Eine harte Gnade

Sacharja 13, 2 – 9

 2 Zu der Zeit, spricht der HERR Zebaoth, will ich die Namen der Götzen ausrotten aus dem Lande, dass man ihrer nicht mehr gedenken soll; dazu will ich auch die Propheten und allen Geist der Unreinheit aus dem Lande treiben.

 Im Land Gottes ist kein Platz für andere Götter, für Götzen. Es ist eine schmerzhafte Auseinandersetzung, die sich durch die ganze Geschichte Israels erstreckt. Es gibt nicht die Zeit des reinen Jahwe-Glauben, in der er allein das Vertrauen des Volkes hat. Es gibt immer nur den Kampf um diese Reinheit. Um dieser heiligen Einseitigkeit willen sollen auch alle anderen Propheten und aller Geist der Unreinheit aus dem Lande vertrieben werden. Wobei mir wieder wichtig erscheint: Das ist Gottes Werk und nicht die Aufgabe irgendeiner Glaubensbehörde. Wann immer Menschen die Reinheit es Glaubens herzustellen suchen, drohen Unmenschlichkeit und Intoleranz.

 3 Und so soll es geschehen: Wenn jemand weiterhin als Prophet auftritt, dann sollen sein Vater und seine Mutter, die ihn gezeugt haben, zu ihm sagen: Du sollst nicht am Leben bleiben; denn du redest Lüge im Namen des HERRN! Und es werden Vater und Mutter, die ihn gezeugt haben, ihn durchbohren, wenn er als Prophet auftritt.

 Davon legen auch diese Verse ihr Zeugnis ab. Vater und Mutter wenden sich von dem falschen Propheten ab. Wahr ist: Glaube ist nicht immer familien-verbindend. Er kann auch zu Trennungen führen. Das spiegelt sich auch in neutestamentlichen Worten. „Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein.“ (Lukas 14,26) Wie schrecklich aber, wenn aus solchen Worten regelrechte Säuberungsprogramme ihre hochmütige Rechtfertigung nehmen. Es sind Beschreibungen einer Tiefendimension, auch von Entfremdungs-Erfahrungen, aber in keinem Fall Handlungsanweisungen!

 4 Denn es soll zu der Zeit geschehen, dass die Propheten, wenn sie weissagen, in Schande dastehen mit dem, was sie geschaut haben, und sie sollen nicht mehr einen härenen Mantel anziehen, um zu betrügen; 5 sondern jeder wird sagen müssen: Ich bin kein Prophet, sondern ein Ackermann; denn vom Acker habe ich meinen Erwerb von Jugend auf. 6 Und wenn man zu ihm sagen wird: Was sind das für Wunden auf deiner Brust?, wird er sagen: So wurde ich geschlagen im Hause derer, die mich lieben.

 Es ist eine völlige Verkehrung. Aus dem hochgeachteten Amt der Propheten, aus dem geistlichen Dienst wird eine Farce. Das wird geradezu meisterhaft dargestellt an der Umkehrung der Berufungserfahrung des Amos. „Ich bin kein Prophet noch ein Prophetenjünger, sondern ich bin ein Hirt, der Maulbeeren züchtet. Aber der HERR nahm mich von der Herde und sprach zu mir: Geh hin und weissage meinem Volk Israel! So höre nun des HERRN Wort!“(Amos 7, 14-16) Amos wird von seinen Herden weg gerufen in seine prophetische Aufgabe. Diese falschen Propheten werden in Umkehrung dieser Berufung aus ihrem angemaßten Dienst ausgetrieben, um Ackerbauern zu sein. Und es ist Spott, wenn ihre Wunden, die sie sich in Ekstase zugefügt haben, für Spuren von Prügeleien erklärt werden, die sie sich auf Liebesabwegen eingehandelt haben.

 7 Schwert, mach dich auf über meinen Hirten, über den Mann, der mir der nächste ist!, spricht der HERR Zebaoth. Schlage den Hirten, dass sich die Herde zerstreue; und ich will meine Hand wenden gegen die Kleinen. 8 Und es soll geschehen in dem ganzen Lande, spricht der HERR, dass zwei Teile darin ausgerottet werden sollen und untergehen, und nur der dritte Teil soll darin übrig bleiben.

 Ist das erneutes Gericht? Oder ist es Deutung der Gerichte, die hinter dem Volk liegen? Prophetie schaut ja nicht nur nach vorne. Sie deutet auch Geschehen. Und es würde stimmen: Israel ist fast untergegangen und es ist nur ein Rest, der gerettet worden ist.

 9 Und ich will den dritten Teil durchs Feuer gehen lassen und läutern, wie man Silber läutert, und ihn prüfen, wie man Gold prüft. Die werden dann meinen Namen anrufen und ich will sie erhören. Ich will sagen: Es ist mein Volk; und sie werden sagen: HERR, mein Gott!

 Ein heiliger Rest bleibt übrig. An diese Rede vom Rest knüpft hier Sacharja mit dem Ausdruck vom dritten Teil an. „Hätte uns der HERR Zebaoth nicht einen geringen Rest übrig gelassen, so wären wir wie Sodom und gleich wie Gomorra.“(Jesaja 1,9) Immer wieder taucht das Wort vom Rest auf. Es ist eine Heilserwartung, die nicht an der Größe Israels orientiert ist, sondern an der Gnade Gottes. Aber – es ist eine harte Gnade. Der HERR wird durchs Feuer gehen lassen und läutern, wie man Silber läutert, und ihn prüfen, wie man Gold prüft.

 Auch hier gilt wieder: Wehe denen, die aus solchen Worten Programme ihres Handels gemacht haben, etwa zur Endlösung der Judenfrage. Es fällt zurück auf die Täter, die sich am Augapfel Gottes (2,12) vergreifen. Das gilt aber auch für alle anderen Säuberungsprogramme, die es in der Geschichte reichlich gegeben hat, innerparteiliche, innerstaatliche, rassische und natürlich auch für kirchlich und christlich motivierten Vorgänge. Sie maßen sich das Privileg Gottes an. Er allein darf Menschen prüfen und läutern.

 Es ist wie eine Fernwirkung des Sacharja, wenn Paulus schreibt: „Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird’s klarmachen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.“(1. Korinther 4, 11 – 15) Das Ziel aller Prüfungen ist nie der Untergang, sondern immer die Rettung. Und: Es ist Gott, der so prüft, der Backofen voller Liebe (M. Luther).

Das Ziel aber ist auch bei Sacharja deutlich benannt. Ich will sagen: Es ist mein Volk; und sie werden sagen: HERR, mein Gott! Das ist der Grundton der biblischen Botschaft, wieder und wieder. Bundesformel. Aber wie viele Emotionen Gottes werden hier in dieser Formel verborgen! „Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet’s; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.“ (Lukas 15, 22-24) Wir finden dieses Herzstück des Evangeliums eben nicht nur im Mund Jesu. Wir finden es, in unzähligen Variationen vorbereitet, schon in der Botschaft der Propheten, im ganzen Alten Testament.

Heiliger Gott                                                                                                                        bewahre uns davor                                                                                                             uns Deine Urteile anzumaßen                                                                                            das letzte Wort sagen zu wollen                                                                                          über Glauben und Unglauben                                                                                          Verwerfung und Heil

Lass uns festhalten                                                                                                           dass Du Dich freust über jeden                                                                                              der zur Umkehr findet                                                                                                            dass Du keinen verwirfst                                                                                                          der zu Dir kommt aus der Ferne und Fremde                                                                       in die er sich verlaufen hat

Lehre es uns                                                                                                                        dass wir wie Du die Arme weit ausbreiten                                                                         und willkommen heißen                                                                                                         die heimkehren                                                                                                                      Brüder und Schwestern                                                                                                      Wie sollten wir sonst selbst heimkehren können                                                            wenn wir nicht Deine offenen Arme auch für uns glauben? Amen