Schicksalsergeben – Lösungsorientiert?

Lukas 16, 1 – 9

 Es gibt in der Bibel schräge Geschichten. Diese Geschichte gehört dazu. Man wundert sich, dass Jesus so etwas erzählt. Aber vielleicht erzählt er deshalb auch „schräge“ Geschichten, damit seine Hörer sich nicht so leicht wohlig in fromme Gefühle einhüllen können.

Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz. 2 Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein.

 Jesus erzählt seinen Jüngern. Er will sie lehren, weil sie vorbereitet werden müssen auf Situationen, die sie sonst leicht überfordern könnten. Jesus erzählt vom Verleumden und der Wehrlosigkeit gegenüber Gerüchten. Es geht um Misswirtschaft und Perspektivlosigkeit, um das Herausfallen aus dem sozialen Netz der Sicherheiten und die Angst vor dem Absturz.

 Ein Gerücht macht die Runde. Irgendjemand hat etwas gesagt, ein anderer hat es aufgeschnappt, es ist weiter gegangen und schließlich ist es ganz oben gelandet. Der Chef hat gehört und muss handeln. Er bestellt den Betroffenen und sagt: ich habe gehört, Sie betrügen mich. Sie verschleudern mein Eigentum. Was sagen Sie dazu?

 Die Gerüchte wiegen schwer und sie zu entkräften scheint schier unmöglich. Es spielt gar keine Rolle, ob die Anklagen zu Recht oder zu Unrecht bestehen. Gerüchte können ein Lebensfundament zerstören. Sie sind nicht harmlos, sondern gefährlich. Sie sind ein tödlicher Angriff auf eine Existenz. So geht es dem Verwalter: Seine Lebensgrundlage wird zerstört. Er steht vor dem Nichts. Kein Ansehen mehr, Kein Einkommen mehr, kein Auskommen mehr. Perspektivlosigkeit pur. Es ist nur ein winziger Schritt bis zu dem Gefühl: Ich bin ganz ausgeliefert und habe keine Chance mehr.

 3 Der Verwalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln. 4 Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von dem Amt abgesetzt werde.

 Was nun? Klagen, um das eigene Ansehen und Recht kämpfen, den anderen sagen: Das habe ich nicht verdient. Ein unglaublicher Zorn kann sich ins Herz einbrennen. Bitterkeit sich festsetzen: Irgendwelche anonymen Leute machen mein Leben kaputt. Eine Menge Menschen finden keinen anderen Weg als die eigene Unschuld zu beteuern, zu beteuern, zu beteuern…

 Das können die Jünger von dem „ungerechten Haushalter“ lernen: Er sieht seine Situation ungeschminkt. Er weiß, wann es vorbei ist. Er macht sich nichts vor. Aber er verfällt nicht ins Klagen und fruchtlose und zugleich kraftraubende Jammern.

 Stattdessen macht er nüchtern Bilanz – aber nicht rückwärts, sondern nach vorne. Was kann ich nicht? Was kann ich? Was will ich nicht? Was will ich? Er schaut nicht zurück, sondern schaut auf seine Möglichkeiten. Er prüft nüchtern die Alternativen. Und so kommt er zu einem Entschluss.

„Graben kann ich nicht, betteln will ich nicht.“ Es ist in einem Leben, auch einem Christenleben schon viel gewonnen, wenn einer lernt zu sehen und sich selbst zu sagen, was er kann und was er will. Das ist die 2. Lektion, die die Jünger vom „ungerechten Haushalter lernen: Sich klar werden über das eigene Wollen und Können.

5 Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich, und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? 6 Er sprach: Hundert Eimer Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs fünfzig. 7 Danach fragte er den zweiten: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Sack Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig.

 Der Haushalter nützt den Spielraum, den er noch hat. Er wird nicht blind für seine Möglichkeiten, sondern nimmt sie entschlossen in Angriff, solange er sie noch hat. Aber: Was hier beschrieben wird, der Schuldenerlass, riecht nach Kriminalität. Wird da nicht der Herr regelrecht bestohlen? So hat man es lange gesehen: Schuldscheine werden gefälscht. Aber ist das so? Noch ist der Mann im Amt. Noch hat er als Verwalter Verfügungsrecht. Denn das ist ja seine Rolle: Er handelt selbstständig und auf eigene Verantwortung, aber mit der Vollmacht seines Herrn. Und aus dieser Vollmacht heraus erlässt er Schulden!

 Er nimmt die Last der hohen Zinsen von den Pächtern seines Herrn. Er ermöglicht ihnen ein Stück Freiheit und aufatmen. Das geht zu Lasten seines Herrn, aber es geht zugunsten der Pächter und kleinen Leute! Der „ungerechte Haushalter“ unterläuft die üblichen Wucherzinsen und dadurch verpflichtet er sich die Menschen. So gewinnen sie und er selbst eine Lebensperspektive.

 8 Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts. 9 Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.

 Genau darin lobt Jesus diesen Menschen! Er lobt ihn, weil er mit dem anvertrauten Gut das tut, was Leben eröffnet. Er lobt ihn, weil er durch seinen Schuldenerlass sich selbst und den anderen eine Lebensmöglichkeit eröffnet. Er ergreift seine Möglichkeit. Er sagt nicht nur: Man müsste, man sollte, wenn ich könnte, eigentlich… Er tut, was dran ist.

 Es gibt einen sehr einfachen und gleichwohl wahren Satz: „Allein gehst du ein.“ Wer auf einem Sack Geld hockt, aber keinen Menschen hat, der ist arm dran. Wer ein Haus mit allem Komfort hat, am schönsten Ort der Welt, aber er hat keinen Menschen, der nach ihm fragt und dem er fehlt, der ist arm dran. Wer alle Schätze der Welt hätte, aber er hat keinen, der sich mit ihm daran freut, der ist inmitten seines Reichtums arm dran.

 Das Gegenmodell heißt: Mache dir Freunde mit dem, woran du reich bist. Schenke es Menschen her, so dass sie mit dir davon Gewinn haben. Nimm den Reichtum deines Lebens nicht für dich allein – teile ihn. Und du wirst entdecken, dass du dabei nicht ärmer wirst. Dabei geht es nicht nur ums Geld – es geht genauso um unsere Fähigkeiten, um unsere Zeit, um unsere Kraft, um unser Herz, um uns selbst. Verweigere dich selbst nicht den anderen!

Spar deinen Wein nicht auf für morgen.
Sind Freunde da, so schenke ein!
Leg was du hast in ihre Mitte.
Durchs Schenken wird man reich allein. Gerhard Schöne

Die Kinder der Welt wissen, dass gegenseitige Wohltaten verpflichten! Auf diesem System baut die italienische Mafia sich auf. Auf diesem System werden politische Karrieren geschmiedet. Auf diesem System gegenseitiger Verpflichtung beruht ein Gutteil unserer beruflichen Beziehungen. Wer anderen nie gefällig ist, der steht irgendwann vor einer Wand von Paragraphen. Das weiß jeder, der in einer Behörde beschäftigt ist: Mit das Wichtigste ist, sich das wohlwollende Miteinander der Kollegen zu erarbeiten. Von dieser Klugheit der Kinder der Welt sollen die Kinder des Lichtes, also die Christen, lernen.

 Die letzte Lektion ist schlicht: Du wirst nicht alleine in den Himmel kommen. Keiner von uns schafft es alleine. Der Satz: Jeder ist sich selbst der Nächste ist im Blick auf den Himmel nicht nur gefährlich, sondern falsch. Der Weg in den Himmel steht nur da offen, wo einer nicht von seinem Reichtum auf der Erde festgehalten wird. Wer nach oben will, muss sich lösen können, von dem, was ihn unten hält. Und aller Besitz hat die fatale Eigenschaft, dass er schwer macht, unbeweglich, besessen. Die beste Möglichkeit, sich von den Reichtümern zu trennen, ist sie zu verschenken, loszulassen.

Jesus                                                                                                                                     Du bist mit offenen Augen durch die Welt gegangen                                                           Du hast Deine Jünger gelehrt                                                                                              damit zu rechnen                                                                                                                 dass es nicht immer fair zugeht                                                                                       dass es Verleumdungen                                                                                                        Gerüchte gibt                                                                                                                         die das Leben eng machen

Aber statt zu klagen                                                                                                             ins Nichtstun zu verfallen                                                                                                     auf die Wunder Gottes zu warten                                                                                             rätst Du:                                                                                                                                  Nutze Deine Zeit                                                                                                                 Nutze Deine Möglichkeiten                                                                                                Ergib Dich nicht in Dein Schicksal.

Teile, was Du hast und was Du kannst                                                                               damit Du Menschen gewinnst                                                                                                die Dir beistehen und die Dich nicht alleine lassen. Amen