Wegweiser und Wegweisung

Maleachi 2, 1 – 16

 1 Und nun, ihr Priester, dies Wort gilt euch: 2 Wenn ihr’s nicht hören noch zu Herzen nehmen werdet, dass ihr meinem Namen die Ehre gebt, spricht der HERR Zebaoth, so werde ich den Fluch unter euch schicken und verfluchen, womit ihr gesegnet seid; ja, verfluchen werde ich euren Segen, weil ihr’s nicht wollt zu Herzen nehmen. 3 Siehe, ich will euch den Arm zerbrechen und den Unrat eurer Festopfer euch ins Angesicht werfen, und er soll an euch kleben bleiben.

 Die Priester sind massiv beteiligt an der Entwertung des Opfers. Sie lassen es durchgehen, warum auch immer, dass „Unrat“ auf dem Opfertisch landet. Darum werden sie zur Umkehr gerufen. Ihre Umkehr wäre: Die Reinheit des Opfers wahren. Bleiben sie ihren Dienst schuldig, so wenden sich ihre Taten und ihre Worte gegen sie. Wenn sich Segen in Fluch verwandelt, wenn das Opfer nicht mehr rettet, dann ist kein Ausweg mehr. Das macht diese Worte so bitter ernst.

 “Wenn das Salz nicht mehr salzt, ist es zu nichts mehr nütze.”(Matthäus 5,13) Wo das Evangelium schal geworden ist, stumpf und leer, da bleibt nichts Rettendes mehr übrig. Manchmal überfällt mich abgrundtiefe Angst, wenn ich das bedenke – im Blick auf mein eigenes Reden, Lehren, Beten, aber auch im Blick auf den Weg der Kirche.

 4 So werdet ihr dann erfahren, dass ich solches Wort über euch habe ergehen lassen, damit mein Bund mit Levi bestehen bleibe, spricht der HERR Zebaoth. 5 Denn mein Bund mit ihm war, dass ich ihm Leben und Frieden gab, und ich gab ihm Furcht, dass er mich fürchtete und meinen Namen scheute. 6 Verlässliche Weisung war in seinem Munde, und es wurde nichts Böses auf seinen Lippen gefunden. Er wandelte vor mir friedsam und aufrichtig und hielt viele von Sünden zurück. 7 Denn des Priesters Lippen sollen die Lehre bewahren, dass man aus seinem Munde Weisung suche; denn er ist ein Bote des HERRN Zebaoth.

 Wenn es so kommt, ist das ganz und gar nicht der Wille Gottes. Der Wille Gottes mit den Priestern, mit Levi ist Leben, Frieden, Gottesfurcht. Und das war die gute Zeit Levis, als er sich der verlässlichen Weisung anvertraute und sie als Wort Gottes weitergab an das Volk. Darum gibt es Priester, dass sie die Lehre bewahren, dass man aus seinem Munde Weisung suche, und dass diese Suche nicht vergeblich ist.

 Damit das so ist, braucht es die Treue der Priester, dass sie hören, dass sie sich ganz dem Willen Gottes hingeben, dass sie nicht sagen, was jeder sich ohnehin selbst sagen kann, sondern abhängig werden und abhängig bleiben vom Wort des HERRN. Priester sollen nicht auf eigenes Gutdünken hin reden. Davon kann keiner leben. Sie sollen nur eines sein: ein Bote des HERRN Zebaoth.

 8 Ihr aber seid von dem Wege abgewichen und habt viele zu Fall gebracht durch falsche Weisung und habt den Bund mit Levi verdorben, spricht der HERR Zebaoth. 9 Darum habe auch ich euch verächtlich und unwert gemacht vor dem ganzen Volk, weil ihr meine Wege nicht haltet und die Person anseht, wenn ihr Weisung gebt.

 Daran sind sie schuldig geworden, dass sie falsche Wegweiser waren. Sie haben an die Stelle der Weisungen Gottes Worte nach dem eigenen Denken gesetzt. Sie haben es nicht ausgehalten, bei dem schlichten Wort zu bleiben, zu warten auf die Weisung und statt dessen gesagt, was „man“ so sagt. Das Gericht besteht darin, dass irgendwann das Volk sagt: Priestergewäsch. Das können wir uns auch selbst sagen.

 Kann es sein, dass sich in der Abwendung der Menschen von der Kirche, im tausendfachen Gehen und nicht mehr Kommen auch dies zeigt: Das können wir uns auch selbst sagen. Wenn ich von einer Kanzel nur noch höre, was ich auch in jeder X-beliebigen Talk-Show hören kann, warum soll ich noch in den Gottesdienst komme? Weil wir das Wort Gottes schuldig bleiben, haben wir den Leuten nichts mehr zu sagen. So gelesen ist dieses Wort über Levi eine ernste Anfrage, der ich mich zu stellen habe.

 10 Haben wir nicht alle “einen” Vater? Hat uns nicht “ein” Gott geschaffen? Warum verachten wir denn einer den andern und entheiligen den Bund mit unsern Vätern? 11 Juda ist treulos geworden, und in Israel und in Jerusalem geschehen Gräuel. Denn Juda entheiligt, was dem HERRN heilig ist und was er lieb hat, und freit eines fremden Gottes Tochter.

 Das gehört zum Kernbestand des Glaubens Israel: Wir haben “einen” Vater – Gott. Einer ist unser Schöpfer – Gott. Israel ist die Schöpfung Gottes, ist, was es ist, durch Gottes Erwählen. Davon erzählt der Exodus, davon erzählt der Sinai-Bund. Aber nun – so fragt der Prophet – halten wir uns an diese Erwählung? Entsprechen wir ihr? Die Antwort ist ein bitteres Nein. Juda ist treulos geworden. Dieses Eingeständnis ist umso schlimmer, weil es ein Volk betrifft, das doch im Untergang und Exil die Folgen seiner Treulosigkeit schon zu tragen hatte. Haben sie denn gar nichts gelernt aus diesen bitteren siebzig Jahren und der dürren Zeit danach?

 Es ist ein Bild aus der Anklage der vorexilischen Propheten, das hier aufgenommen wird: Juda freit eines fremden Gottes Tochter. Ist damit direkter Götzendienst gemeint – Astarte-Statuen oder andere Götterstandbilder im Tempel? Oder wird das angesprochen, was auch bei Esra (Esra 9,3ff) und Nehemia (Nehemia 13,23ff) eine so große Rolle spielt: Die Ehe mit Nicht-Israelitinnen, die anderen Göttern glauben und die so indirekt den Glauben an den HERRN allein gefährden? Diese „Fremd-Ehen” stehen ja im Gegensatz zum althergebrachten Gebot.(2. Mose 34,16; 5. Mose 7,3) 

 12 Aber der HERR wird den, der solches tut, ausrotten aus den Zelten Jakobs mit seinem ganzen Geschlecht, auch wenn er noch dem HERRN Zebaoth Opfer bringt.

Darum ist es konsequent: Wer in solcher Ehe lebt, schließt sich durch sein Handeln selbst aus dem Volk aus. Er mag tausendmal als Jude geboren sein. Er mag Opfer bringen, wie er will. Sein Handeln wiegt schwerer.

 13 Weiter tut ihr auch das: Ihr bedeckt den Altar des HERRN mit Tränen und Weinen und Seufzen; aber er mag das Opfer nicht mehr ansehen noch etwas Angenehmes von euren Händen empfangen. 14 Ihr aber sprecht: »Warum das?« Weil der HERR Zeuge war zwischen dir und der Frau deiner Jugend, der du treulos geworden bist, obwohl sie doch deine Gefährtin und die Frau ist, mit der du einen Bund geschlossen hast.

 Maleachi bleibt beim Thema Ehe. Aber er hängt es, auf den ersten Blick seltsam auf. Es gibt ein Klagen und Seufzen über die Opfer, die nichts „bringen“, nichts „bewirken“. Warum bleibt das so ohne Echo, dass wir Gott suchen? So mag mancher gefragt haben.

 Die Antwort des Maleachi ist: Das hat mit eurem Verhalten in der Ehe zu tun. Neben die Warnung vor der Ehe mit der Frau aus dem fremden Volk tritt die Mahnung zur Treue in der Ehe mit der Israelitin, der Frau deiner Jugend. Maleachi beklagt eine Praxis, die offensichtlich älter ist, als wir in unseren modernen Zeiten vermuten: Es gibt schon in Israel den Trend zur Zweit-Frau. Die erste Frau wird verstoßen, verlassen, um einer anderen willen. So soll es nicht sein. Denn was auf dem Spiel steht, ist doch ein Bund, der vor dem HERRN als Zeugen geschlossen worden ist. So ruft der Prophet um ein Stehen zur Ehe, zu der Frau deiner Jugend – um Gottes willen!

 15 Nicht einer hat das getan, in dem noch ein Rest von Geist war. Denn er sucht Nachkommen, die Gott geheiligt sind. Darum so seht euch vor in eurem Geist, und werde keiner treulos der Frau seiner Jugend. 16 Wer ihr aber gram ist und sie verstößt, spricht der HERR, der Gott Israels, der bedeckt mit Frevel sein Kleid, spricht der HERR Zebaoth. Darum so seht euch vor in eurem Geist und brecht nicht die Treue!

 Wer noch einen Funken Verstand hat, der wird nicht so handeln. Was auch immer es an Motiven geben mag. Es ist eine ironische Frage des Propheten, wenn er als Motiv die Suche nach Nachkommen benennt. Aber – gibt es nicht das Beispiel Abraham? Er hat doch Sarah nicht verlassen! Gibt es nicht Isaak? Er hat Rebekka nicht verlassen! Gibt es nicht Jakob? Er hat doch Rahel nicht verlassen! Warum sollte einer also seine Frau verlassen, wenn er nach Nachkommen sucht? „Nachkommenschaft gehört nach orientalischem Verständnis zu den göttlichen Segensgaben. Sie ist aus einer gegen Jahwes Willen geschlossenen Ehe nicht zu erwarten! Treulosigkeit zahlt sich nicht aus.“ (H.Graf Reventlow, Die Propheten Haggai, Sacharja, Maleachi, ATD 25,2; Göttingen 1993, S. 149)

Hinter den Worten des Maleachi steht ein aufregender Gedanke – auch für uns heute: Was wir unseren Ehepartnern antun, verändert unsere Gottesbeziehung, macht uns Gott fremd. Es ist nicht nur die Schuld restriktiven Handelns der Kirche, dass es Leuten mit ungeklärten ehelichen Verhältnissen schwer fällt, den Weg zur Kirche zu finden. Es hat auch etwas von einer Selbstausschließung und einer Entfremdung, die aus der Ahnung entsteht: es ist nicht Recht, was wir tun. In einer Welt, in der Ehe zunehmend in Frage gestellt wird und die Treue in der Ehe fast wie doof wirkt, wirken diese Worte des Maleachi fremd. Aber vielleicht werden sie ja heilsam wirksam.

Himmlischer Vater                                                                                                                Du hast uns so viel gegeben                                                                                                   Deine Schöpfung                                                                                                                 das Leben                                                                                                                         Menschen an unserer Seite

Du hast uns Ordnungen gegeben                                                                                        die dem Leben dienen und es schützen                                                                           Dein Gebot                                                                                                                              die Ehe                                                                                                                                    ein Empfinden für Gerechtigkeit                                                                                             Deinen Frieden

Hilf uns doch                                                                                                                        dass wir aus diesen Gaben leben                                                                                       und in ihnen Deinen Güte preisen. Amen