Die Wahl: Gott oder das Geld

Lukas 16, 10 – 13

 10 Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht. 11 Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer wird euch das wahre Gut anvertrauen?

 An diese schräge Geschichte schließt sich – fast klingt es wie eine Korrektur – eine Mahnrede zur Treue im Kleinen an. Ist es vorstellbar, dass der gleiche Jesus, der diese vorangehende Geschichte vom ungerechten Haushalter so moralfrei erzählt, auch mit solchen Sätzen mahnt? Das klingt ja nach Ermahnungen, wie sie ein Vater seinen Kindern zuteil werden lässt: Ihr müsst euch im Kleinen bewähren, bevor ihr größere Aufgaben anvertraut bekommt. Das ist so völlig in der soliden Logik eines bürgerlichen Lebens. Und das soll O-Ton Jesu sein?

 Der Inhalt der Mahnung ist klar: Es geht um die Treue und Bewährung. Es geht um Verlässlichkeit im Einstehen, um Verlässlichkeit im Umgang mit anvertrautem Gut. Wer etwas veruntreut, ist nicht verlässlich. Wer etwas nach eigenem Gutdünken verwendet, ist nicht verlässlich. An dem, was die Welt hoch schätzt, am Geld, gilt es doch nur zu lernen, was wirklich zählt: Den Umgang mit den anvertrauten geistlichen Gütern, mit der Kostbarkeit des Lebens.

 Das ist jetzt dann doch vielleicht wieder jesuanisch: Dass das Leben mehr ist als Hab und Gut, dass das Leben mehr ist als Reichtum und Geltung. Das wahre Gut ist das, was Gott uns anvertraut – Leben aus seiner Liebe.

 Vielleicht schwingt hier – bei der Frage der Verlässlichkeit – noch anderes mit. Es geht um die verlässliche Weitergabe des Evangeliums. Es geht um die Treue zum Wort, das empfangen worden ist. Darauf legt ja die erste Christenheit großen Wert: Weitergeben, was wir empfangen haben. Nichts dazutun, nichts weglassen. Nicht kluge Fabeln, nicht schöne Geschichten erzählen. Was treue Menschen einem anvertraut haben, weitergeben. Nichts dazu tun, nichts weglassen.

 12 Und wenn ihr mit dem fremden Gut nicht treu seid, wer wird euch geben, was euer ist?

 Das Wort bleibt immer fremdes Gut. Das Evangelium wird nie zum Eigentum derer, die es gehört haben, die es weitersagen. Es ist fremder Besitz, anvertraut, geliehen. Erst in der Treue zu diesem fremden Gut wird daraus auch eigener Lebensgrund und Lebensfundament.

 13 Kein Knecht kann zwei Herren dienen; entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

 Aber nun wendet sich das Wort doch wieder zurück – aus der „spirituellen Sphäre“ in die Niederungen der Realität. Reichtum hindert die Gottesliebe. Die Liebe zum Geld, zum Wohlleben hindert, den Weg Jesu zu gehen. Es ist ein entweder-oder, das zu schaffen macht – sicherlich damals nicht weniger als heute.

„Im damaligen Judentum war es gemäß Nachfolge- oder Besitzrecht nicht unmöglich, zwei Herren zu gehören. Dazu kommt, dass die Rabbis beim Nachdenken über die irdische und himmlische Welt gerne davon sprachen, dass die Menschen zwei Herren haben, einen irdischen und einen himmlischen.“ (F. Bovon Das Evangelium nach Lukas, EKK III/3; S. 94)

 Es mag ja sein, dass die erste Christenheit mehrheitlich eine Arme-Leute-Bewegung war. Aber damit ist das Problem dieser harschen Worte noch nicht erledigt. Es gab schon ein paar reiche Sympathisanten, rund um die Jesus-Bewegung.

 Lässt sich diese Spannung auflösen? „Haben als hätte man nicht“? (1.Korinther 7,29)„Alles verkaufen und den Armen geben – und so einen Schatz im Himmel erwerben?“ (18,22) Oder kommt man aus dieser Spannung nicht heraus – und muss den inneren Kampf aufnehmen, den Kampf um die innere Freiheit vom Besitz. „Immobilien machen im-mobil“ ist ein netter Spruch, um die Unbeweglichkeit von Kirche zu charakterisieren. Aber wenn man das Wort auch nur versuchsweise auf sich selbst anwendet, wird es deutlich unangenehmer.

 Jesus geht es um eine Entscheidung. Er stellt Leute vor die Wahl: Gott oder das Geld? Hinter mir her oder bleiben, wo ihr seid. Das Herz festmachen im Besitz oder es hingeben an mich. So schlicht – und darin doch so anspruchsvoll geht es hier zu.

 Jesus                                                                                                                                   Du lässt es nicht zu                                                                                                          dass wir ausweichen                                                                                                            Du lässt es nicht zu                                                                                                               dass wir unentschieden bleiben

Du stellst vor die Wahl                                                                                                        Gott oder die Götzen                                                                                                              Gott oder das Geld                                                                                                               Ich würde gerne auf sowohl-als auch plädieren                                                                    Du aber sagst:                                                                                                                       Wo Dein Schatz ist                                                                                                               da ist auch Dein Herz

Es ist Deine Liebe                                                                                                                   die so klar ist                                                                                                                          so scharf                                                                                                                                die so in die Entscheidung stellt

Darum bitte ich Dich                                                                                                          dass mein Besitz mich nicht besitzen darf                                                                         mich nicht besessen machen darf                                                                                          dass ich frei bleibe für Dich                                                                                                    In Dir. Amen