Geiz ist nicht geil

Maleachi 1, 1 – 14

Dies ist die Last, die der HERR ankündigt für Israel durch Maleachi.

 „Ausspruch“ – so kann man auch übersetzen. Die Luther-Übersetzung wählt eine andere Möglichkeit: Last. Das macht von vornherein deutlich: Es geht nicht nur um Information, nicht um Ankündigungen von Neuigkeiten oder gar Nettigkeiten. Es gibt etwas zu tragen. Last – die Worte, die für Israel gesagt werden, muten ihm auch einiges zu. Sie sind dem Boten – Maleachi – auch Last.

 2 Ich habe euch lieb, spricht der HERR. Ihr aber sprecht: »Woran sehen wir, dass du uns lieb hast?« Ist nicht Esau Jakobs Bruder?, spricht der HERR; und doch hab ich Jakob lieb 3 und hasse Esau und habe sein Gebirge öde gemacht und sein Erbe den Schakalen zur Wüste. 4 Und wenn auch Edom spricht: Wir sind zerschlagen, aber wir wollen das Zerstörte wieder bauen!, so spricht der HERR Zebaoth: Werden sie bauen, so will ich abbrechen, und man wird sie nennen »Land des Frevels« und »Ein Volk, über das der HERR ewiglich zürnt«. 5 Das sollen eure Augen sehen und ihr werdet sagen: Der HERR ist herrlich über die Grenzen Israels hinaus.

Mit der Liebe ist es so eine Sache. Woran kann man sie sehen, sie spüren? Mit Worten ist es ja nicht getan bei der Liebe. Der Wahrheitsbeweis für seine Liebe ist das Handeln Gottes zugunsten Israel. Er lässt die Gegner nicht groß und stark werden, Esau nicht, Edom nicht. Dass Gott Israel gegenüber Edom bevorzugt, Jakob gegenüber Esau, ist Zeichen genug für seine Liebe.

Es zeigt sich auch: Diese Liebe Gottes ist nicht fair. Sie gilt nicht allen gleich. Das ist das Skandalöse an dieser Begründung, zumindest in unseren Ohren: Gottes Liebe ist nicht frei vom Ansehen der Person. Sie wählerisch. Sie gilt Jakob und Israel und sie gilt Esau und Edom nicht. Das ist eine ziemliche Zumutung für uns, die wir meinen, Gott müsste doch auf jeden Fall unserer Erklärung der Menschenrechte zustimmen: Alle Menschen sind gleich.

6 Ein Sohn soll seinen Vater ehren und ein Knecht seinen Herrn. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre? Bin ich Herr, wo fürchtet man mich?, spricht der HERR Zebaoth zu euch Priestern, die meinen Namen verachten.

 Die Argumentation setzt sich fort, sie fragt jetzt nach der Liebe des Sohnes, die sich zeigt in Achtung und Ehre. Woran erkennen wir Gottes Liebe – diese Frage wird gekontert: Bin ich Herr, wo fürchtet man mich? Suchen die Menschen nach den Taten der Liebe Gottes, so sucht Gott nach handfesten Zeichen seiner Ehrung durch die Menschen, durch sein Volk. Ausgerechnet bei den Priestern, die doch ständig Gottesdienste feiern, sucht er nach den Taten. Gelten Gottesdienste nicht als Taten, nicht als Tun? Und schlimmer noch: Die, die die Ehrfurcht vor Gott lehren und leben sollten, die beschuldigt der Prophet und durch ihn der HERR , dass sie Leute sind, die meinen Namen verachten.

 Ihr aber sprecht: »Wodurch verachten wir denn deinen Namen?« 7 Dadurch dass ihr opfert auf meinem Altar unreine Speise. Ihr aber sprecht: »Womit opfern wir dir denn Unreines?« Dadurch dass ihr sagt: »Des HERRN Tisch ist für nichts zu achten.« 8 Denn wenn ihr ein blindes Tier opfert, so haltet ihr das nicht für böse; und wenn ihr ein lahmes oder ein krankes opfert, so haltet ihr das auch nicht für böse. Bring es doch deinem Fürsten! Meinst du, dass du ihm gefallen werdest oder dass er dich gnädig ansehen werde?, spricht der HERR Zebaoth.

 Es ist eine kärgliche Opferpraxis. Sie glaubt, dass für Gott gut genug ist, wenn er bekommt, was blind, krank, lahm ist. Wenn es darum geht, einen hochgestellten Menschen für sich zu gewinnen, ist man da auch so geizig, knickerig? Oder ist für den Fürsten nicht das Beste gerade gut genug? Und Gott speisen wir ab – mit 2.-€ in der Kollekte. Aber jedes Kirchenkonzert kostet mehr an Eintritt, von Bundesliga-Spielen oder Rock-Konzerten oder Gala-Shows ganz zu schweigen! Es geht nicht um den materiellen Wert, sondern um die Haltung hinter solchem mickrigen Opfer.

 9 So bittet doch Gott und seht, ob er uns gnädig sei! Denn meint ihr, nachdem solches von euch geschehen ist, er werde euch gnädig ansehen?, spricht der HERR Zebaoth. 10 Dass doch einer unter euch die Türen zuschlösse, damit ihr nicht umsonst auf meinem Altar Feuer anzündet! Ich habe kein Gefallen an euch, spricht der HERR Zebaoth, und das Opfer von euren Händen ist mir nicht angenehm.

 Vor solcher Opferpraxis kann man nur noch die Türen verschließen. Maleachi stimmt ein in die Kritik am Opfer, am Kult, die sich daran entzündet, dass diese Art Opfer wie ein Abspeisen Gottes wirkt, das ihn in Wahrheit missachtet. Beklagt Amos die Leere der Gottesdienste, das Geplärr der Lieder (Amos 5,23), so beklagt Maleachi den Geiz, der Gott missachtet.

 Ein reiches Land wie die Bundesrepublik hält sich einiges zugute für sein Spendenaufkommen. Aber sind nicht die Spenden, die auch in der Weihnachtszeit bei großen Galas und Fernseh-Shows reichlich gesammelt werden, in Wahrheit doch nur kärgliche Alibi-Gaben, Freikäufe für das schlechte Gewissen, dass es uns so unverdient gut geht? Während weltweit Not und Elend und Hunger herrschen. Bei zwei Billionen privatem Vermögen sind selbst zehn Millionen Spenden ein Fliegenschiss an der Wand.

 11 Denn vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang ist mein Name herrlich unter den Heiden, und an allen Orten wird meinem Namen geopfert und ein reines Opfer dargebracht; denn mein Name ist herrlich unter den Heiden, spricht der HERR Zebaoth. 12 Ihr aber entheiligt ihn damit, dass ihr sagt: »Des Herrn Tisch ist unheilig, und sein Opfer ist für nichts zu achten.« 13 Und ihr sprecht: »Siehe, welch eine Mühsal!«, und bringt mich in Zorn, spricht der HERR Zebaoth, denn ihr bringt herzu, was geraubt, lahm und krank ist, und bringt es dar zum Opfer. Sollte mir solches gefallen von eurer Hand?, spricht der HERR. 14 Verflucht sei der Betrüger, der in seiner Herde ein gutes männliches Tier hat und es gelobt, aber dem Herrn ein fehlerhaftes opfert.

Was für ein Kontrast. Hier der Name Gottes, der weltweit Ehre findet und da ein lustloser Gottesdienst, der ihm Ehre, Respekt und Anbetung schuldig bleibt. Es erinnert mich daran, dass es da gar nicht so selten gibt – Gottesdienste, die routiniert heruntergefeiert und heruntergeleiert werden. „Für Gott ist das Beste gerade gut genug . Eine Exzellenz-Offensive“ das dürfte doch gar nicht nötig sein. Wer sich geliebt weiß, will doch mit gleicher Liebe antworten. So zeigt sich in solch lieblosem Opfer und Gottesdienst die Missachtung der Liebe Gottes und der Liebe zu Gott.

 Denn ich bin ein großer König, spricht der HERR Zebaoth, und mein Name ist gefürchtet unter den Heiden.

 Schlimmer noch: Bei den Heiden findet Gott die Ehre, die ihm sein Volk schuldig bleibt. Dass im Blick auf das Lob für die Heiden diese scheinheilige Opferpraxis in Israel noch einmal fast wortgleich zu 7-8 wiederholt wird, verschärft die Anklage noch. Damit zieht sich Israel den Zorn Gottes zu. Aber auch wenn sein Volk ihm die Ehre schuldig bleibt, ändert das nichts: Ich bin ein großer König, spricht der HERR Zebaoth. Das ist Zukunftsmusik im blick auf die Heiden und Kritik an der Gegenwart in Israel in einem.

 Mir fällt als eine neutestamentliche Entsprechung Jesu Erzählen vom großen Gastmahl ein. Die Missachtung seiner Einladung beantwortet der Gastgeber mit der Einladung an die Lahmen, Krüppel, die Menschen zweiter Wahl. Aber sein Fest lässt er sich nicht nehmen. Die ihn missachtet haben, schließen sich selbst von der Freude des Festes aus.

 Heiliger Gott                                                                                                                            hilf mir                                                                                                                                   dass ich Dich nicht abspeise mit ein bisschen Frömmigkeit                                                 mit der Teilnahme an Gottesdiensten und schönen Worten

Gib mir                                                                                                                                 dass ich Deinen Willen suche und tue                                                                               dass mein Handeln Dich ehrt                                                                                           dass mein Leben Dir gefallen kann                                                                                    dass ich Deinen Namen nicht missbrauche

Gib mir die richtigen Worte und hilf mir zu tun                                                                     was dem Leben dient und dem Glauben an Dich entspringt. Amen