Die Tür ist offen

Lukas 13, 22 – 30

22 Und er ging durch Städte und Dörfer und lehrte und nahm seinen Weg nach Jerusalem.

 Das ist so ein „Übergangssatz“ des Lukas, wie er ihn öfters hat, häufig auch ein wenig ausführlicher. Mit einem Satz fasst er Wege und Worte zusammen. Und er deutet: Jesus geht jetzt nicht mehr einfach umher. Sein Lehren ist zielgerichtet. Sein Weg ist schon zielgerichtet. Es geht nach Jerusalem. Und alles, was jetzt folgen wird, steht schon unter diesem Vorzeichen: Jerusalem.

 23 Es sprach aber einer zu ihm: Herr, meinst du, dass nur wenige selig werden? Er aber sprach zu ihnen: 24 Ringt darum, dass ihr durch die enge Pforte hineingeht; denn viele, das sage ich euch, werden danach trachten, wie sie hineinkommen, und werden’s nicht können.

 Wie kommt dieser Eine zu dieser Frage? Ist es der Blick auf die Jüngerschar? Ist es in Wahrheit eine Frage nach dem eigenen selig Werden? Das ist ja manchmal so, dass einer nach den anderen fragt, nach den vielen oder wenigen und in Wahrheit geht es um mich selbst. Jesus scheint so gehört zu haben – denn seine Antwort redet nicht über die vielen, sondern ist eine Aufforderung an die Hörer, also auch an den Fragenden.

Es ist ein schmaler Weg, es ist eine enge Pforte. Und es gilt, sich um den Weg und die Pforte zu mühen. Das ist keine Aufforderung, andere vom Weg zu schubsen,sich selbst den Zugang als Erster zu sichern. Es geht nicht um Wettlauf und Wettkampf. Aber es geht um Lauf und Kampf. Es geht um ein Bleiben auf dem Weg. Schwingt hier auch mit: Es geht darum, mit ihm auf dem Weg nach Jerusalem zu bleiben und sich nicht „in die Büsche zu schlagen“?

 25 Wenn der Hausherr aufgestanden ist und die Tür verschlossen hat und ihr anfangt, draußen zu stehen und an die Tür zu klopfen und zu sagen: Herr, tu uns auf!, dann wird er antworten und zu euch sagen: Ich kenne euch nicht; wo seid ihr her?

 Das Bild wechselt. Jetzt ist ein Hausherr im Blick, der abends die Tür verschließt. Wer dann draußen steht und Einlass begehrt, der hat nur dann noch Chancen, wenn er bekannt ist. Hier spielen uralte Worte mit hinein:

 HERR, wer darf weilen in deinem Zelt?                                                                                Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berge?                                                                   Wer untadelig lebt und tut, was recht ist,                                                                              und die Wahrheit redet von Herzen,                                                                                      wer mit seiner Zunge nicht verleumdet,                                                                                  wer seinem Nächsten nichts Arges tut                                                                                und seinen Nachbarn nicht schmäht;                                                                                       wer die Verworfenen für nichts achtet,                                                                                aber ehrt die Gottesfürchtigen;                                                                                           wer seinen Eid hält, auch wenn es ihm schadet;                                                               wer sein Geld nicht auf Zinsen gibt                                                                                       und nimmt nicht Geschenke wider den Unschuldigen.                                                            Wer das tut, wird nimmermehr wanken.                               Psalm 15, 1 – 5

 Tor-Einlass-Liturgien nennen wir das. Man macht die Tore der Stadt, der Burg nur für den auf, den man kennt, der deshalb vertrauenswürdig ist. So wird es auch sein, wenn es um Einlass in das Reich der Himmel geht: Es geht darum, ob wir bekannt sind und des Vertrauens Gottes würdig.

 26 Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und getrunken und auf unsern Straßen hast du gelehrt. 27 Und er wird zu euch sagen: Ich kenne euch nicht; wo seid ihr her? Weicht alle von mir, ihr Übeltäter!

 Bekanntschaft allein tut es nicht. `Wir haben Dich auf der Durchreise gesehen. Wir haben mit Dir auf den Straßen Galiläas gesprochen, gegessen, getrunken.’ Das wird nicht reichen. Es ist bei flüchtigen Begegnungen geblieben. Daraus ist kein Leben geworden, das im Gottvertrauen seine Gestalt gewonnen hat.

 Zum Kennen, auch zum Kennen Gottes, kommt es nicht durch die flüchtige Begegnung. Zum Kennen kommt es durch die Weggemeinschaft. Zum Kennen kommt es durch das Tun des Gerechten. Zum Kennen kommt es durch das geteilte Leben.

 28 Da wird Heulen und Zähneklappern sein, wenn ihr sehen werdet Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes, euch aber hinausgestoßen.

 Es gibt, so sagt Jesus ein zu spät Kommen. Und es gibt den Schmerz über die versäumten Lebenschancen. Es gibt ein Sehen, was möglich gewesen wäre und ein nicht mehr gut machen können. Draußen stehen, weil man den Zeitpunkt verpasst hat, weil man sich selbst ausgeschlossen hat. Das ist die erschreckende Botschaft dieser Worte Jesu: Der Weg nach Hause ist nicht für immer offen – Du kannst ihn versäumen.

 29 Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. 30 Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein.

 Das wäre doch schrecklich: Sehen, was möglich gewesen wäre. Sehen, wie sie aus allen Himmelsrichtungen kommen. Und nichts mehr ändern können. Sich nicht mehr einreihen können in die Schar der Wandernden.

 Es ist die wunderbare Verheißung Jesu an seine Leute, auf dem Weg nach Jerusalem. Es kommt zu einer Wallfahrt der Völker, weil sie sehen, wie der Tisch Gottes gedeckt ist, weil sie sehen, wie das Leben aus Gott wächst und blüht. Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen, und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem.“ (Jesaja 2, 2 – 3)

 Jesus nimmt dieses Prophetenwort auf seinem Weg auf und er deutet ihn damit, seinen Weg durch die Dörfer Galiläas. Dieser unscheinbare Weg nach Jerusalem ist die Eröffnung der Völkerwallfahrt. Das ist entweder Größenwahnsinn oder es ist eine Verheißung, die einem das Herz und den Glauben abgewinnt. Aber Du und ich, wir sind auf diesen Weg eingeladen.

Jesus                                                                                                                                       Du machst die Tür weit auf                                                                                                    Du rufst auf den Weg in das Reich                                                                                      Du sammelst Weggefährten

Keiner soll zurück bleiben                                                                                               keiner muss zurück bleiben                                                                                                 Es ist Deine Sorge                                                                                                            dass wir die Weggemeinschaft mit Dir versäumen

Jesus                                                                                                                                    halte mich auf dem Weg                                                                                                          Schritt um Schritt                                                                                                                   dass ich nicht müde werde                                                                                                    auf dem Heimweg zu bleiben                                                                                               weil die Tür offen ist. Amen

Ein Gedanke zu „Die Tür ist offen“

  1. Der Weg nach Hause ist nicht für immer offen, du kannst ihn versäumen. Wie ist das gemeint?
    Ich bekomme Angst, dass ich das versäumt habe.
    Für eine Antwort bin ich Ihnen dankbar und verbleibe

    mit freundlichen Grüssen
    Paul Dettling

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