Jetzt ist Zeit zu helfen

Lukas 14, 1 – 6

 1 Und es begab sich, dass er an einem Sabbat in das Haus eines Oberen der Pharisäer kam, das Brot zu essen, und sie belauerten ihn.

 Wieder ist Sabbat und wieder ist Jesus zu Gast, bei einem Pharisäer. Er geht den Pharisäern nicht aus dem Weg. Er lässt sich einladen. Er lässt sich zu Gast bitten, auch wenn die innere Haltung derer, die da mit ihm beieinander sind, nicht die innere Haltung ist, die einem Gastmahl entspricht. Sie belauerten ihn. Jesus steht unter Beobachtung. Man weiß, dass er sich nicht immer so verhalten wird, wie es die Sitte und das Gesetz verlangen. Und so sitzen sie an einem Tisch mit ihm und fragen: Was wird denn diesmal sein?

2 Und siehe, da war ein Mensch vor ihm, der war wassersüchtig. 3 Und Jesus fing an und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern: Ist’s erlaubt, am Sabbat zu heilen oder nicht?

 Es ist eine auffallende Formulierung: Da war ein Mensch vor ihm…Wo kommt der Mensch her, der wassersüchtig ist? Ist er ein bestellter Kranker? Oder einer, der gekommen ist, weil er hörte, dass Jesus vor Ort ist? Jedenfalls – er ist da und mit ihm steht eine Frage vor Jesus. Sieht er nur die Not dieses Menschen, die nach der Überzeugung antiker Ärzte auch selbst verschuldet sein kann, weil sein Lebenswandel ausschweifend war? Oder lässt Jesus sich provozieren, weil er spürt, was die anderen denken? Oder ist es ihm egal, weil er einfach das tut, was er tun will?

 Jesus stellt die Frage, die in den Köpfen arbeitet. Er stellt in Frage, was sie längst entschieden haben. Der Sabbat ist heilig und der Kranke soll warten. Mit seiner Frage zeigt er: Ich weiß, worauf ihr wartet. Ich weiß, was in euren Köpfen vorgeht. Wird er heilen? – so fragt ihr. Jesus geht es nicht darum, diese Frage zur Diskussion zu stellen. Ihm geht es um die Alternative: Gesetz oder Barmherzigkeit. Ist der Sabbat ein Tag der Befreiung? Oder fällt das Gesetz des Sabbat aller Befreiung in den Arm?

 4 Sie aber schwiegen still. Und er fasste ihn an und heilte ihn und ließ ihn gehen.

 Sie geben keine Antwort. Wissen sie keine? Wollen sie nicht antworten? Spüren sie, dass sie schon mit der Frage verloren haben? Jesus beantwortet seine Frage auf seine Weise. Ob der Kranke sich seine Krankheit selbst zuzuschreiben hatte, spielt keine Rolle. Ob morgen nicht auch ein Tag gewesen wäre, ihn zu heilen, spielt keine Rolle. Jesus heilt den Kranken und entlässt ihn. Er steht nicht mehr im Mittelpunkt des Interesses, ist kein Objekt mehr für theologische Diskussionen. Er darf gehen.

5 Und er sprach zu ihnen: Wer ist unter euch, dem sein Sohn oder sein Ochse in den Brunnen fällt und der ihn nicht alsbald herauszieht, auch am Sabbat?6 Und sie konnten ihm darauf keine Antwort geben.

 Was bleibt, ist die Klärung mit den anderen Gästen. Jesus zeigt sich darin als einer, der bei den Propheten in die Schule gegangen ist. Er holt seine Gesprächspartner aus der Höhe der theologischen Diskussion herunter in die Alltagswelt. Wie ist es mit eurem Verhalten, wenn es einen Notfall gibt – bei dem eigenen Sohn, beim eigenen Vieh? Ist dann auch immer noch das Gesetz an erster Stelle oder gilt dann nicht auch bei euch: Not kennt kein Gebot. 

 Es ist eine Klärung in bereits bekannter Spur. Das Argument ist nicht neu. Jesus hat es an einen anderen Sabbat bei der Heilung eines anderen Kranken vor anderen Zuhörern schon einmal gebraucht. (Lukas 13,15) Jesus erhebt keinen Anspruch auf Originalität mit seinen Argumenten. Er scheut auch die Wiederholung nicht. Vielleicht dient die Wiederholung ja auch schlicht dazu, dass die Leser des Evangeliums sich das Argument besser behalten.

 Am Ende steht Schweigen. Aber nicht, weil Jesus sie tot geredet hat. Es ist ein Schweigen, weil es offen am Tage ist, wie sich die Gäste verhalten würden. Sie würden helfen. Da gibt es kein Herausreden. Und so ist das Helfen und Heilen Jesu „gerechtfertigt.“ .

begab sich, dass er an einem Sabbat in das Haus eines Oberen der Pharisäer kam, das Brot zu essen, und sie belauerten ihn.

  Jesus                                                                                                                                       es diskutiert sich leicht auf einer abstrakten Ebene                                                               Gebot oder Barmherzigkeit?                                                                                                Es diskutiert sich leicht                                                                                                         so lange wir das eigene Leben heraus halten können

Du aber ziehst alle Diskussionen in das Leben hinein                                                           Du fragst nach der Lebenstauglichkeit unserer Überzeugungen                                    Werturteile                                                                                                                 Entscheidungen

Du holst unser Denken in den Alltag                                                                                    Da gilt es                                                                                                                              dem Willen Gottes auf die Spur zu kommen

Danke                                                                                                                                   dass Du es uns nicht durchgehen lässt                                                                            wenn wir abheben in unseren Gedanken                                                                         Halte uns fest in der Wirklichkeit. Amen