Damit meinten sie, dass David nicht dort hineinkommen könnte.David aber eroberte die Burg Zion; das ist Davids Stadt.“(2. Samuel 5, 6-7) Deshalb ist es schlüssig, dass Jerusalem in der Liste der Leviten-Städte fehlt. Würde man Jerusalem mitzählen, so käme „die Liste auf die heilige Zahl 7×7.“ (H.W. Hertzberg, Die Bücher Josua, Richter, Ruth, ATD 9; Göttingen 1953, S.120 )

43 So hat der HERR Israel das ganze Land gegeben, das er geschworen hatte, ihren Vätern zu geben, und sie nahmen’s ein und wohnten darin. 44 Und der HERR gab ihnen Ruhe ringsumher, ganz wie er ihren Vätern geschworen hatte; und keiner ihrer Feinde widerstand ihnen, sondern alle ihre Feinde gab er in ihre Hände. 45 Es war nichts dahingefallen von all dem guten Wort, das der HERR dem Hause Israel verkündigt hatte. Es war alles gekommen.

 Es ist bemerkenswert: Nach dieser Wohnsitz-Verteilung wird noch einmal hervor gehoben: Und der HERR gab ihnen Ruhe ringsumher, ganz wie er ihren Vätern geschworen hatte. Die Ruhe Gottes hat es auch damit zu tun, dass alle versorgt sind. Da darf es keine Gruppe in Israel geben, die übersehen wird, nicht ihren Raum zum Leben hat.

Es ist Ruhe nach innen und Ruhe nach außen. Ein Volk in einem Land, das mit sich selbst im Reinen ist, dass die Erfüllung der guten Worte Gottes erfährt, ist auch vor Feinden geschützt. Es wird in Ruhe gelassen.

Alles, was bisher erzählt worden ist, ist Erfüllung der guten Worte des HERRN. Nichts von dem, was durch Mose angekündigt war, ist unerfüllt. Alles ist so gekommen. Gleich zweimal in den wenigen Sätzen heißt es hier: Er hatte geschworen. Das ist das Urteil des Verfasser: Die Landnahme durch Josua ist ein Zeichen der Treue Gottes zu seinem Wort. Das Land ist Geschenk aus seiner Barmherzigkeit.

 Nehme ich das alles ernst – was bedeutet das für die späteren Leser dieses Buches, auch für den Verfasser, der das alles wohl erst in exilischer oder nachexilischer Zeit aufschreibt. Wächst daraus Hoffnung oder ist es der Ruf zur Buße, zur Einsicht: Wir haben in der Schuld der Väter und unserer Schuld die Ruhe Gottes verspielt?

 Unser Gott                                                                                                                               jedem willst Du Raum zum Leben geben                                                                                Boden unter die Füße                                                                                                    Hoffnung ins Herz                                                                                                                 eine Perspektive eröffnen

Jedem willst Du nahe sein                                                                                                    versorgen                                                                                                                               behüten                                                                                                                              Aufgaben zeigen

Dazu brauchst Du uns                                                                                                            dass wir der Anderen                                                                                                         dem Anderen Raum lassen                                                                                                 den Weg nicht versperren                                                                                                         die Gaben achten

Auch wer anders ist als ich                                                                                                       als wir                                                                                                                                      ist von Dir gerufen                                                                                                               Reichtum für Deine Welt                                                                                                   Dein Volk. Amen