Eine Zuflucht für Schuldige

Josua 20, 1 – 9

 1 Und der HERR redete mit Josua und sprach: 2 Sage den Israeliten: Bestimmt unter euch Freistädte, von denen ich euch durch Mose gesagt habe. 3 Dahin kann ein Totschläger fliehen, der jemand aus Versehen und ohne Vorsatz erschlägt, damit sie euch eine Freistatt sind vor dem Bluträcher.

 Eroberung ist das eine. Die Sicherung des Friedens das andere. Und Frieden ist eben nicht nur so zu sichern, dass man nach außen wehrhaft ist. Frieden braucht Sicherungsmaßnahmen nach innen. Befriedungsmöglichkeiten auch in schweren Konflikten. Eine besonders schöne Befriedung ist die Einrichtung von Asylorten. Freistädte. Dort kann Zuflucht finden, wer zum Totschläger geworden ist. Dort ist er sicher vor Blutrache und vor der Verfolgung seiner Tat. Diese Einrichtung geht auf das Gesetz zurück: „Wer einen Menschen schlägt, dass er stirbt, der soll des Todes sterben. Hat er ihm aber nicht nachgestellt, sondern hat Gott es seiner Hand widerfahren lassen, so will ich dir einen Ort bestimmen, wohin er fliehen kann. Wenn aber jemand an seinem Nächsten frevelt und ihn mit Hinterlist umbringt, so sollst du ihn von meinem Altar wegreißen, dass man ihn töte.“(2. Mose 21, 12 – 14) Hier werden auch die Grenzen gezogen: es geht um den Schutz von nicht vorsätzlichen Tätern. Die Freistädte sind kein Freibrief für Gewalt.

4 Und wer zu einer dieser Städte flieht, soll draußen vor dem Stadttor stehen bleiben und vor den Ältesten der Stadt seine Sache vorbringen; dann sollen sie ihn zu sich in die Stadt nehmen und ihm Raum geben, bei ihnen zu wohnen. 5 Und wenn der Bluträcher ihm nachjagt, sollen sie den Totschläger nicht in seine Hände übergeben, weil er ohne Vorsatz seinen Nächsten erschlagen hat und ihm vorher nicht Feind gewesen ist.

 „Voraussetzung für das Ganze ist die Gültigkeit der Blutrache.“(H.W. Hertzberg, Die Bücher Josua, Richter, Ruth, ATD 9; Göttingen 1953, S. 115) Die Blutrache ist eine Form des Rechts, nicht einfach eine Ausgeburt zügelloser Wut. Das ist für uns Mitteleuropäer schwer zu begreifen, gehört aber zum Verständnis dazu. Und, eine Differenzierung wird hier sichtbar, die gleichfalls gegen das Austoben blinder Wut spricht: Die saubere Unterscheidung von Mord und Totschlag. Die Ältesten in den Freistädten haben diese Aufgabe – juristische Klärungen herbei zu führen, den Gejagten zu schützen – den Rechtsfrieden zu wahren. Und: man kann dieses Recht nicht einklagen, man kann es nur vorbringen und suchen. „Eine Zuflucht für Schuldige“ weiterlesen

FriedensRuhe

Josua 11, 16 – 23

 16 So nahm Josua dies ganze Land ein, das Gebirge und alles, was im Süden liegt, und das ganze Land Goschen und das Hügelland und das Jordantal und das Gebirge Israel mit seinem Hügelland, 17 von dem kahlen Gebirge an, das aufsteigt nach Seïr hin, bis nach Baal-Gad in der Ebene beim Gebirge Libanon, am Fuße des Berges Hermon. Alle ihre Könige nahm er gefangen und schlug sie nieder und tötete sie. 18 Er kämpfte aber eine lange Zeit mit diesen Königen.

 Das ganze Land ist erobert. Alle einzelne Kämpfe, Schlachten fügen sich zu diesem Ergebnis zusammen. Josua ist am Ziel. Mit dem Benennen der der einzelnen Landschaften im Noden und Süden, Osten und Westen wird Israel in seinem Gebiet und mit seinen Grenzen sichtbar. Bis in unsere Zeit heute sind diese Gebiete und die so gezeigten Grenzen Israels von großen Gewicht für den Frieden in der Region.

 19 Es war keine Stadt, die Frieden machte mit den Israeliten, ausgenommen die Hiwiter, die in Gibeon wohnten; sondern sie eroberten sie alle im Kampf. 20 So geschah es von dem HERRN, dass ihr Herz verstockt wurde, im Kampf Israel zu begegnen, damit sie mit dem Bann geschlagen würden und ihnen keine Gnade widerführe, sondern sie vertilgt würden, wie der HERR dem Mose geboten hatte.

 Hier kommt ein neues Motiv ins Bild. Verstockung. Damit knüpft das Josua-Buch an die Auszugs-Erzählung an. „Aber das Herz des Pharao wurde verstockt und er hörte nicht auf sie, wie der HERR gesagt hatte.“ (2. Mose 7,13) Gleich zehnmal heißt es so in diesem Zusammenhang. Dass der Pharao verstockt ist, ist sein Schicksal, bereitet seinen Untergang vor. Es gehört zu dem Rätselhaften in der Exodus-Geschichte, dass dieses Verstocktsein auf das Handeln Gottes zurück geführt wird. Umso heller leuchtet das Rettungshandeln Gottes an Israel.

 Es ist der Widerstand der Bewohner gegen den Willen des HERRN, Israel das Land zu geben, der das Blutvergießen mit sich bringt, den Bann gewissermaßen rechtfertigt. Weil sie sich alle weigern, Frieden mit den Israeliten zu machen, kommt es zu den Kämpfen. Hätten sie sich alle wie die Hiwiter aus Gibeon ergeben, sich entschlossen, Frieden zu machen, sie hätten ihr Leben davon gebracht. Sie hätten Gnade erfahren können. Aber sie haben sich alle anders entschieden, für den Kampf. Weil ihr Herz verstockt wurde, schwer, unbeweglich, stur. Es ist rätselhaft, ja unheimlich, dass dieses Verstocktsein darauf zurück geführt wird, dass es von dem HERRN geschah.

Wenn man es salopp formuliert: Die Opfer sind selbst schuld an ihrem Untergang. Ihre Weigerung, Israel das Land zu lassen, ist Aufstand gegen Gott und nicht nur Widerstand gegen Josua und seine Truppen. So ungefähr sieht das der Schreiber dieser Passagen. „FriedensRuhe“ weiterlesen

Fremde Wege Gottes

Josua 11, 1 – 15

1 Als aber Jabin, der König von Hazor, das hörte, sandte er zu Jobab, dem König von Madon, und zum König von Schimron und zum König von Achschaf 2 und zu den Königen, die im Norden auf dem Gebirge und im Jordantal südlich von Kinneret und im Hügelland und auf den Hügeln von Dor am Meer wohnten, 3 zu den Kanaanitern im Osten und Westen, den Amoritern, Hetitern, Perisitern und Jebusitern auf dem Gebirge, dazu den Hiwitern am Fuße des Berges Hermon, im Lande Mizpe. 4 Diese zogen aus mit ihrem ganzen Heer, ein großes Volk, so viel wie der Sand am Meer, und sehr viele Rosse und Wagen. 5 Alle diese Könige versammelten sich und kamen und lagerten sich gemeinsam am Wasser von Merom, um mit Israel zu kämpfen.

 Wieder wird ein Bündnis gegen Israel geschmiedet, diesmal vom Norden her. Es geht um die Landschaften am See Genezareth und am Karmel. Es ist eine große Koalition, die sich da gegen Israel zusammen findet.

6 Und der HERR sprach zu Josua: Fürchte dich nicht vor ihnen! Denn morgen um diese Zeit will ich sie alle vor Israel dahingeben und sie erschlagen; ihre Rosse sollst du lähmen und ihre Wagen mit Feuer verbrennen.

 Wieder erhält Josua vor der Schlacht das Wort, das ihm den Mut stärkt, das ihn siegesgewiss sein lässt. Es ist wie die gleichmäßige Wiederholung liturgischer Zusprüche im Gottesdienst: Fürchte dich nicht vor ihnen! Und auch der Grund ist immer der Gleiche: Ich will sie alle vor Israel dahingeben. Es mag sein, dass Rosse und Wagen der Gegner überlegene Waffen sind – aber Gott ist auf der Seite Israels.

 Es mag in unseren Ohren fast wie Blasphemie klingen, aber hier wird auch ein Satz des Paulus vorbereitet: „Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?“ (Römer 8,31) Wie gefährlich können solche Sätze werden, wenn sie in politisches oder militärisches Handeln umgesetzt werden und nicht „nur“ existentiell grundlegende Zusage bleiben dürfen. „Fremde Wege Gottes“ weiterlesen

Gottesschrecken

Josua 10, 1 – 15 (16 – 42)

 1 Als aber Adoni-Zedek, der König von Jerusalem, hörte, dass Josua Ai erobert und an ihm den Bann vollstreckt und mit Ai samt seinem König getan hatte, wie er mit Jericho und seinem König getan hatte, und dass die von Gibeon Frieden mit Israel gemacht hätten und mitten unter ihnen wohnten, 2 fürchteten sie sich sehr; denn Gibeon war eine große Stadt wie eine der Königsstädte und größer als Ai und alle seine Bürger streitbare Männer. 3 Und Adoni-Zedek, der König von Jerusalem, sandte zu Hoham, dem König von Hebron, und zu Piram, dem König von Jarmut, und zu Jafia, dem König von Lachisch, und zu Debir, dem König von Eglon, und ließ ihnen sagen: 4 Kommt herauf zu mir und helft mir, dass wir Gibeon schlagen; denn es hat mit Josua und den Israeliten Frieden gemacht.

 Der Weg Josuas mit dem Volk verbreitet Angst und Schrecken bei denen im Land. Das ist nachvollziehbar: Wenn das Volk überall den Bann vollstreckt, dann ist das eine Botschaft an die anderen, die noch nicht „erobert“ sind. So versucht der König von Jerusalem – König ist wohl ein bisschen hoch gegriffen für den Stadtfürsten – ein Bündnis gegen Josua zu schmieden. Ihr erstes Ziel: Gibeon. Die haben sich ja auf Josuas Seite geschlagen und eine mögliche Abwehrfront gegen die nahenden Israeliten aufgebrochen.

 5 Da sammelten sich und zogen hinauf die fünf Könige der Amoriter, der König von Jerusalem, der König von Hebron, der König von Jarmut, der König von Lachisch, der König von Eglon mit ihrem ganzen Kriegsvolk und belagerten Gibeon und kämpften gegen die Stadt. 6 Aber die von Gibeon sandten zu Josua ins Lager nach Gilgal und ließen ihm sagen: Zieh deine Hand nicht ab von deinen Knechten; komm eilends zu uns herauf, rette und hilf uns! Denn es haben sich gegen uns versammelt alle Könige der Amoriter, die auf dem Gebirge wohnen.

 Gibeon wird von den vereinten Königen angegriffen und belagert. Darum senden die Gibeoniten Botschaft an Josua nach Gilgal und rufen ihn zur Hilfe. Es ist ein weiter Weg nach Gilgal, bis in die Jordansenke.

 7 Da zog Josua hinauf von Gilgal und das ganze Kriegsvolk mit ihm und alle streitbaren Männer. 8 Und der HERR sprach zu Josua: Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich habe sie in deine Hände gegeben. Niemand unter ihnen wird vor dir bestehen können.

 Josua lässt sich rufen. Er zieht hinauf, in das Bergland. Und er hat „Rückenwind“, weil er das Wort des HERRN für sich hat. Was er hier vor dieser Schlacht hört, ist nahe bei dem, was er auch vor dem Fall Jerichos gehört hat. Zusage über Zusage. Und damit ist klar: „Der Kriegsmut Josuas und seiner Leute braucht im Grunde nichts anderes als Glaubensgehorsam zu sein.“ (H.W. Hertzberg, Die Bücher Josua, Richter, Ruth, ATD 9; Göttingen 1953, S.73) So fremd uns das heute sein mag, es ist die Botschaft an Israel: Im Vertrauen auf Gott könnt ihr eure Feinde besiegen. Heutzutage heißt das eher: Man muss an sich selbst und die eigene Stärke glauben.

9 So kam Josua plötzlich über sie; denn die ganze Nacht war er heraufgezogen von Gilgal. 10 Und der HERR erschreckte sie vor Israel, dass sie eine große Schlacht schlugen bei Gibeon, und sie jagten ihnen nach, den Weg hinab nach Bet-Horon, und schlugen sie bis nach Aseka und Makkeda hin. 11 Und als sie vor Israel flohen den Weg hinab nach Bet-Horon, ließ der HERR große Steine vom Himmel auf sie fallen bis Aseka, dass sie starben. Und von ihnen starben viel mehr durch die Hagelsteine, als die Israeliten mit dem Schwert töteten.

 Die Schlacht selbst ist, wieder einmal, rasch erzählt. Sie wird entschieden durch den „Gottesschrecken“. So wie an Schilfmeer: „Als nun die Zeit der Morgenwache kam, schaute der HERR auf das Heer der Ägypter aus der Feuersäule und der Wolke und brachte einen Schrecken über ihr Heer.“(2. Mose 14,24) In panischer Angst flüchten die Könige samt ihren Truppen. Im Steinhagel Gottes, im Hagelschlag endet ihre Flucht.

 12 Damals redete Josua mit dem HERRN an dem Tage, da der HERR die Amoriter vor den Israeliten dahingab, und er sprach in Gegenwart Israels: Sonne, steh still zu Gibeon, und Mond, im Tal Ajalon! 13 Da stand die Sonne still und der Mond blieb stehen, bis sich das Volk an seinen Feinden gerächt hatte. Ist dies nicht geschrieben im Buch des Redlichen? So blieb die Sonne stehen mitten am Himmel und beeilte sich nicht unterzugehen fast einen ganzen Tag. 14 Und es war kein Tag diesem gleich, weder vorher noch danach, dass der HERR so auf die Stimme eines Menschen hörte; denn der HERR stritt für Israel. 15 Josua aber kehrte ins Lager nach Gilgal zurück und ganz Israel mit ihm.

Es folgt der „längste Tag“. Die Sonne steht still, damit der Sieg vollständig werden kann. Es ist müßig und ein ziemlich krasses Missverständnis, hier nach astronomischen Möglichkeiten zu fragen. Die biblischen Autoren sind nicht doof oder naiv. Gemeint ist anderes: Der Kampf zieht sich so lange hin, dass die Zeit still-zustehen scheint. „Gottesschrecken“ weiterlesen

Verträge gelten

Josua 9, 1 – 27

 1 Als das nun alle Könige hörten, die jenseits des Jordans waren auf dem Gebirge und im Hügelland und am ganzen Ufer des großen Meeres nach dem Libanon hin, nämlich die Hetiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter, 2 fanden sie sich zusammen, um einmütig gegen Josua und gegen Israel zu kämpfen.

Ein Bündnis gegen das Volk aus der Wüste. Ein Bündnis, um den Weg Israels in das verheißene Land zu stoppen. Denn darum geht es, das ist das Land jenseits des Jordans Es ist kein Zweifel: Die Erzähler sehen dieses Bündnis nicht nur gegen Josua und seine Leute gerichtet, sondern gegen Gott. Er hat doch Israel das Land schon gegeben (1,2). Was wird es da nützen, dass sie einmütig sind in ihrem Bündnis?

 3 Aber die Bürger von Gibeon hörten, was Josua mit Jericho und Ai getan hatte. 4 Da erdachten auch sie eine List, gingen hin und versahen sich mit Speise und nahmen alte Säcke auf ihre Esel und alte, zerrissene, geflickte Weinschläuche 5 und alte, geflickte Schuhe an ihre Füße und zogen alte Kleider an, und alles Brot, das sie mit sich nahmen, war hart und zerbröckelt. 6 Und sie gingen zu Josua ins Lager nach Gilgal und sprachen zu ihm und zu den Männern Israels: Wir kommen aus fernen Landen; so schließt nun einen Bund mit uns.

 Wirklich weit ist es mit dem einmütig nicht her. Die Bürger von Gibeon setzen nicht auf Kampf, sondern auf List. Wenn es auch sie heißt, so mag an die List Josuas bei der Einnahme Ai’s erinnert sein. Die Gibeoniter haben also von Israel gelernt! Verkleidet als Migranten aus der Ferne stellen sie sich bei Josua im Lager ein. Ihr Signal heißt: Wir sind hier Fremde wie ihr.

 7 Da sprachen die Männer Israels zu den Hiwitern: Vielleicht wohnt ihr mitten unter uns; wie könnten wir dann einen Bund mit euch schließen? 8 Sie aber sprachen zu Josua: Wir sind deine Knechte. Josua sprach zu ihnen: Wer seid ihr und woher kommt ihr? 9 Sie sprachen: Deine Knechte sind aus sehr fernen Landen gekommen um des Namens des HERRN, deines Gottes, willen; denn wir haben von ihm gehört alles, was er in Ägypten getan hat, 10 und alles, was er den beiden Königen der Amoriter jenseits des Jordans getan hat, Sihon, dem König von Heschbon, und Og, dem König von Baschan, der zu Aschtarot wohnte. 11 Darum sprachen unsere Ältesten und alle Bewohner unseres Landes zu uns: Nehmt Speise mit euch auf die Reise und geht ihnen entgegen und sprecht zu ihnen: Wir sind eure Knechte. So schließt nun einen Bund mit uns! 12 Dies unser Brot, das wir aus unsern Häusern zu unserer Speise mitnahmen, war noch warm, als wir zu euch auszogen, nun aber, siehe, ist es hart und zerbröckelt; 13 und diese Weinschläuche waren neu, als wir sie füllten, und siehe, sie sind zerrissen; und diese unsere Kleider und Schuhe sind alt geworden über der sehr langen Reise.

 Es ist eine richtige Rührgeschichte, die sie erzählen. Von weither kommen wir. Der Name des HERRN, deines Gottes, hat uns angezogen. Die großen Taten, eure Siege . Darum sind wir zu euch gekommen. Wie frühe Vorläufer der Weisen aus dem Morgenland (Matthäus 2,2) wirken sie – aufgebrochen angelockt durch die Nachrichten um dem HERRN, den Gott Israels. Später wird das zur Verheißung: „Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ (Lukas 13,29) Und als Zeichen ihrer weiten Reise legen sie altes Brot vor, alten Wein und zeigen ihre zerlumpte Kleidung und die angelaufenen Schuhe. „Verträge gelten“ weiterlesen

Wieder ein Altar

Josua 8, 30 – 35

 30 Damals baute Josua dem HERRN, dem Gott Israels, einen Altar auf dem Berge Ebal, 31 wie Mose, der Knecht des HERRN, den Israeliten geboten hatte, wie geschrieben steht im Gesetzbuch des Mose: einen Altar von unversehrten Steinen, die mit keinem Eisen behauen waren.

 Mit dem schlichten damals wird der folgende Altarbau mit dem Geschehen um Ai zeitlich eng verbunden. Zugleich erscheint er wie eine Reaktion auf dieses Geschehen. Das ist nicht so selten im Altem Testament. Von Jakob wird es gleich zweimal erzählt: „Er errichtete dort einen Altar und nannte ihn »Gott ist der Gott Israels«.(1. Mose 33,20) „Dort“ ist der Ort der Versöhnung Jakobs mit seinem Bruder Esau. Nur wenig später heißt es: „Und Gott sprach zu Jakob: Mach dich auf und zieh nach Bethel und wohne daselbst und errichte dort einen Altar dem Gott, der dir erschien, als du flohst vor deinem Bruder Esau.“ (1. Mose 35,1)

 Näher noch liegt aber wohl der erste Altarbau: „Da erschien der HERR dem Abram und sprach: Deinen Nachkommen will ich dies Land geben. Und er baute dort einen Altar dem HERRN, der ihm erschienen war.“ (1. Mose 12,7) Einen Altar zu bauen heißt Gott zu vertrauen, dass er sein Wort erfüllt, dass er das Land gibt. Altäre sind Signale für Gottes Gegenwart und Gottes Verheißungen. In seinem Altarbau erweist sich Josua auch als treuer Nachfolger des Mose – er hört auf sein Wort im Gesetzbuch des Mose. In 5. Mose 27 findet sich unsere Altar-Bau-Szene weitgehend vorgeformt wieder. „Wieder ein Altar“ weiterlesen

Ich will keine heiligen Kriege mehr

Josua 8, 1 – 29

 1 Und der HERR sprach zu Josua: Fürchte dich nicht und verzage nicht! Nimm mit dir das ganze Kriegsvolk und mache dich auf und zieh hinauf nach Ai! Sieh, ich habe den König von Ai samt seinem Volk in seiner Stadt und seinem Land in deine Hände gegeben. 2 Und du sollst mit Ai und seinem König tun, wie du mit Jericho und seinem König getan hast, nur dass ihr die Beute und das Vieh unter euch teilen sollt. Lege einen Hinterhalt hinter die Stadt!

Zum wiederholten Mal. Fürchte dich nicht und verzage nicht! Wie ein beständiger Grundton zieht sich diese Ermutigung und Mahnung durch das Josua-Buch. Es geht darin nicht nur um ein bisschen mehr Mut. Es geht darum, dass Josua das Vertrauen auf den HERRN bewährt. Diesem Wort glauben heißt handeln. Und nicht handeln ist eben auch nicht glauben, nicht vertrauen. So fremd es uns sein mag: Der Glaubensgehorsam zeigt sich in dem Angriff auf Ai.

Darum – und nur darum -kommt zu einem zweiten Angriff auf Ai. Diesmal ist Israel auf der sicheren Seite – es hat das Wort des HERRN, seine Zusicherung: Sieh, ich habe den König von Ai samt seinem Volk in seiner Stadt und seinem Land in deine Hände gegeben. „Auch Ai wird nicht durch Israel, seine Tapferkeit oder Klugheit erobert…Es wird überhaupt nicht erobert, sondern es ist erobert, durch das nunmehr dekredierende Gotteswort.“ (H.W. Hertzberg, Die Bücher Josua, Richter, Ruth, ATD 9; Göttingen 1953, S. 56) Und: An Ai ist nicht der Gottesbann zu vollstrecken. Es soll zur Beute für das Volk werden. Für unser-einen ganz daneben: Gott gibt auch noch strategische Ratschläge zur Kampfführung!

 3 Da machte sich Josua auf und das ganze Kriegsvolk, um nach Ai hinaufzuziehen. Und Josua erwählte dreißigtausend streitbare Männer und sandte sie aus bei Nacht 4 und gebot ihnen: Seht zu, ihr sollt der Hinterhalt sein hinter der Stadt. Entfernt euch aber nicht allzu weit von der Stadt und seid allesamt bereit! 5 Ich aber und das ganze Kriegsvolk, das bei mir ist, wollen nahe an die Stadt heranrücken. Und wenn sie ausziehen uns entgegen wie das erste Mal, so wollen wir vor ihnen fliehen, 6 damit sie uns nachjagen, bis wir sie von der Stadt weglocken. Denn sie werden denken, wir fliehen vor ihnen wie das erste Mal. Und wenn wir vor ihnen fliehen, 7 sollt ihr hervorbrechen aus dem Hinterhalt und die Stadt einnehmen; denn der HERR, euer Gott, wird sie in eure Hände geben. 8 Wenn ihr aber die Stadt eingenommen habt, so steckt sie mit Feuer an und tut nach dem Wort des HERRN. Siehe, ich hab’s euch geboten.

Im Befehl an seine Männer enthüllt Josua den Plan. Er setzt darauf, dass die Leute aus Ai vom ersten Erfolg her glauben, sie könnten Israel wieder in die Flucht schlagen. So will er sie durch eine Scheinflucht aus der Stadt locken, die dann dem Hinterhalt preisgegeben sein wird. Dann wird die Stadt dem Zugriff der Truppen Josuas schutzlos preisgegeben sein.

9 So sandte sie Josua hin. Und sie zogen in den Hinterhalt und lagerten sich zwischen Bethel und Ai, westlich von Ai. Josua aber blieb die Nacht unter dem Volk 10 und machte sich früh am Morgen auf und ordnete das Volk und zog hinauf mit den Ältesten Israels vor dem Volk her nach Ai. 11 Und das ganze Kriegsvolk, das bei ihm war, zog hinauf, und sie kamen nahe vor die Stadt und lagerten sich nördlich von Ai, sodass nur ein Tal war zwischen ihnen und Ai. 12 Er hatte aber etwa fünftausend Mann genommen und in den Hinterhalt gelegt zwischen Bethel und Ai westlich von der Stadt. 13 Und sie stellten das Volk des ganzen Lagers, das nördlich vor der Stadt war, so auf, dass sein Ende reichte bis westlich von der Stadt. Und Josua zog hin in dieser Nacht mitten in das Tal. 14 Als aber der König von Ai das sah, machten die Männer der Stadt sich eilends früh auf und zogen aus an einen bestimmten Ort nach dem Jordantal zu, um Israel zum Kampf zu begegnen, er mit seinem ganzen Kriegsvolk. Denn er wusste nicht, dass ihm ein Hinterhalt gelegt war auf der andern Seite der Stadt. 15 Josua aber und ganz Israel stellten sich, als würden sie vor ihnen geschlagen, und flohen auf dem Wege zur Wüste. 16 Da wurde das ganze Volk in der Stadt zusammengerufen, um ihnen nachzujagen. Und sie jagten Josua nach und wurden von der Stadt weggelockt, 17 sodass nicht „ein“ Mann in Ai und Bethel zurückblieb, der nicht ausgezogen wäre, um Israel nachzujagen, und ließen die Stadt offen stehen und jagten Israel nach.

 Der Plan funktioniert perfekt. Die Leute aus Ai glauben sich auf der Siegerstraße und jagen den „flüchtenden Kämpfern“ Josuas nach. Nicht ein Mann bleibt zurück. Die stadt ist völlig schutzlos.

 18 Da sprach der HERR zu Josua: Strecke die Lanze in deiner Hand aus auf Ai zu; denn ich will es in deine Hand geben.

 Wieder ist es der HERR, der Josua leitet. Zum Kampf. Zum Sieg. Es ist ein Bild von Gott, das mir innerlich widerstrebt. Ich will nicht an einen Gott glauben, der militärische Ratschläge gibt, sich als oberster Generalstabschef betätigt. Ich glaube und denke (in dieser Reihenfolge!), dass solche Geschichten durch das Kommen Jesu auch endgültig jede leitende Kraft verloren haben. Sie sind nichts zum Nachahmen. Keine Wegweisung. Sie helfen uns auch nicht zum Glauben. „Ich will keine heiligen Kriege mehr“ weiterlesen

Alles Verhalten hat Folgen

Josua 7, 1 – 26

 1 Aber die Israeliten vergriffen sich an dem Gebannten; denn Achan, der Sohn Karmis, des Sohnes Sabdis, des Sohnes Serachs, vom Stamm Juda, nahm etwas vom Gebannten. Da entbrannte der Zorn des HERRN über die Israeliten.

 So streng die Warnungen Josuas vor den Übergriffen auf das Bann-Gut waren – sie werden überhört. Heimlich. In Kleinigkeit. Einer nahm etwas vom Gebannten. „Das macht doch nichts, das merkt doch keiner.“ (H. Scheibner) Wie oft kommt es so zu Übergriffen. In der Überzeugung, dass es doch keine Rolle spielen wird, keine Aufregung wert ist. Die Gelegenheit ist verlockend. Achan findet durch die kleine und große Welt-Geschichte hin viele Nachahmer. Und Gott sieht. Übersieht nicht.

 2 Und Josua sandte Männer aus von Jericho nach Ai, das bei Bet-Awen liegt östlich von Bethel, und sprach zu ihnen: Geht hinauf und erkundet das Land. Und als sie hinaufgegangen waren und Ai erkundet hatten, 3 kamen sie zu Josua zurück und sprachen zu ihm: Lass nicht das ganze Kriegsvolk hinaufziehen, sondern etwa zwei- oder dreitausend Mann sollen hinaufziehen und Ai schlagen, damit nicht das ganze Volk sich dorthin bemühe; denn ihrer sind wenige. 4 So zogen hinauf vom Volk etwa dreitausend Mann; aber sie flohen vor den Männern von Ai. 5 Und die Männer von Ai erschlugen von ihnen etwa sechsunddreißig Mann; sie hatten sie nämlich von dem Tor bis zu den Steinbrüchen gejagt und am Abhang erschlagen.

 Das gewachsenen Selbstvertrauen macht mutig. Übermütig. Nur ein kleines Kommando-Unternehmen, so denken die Kundschafter. Zwei- oder dreitausend Mann, reichen, um Ai zu schlagen. So eine Truppe kann Ruhm für sich sammeln.

 Es kommt anders. Das Unternehmen geht schief. Statt Ruhm Flucht, statt Sieg sechsunddreißig Tote. Die Mission hatte sich als gefährlicher erwiesen als gedacht.

 Da verzagte das Herz des Volks und ward zu Wasser. 6 Josua aber zerriss seine Kleider und fiel auf sein Angesicht zur Erde vor der Lade des HERRN bis zum Abend samt den Ältesten Israels, und sie warfen Staub auf ihr Haupt.

 Waren sie eben noch hochgemut, siegessicher, so sind sie jetzt verzagte und wie Wasser. Kein Halten. Aus der erhofften Siegesfeier wird ein Bußakt. Zerrissene Kleider, Staub auf dem Haupt. Demut ist angesagt und Demütigung. Und das Suchen der Gegenwart Gottes. Darum der Weg zur Lade.

 7 Und Josua sprach: Ach, Herr HERR, warum hast du dies Volk über den Jordan geführt und gibst uns in die Hände der Amoriter, um uns umzubringen? O dass wir doch jenseits des Jordans geblieben wären! 8 Ach, Herr, was soll ich sagen, nachdem Israel seinen Feinden den Rücken gekehrt hat? 9 Wenn das die Kanaaniter und alle Bewohner des Landes hören, so werden sie uns umringen und unsern Namen ausrotten von der Erde. Was willst du dann für deinen großen Namen tun?

 Packt Josua den HERRN bei seiner Ehre? Er fragt nach dem Warum. War der Weg über den Jordan ein Fehler? Haben wir uns übernommen? Und er fragt zugleich nach dem Willen Gottes, der ihm fremd und fragwürdig geworden ist. Es kann doch nicht Gottes Ziel sein, das Volk im Land der Kanaaniter untergehen zu lassen. „Alles Verhalten hat Folgen“ weiterlesen

Eine fremde Geschichte von einem fremden Gott

Josua 6, 11 – 27

 11 So ließ er die Lade des HERRN rings um die Stadt ziehen „einmal“ und sie kamen zurück in das Lager und blieben darin über Nacht. 12 Und Josua machte sich früh am Morgen auf und die Priester trugen die Lade des HERRN. 13 So trugen die sieben Priester die sieben Posaunen vor der Lade des HERRN her und bliesen immerfort die Posaunen; und die Kriegsleute gingen vor ihnen her, und das übrige Volk folgte der Lade des HERRN und man blies immerfort die Posaunen. 14 Am zweiten Tage gingen sie auch „einmal“ um die Stadt und kamen zurück ins Lager. So taten sie sechs Tage.

 Bisher war alles nur Vorspiel. Vorbereitung. Jetzt folgt der Bericht über die Durchführung der Anordnungen des HERRN. Denn es sind seine Anordnungen. Josua ist nur der Befehlsweitergeber, nicht der, der selbst diese Eroberung inszeniert. Sechs Tage lang Umzug im Schweigen, nur die Posaunen werden geblasen.

 15 Am siebenten Tage aber, als die Morgenröte aufging, machten sie sich früh auf und zogen in derselben Weise siebenmal um die Stadt; nur an diesem Tag zogen sie siebenmal um die Stadt. 16 Und beim siebenten Mal, als die Priester die Posaunen bliesen, sprach Josua zum Volk: Macht ein Kriegsgeschrei! Denn der HERR hat euch die Stadt gegeben.

 Dann kommt der siebte Tag, an dem sich alles beschleunigt. Erstaunlich genug, dass es keine Rücksicht auf den Sabbat gibt. Dieser siebte Tag steht in starkem Kontrast zum siebten Tag der Schöpfung – da ist die Ruhe Gottes. Hier das Geschrei des Kriegsvolkes. Denn der HERR hat euch die Stadt gegeben. Auf diesen Satz kommt es der Erzählung an. Es stimmt nicht, was das Spiritual singt: „Joshua fit the battle of Jericho.“ Es ist der HERR, der die Stadt gibt. Josua schlägt keine Schlacht. Er und das Volk nehmen nur in Empfang, was Gott gibt.

 17 Aber diese Stadt und alles, was darin ist, soll dem Bann des HERRN verfallen sein. Nur die Hure Rahab soll am Leben bleiben und alle, die mit ihr im Hause sind; denn sie hat die Boten verborgen, die wir aussandten.

 Es ist eine Rede, die irgendwie den Gang des Geschehens bremst, die Ereignisse stört. Ihr Inhalt ist die Vollstreckung des Bannes: Alles in der Stadt ist Gottes Eigentum. Das ist fremd für unser Denken, dass sich das im Bann zeigen soll. Wir würden sagen: Es zeigt sich in der Verschonung. „Eine fremde Geschichte von einem fremden Gott“ weiterlesen

Kein Schofar kaufen!

Josua 6, 1 – 10

 1 Jericho aber war verschlossen und verwahrt vor den Israeliten, sodass niemand heraus- oder hineinkommen konnte. 2 Aber der HERR sprach zu Josua: Sieh, ich habe Jericho samt seinem König und seinen Kriegsleuten in deine Hand gegeben. 3 Lass alle Kriegsmänner rings um die Stadt herumgehen „einmal“ und tu so sechs Tage lang. 4 Und lass sieben Priester sieben Posaunen tragen vor der Lade her, und am siebenten Tage zieht siebenmal um die Stadt und lass die Priester die Posaunen blasen. 5 Und wenn man die Posaune bläst und es lange tönt, so soll das ganze Kriegsvolk ein großes Kriegsgeschrei erheben, wenn ihr den Schall der Posaune hört. Dann wird die Stadtmauer einfallen und das Kriegsvolk soll hinaufsteigen, ein jeder stracks vor sich hin.

 Der Blick wird zuerst auf Jericho gelenkt. Eine Stadt mit hohen, unübersteigbaren Mauern. Erst recht für dieses Volk, das aus der Wüste kommt. Keinerlei Erfahrungen hat im Kampf gegen so eine befestigte Siedlung. „Ein aus den Verhältnissen der Wüste kommendes Volk musste einer kanaanäischen Festung hilflos gegenüber stehen.“(H.W. Hertzberg, Die Bücher Josua, Richter, Ruth, ATD 9; Göttingen 1953, S. 39)

Was für eine Strategie! Eine feste Stadt soll erobert werden durch den Vorbeimarsch der Truppen an der Stadtmauer und das Blasen der Posaunen. Sieben Priester mit sieben Posaunen am siebten Tag. Sie sollen das Schofar blasen – keine Posaunen in unserem Sinn, kein militärisches Instrument. Sondern eines, das im Gottesdienst seinen Platz hat.

 Darum auch ist es müßig, über Schallwellen nachzudenken, die erzeugt werden und die so die Mauern zum Einsturz bringen könnten oder über Erschrecken der Feinde – es ist einfach eine Frage des Gehorsams: Glaubt er, was der HERR ihm sagt: Sieh, ich habe Jericho samt seinem König und seinen Kriegsleuten in deine Hand gegeben. Vertraut Josua dem Wort des HERRN, diesem Befehl, der jeder vernünftigen Strategie widerspricht? Aber es geht gar nicht um Eroberung, sondern um Entgegennehmen – nehmen, was Gott gegeben hat. „Diese Soldaten haben vor Jericho nicht zum Kampf, sondern zur Feier anzutreten.“(H.W. Hertzberg, Die Bücher Josua, Richter, Ruth, ATD 9; Göttingen 1953, S. 40) „Kein Schofar kaufen!“ weiterlesen