Er ist treu

2. Thessalonicher 2, 13 – 3, 5

 13 Wir aber müssen Gott allezeit für euch danken, vom Herrn geliebte Brüder, dass Gott euch als Erste zur Seligkeit erwählt hat in der Heiligung durch den Geist und im Glauben an die Wahrheit, 14 wozu er euch auch berufen hat durch unser Evangelium, damit ihr die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus erlangt.

 Gott sei Dank, möchte ich fast sagen. Jetzt geht es wieder um die Gemeinde. Der Blick löst sich von dem Bösen und der Brief sieht auf die Christinnen und Christen. Er sieht auf sie als auf die, die zur Seligkeit erwählt sind, die in der Heiligung durch den Geist und im Glauben an die Wahrheit dieser Erwählung auch entsprechen. Die Lebensführung der Christen hat, so gesehen, ein Fundament, das sie nicht selbst gelegt haben.

 Sie sind in dieses Leben berufen durch unser Evangelium. Das unserEvangelium zeigt etwas vom Selbstbewusstsein des Paulus, ähnlich wie im Brief nach Korinth (2. Korinther 4,3). Neben unserem Evangelium ist kein Platz für „ein anderes Evangelium.“(2. Korinther 11,4) Das ist die Sicht auf die Verkündigung: Sie stellt auf ein Lebensfundament, das in der Zeit trägt und in Ewigkeit hält. Sie ist mehr als ein Zeit-Kommentar.

 15 So steht nun fest, liebe Brüder, und haltet euch an die Lehre, in der ihr durch uns unterwiesen worden seid, es sei durch Wort oder Brief von uns.

 Darum kann der Apostel auch auffordern: Steht nun fest. Haltet euch an die Lehre. Wer das tut, greift nicht ins Leere.Es geht um Glaubensgewissheit und Heilsgewissheit. Sie lässt Paulus schreiben und sie soll entstehen – ob durch das gesprochene Wort oder den geschriebenen Brief. An einem Meinungsaustausch über religiöse Überlegungen liegt dem Apostel nichts. An der Festigung des Glaubens legt ihm alles.

 16 Er aber, unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung durch Gnade, 17 der tröste eure Herzen und stärke euch in allem guten Werk und Wort.

 Ist das jetzt versöhnlich? Mein Eindruck ist anders. Es ist das Signal, dass der Apostel weiß, dass es seine Worte nicht sind. Er mag zu Herzen reden. Er mag trösten. Aber das alles greift zu kurz, wenn nicht unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater selbst das Wort nimmt. Wenn er nicht aus den Worten des Apostels sein Wort macht, aus dem Trösten des Apostels seinem Trost, aus dem Stärken Wollen des Apostels seine Stärke, dann ist alles zu kurz geraten. Dann sind es immer noch gute Worte. Aber sie reichen nicht sehr weit.

 Es ist der sehr grundsätzliche Vorbehalt über aller Glaubensverkündigung, der hier anklingt. Wenn der Herr nicht das Wort nimmt und es wandelt in sein Wort, dann bleibt es Wort ohne Ewigkeits-Tiefe.

 Wenn der HERR nicht das Haus baut,                                                                                    so arbeiten umsonst, die daran bauen.                                                                                    Wenn der HERR nicht die Stadt behütet,                                                                                so wacht der Wächter umsonst.                                       Psalm 127, 1

Wenn der Herr nicht das Wort nimmt                                                                                   predigen die Verkündiger vergeblich                                                                                        bleibt es Wort ohne Kraft aus Gottes Heil

 3,1 Weiter, liebe Brüder, betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde wie bei euch 2 und dass wir erlöst werden von den falschen und bösen Menschen; denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding.

 Weil das so ist, sind die Apostel auf die Fürbitte angewiesen. Sie können viel laufen, rastlos unterwegs sein. Sie können predigen ohne Unterlass. Aber dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde, das können sie durch all das nicht bewirken. Das muss Gott schenken. Es ist der Einspruch gegen ein jederzeit verfügbares Evangelium, gegen ein jederzeit verfügbares Heil, der hier in der Bitte um die Fürbitte laut wird.

 Nein, wir haben das Evangelium nicht so, dass wir es Sonntag für Sonntag m 10.00 freigiebig austeilen könnten. Wir haben das Wort, das Glauben weckt nicht so, dass wir es von der Kanzel herunter verteilen könnten, dass es abrufbar wäre wie der Kontoauszug und verfügbar wie unsere Geldreserven. Es ist unverfügbar.

 Und es gilt auch für die Verkündigung des Wortes – in Wort und Tat(!):

Mit Sorge und mit Grämen und mit selbsteigner Pein                                                        lässt Gott sich gar nichts nehmen es muss erbeten sein                Paul Gerhardt 1653

 Das andere ist die Erinnerung, die Volkskirchen allzu gerne ignorieren: Der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Wir sind durch 15 Jahrhunderte christliches Abendland verwöhnt. Vielleicht aber haben wir auch nur nicht so genau hingeschaut. Da schien es ja anders. Man war Christ wie man fünf Finger an jeder Hand und fünf Zehen an jedem Fuß hatte. Und so wie es eine paar „Missgeburten“ mit nur vier Fingern und vier Zehen gab, so gab es wohl auch ein paar „Missgeburten“, die nicht glauben wollten – oder vielleicht doch auch nicht glauben konnten?

 Jedenfalls: Diese Zeiten sind vorbei. Heute zeigt sich der Unglaube selbstbewusst und lässt sich nicht mehr kirchlich vereinnahmen. Deshalb ist es auch gut, alle solche Versuche einzustellen. Es gibt Menschen, die wollen nicht glauben, an nichts als an sich selbst und ihre naturwissenschaftlichen oder sonstigen Einsichten. Es gibt auch Menschen, die scheitern am Glauben.

 Beide sind eine Aufforderung an die Christen zur Dankbarkeit. Wir haben uns doch den Glauben nicht selbst gegeben. Wir haben ihn uns nicht selbst gelehrt. Und alles,was wir gelernt haben, war noch nicht Glauben, sondern nur seine Außenseite. Dass ich glauben kann, darf, im Glauben unterwegs bin, ist Geschenk. Nichts als Gnade. Ich bin mir mit meinem Glauben ein Rätsel, ein Geheimnis, etwas zum Staunen. Und jeden Tag lebe ich davon, dass Jesus über mir wie über Simon Petrus sagt: „Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.“(Lukas 22,32)

 3 Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.

 Mit diesem Wort bin ich vor über 40 Jahren in einen unruhigen Reisedienst ausgesandt worden. Für einen etwas ängstlichen jungen Mann mit einer Menge Selbstzweifeln war es gut zu hören: Er ist treu. Es hängt nicht an Dir und deiner Klugheit, Gläubigkeit, Tapferkeit, Treue. Es hängt an ihm. Er bewahrt. Er stärkt. Das muss dir reichen Und er steht zu seinen Worten.

 4 Wir haben aber das Vertrauen zu euch in dem Herrn, dass ihr tut und tun werdet, was wir gebieten.5 Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi.

 Nach dem Vertrauen auf den Herrn kommt das Vertrauen auf die Christen zur Sprache. Das eine hält das andere. Das eine zeigt sich im anderen. Wer Gott vertraut, kann Menschen gegenüber nicht sein Misstrauen kultivieren. Allen Erfahrungen zum Trotz.

 Es ist nicht unsere Sprache: Ihr werdet tun, was wir gebieten. Für das Befehlen und Gebieten ist im Bereich unseres seelsorgerlichen Umgangs nicht allzu viel Raum. Und doch ist es wahr: Manchmal muss man jemand sagen: Das machst du jetzt. Das lässt Du jetzt. Ich bin froh, dass meine Ratschläge nicht immer nur unverbindlich so klingen: Ich sag mal, ich denk mal. Manchmal ist es dran zu sagen: Tue dies. Lass das.

 Es bleibt ja dann immer noch, dass Gott in solchem Raten und Befehlen seine Liebe sichtbar werden lässt, dass er sie nützt, um Herzen zu stärken und zu gewinnen. Alle unsere Worte, all unser Tun kann nur das Eine zum Ziel haben: Uns selbst und anderen dazu zu helfen, dass wir Herzen und Sinne auf die Liebe Gottes ausrichten, uns ausstrecken nach ihm.

 Weil ja wahr ist, was Augustinus gesagt hat: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir.“

Heiliger Gott                                                                                                                          wir sind aufeinander angewiesen –                                                                                         die das Wort sagen und die mit dem Wort leben                                                                 Wir brauchen die Fürbitte                                                                                                        in der wir treu für einander einstehen                                                                                       in der wir Dich in das Leben rufen                                                                                            in unsere kleinen Sorgen                                                                                                         in die vielen Entscheidungen                                                                                               Gespräche                                                                                                                      Ratlosigkeiten

Wir brauchen die anderen                                                                                                    die uns den Rücken stärken                                                                                             auch wenn wir alleine sind

Mache Du uns treu. Amen