Wertvoll

Hebräer 10, 1 – 18

 1 Denn das Gesetz hat nur einen Schatten von den zukünftigen Gütern, nicht das Wesen der Güter selbst. Deshalb kann es die, die opfern, nicht für immer vollkommen machen, da man alle Jahre die gleichen Opfer bringen muss. 2 Hätte nicht sonst das Opfern aufgehört, wenn die, die den Gottesdienst ausrichten, ein für alle Mal rein geworden wären und sich kein Gewissen mehr gemacht hätten über ihre Sünden? 3 Vielmehr geschieht dadurch alle Jahre nur eine Erinnerung an die Sünden. 4 Denn es ist unmöglich, durch das Blut von Stieren und Böcken Sünden wegzunehmen.

 Ist das Psychologie? Die Ahnung, dass es durch irgendwelche dinglichen Opfer nicht zur Gewissensberuhigung kommen wird? Die Ahnung, dass es zur Wiederherstellung einer zerstörten Beziehung mehr und Anderes braucht als ein bisschen Stierblut? Es ist ja wahr: Das immer wieder wiederholte Opfer lässt Skepsis wachwerden: Wird es denn nie reichen? Irgendwann muss es doch gut sein, muss die Vergangenheit doch schweigen. Schlusstrich. Es klingt modern: Die stetig wiederholten Opfer halten nur die Wunden offen und die Erinnerung an die Verfehlungen, um nicht gleich von Sünde zu reden, wach. Aber sie schaffen sie nicht aus der Welt.

 5 Darum spricht er, wenn er in die Welt kommt (Psalm 40,7-9): »Opfer und Gaben hast du nicht gewollt; einen Leib aber hast du mir geschaffen. 6 Brandopfer und Sündopfer gefallen dir nicht. 7 Da sprach ich: Siehe, ich komme – im Buch steht von mir geschrieben -, dass ich tue, Gott, deinen Willen.« 8 Zuerst hatte er gesagt: »Opfer und Gaben, Brandopfer und Sündopfer hast du nicht gewollt, sie gefallen dir auch nicht«, obwohl sie doch nach dem Gesetz geopfert werden. 9 Dann aber sprach er: »Siehe, ich komme, zu tun deinen Willen.« Da hebt er das Erste auf, damit er das Zweite einsetze.

 Es ist wie ein “fiktiver Dialog” im Himmel oder genauer: Auf dem Weg Jesu. Er redet mit dem Vater. Es ist die Grundentscheidung, die im Leben Jesu fällt: Es geht um den Willen Gottes. Nichts Anderes will Jesus, als was der Vater will. Nichts sonst sucht er auf dem Weg des Lebens, als den Willen des Vaters zu tun.

 Ja, Vater, ja, von Herzensgrund,
Leg’ auf, ich will dir’s tragen;
Mein Wollen hängt an deinem Mund,
Mein Wirken ist dein Sagen.                            Paul Gerhardt 1647

 Im Johannes-Evangelium hört sich das so an: „Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr den Menschensohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin und nichts von mir selber tue, sondern, wie mich der Vater gelehrt hat, so rede ich. Und der mich gesandt hat, ist mit mir. Er lässt mich nicht allein; denn ich tue allezeit, was ihm gefällt.“ (Johannes 8,28-29) Es ist schon auffallend, wie einig sich die Schriften des Neuen Testamentes an dieser Stelle sind: Jesus will nichts sein als der gehorsame Sohn.

10 Nach diesem Willen sind wir geheiligt ein für alle Mal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi. 11 Und jeder Priester steht Tag für Tag da und versieht seinen Dienst und bringt oftmals die gleichen Opfer dar, die doch niemals die Sünden wegnehmen können. 12 Dieser aber hat “ein” Opfer für die Sünden dargebracht und sitzt nun für immer zur Rechten Gottes 13 und wartet hinfort, bis seine Feinde zum Schemel seiner Füße gemacht werden. 14 Denn mit “einem” Opfer hat er für immer die vollendet, die geheiligt werden.

 Gehe ich zu weit: So wird das Gesetz erfüllt? In der Einheit des Willens Jesu mit dem Willen des Vaters kommt das Gesetz ans Ziel. Denn diese Einheit des Willens lebt nicht aus der Beugung unter einen fremden Willen, sondern aus der Liebe. Wo aber “die Liebe des Gesetzes Erfüllung ist”(Römer 13,10), ist das Gesetz ans Ziel gekommen ist, braucht es keine Opfer mehr.

 Ein Zeichen dafür, dass alles am Ziel ist, zeigt sich wieder mit dem Blick in den Himmel: Jesus Christus sitzt nun für immer zur Rechten Gottes. “Der Hebräer-Brief stellt uns vor das “Sitzend zur Rechten Gottes” und versteht von daher den Zwischenzustand der Gemeinde, die hier auf Erden wandelnd den erhöhten Herrn als Versöhner im Heiligtum hat.” (W. Löw, Der Glaubensweg des Neuen Bundes, Die urchristliche Botschaft 18, Berlin 1931, S.76) Was noch aussteht, ist Vollendung. Aber nichts grundsätzlich Neues mehr. Der Kampf ist entschieden.

Es ist ein martialisches Bild: seine Feinde werden zum Schemel seiner Füße gemacht. Die Schriften des Neuen Testamentes greifen schon einmal zu Bildern aus der Sprache des kriegerischen Triumphes. “Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.”(Kolosser 2,15) Und:In dem Namen Jesu sollen sich beugen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.”(Philipper 2,10) Und, als eine wörtliche nahe Wendung: “Denn er muss herrschen, bis Gott ihm »alle Feinde unter seine Füße legt«”(1. Korinther 15,25) Hier hat bei Paulus wie im Hebräer-Brief Psalm 110 – Königs- und Priesterpsalm in Einem – wieder die Vorlage geliefert. Es ist wohl eine leitende Überzeugung des Hebräer-Briefes: Dieser Psalm hat prophetisch von Jesus geredet und diese Prophetie ist jetzt schon im Himmel erfüllt.

 15 Das bezeugt uns aber auch der Heilige Geist. Denn nachdem der Herr gesagt hat (Jeremia 31,33-34): 16 »Das ist der Bund, den ich mit ihnen schließen will nach diesen Tagen«, spricht er: »Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben, und in ihren Sinn will ich es schreiben, 17 und ihrer Sünden und ihrer Ungerechtigkeit will ich nicht mehr gedenken.« 18 Wo aber Vergebung der Sünden ist, da geschieht kein Opfer mehr für die Sünde.

 Hier haben wir eine der seltenen Stellen, in denen in diesem Schreiben vom Heiligen Geist die Rede ist. Mir scheint typisch für den Brief, wie von ihm geredet wird. Der Geist bezeugt die Wirklichkeit des Himmels, die Wirklichkeit des Heils. Man könnte auch sagen: Der Geist bezeugt, dass sich die Prophetie erfüllt hat. Er macht aus den alten Worten, die ehrfürchtig, ob ihres Alters, verehrt werden, Worte, die aktuell gelten. Er deckt ihre Gültigkeit jetzt auf. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen.“ (Johannes 16, 12 – 14) So liefert das Zeugnis des Geistes kein neues Material, sondern es bezeugt die eine Wahrheit Gottes, die durch alle Zeit hindurch ihr Ziel erreicht hat und jetzt erreicht.

 Deine Hingabe                                                                                                                        Jesus                                                                                                                                       genügt                                                                                                                               Deine Hingabe macht den Weg frei                                                                                    Deine Hingabe kann Herzen gewinnen für den Vater

Ich danke Dir                                                                                                                        dass ich es Dir wert bin                                                                                                    dass Du Dich gibst um mich zu gewinnen                                                                           Dass Du Dich gibst um uns den Weg frei zu machen                                                             um es uns zu zeigen                                                                                                             wie wert wir geachtet sind

Gib Du                                                                                                                                 dass wir keinen Menschen für unwert achten                                                                         für den Du Dich doch gegeben hast. Amen