Von Bund zu Bund

Hebräer 8, 1 – 13

1 Das ist nun die Hauptsache bei dem, wovon wir reden: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der da sitzt zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel 2 und ist ein Diener am Heiligtum und an der wahren Stiftshütte, die Gott aufgerichtet hat und nicht ein Mensch.

 Im Himmel sind die Dinge schon klar: Jesus ist in die Herrlichkeit Gottes erhöht. Er sitzt zur Rechten Gottes. “Er erhält so die unmittelbarste Gottesgemeinschaft, die für einen Juden vorstellbar war.”(E. Grässer, Der Brief an die Hebräer, EKK XVII/1I; Neukirchen 1993; S.80) Er ist Hoherpriester am Heiligtum im Himmel. Dahinter steht wohl der Gedanke, der für die Zeit der Antike, ob Ägypten oder Griechenland oder auch Israel als altorientalische Weltanschauung überall gleich gilt: Die Wirklichkeit der irdischen Dinge ist nur ein Abbild der Wirklichkeit des Himmels. Es gibt unzählige bildliche Darstellungen, in denen der Himmel sich in den irdischen Verhältnissen spiegelt. Die wahre Wirklichkeit ist der Himmel . Die Erde ist nur Abbild. So denkt ja auch das Höhlengleichnis Platos.

 3 Denn jeder Hohepriester wird eingesetzt, um Gaben und Opfer darzubringen. Darum muss auch dieser etwas haben, was er opfern kann. 4 Wenn er nun auf Erden wäre, so wäre er nicht Priester, weil da schon solche sind, die nach dem Gesetz die Gaben opfern. 5 Sie dienen aber nur dem Abbild und Schatten des Himmlischen, wie die göttliche Weisung an Mose erging, als er die Stiftshütte errichten sollte (2.Mose 25,40):

 Was alle Priester verbindet, ist ihre Funktion:Gaben und Opfer darzubringen. Jeder muss etwas haben, das er opfern kann – das gilt für die Erde wie für den Himmel. Aber so wie der Himmel höher ist als die Erde, sind auch die himmlischen Opfer weiterreichend als die irdischen. Sie haben ja Anteil an der himmlischen, der göttlichen Wirklichkeit.

 »Sieh zu«, sprach er, »dass du alles machst nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist.« 6 Nun aber hat er ein höheres Amt empfangen, wie er ja auch der Mittler eines besseren Bundes ist, der auf bessere Verheißungen gegründet ist.

 Das ist noch einmal Rückerinnerung: Die Stiftshütte ist Abbild des himmlischen Vorbildes, sie ist nicht das Original. Dahinter steht ein Gedanke, der bis heute unmittelbar einleuchtend erscheint: Das Original ist von anderer Wertigkeit als jede noch so gute Kopie. Jeder Kunsthändler und Kunstsammler stimmt hier sofort zu. So ist eben dann auch hier: Die himmlische Stiftshütte ist das Original. Der Bund, der in ihr besiegelt ist, ist der bessere Bund mit den besseren Verheißungen.

7 Denn wenn der erste Bund untadelig gewesen wäre, würde nicht Raum für einen andern gesucht. 8 Denn Gott tadelt sie und sagt (Jeremia 31,31-34): »Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da will ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen, 9 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss an dem Tage, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen. Denn sie sind nicht geblieben in meinem Bund; darum habe ich auch nicht mehr auf sie geachtet, spricht der Herr. 10 Denn das ist der Bund, den ich schließen will mit dem Haus Israel nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz geben in ihren Sinn, und in ihr Herz will ich es schreiben und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. 11 Und es wird keiner seinen Mitbürger lehren oder seinen Bruder und sagen: Erkenne den Herrn! Denn sie werden mich alle kennen von dem Kleinsten an bis zu dem Größten. 12 Denn ich will gnädig sein ihrer Ungerechtigkeit, und ihrer Sünden will ich nicht mehr gedenken.«

 Es folgt, sozusagen als Schriftbeweis, das Zitat der Bundesverheißungen aus dem Propheten Jeremia. Das ist einer der Texte, an denen ich hänge. Wenn der Hebräer-Brief diese Verheißung aufnimmt, dann doch um zu sagen: Das ist erfüllt. Wir tragen das Gesetz Gottes, das Gebot nicht mehr als fremdes Wort. Wir haben es in uns, unserem Herzen als der Mitte unseres Wollens und Fühlens, als erneuerte Menschen. Das Wort wohnt in uns und wir können es bewahren. Wir sind daran gebunden als an den Willen, den wir selbst wollen, dem wir, innerlich gewonnen, folgen.

 Und weiter noch: Weil das Gebot im Herzen wohnt, braucht es keine Belehrung mehr. Die Vergebung der Sünden lehrt uns Gott zu erkennen, wie er ist: Gnädig und barmherzig. Wir sind nicht mehr blind für Gott, weil wir verblendet sind durch unsere Trennung von ihm. Und der Geist lehrt uns verstehen, was Gott will. An die Stelle lehrhafter Vermittlung durch Menschen tritt das Wort und Wirken des Geistes. Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind.” (Römer 8,16) Und weil Gott für diesen Bund steht, einsteht, darum ist er wirklich in Kraft. Tragfähig und belastbar in Ewigkeit. Das alte Wort des Jeremia wird so zum Leitwort im Verständnis des Hebräer-Briefes.

 13 Indem er sagt: »einen neuen Bund«, erklärt er den ersten für veraltet. Was aber veraltet und überlebt ist, das ist seinem Ende nahe.

Überholt. Veraltet. Aufgehoben. Mir gefällt es besser: Überboten. Mir gefällt besser: Durch den Neuen Bund wird der Alte Bund in neuer Weise aufgegriffen und ausgelegt. Das Alte Testament kennt ja eine Folge an Bundesschlüssen – angefangen beim Segenswort an Adam und Eva: „Seid fruchtbar und mehrt euch!(1. Mose 1,28) über den Bund mit Noah zum Bund mit Abraham, dem Bund mit Jakob bis zum Sinai-Bund und dann zur Ankündigung des neuen Bundes bei Jeremia. Nie ist der neue Bund dadurch gekennzeichnet, dass er den alten Bund außer Kraft setzt. Er wird wie ein neuer Mantel um ihn gelegt, greift ihn auf und entwickelt ihn weiter.

Darum halte ich nicht mehr so viel von der Theorie der Enterbung Israels, die sich gerne ja auch auf solche Formulierungen wie hier gestützt. hat. Im Neuen Bund lebt der Alte Bund fort. Gott bleibt allen seinen Bundesschlüssen treu. Allen! Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.“ (Römer 11,29) Auf dieser Linie würde ich auch gerne verstehen, was der Hebräer-Brief sagt, nicht polemisch als Ende des Alten Bundes, sondern werbend, einladend in den Neuen Bund, zu Christus rufend.

Herr Jesus                                                                                                                            Du trittst für uns ein                                                                                                               Du bringst uns vor Gott                                                                                                         sprichst für uns                                                                                                                     Du öffnest uns den Himmel

Hilf Du                                                                                                                                   dass wir die Erde so gestalten                                                                                            wie es im Himmel schon ist                                                                                                   Hilf uns                                                                                                                                   Deinen Willen zu suchen                                                                                                        das Vertrauen auf Dich einzuüben

Mache uns gewiss                                                                                                            dass die Wirklichkeit des Himmels                                                                                       die Erde verändern wird                                                                                                    dass alles Leid hier aufgehoben wird                                                                                    weil das Deiner Güte entspricht

Du kommst mit uns an Dein Ziel. Amen