Mit-geteiltes Leben

1. Thessalonicher 2, 1 – 12

1 Denn ihr wisst selbst, liebe Brüder, wie wir Eingang gefunden haben bei euch: Es war nicht vergeblich; 2 denn obgleich wir zuvor in Philippi gelitten hatten und misshandelt worden waren, wie ihr wisst, fanden wir dennoch in unserm Gott den Mut, bei euch das Evangelium Gottes zu sagen unter viel Kampf.

Manchmal ist Erinnern angesagt. Damit es mit dem Evangelium in Saloniki weiter gehen kann, ist es gut, sich an den Anfang zu erinnern. Es war nicht vergeblich. Gemeint ist doch wohl: Reden, Predigen, Trösten, Ermutigen, Einladen, den Glauben anbieten. Was für eine Sicht auf die eigene Arbeit: Ich habe mich nicht umsonst gemüht. Was für eine Stärkung, wenn eine Gemeinde im Blick auf ihre Aktivitäten sehen kann: Was wir geplant, organisiert, auf den Weg gebracht haben, hat gefruchtet. Da sind neue Menschen, da ist neuer und gestärkter Glauben, neue Hoffnung und Zuversicht bei uns selbst und bei anderen.

Und das alles, obwohl es vorher in Philippi hart war. „Der Apostel kontrastiert seine unmittelbar voran gegangen Erfahrungen in Philippi mit seiner freimütigen und öffentlichen Evangeliumsverkündigung in Thessalonich.“ (T. Holtz, Der Erste Brief an die Thessalonicher EKK XIII; Neukirchen 1986, S. 67) In Philippi sind sie im Gefängnis gelandet und haben sich Schläge eingefangen (Apostelgeschichte 16, 16-40). Trotzdem sind sie nicht auf Tauchstation gegangen, sondern haben weiter mutig und freimütig das Evangelium Gottes gesagt.

Wieder einmal, wie häufiger bei Paulus, taucht das Wort παρρησία auf, wenn auch in der Verbform freimütig reden. Kampflos freilich ging es auch da nicht zu. Äußerlich und auch innerlich. Es braucht innere Kämpfe und den Rückenwind Gottes, um im Gegenwind dennoch für die Botschaft einzustehen. Von sich aus geht das nicht. Der Mut des Paulus und seiner Freunde schöpft aus dem Gottvertrauen.

3 Denn unsre Ermahnung kam nicht aus betrügerischem oder unlauterem Sinn noch geschah sie mit List, 4 sondern weil Gott uns für wert geachtet hat, uns das Evangelium anzuvertrauen, darum reden wir, nicht, als wollten wir den Menschen gefallen, sondern Gott, der unsere Herzen prüft. 5 Denn wir sind nie mit Schmeichelworten umgegangen, wie ihr wisst, noch mit versteckter Habsucht – Gott ist Zeuge -; 6 wir haben auch nicht Ehre gesucht bei den Leuten, weder bei euch noch bei andern 7 – obwohl wir unser Gewicht als Christi Apostel hätten einsetzen können -,

Das sind Abgrenzungen, einmal wohl nach außen, aber dann auch nach innen. Die christlichen Missionare sind wahrlich nicht die Einzigen, die mit Heilsbotschaften unterwegs sind. „Äußerlich unterschied sich Paulus nicht allzu sehr von den philosophischen Wanderpredigern, die als Beauftragte Gottes und Prediger rechter Lebensführung auf den Straßen und Gassen der Städte auftraten. Neben Idealisten und Weltverbesserern gab es auch Betrüger, die durch vorgetäuschte Wundertaten und Schmeichelreden Ehre und Geld bei den Zuhörern zu gewinnen suchten.“ (G. Friedrich., Der Erste Brief an die Thessalonicher, NTD 8; 1976, S. 222) Es ist wie heute auch: Auf dem Markt der Religionen und esoterischen Heilsversprechen erscheint die Botschaft der Christen wie eine von vielen. Es gibt kein christliches Monopol, das die Anderen zu achten hätten. Und die Christen stehen unter dem gleichen Verdacht, wie alle anderen sonst auch: Sie machen es nur für Geld. Es sind „Standardvorwürfe“(T. Holtz, Der Erste Brief an die Thessalonicher EKK XIII; Neukirchen 1986, S.71), die Paulus hier zurückweist.

 Aber Paulus und die Seinen grenzen sich hier scharf ab. Es geht um Lauterkeit in den Motiven und Lauterkeit in der Lebensführung. „Unser Leben redet lauter als die Worte, die wir sagen.“ Zumindest redet es immer mit – und die drei Schreiber wissen: Wir haben immer so gehandelt, geredet und gelebt, dass wir dem Rechnung tragen. Wir stehen für den Gott, der unsere Herzen prüft.

Das ist aber auch eine Abgrenzung nach innen. Paulus mit seinen Brüdern ist wahrlich nicht der einzige christliche Missionar. In anderen Briefen wird das noch deutlicher. Da gibt die scharfe Auseinandersetzung mit „Super-Aposteln“ und Heilsversprechen und geistlichen Sonderangeboten wie Himmelsreisen und Tiefen-Offenbarungen. Paulus hat nie versucht, sich mit solche Angeboten, er nennt sie Schmeichelworte, einzuschleimen. „Wer Gottes Wort verkündigt, darf den Menschen nicht nach dem Mund reden, sondern er muss sagen, was ihm Gott aufgetragen hat, es sei gelegen oder ungelegen.“ (G. Friedrich., Der Erste Brief an die Thessalonicher, NTD 8; 1976, S. 223) Und – Paulus hat auch mit seinem Predigen keine finanziellen Interessen verfolgt

sondern wir sind unter euch mütterlich gewesen: Wie eine Mutter ihre Kinder pflegt, 8 so hatten wir Herzenslust an euch und waren bereit, euch nicht allein am Evangelium Gottes teilzugeben, sondern auch an unserm Leben; denn wir hatten euch lieb gewonnen.

 So sind Paulus, Silas und Timotheus in Thessalonich gewesen: mütterlich, mit Herzenlust zugewendet, bereit, das Leben zu teilen Heute nennen wir das „Konvivenz“. Und wissen: Wo es nicht dazu kommt, dass Leben geteilt wird, bleibt die Mitteilung des Evangeliums eine bloße Information, die keine Tiefe gewinnt. Vielleicht ist das das große Problem aller Worte, die auf Hochglanz-Papier ins Haus flattern. Sie mögen noch so richtig sein. Dahinter steht aber kein mitgeteiltes Leben, sondern nur mitgeteiltes richtiges theologisches und vielleicht auch gesellschaftliches Wissen.

 Zugespitzt gesagt: Es gibt bei uns heute, in unserer Kirche, keinen Mangel an theologischen Papieren, geistlichen Worten, wohl aber einen Mangel an Konvivenz, geteiltem Leben.

 9 Ihr erinnert euch doch, liebe Brüder, an unsre Arbeit und unsre Mühe; Tag und Nacht arbeiteten wir, um niemand unter euch zur Last zu fallen, und predigten unter euch das Evangelium Gottes.

 So kann man nur schreiben, wenn man sicher sein kann, dass die Leser des Briefes nicht sagen: Da nehmen sie aber den Mund aber ganz schön voll. Sie sind sich sicher, dass ihr rastloser Einsatz in guter Erinnerung ist. Sie wissen ja: Wir sind niemand zur Last gefallen. Wir haben keinen beansprucht, für uns zu sorgen. Sondern wir haben vielmehr Tag und Nacht darum gesorgt, das Evangelium Gottes zu predigen, es weiter zu geben.

 10 Ihr und Gott seid Zeugen, wie heilig und gerecht und untadelig wir bei euch, den Gläubigen, gewesen sind. 11 Denn ihr wisst, dass wir, wie ein Vater seine Kinder, einen jeden von euch 12 ermahnt und getröstet und beschworen haben, euer Leben würdig des Gottes zu führen, der euch berufen hat zu seinem Reich und zu seiner Herrlichkeit.

Und noch einmal – so ist es manchmal in den Paulusbriefen, dass er keine Ende findet mit den Beteuerungen und Selbstrechtfertigungen – sagen sie es: heilig und gerecht und untadelig waren wir bei euch. Warum ist das so wichtig, das zu sagen? Ich denke, weil es ja darum geht, die Christen in Thessalonich zu einem Leben zu ermutigen, das genau so ist – heilig und gerecht und untadelig. Das ist ja das Ziel aller Ermahnungen und Ermutigungen, allen Tröstens, dass die Leser und Leserinnen jetzt leben in dem Stand, in den sie gerufen sind. In der Freiheit der Kinder Gottes. Leben als Leute, die dem Reich Gottes jetzt schon zugehören. Alle ethische Mahnung bei Paulus, auch in diesem Brief, zielt darauf hin: Lebt standesbewußt als „Reichsgenossen“. Zu Gott und seinem Reich zu gehören, verpflichtet zu einem Leben, das dem Reich entspricht.

Herr Jesus                                                                                                                                sich ganz darauf konzentrieren                                                                                        Menschen zu helfen                                                                                                         ihnen einen Weg zu zeigen                                                                                                   auf dem sie Dir nahe kommen können                                                                            ihnen Dich zu zeigen                                                                                                            der ihnen auf ihrem Weg entgegen kommt                                                                        das lehre mich durch Deinen Geist

Das sehe ich an Paulus                                                                                                    einen                                                                                                                                     der sich selbst vergessen kann                                                                                              weil er auf Dich hinweist                                                                                                         weil er in Dir das Glück des Leben sieht                                                                               das Geschenk Gottes                                                                                                         das die Ewigkeit aufschließt                                                                                                 für sich selbst und für andere

Hilf Du mir                                                                                                                              so auf Dich zu sehen und auf die Menschen                                                                         mit denen ich lebe. Amen