Wieder ein Altar

Josua 8, 30 – 35

 30 Damals baute Josua dem HERRN, dem Gott Israels, einen Altar auf dem Berge Ebal, 31 wie Mose, der Knecht des HERRN, den Israeliten geboten hatte, wie geschrieben steht im Gesetzbuch des Mose: einen Altar von unversehrten Steinen, die mit keinem Eisen behauen waren.

 Mit dem schlichten damals wird der folgende Altarbau mit dem Geschehen um Ai zeitlich eng verbunden. Zugleich erscheint er wie eine Reaktion auf dieses Geschehen. Das ist nicht so selten im Altem Testament. Von Jakob wird es gleich zweimal erzählt: „Er errichtete dort einen Altar und nannte ihn »Gott ist der Gott Israels«.(1. Mose 33,20) „Dort“ ist der Ort der Versöhnung Jakobs mit seinem Bruder Esau. Nur wenig später heißt es: „Und Gott sprach zu Jakob: Mach dich auf und zieh nach Bethel und wohne daselbst und errichte dort einen Altar dem Gott, der dir erschien, als du flohst vor deinem Bruder Esau.“ (1. Mose 35,1)

 Näher noch liegt aber wohl der erste Altarbau: „Da erschien der HERR dem Abram und sprach: Deinen Nachkommen will ich dies Land geben. Und er baute dort einen Altar dem HERRN, der ihm erschienen war.“ (1. Mose 12,7) Einen Altar zu bauen heißt Gott zu vertrauen, dass er sein Wort erfüllt, dass er das Land gibt. Altäre sind Signale für Gottes Gegenwart und Gottes Verheißungen. In seinem Altarbau erweist sich Josua auch als treuer Nachfolger des Mose – er hört auf sein Wort im Gesetzbuch des Mose. In 5. Mose 27 findet sich unsere Altar-Bau-Szene weitgehend vorgeformt wieder.Und sie opferten dem HERRN darauf Brandopfer und brachten Dankopfer dar, 32 und er schrieb dort auf die Steine eine Abschrift des Gesetzes, das Mose vor den Augen der Israeliten geschrieben hatte. 33 Und ganz Israel stand mit seinen Ältesten und Amtleuten und Richtern zu beiden Seiten der Lade gegenüber den Priestern aus dem Stamm Levi, die die Lade des Bundes des HERRN trugen, die Fremdlinge sowohl als auch die Einheimischen, die eine Hälfte zum Berge Garizim hin und die andere Hälfte zum Berge Ebal hin, wie Mose, der Knecht des HERRN, vormals geboten hatte, das Volk Israel zu segnen.

 An diesem Ort, zwischen Garizim und Ebal, steht das Volk gewissermaßen mitten im Land. Und dort, mitten im Land, empfängt es neu eine Abschrift des Gesetzes, doch wohl der Zehn Gebote. Es ist wieder, einmal mehr, ein Gottesdienst, der vor dem Augen des Lesers sichtbar wird. Das ganze Volk mit allen Funktionsträgern ist versammelt. In der Mitte die Lade – Zeichen des mitgehenden Gottes.

34 Danach ließ er ausrufen alle Worte des Gesetzes, den Segen und den Fluch, ganz wie es geschrieben steht im Gesetzbuch. 35 Es war kein Wort, das Mose geboten hatte, das Josua nicht hätte ausrufen lassen vor der ganzen Gemeinde Israel und vor den Frauen und Kindern und Fremdlingen, die mit ihnen zogen.

Wenn man so will – es folgt im Gottesdienst die Predigt. Josua lässt alle Worte des Gesetzes ausrufen, den Segen und den Fluch. Indem das Gesetz, ich sage lieber: das Gebot, die Weisung Gottes, vorgelesen wird, wohl auch ausgelegt wird, wird dem Volk seine Lebensgrundlage gezeigt. Sich unter dieses Gebot stellen ist Segen. Sich diesem Gebot verweigern ist Fluch. Es braucht keine besonderen Segens- oder Fluch-Formeln. Es reicht, das Gebot zu lesen. Und wirklich alle, Männer und Frauen, Kinder und Fremdlinge, die ganze Gemeinde hört das Wort. Damit sind sie auch alle gerufen, aus diesem Gebot zu leben. Der Gehorsam gegen das Gebot ist keine Spezialaufgabe für besonders fromme Leute.

Herr                                                                                                                                          Wenn ich die Augen öffne                                                                                                      sie mir von Dir öffnen lasse                                                                                                      sehe ich überall Zeichen Deiner Gegenwart                                                                           nicht nur dort                                                                                                                         wo Altäre stehen

Überall Segensspuren                                                                                                          die aus Deinem Nahesein kommen                                                                                      in Kindern                                                                                                                                in dem neuen Reden von Sprachlosen ‘                                                                                in der Versöhnung Entfremdeter                                                                                            in Schritten der Hoffnung                                                                                                         wo nicht mehr zu hoffen war

Dir sei Lob und Ehre                                                                                                               dass Dein Gegenwart unter uns Heil stiftet                                                                    neues Leben werden lässt                                                                                              Segen wirkt. Amen