Der Sucher

Lukas 15, 1 – 7

  Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. 2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.

Geht Jesus das Herz auf? Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören Das ist die Mitte seines Auftrages, das ist das Herzstück seines Lebens und seines Dienstes: Menschen, die von Gott weggekommen sind, will er wieder heimbringen zum Vater. Deshalb geht er zu den Verlorenen – deshalb wird er Mensch. Und deshalb wendet er sich denen zu, die am Leben, an ihrem selbst gemachten Leben, zerbrochen und gescheitert sind.

Die Auseinandersetzung mit den Pharisäern und Schriftgelehrten geht um dieses Herzstück seines Lebens. Sie sehen, was er tut, dass er Gemeinschaft stiftet. Mit diesen Leuten essen – das ist kein Ausrutscher, der einmal passiert. Es ist sein Programm. Er nimmt die an, die unannehmbar sind. Er setzt sich mit denen an einen Tisch, die ausgeschlossen sind vom Tisch Gottes, aus dem Haus Gottes. Er untergräbt damit ja nicht nur die Moral, sondern die Geltung des Gesetzes, das Bild von Gott.

 HERR, wer darf weilen in deinem Zelt?                                                                            Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berge?                                                                     Wer untadelig lebt und tut, was recht ist,                                                                                und die Wahrheit redet von Herzen,                                                                                       wer mit seiner Zunge nicht verleumdet,                                                                              wer seinem Nächsten nichts Arges tut und seinen Nachbarn nicht schmäht;                  wer die Verworfenen für nichts achtet,                                                                                 aber ehrt die Gottesfürchtigen.                       Psalm 15, 1 – 4

 Wollte irgendjemand das ernsthaft von den Zöllnern und sonstigen Sündern sagen, dass sie so leben? Dass sie mit ihrem Leben Wohnrecht erwerben bei Gott? Und wenn sie nicht so leben, schließen sie sich doch von selbst vom Zugang zu Gott aus!

3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: 4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er “eins” von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet?

 Das Bild ist klar: Ein Schaf in der Wüste wird zur Beute der Geier. Es hat keine Chance. Es ist verloren. Das wissen auch die Zuhörer Jesu. Die Frage heißt: Wer entspricht in der Realität des Lebens dem verlorenen Schaf?

 Verlorene Menschen sind weder damals noch heute nur die „Randgruppen“. Sie gelten vielleicht für verloren: Huren und Gangster, Homosexuelle und Randalierer, Terroristen und Fanatiker, die über Leichen gehen. Aber verlorene Leute in den Augen Jesu sind nicht nur da zu finden: Sie wohnen auch in Häusern, in denen es ordentlich zugeht. Sie sind auch in den Verwaltungen und stehen ihren Mann oder ihre Frau. Sie sitzen auch in der Kirchenbank und mancher trägt das Bundesverdienstkreuz.

 Verlorene Menschen – das sind alle die, die ihr Leben in die eigene Hand genommen haben und es nicht mehr aus der Hand Gottes empfangen wollen, die sich die Schuld ihres Lebens ausreden oder selbst vergeben oder verdrängen, die es nicht wahr haben wollen, dass Gott ihr Vater ist und sie sein Eigentum sein sollen und sein dürfen. Diese Verlorenen sucht Jesus – weil er sich nicht mit den Extra-Touren abfindet, die in den Abgrund führen, weil er nicht kalten Herzens zusehen kann, wie einer sein Leben und seine Ewigkeit vertut.

 5 Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude. 6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.

 Suchen macht Mühe. Suchen kostet Anstrengung. Der Hirte muss hinaus, dorthin, wo das Leben gefährdet ist. Er gibt sich selbst in die Gefahr. Alles nur, um sein Schaf zu finden. Der Ton im Erzählen Jesu legt nicht auf der Mühe des Suchens. Er liegt auch nicht auf der Mühe, die es macht, ein verlaufenes Schaf zur Herde zurück zu tragen. Er liegt auf der Freude des Findens. Diese Freude will geteilt sein, weil geteilt wächst die Freude ins Unermessliche.

 Der Hirte lädt zur Freude ein. Seine Nachbarn und seine Freunde. Jesus wirbt darum, dass Pharisäer und Schriftgelehrte sich von seiner Freude anstecken lassen, die er hat, wenn einer auch nur einen ersten Schritt nach Hause tut.

 Wann schlägt Dir das Herz höher – so fragt Jesus seine Zuhörer unausgesprochen. Und sie müssten heute wohl antworten: Uns schlägt das Herz höher, wenn wieder ein Stück Fortschritt errungen ist, wenn wieder ein Stück Leben erkämpft worden ist. Uns schlägt das Herz höher, wenn wieder eine Entscheidung gefallen ist, die Not wendet, die Menschen ein lebenswürdiges Dasein ermöglicht.

 7 Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über “einen” Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

 Jesus wirbt um die Freude, die einstimmen kann in die Freude Gottes. Es gibt nichts Größeres auf dieser Welt, als dass einer gefunden wird und sein Herz in die Hände Gottes legt. Es gibt nichts Größeres auf dieser Welt, als dass einer umkehrt von seinen eigenmächtig gewählten Wegen und einwilligt in den Weg Gottes mit ihm.

 Im Himmel sagt Jesus, und meint: bei Gott, dem Allmächtigen, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, ist Freude, wenn einer zurückfindet. Er ist nicht der Unbewegte, Unberührte, Unwandelbare. Gottes Herz schlägt hoch, wenn einer es wagt, “Vater, vergib mir“ zu sagen. Gottes Herz schlägt hoch, wenn einer den ganzen Zerbruch seines Lebens nimmt und damit seine Barmherzigkeit sucht. Und diese Freude will er, Gott, mit uns teilen. So menschlich redet Jesus von Gott.

 Jesus                                                                                                                                 Deine Freude ist Suchen und Finden                                                                                   Du trägst Verlangen nach allen                                                                                            die auf der Suche nach dem Leben                                                                                     unter die Räder gekommen sind                                                                                        müde geworden                                                                                                                     sich verrannt haben                                                                                                                  nicht mehr können                                                                                                          aufgeben möchten

Du suchst und gibst keinen auf                                                                                              Du nimmst sie auf Dich                                                                                                         nimmst sie mit auf den Weg zurück                                                                                     nach Hause                                                                                                                            in die Freude

Gib uns Anteil an Deiner Freude über Dein Finden. Amen