Fremde Wege Gottes

Josua 11, 1 – 15

1 Als aber Jabin, der König von Hazor, das hörte, sandte er zu Jobab, dem König von Madon, und zum König von Schimron und zum König von Achschaf 2 und zu den Königen, die im Norden auf dem Gebirge und im Jordantal südlich von Kinneret und im Hügelland und auf den Hügeln von Dor am Meer wohnten, 3 zu den Kanaanitern im Osten und Westen, den Amoritern, Hetitern, Perisitern und Jebusitern auf dem Gebirge, dazu den Hiwitern am Fuße des Berges Hermon, im Lande Mizpe. 4 Diese zogen aus mit ihrem ganzen Heer, ein großes Volk, so viel wie der Sand am Meer, und sehr viele Rosse und Wagen. 5 Alle diese Könige versammelten sich und kamen und lagerten sich gemeinsam am Wasser von Merom, um mit Israel zu kämpfen.

 Wieder wird ein Bündnis gegen Israel geschmiedet, diesmal vom Norden her. Es geht um die Landschaften am See Genezareth und am Karmel. Es ist eine große Koalition, die sich da gegen Israel zusammen findet.

6 Und der HERR sprach zu Josua: Fürchte dich nicht vor ihnen! Denn morgen um diese Zeit will ich sie alle vor Israel dahingeben und sie erschlagen; ihre Rosse sollst du lähmen und ihre Wagen mit Feuer verbrennen.

 Wieder erhält Josua vor der Schlacht das Wort, das ihm den Mut stärkt, das ihn siegesgewiss sein lässt. Es ist wie die gleichmäßige Wiederholung liturgischer Zusprüche im Gottesdienst: Fürchte dich nicht vor ihnen! Und auch der Grund ist immer der Gleiche: Ich will sie alle vor Israel dahingeben. Es mag sein, dass Rosse und Wagen der Gegner überlegene Waffen sind – aber Gott ist auf der Seite Israels.

 Es mag in unseren Ohren fast wie Blasphemie klingen, aber hier wird auch ein Satz des Paulus vorbereitet: „Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?“ (Römer 8,31) Wie gefährlich können solche Sätze werden, wenn sie in politisches oder militärisches Handeln umgesetzt werden und nicht „nur“ existentiell grundlegende Zusage bleiben dürfen.

 7 Da kamen Josua und das ganze Kriegsvolk mit ihm plötzlich über sie am Wasser von Merom und überfielen sie. 8 Und der HERR gab sie in die Hände Israels, und sie schlugen sie und jagten ihnen nach bis Sidon, der großen Stadt, und bis Misrefot-Majim und bis an die Ebene von Mizpe im Osten und erschlugen sie, bis niemand mehr unter ihnen übrig blieb. 9 Da tat Josua mit ihnen, wie der HERR ihm gesagt hatte, und lähmte ihre Rosse und verbrannte ihre Wagen 10 und kehrte um zu dieser Zeit und eroberte Hazor und erschlug seinen König mit dem Schwert; denn Hazor war vorher die Hauptstadt aller dieser Königreiche. 11 Und sie erschlugen alle, die darin waren, mit der Schärfe des Schwerts und vollstreckten den Bann an ihnen, und nichts blieb übrig, was Odem hatte, und er verbrannte Hazor mit Feuer. 12 Dazu eroberte Josua alle Städte dieser Könige mit ihren Königen und erschlug sie mit der Schärfe des Schwerts und vollstreckte den Bann an ihnen, wie Mose, der Knecht des HERRN, geboten hatte. 13 Doch die Städte, die auf ihren Hügeln standen, verbrannte Israel nicht; sondern Hazor allein verbrannte Josua. 14 Und die ganze Beute dieser Städte und das Vieh teilten die Israeliten unter sich; aber alle Menschen erschlugen sie mit der Schärfe des Schwerts, bis sie vertilgt waren, und ließen nichts übrig, was Odem hatte.

Wieder ist es ein einziger Sturmlauf, Siegeslauf, der hier erzählt wird. Aus der Überlieferung, die an einen Ort gebunden sein mag, an Merom, nördlich vom See Genezareth, wird eine Erzählung, die den Sieg ganz Israels über den ganzen Norden Kanaans berichtet.

 15 Wie der HERR dem Mose, seinem Knecht, und Mose dem Josua geboten hatte, so tat Josua, dass nichts fehlte an allem, was der HERR dem Mose geboten hatte.

 Es ist das Interesse des Josua-Buches: Josua ist der, der den Willen des Mose, der dem Willen des HERRN entspricht, vollstreckt. Es geht um so etwas wie vollkommenen Gehorsam, der sich im Vollzug des Bannes zeigt. „Da gelobte Israel dem HERRN ein Gelübde und sprach: Wenn du dies Volk in meine Hand gibst, so will ich an ihren Städten den Bann vollstrecken.“(4. Mose 21,2) Ist es an dieser Stelle ein Gelübde Israels, so zieht es sich wie ein roter Faden durch das 5. Buch Mose, dass die Forderung nach dem Bann an Israel gerichtet wird.

 Ein Beispiel mag genügen. „Wenn dich der HERR, dein Gott, ins Land bringt, in das du kommen wirst, es einzunehmen, und er ausrottet viele Völker vor dir her, die Hetiter, Girgaschiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter, sieben Völker, die größer und stärker sind als du, und wenn sie der HERR, dein Gott, vor dir dahingibt, dass du sie schlägst, so sollst du an ihnen den Bann vollstrecken. Du sollst keinen Bund mit ihnen schließen und keine Gnade gegen sie üben und sollst dich mit ihnen nicht verschwägern; eure Töchter sollt ihr nicht geben ihren Söhnen und ihre Töchter sollt ihr nicht nehmen für eure Söhne.“ (5. Mose 7, 1 – 3) Es ist das Programm, das Josua vollstreckt.

 Und wir? Heute? Was fange ich damit an? Mit dem inneren Widerspruch gegen das biblische Wort? Mit Sachkritik. Theologischen Anfragen. Wie bekomme ich das zusammen mit dem, was ich über den Messias Jesus gelernt habe, über die Liebe, die sich schenkt gegen allen Widerstand? „Man kommt an der Frage gar nicht vorbei, ob diese militante Theologie nicht bereits das Programm vorweg genommen hat, das die Conquistadoren später mit der Ausrottung der Inka- und Maya-Kulturen tatsächlich in historische Realität überführt haben. Muss man diese Eroberer mitsamt den Kreuzrittern des Mittelalters nicht als authentische Schüler dieser Schule bezeichnen?“ (W.Dietrich/C.Link, Die dunklen Seiten Gottes, Bd.1; Neukirchen 2002; S. 79)

 `Streichen‚ – so höre ich manchmal. `Das ist nicht Gottes Wort.` Damit ist man aber nicht aus dem Schneider. Das ist nicht mein Weg. Weil ich zutiefst glaube, dass auch diese Passagen der Bibel dazu gehören, um den Weg Gottes mit der Welt tiefer zu begreifen. Um es zu verstehen, dass Gott nicht in meinen Bildern aufgeht, nicht mit meinen theologischen Formeln zu fassen ist. Sich nicht einfügt in das Gedankenbild, das wir uns so machen. Und sich eingestehen: Ich werde nicht fertig mit dem Phänomen des Bösen und auch nicht mit dem der Gewalt, heilig oder unheilig.

 Wie es mir oft geht, wirft ein Lied ein schräges Licht auf die biblische Erzählung – und hilft mir, mein Widersprüche im Schwang zu halten.

 Oh my name it is nothin‘ / My age it means less
The country I come from / Is called the Midwest
I’s taught and brought up there / The laws to abide
And that land that I live in / Has God on its side.


Oh the history books tell it / They tell it so well
The cavalries charged / The Indians fell
The cavalries charged / The Indians died
Oh the country was young / With God on its side.

Oh the Spanish-American / War had its day
And the Civil War too / Was soon laid away
And the names of the heroes / I’s made to memorize
With guns in their hands / And God on their side.

Oh the First World War, boys / It closed out its fate
The reason for fighting / I never got straight
But I learned to accept it / Accept it with pride
For you don’t count the dead / When God’s on your side.

When the Second World War / Came to an end
We forgave the Germans / And we were friends
Though they murdered six million / In the ovens they fried
The Germans now too / Have God on their side.

I’ve learned to hate Russians / All through my whole life
If another war starts / It’s them we must fight
To hate them and fear them / To run and to hide
And accept it all bravely / With God on my side.

But now we got weapons / Of the chemical dust
If fire them we’re forced to / Then fire them we must
One push of the button / And a shot the world wide
And you never ask questions / When God’s on your side.


In a many dark hour / I’ve been thinkin‘ about this
That Jesus Christ / Was betrayed by a kiss
But I can’t think for you / You’ll have to decide
Whether Judas Iscariot / Had God on his side.

So now as I’m leavin‘ / I’m weary as Hell
The confusion I’m feelin‘ / Ain’t no tongue can tell
The words fill my head / And fall to the floor
If God’s on our side / He’ll stop the next war.
Bob Dylan

Gott                                                                                                                                        mit Dir an unserer Seite                                                                                                         will ich für Frieden einstehen                                                                                                 für das Leben                                                                                                                        für Barmherzigkeit und für den Glauben

Mit Dir an unserer Seite will ich Freiheit suchen                                                                    für jedermann                                                                                                                         nicht nur für mich                                                                                                                  Freiheit zum Guten                                                                                                              zum Bewahren des Lebens und zum Schutz der Schwachen

Deine Spur zu suchen im Leben                                                                                          die Dein Sohn gelegt hat                                                                                                         Jesus                                                                                                                                   das führt mich an Deine Seite. Amen