Wer soll umkehren?

Maleachi 3,6 – 12

 6 Ich, der HERR, wandle mich nicht; aber ihr habt nicht aufgehört, Jakobs Söhne zu sein: 7 Ihr seid von eurer Väter Zeit an immerdar abgewichen von meinen Geboten und habt sie nicht gehalten.

 Gott ist treu. Gott ist sich treu. Gott ist nicht heute so und morgen ganz anders. Auf ihn ist Verlass. Aber – das ist Gottes Anklage: Ihr seid nicht, wie ihr es sein sollt und sein könnt. Ihr lebt unter dem Niveau, dass ich euch zugedacht habe. Es ist eine harte Kritik: Der Stammvater Jakob war ein Täuscher und Betrüger und ihr seid von seiner Art. Es ist eine eigenwillige Lektüre der Jakobs-Erzählung, die hier sichtbar wird: Nicht sein zähes Festhalten an der Verheißung ist im Blick, sondern sein Tricksen und Täuschen, seine Wandelbarkeit bis hin zur Falschheit. Was bei ihm sichtbar wird an Winkelzügen, List, Wandlungen, das hat Israel als Treulosigkeit und Ungehorsam immer neu wiederholt.

Manchmal denke ich, dass das der Lernweg ist, der uns abverlangt wird: Aus einer Religiosität, aus einem Glauben heraus zuwachsen, der Gott nur um unseretwillen suchen. Weil es mir Vorteile bringt, weil es gut für mich ist, weil Gott es bringt. So sieht es ja bei Jakob am Anfang. So unterstellt es der Satan auch Hiob: „Meinst du, dass Hiob Gott umsonst fürchtet? Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, ringsumher beschützt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Besitz hat sich ausgebreitet im Lande. Aber strecke deine Hand aus und taste alles an, was er hat: was gilt’s, er wird dir ins Angesicht absagen!“ (Hiob 1,9-11)

 

Hineinwachsen aber sollen wir in einen Glauben, der Gott um Gottes willen sucht, der nichts will als Gott selbst. „Wenn ich nur dich habe, frage ich nicht nach Himmel und Erde“ (Psalm 73,25) An Gott festhalten, selbst wenn er mich in die Hölle schickt. Ich schaue mich an und weiß: Das ist noch ein weiter Weg, bis mein Glaube so tief in Gott verankert ist. Und ob ich je so weit kommen, ich weiß es nicht.

 

 So bekehrt euch nun zu mir, so will ich mich auch zu euch kehren, spricht der HERR Zebaoth.

 Aber diese Kritik ist nicht das letzte Wort. So seid ihr – sagt der Prophet – und ruft doch im Namen Gottes zur Umkehr. Der Ruf zur Umkehr gilt nicht makellosen Leuten. Er gilt denen, die sich abgekehrt haben, ihre eigenen Wege und Ziele verfolgt haben, denen Gott oft genug nur ein Mittel für ihre Zwecke war. Es gilt zu hören auf diesen Ruf, weil dahinter die Verheißung groß ist: so will ich mich auch zu euch kehren. Indem Gott so ruft, macht er den Weg frei und sichert seine Zuwendung zu, dem, der sich rufen lässt.

 Ihr aber sprecht: »Worin sollen wir uns bekehren?« 8 Ist’s recht, dass ein Mensch Gott betrügt, wie ihr mich betrügt? Ihr aber sprecht: »Womit betrügen wir dich?« Mit dem Zehnten und der Opfergabe! 9 Darum seid ihr auch verflucht; denn ihr betrügt mich allesamt.

 Immer noch trifft das Rufen Gottes auf begriffsstutzige Hörer. »Woran sehen wir, dass du uns lieb hast?- »Wodurch verachten wir denn deinen Namen?« »Womit opfern wir dir denn Unreines?« – »Womit machen wir ihn unwillig?« – »Womit betrügen wir dich?«. Fragen, die eine Unschuld beteuern, die es nicht gibt. Es gehört zur Eigenart dieses Propheten Maleachi, dass er die Worte des Volkes aufnimmt, mit denen es die Anklagen Gottes abzuwehren versucht und sie dann entkräftet.

 Wir doch nicht – das ist der Chor bis heute. Es gehört zum guten Ton, seine Hände in Unschuld zu waschen, sich als unbeteiligt zu verstehen, überhaupt nicht begreifen zu wollen, was denn der andere hat. Darum fragen sie auch: »Worin sollen wir uns bekehren?« Wer gelernt hast zu sagen: Ich bin o.k. – Du bist o.k., der versteht diese Rufe Gottes zur Umkehr nicht. Umkehr – das ist doch nur etwas für die, die auf falschen Wegen sind – Räuber, Diebe, Mörder, Gewalttäter, Huren… Aber für uns doch nicht.

Die Kritik aber ist hart – und konkret: Die Lust, den Zehnten abzuliefern, ist überschaubar. Auch bei Nehemia finden sich deutliche Hinweise darauf, dass man sich um diese Zahlungen drücken wollte. „Und ich erfuhr, dass die Anteile der Leviten nicht eingegangen waren und deshalb die Leviten und Sänger, die den Dienst ausrichten sollten, fortgegangen waren, ein jeder auf sein Land. Da schalt ich die Ratsherren und sprach: Warum wird das Haus Gottes vernachlässigt?“ (Nehemia 13,10-11) Es wird so sein, wie es bis heute ist: Gerade die gehören zu den Drückebergern, damals beim Zehnten wie heute bei der Steuer, die eher wohl begütert sind.

 10 Bringt aber die Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, auf dass in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der HERR Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle. 11 Und ich will um euretwillen den »Fresser« bedrohen, dass er euch die Frucht auf dem Acker nicht verderben soll und der Weinstock auf dem Felde euch nicht unfruchtbar sei, spricht der HERR Zebaoth.

 Ich übertrage einmal für mich: Das Geheimnis gesegneten Lebens ist die Freigiebigkeit, ist das Hingeben, das Loslassen. Nicht für sich selbst behalten wollen. Wer Gott gibt, wird nicht arm. Der Zehnte dient ja handfest dem Betrieb des Tempels, dem Unterhalt der Priester und Leviten. Weil sie sich nicht um ihren Lebensunterhalt kümmern müssen, haben sie Zeit zur Fürbitte, zur Seelsorge, zum Opfer. Frühe Vorbilder für die Freistellung von der Mühe um den Lebens-Unterhalt, die bis heute das Pfarrer-Dasein in Deutschland prägt. Reichlich versorgt, um sich um andere sorgen und kümmern zu können.

 Auch wenn wir das heute nicht mehr so unmittelbar materiell sehen mögen. Geben macht glücklich. Helfen macht glücklich. Anderen Gutes tun macht glücklich – sagen die Psychologen. Aussteigen aus der Ich-Zentrierung, die Hinwendung zum anderen lernen – das lässt innerlich frei werden und oft genug auch äußerlich. Selbstvergessen. Und Gott – davon ist der Prophet überzeugt und das sagt er als Verheißung Gottes – Gott segnet so eine Lebenshaltung, die sich verschenken lernt.

 12 Dann werden euch alle Heiden glücklich preisen, denn ihr sollt ein herrliches Land sein, spricht der HERR Zebaoth.

 Wo Menschen so miteinander leben, wo das zur Wirklichkeit eines Volkes wird, Achtsamkeit füreinander, Aufmerksamkeit den Schwachen, Respekt den Geringen, Hilfe den Hilflosen, da wird das Land hell und weit, gewinnt es Strahlkraft. „Seht, wie lieb sie einander haben“ haben die kritischen Beobachter der jungen Christenheit gesagt und es war ein großer Anreiz zum Glauben.

 Mission by attraction heißt das in der heutigen Sprache. Wo das Volk Gottes Gottvertrauen lebt und nicht nur redend beschwört, da wird es attraktiv.

Heiliger Gott                                                                                                                             Du sorgst für uns                                                                                                                    Du gibst                                                                                                                              was wir zum Leben nötig haben                                                                                              Du willst uns die Sorglosigkeit lehren aus der Erfahrung Deiner Fürsorge.

So willst Du uns frei machen von der Sorge um uns selbst                                               Du willst unseren Blick hinlenken zu denen                                                                           die unsere Sorge brauchen                                                                                                 Hilf uns durch Deinen Geist zu solchem Zutrauen zu Dir. Amen