Keiner soll trostlos bleiben

1. Thessalonicher 4, 13 – 18

 13 Wir wollen euch aber, liebe Brüder, nicht im Ungewissen lassen über die, die entschlafen sind, damit ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben.

 Es ist ein bedrängendes Thema: Was ist mit denen, die gestorben sind? Verpassen sie die Wiederkunft Christi? Sind sie womöglich nicht beteiligt an der Freude über sein Kommen? Fragen, die uns heute fremd vorkommen mögen, die aber so fremd auch uns nicht sind? Wie oft fragen Menschen auch heute: Wo sind denn die, die uns genommen worden sind? Werden wir sie wiedersehen? Werden wir sie wieder erkennen?

 Would you know my name /If I saw you in heaven?
Would it be the same / If I saw you in heaven?

I must be strong /And carry on
‘Cause I know I don’t belong / Here in heaven

Would you hold my hand / If I saw you in heaven?
Would you help me stand / If I saw you in heaven?

I’ll find my way / Through night and day
‘Cause I know I just can’t stay /Here in heaven

Time can bring you down / Time can bend your knees
Time can break your heart /Have you begging please
Begging please

Beyond the door / There’s peace, I’m sure
And I know there’ll be no more / Tears in heaven

Would you know my name / If I saw you in heaven?
Would it be the same / If I saw you in heaven?

I must be strong /And carry on
‘Cause I know I don’t belong / Here in heaven

‘Cause I know I don’t belong /Here in heaven                   Eric Clapton, Tears in Heaven

Es sind unsere Fragen, die sich so schon zwischen den Zeilen des Briefes nach Thessalonich finden. Es ist Seelsorge, die auf diese Fragen eingeht, und nicht ein Spekulieren über das, was wir nicht wissen können.

 14 Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, die entschlafen sind, durch Jesus mit ihm einherführen. 15 Denn das sagen wir euch mit einem Wort des Herrn, dass wir, die wir leben und übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, denen nicht zuvorkommen werden, die entschlafen sind.

Es braucht keinen Wettlauf zur Auferstehung. Und es gibt keinen Vorsprung für irgendjemanden bei der Ankunft des Herrn.Das ist wohl die Sorge: Die einen kommen früher als die anderen. Die noch leben, wenn der Herr wiederkommt, sind besser dran als die, die entschlafen sind.

Diesen Ängsten stellt Paulus nun aber nicht einfach seine Überzeugungen entgegen, sondern er begegnet ihnen mit einem Wort des Herrn. Das ist die letzte und höchste Autorität für Christen, damals wie heute. Wir kennen das Wort nicht, das Paulus hier anführt. Er zitiert ja nicht in gleicher Weise, wie wir das gewöhnt sind. Aus dem Zusammenhang heraus wird deutlich, was sein Inhalt sein muss: Wir, die wir leben und übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, werden denen nicht zuvorkommen, die entschlafen sind.

In einer ähnlichen Fragestellung argumentiert der Hebräerbrief, wenn auch genau umgekehrt, ohne Berufung auf ein Herrenwort:„Diese alle haben durch den Glauben Gottes Zeugnis empfangen und doch nicht erlangt, was verheißen war, weil Gott etwas Besseres für uns vorgesehen hat; denn sie sollten nicht ohne uns vollendet werden.“ (Hebräer 11, 39-40) Da ist die Sorge, salopp: Die besten Plätze sind schon weg. So geht es ja in der Welt zu. Wer zuerst kommt, der kriegt die besten Plätze, das beste Stück, den Auftrag. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ (Gorbatschow)

 Nein, sagen Paulus und der Hebräerbrief unisono, gestützt auf eigenes Nachdenken und auf das Wort des Herrn: Das Bild „Früher – später“ greift nicht, wenn es um die Auferstehung und Wiederkommen geht. Wir müssen uns aus unseren Zeitvorstellungen verabschieden. Dahinter steht wohl das Wissen: Wir können so etwas wie Ewigkeit ja gar nicht ordentlich denken. Wir kommen aus unserem Raum-Zeit-Schema nicht wirklich heraus. Wir reden von einer Wirklichkeit, die unser Denken und Begreifen und unsere Erfahrung übersteigt. Wer das anfängt zu verstehen, der kann dann auch auf Zeittabellen und Fahrpläne für die Ewigkeit getrost verzichten.

 16 Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen. 17 Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.

 Ein dreifaches Signal sieht, hört Paulus, wenn es „so weit“ ist: der Befehl ertönt, die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen… Vorstellungen, die aus der Tradition Israels kommen. Bilder. Wie wird es sein? Totaliter aliter. Ganz anders.

Es klingt nach einer geordneten Reihenfolge. Was mir daran gefällt: Es gibt kein Chaos. Es gibt kein wildes Losrennen. Erst die Einen, dann die Anderen. Aber das Ziel ist für alle gleich: So werden wir bei dem Herrn sein allezeit. Paulus ist kein Freund der Unordnung. Es ist seine tiefe Überzeugung: „Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.“(1. Korinther 14,33) Es ist für alle Platz und für jeden sein Platz.Es braucht kein Gedränge. Keiner kommt zu kurz oder zu spät. Darüber können die Thessalonicher sorglos sein, auch was ihre Toten angeht.

 18 So tröstet euch mit diesen Worten untereinander.

 Das ist das Ziel dieser Worte. Keiner soll ohne Trost bleiben. Keiner soll seine Hoffnung aufgeben. Keiner soll sich abquälen mit düsteren Gedanken. Trost und Hoffnung – diese beiden Worte rahmen die Überlegungen. Nicht Lehrgebäude werden hier hochgezogen. Es geht um Zuspruch, der ermutigt, tröstet, hoffen lässt. Diese Hoffnung angesichts des Todes unterscheidet Christen von Nichtchristen. Die Christen sind nicht traurig wie die andern, die keine Hoffnung haben. Damit das so ist, braucht es die geschwisterliche Ermutigung, den Zuspruch in der Gemeinde, das gegenseitige Tragen.

Heiliger Gott                                                                                                                             der Tod schmerzt uns tief                                                                                                      Er macht Angst im Blick auf das eigene Sterben                                                                   Er macht ratlos                                                                                                                     und wir wissen nicht                                                                                                              wo unsere Toten sind

Wie wird es sein mit der Auferstehung                                                                          Fragen über Fragen                                                                                                                Gib uns die Zuversicht                                                                                                            dass wir alle im Leben und im Tod in Deinen guten Händen sind                                           Gib uns das Vertrauen                                                                                                         dass Du uns festhältst                                                                                                         und keine und keiner Dir verloren geht. Amen